Bangen um Erholungsort Burgsteinfurt - Fernradwanderweg Westtangente?

 

Gedanken zum Artikel "Blickpunkt Straßenbau - Absolute Fehlplanung" in der MZ vom 14.04.2010

 

Bild 1 - Bericht in der Münsterschen Zeitung vom 14.04.2010; Text Christian Bödding, MZ-Grafik Nina Schmolke

 

 

Die folgende Aussage im obigen Bericht war schon ein echter Schocker! Zitat: "Um den Titel Erholungsort zu bekommen, durften nur 17.000 Fahrzeuge am Tag durch die Innenstadt fahren. Das wurde gezählt. Für die Westtangente müssen 21.000 Fahrzeuge täglich durch die Stadt. Das wurde kurz darauf auch gezählt."

 

Ei der Daus! In einer mir allerdings unbekannten, aber offensichtlich nicht allzu langen Zeitspanne eine glatte Steigerung von 4.000 Autos pro Tag! Aber es kommt noch schlimmer! Die Politik möchte ja bekanntlich die Innenstadt von Burgsteinfurt für den Kraftfahrzeugverkehr öffnen. Autofahrer aus dem gesamten Umfeld werden dann wohl in Scharen zum Shoppen in die Stadt einfallen und die Verkehrsdichte in noch ungeahntem Maße steigern. Vor allem fahren die ja dann immer im Kreis rum auf der verzweifelten Suche nach einem Parkplatz. Mehrfachzählung ist daher im Bereich des Möglichen und treibt die Anzahl der Fahrzeuge in der Stadt noch weiter in immense Höhen. Ogottogottogott!

 

Wenn nun mal jemand zufällig eine Verkehrszählung in Burgsteinfurt durchführt, ist dann der schöne, lang ersehnte und heiß begehrte Titel „staatlich anerkannter Erholungsort“ futsch?

 

Außer Spesen nichts gewesen? All diese vielen schönen Autos sind natürlich wertlos für die Westtangente. Schließlich wollen die Besitzer zum Einkaufen in die Stadt und nicht auf der neu geplanten Kreisstraße spazieren fahren.

 

Bevor jetzt ein falscher Eindruck entsteht: ich möchte die Westtangente auf gar keinen Fall verteufeln.

 

Der Schwerlastverkehr und die ewig Eiligen möchten die meistens verstopfte Stadt natürlich gerne umgehen – ist auch ganz gut so, die lassen eh kein Geld hier und blockieren lediglich die Innere Umgehung von Burgsteinfurt noch mehr. Dank der bis dahin abgerissenen Eisenbahnbrücke (die war bisher eine echte Einschränkung wegen der zu geringen Durchfahrthöhe und -breite!) donnern die Schwerlastzüge dann mit mindestens 30 km/h über Veltruper Kirchweg, Im Hasfeld und Karl-Wagenfeld-Straße Richtung Westtangente und umgekehrt - immer schön den Verkehrshindernissen zur Regulierung der Geschwindigkeit ausweichend - durch das stetig wachsende Wohngebiet im Süden Burgsteinfurts. Vielleicht lässt man irgendwann aber auch wieder eine Geschwindigkeit von 50 km/h zu, damit man die durchfahrenden Autos zum Wohl der Anlieger schneller los ist!

 

Dieser Schleichweg ist zwar heute schon bekannt und wird auch bereits sehr gerne genutzt, aber bisher nur zwischen Blocktor und Leerer Straße. Eine Erweiterung durch die Westtangente fördert die Nutzung der verbindenden und ohnehin schon sehr stark belasteten Wohnstraßen für den Durchgangsverkehr natürlich enorm. Nachteilig wird nun sein, dass die Bewohner der südlichen Wohngebiete von der Stadt abgeschnitten werden: zu viel Verkehr, Stoßstange an Stoßstange auf den Durchgangsstraßen Richtung Westtangente und umgekehrt. Daher sollte man auf gar keinen Fall vergessen, auch hier ein Einkaufszentrum für die notwendige Versorgung dieser betroffenen Bürgerinnen und Bürger gleich mit einzuplanen.

 

Nicht verschweigen möchte ich ein weiteres echtes Problem: durch die Verkehrsdichte können die Radwanderer des Luxus-Radfernwegs „Schlossallee“ den geplanten Übergang über den Veltruper Kirchweg nur noch unter extremer Lebensgefahr kreuzen. Die Eisenbahnbrücke ist ja bald weg, und wer bremst, ist bekanntlich feige. Die haarsträubenden Situationen im Bereich dieser Brücke kann man übrigens jetzt schon alltäglich erleben und der Radwanderweg ist noch nicht mal da!

 

Auch unser Landrat wäre schwer betroffen. Er wohnt nämlich auf der falschen Seite von Burgsteinfurt, weil er ebenfalls unter Lebensgefahr den Veltruper Kirchweg queren muss. Da wir ihn aber unbedingt brauchen - was wäre schließlich ein Landkreis ohne Landrat - müsste er seine Dienstgeschäfte von Zuhause aus erledigen. Ob das der richtige Weg wäre?

