Neu in Burgsteinfurt - Hochsicherheits-Areal im