 

Eigentlich könnten wir also den Schlossalleen-Radweg gleich hier am Veltruper Kirchweg enden lassen, kommt wohl eh kaum noch einer rüber. Und damit wäre eine direkte Fortführung des Luxus-Radwanderweges Richtung Horstmar eher rausgeschmissenes Geld. Was könnte man da alles einsparen!!!

 

Vielleicht gäbe es jedoch durch eine weiträumige Umgehung des Engpasses die Möglichkeit, wieder zurück auf den Luxus-Radwanderweg über die ehemalige Bahntrasse Richtung Coesfeld zu leiten. Sogar den schutzwürdigen Zauneidechsen in dem betroffenen Gebiet würde man damit einen Riesengefallen tun. Man sollte einfach mal drüber nachdenken!

 

Und dann ist da noch der Schulweg für die schulpflichtigen Süd-Burgsteinfurter. Wie kreuzen die eigentlich künftig die neue „innere Umgehung“? Brückenbau ist ja bekanntlich zu teuer, Untertunnelung der Straßen wird auch nur äußerst ungern angenommen (s. Anbindung Friedenau).

 

Mein Vorschlag: eine der demnächst frei werdenden Schulen in Steinfurt umziehen, z.B. zum Pferdekamp. Es wird sich doch wohl noch ein Plätzchen dafür finden lassen, liegt dort dann aber auch wirklich schön zentral in den stark expandierenden bzw. im Zuge der heiß gewünschten Westtangente zusätzlich neu geplanten Wohngebieten.

 

Nun sollte  ich aber endlich mal aufhören mit den vorstehenden, hoffentlich nie real werdenden Horrorvisionen, obwohl diese Liste sehr umfangreich weiter geführt werden könnte. Themen gäbe es wirklich noch genug!

 

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle noch mal auf die Westtangente eingehen, denn ich bin im Grunde ja gar nicht dagegen. Nur hätte ich eine andere Verwendung dafür, nämlich als Radwanderweg. Hat darüber eigentlich schon mal jemand nachgedacht? Sie werden sich jetzt wahrscheinlich verwundert die Augen reiben und denken, was soll das nun wieder.

 

Ich versuche, es Ihnen mal zu erklären:


Ich wohne zufällig direkt gegenüber vom Kreislehrgarten am Fernradwanderweg 29 (der u.a. über den Veltruper Kirchweg geführt wird) und sehe täglich Scharen von Radwandergruppen am KLG vorbeibrettern. Gelegentlich gelingt es mir, eine Gruppe anzuhalten und sie in den Kreislehrgarten zu locken. Die weitaus meisten Gruppen geben mir jedoch bei voller Fahrt zu verstehen, dass der enge Terminplan der Tour keine außerplanmäßige Rast zulässt.

Da ich in der Regel und nach Wunsch und Möglichkeit eine trotzdem pausierende Gruppe gerne in den Kreislehrgarten begleite, erfuhr ich in den vielen bisherigen Gesprächen auch, wo das Problem offensichtlich liegt: Die Fernradtour-Teilnehmer wussten überhaupt nichts von Steinfurt. Weder Bagno, historische Altstadt, Schloss, Mühlen, Fischtreppen, Houth'scher Garten noch Kreislehrgarten waren ihnen ein Begriff geschweige denn waren Zeitansätze für eine entsprechende Besichtigung in der Tourenbeschreibung vorhanden.

 

Ich habe zwar überhaupt keine Ahnung, woran das liegt, weiß doch schließlich sogar jedes Kind hier in Steinfurt um die Vorzüge und Sehenswürdig-keiten unserer Heimat, aber wieso wissen die professionellen Tourenplaner das eigentlich nicht???

 

Kommen wir zurück zum Fernradwanderweg 29! Er biegt nach Passieren des Veltruper Kirchwegs direkt an der Einmündung der Karl-Wagenfeld-Straße in die Leerer Straße ein (genau da, wo auch die Westtangente starten soll) und wird dann weiter Richtung Horstmar, Billerbeck usw. geführt. Wie schön wäre es jetzt, über eine Westtangente-Radstrecke diesen Radwanderern die Alternative einer direkten Anbindung an den bekannten Radwanderweg nach Metelen oder nach Ochtrup bzw. Wettringen anzubieten. Die an der Westtangente angrenzenden Höfe könnten z.B. nach norddeutschem Vorbild „Milchhäuser“ (Melkhus oder auch Melkhuis) anbieten, den dankbaren Radlergruppen viel Gutes tun und somit noch viel mehr (Rad)Wanderer in unsere Region locken.

 

Außerdem wäre die Westtangente als Radwanderweg wesentlich kostengünstiger als die zur Zeit geplante Variante als zweite „innere Umgehung“, und man braucht auch nur einen Bruchteil der landwirtschaftlichen Fläche. Autos haben wir schließlich schon genug, die fahren aber nur unsere Straßen kaputt und verstopfen die Stadt, so dass sich kaum noch was bewegt. Touristen können wir jedoch gar nicht genug bekommen, denn die sind es, die die Millionen in die Stadt bringen. Man muss es nur schaffen, ihnen diese aus dem Portemonnaie zu ziehen. Und wenn es uns schon nicht gelingt, die Gäste in den Stadtbereich zu locken, sollten wir sie trotzdem nicht ohne reichlichen Umsatz zu Gunsten der Stadtkasse an Steinfurt vorbei ziehen lassen.

 

Außerdem wäre die Radweg-Westtangente wohl etwas Einmaliges, was andere Orte in unserer Region nicht sofort kopieren würden, auch wenn sie noch so erfolgreich wäre wie z.B. unser Erfolgsmodell Wohnmobil-Parkplatz an der Liedekerker Straße.

 


 

 

Fazit: Die Westtangente als Radwanderweg hätte eigentlich nur Vorteile!

 

Die Bauerschaft könnte als weiteres Standbein eine gepflegte und gesunde Gastronomie ausbauen, bei deren Nutzung einem nicht durch den Autoverkehr die Füße plattgefahren werden wie auf dem Burgsteinfurter Markt. Ach ja, wäre da nicht auch ein Musterhof à la Bauer Ewald drin? Haben wir nämlich noch nicht in unserer Region! Und Urlaub auf den Bauernhof fernab jeglichen Autoverkehrs, für Radwanderer ideal zu erreichen?

Den Fernradfahrern wird eine weitere hervorragende Möglichkeit angeboten, fernab der verstopften städtischen Straßen einer Stadt, über die sie ohnehin keine oder nur wenig Informationen haben, die heile Welt der Münsterländischen Parklandschaft zu erkunden. So was kann eigentlich nur den Tourismus und die Akzeptanz der Radwanderer fördern!!!

Die Befürworter der Westtangente hätten trotzdem ihre Westtangente und sich somit ein Denkmal gesetzt.

Die Gegner eben dieser geplanten inneren Stadtumgehung hätten den zerstörerischen Autoverkehr durch diese Region verbannt und sich somit auch ein Denkmal gesetzt, weil sie die Natürlichkeit dieser Region erhalten haben.

Die Süd-Burgsteinfurter können aufatmen, denn sie sind nicht mehr vom Rest der Stadt mit seinen hervorragenden Einkaufsmöglichkeiten abgeschnitten und könnten ihre Kaufkraft wieder der Stadt Steinfurt zur Verfügung stellen. (Füllt die Stadtkasse!)

Die Kinder können wieder ihre alten Schulen besuchen und verlieren weder die alten Freundeskreise noch ihre Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.

Schulen brauchten also auch nicht mehr umzuziehen und ersparen der klammen Stadtkasse sehr hohe zusätzliche und außerplanmäßige Ausgaben.

Die Wohnstraßen im südlichen Neubaugebiet halten wesentlich länger, weil sie nicht so stark vom Schwerlastverkehr überansprucht werden.

Die Gefahr der Bildung eines Ghettos Burgsteinfurt Süd als reines Wohngebiet ohne Einkaufsmöglichkeit und ohne Zugang zum liebenswerten Stadtleben und diesbezüglichem Gemeinschaftssinn sowie dazugehöriger Kultur ist auch nicht mehr gegeben!

Der Schlossallee-Luxusradweg steht nach Fertigstellung wieder uneingeschränkt als  d i e  regionale Radwandererattraktion schlechthin für jedermann zur Verfügung, allerdings wegen nun fehlender Eisenbahnbrücke mit Höhen und Tiefen oder besser gesagt mit Gefälle und Steigungen, und

mit den Zauneidechsen wird man auch noch eine einvernehmliche Lösung finden.

Sogar unser Landrat könnte nun wieder relativ ungefährdet sein Kreishaus erreichen und seinen Dienstgeschäften zum Wohle aller nachgehen!

 

So weit so gut. Wir wissen zwar auch noch nicht, was die Zukunft bringen wird (unsere Kristallkugel ist gerade verschütt und unsere Kartenleserin hat zur Zeit ihren wohlverdienten Jahresurlaub) und werden auch wohl nichts beeinflussen können, aber wir halten Sie natürlich hier auf diesen Seiten weiterhin auf dem Laufenden!

 

Bis es was Neues gibt, können Sie sich jedoch zunächst auf der Homepage der Steinfurter Interessengemeinschaft gegen die Westtangente über die Thematik und Problematik informieren:

www.wt-steinfurt.de

 

Fortsetzung folgt!

 


Text: Willi Tebben

Pressebericht:

Bild 1: Bericht in der Münsterschen Zeitung vom 14.04.2010; Text Christian Bödding, MZ-Grafik Nina Schmolke


 

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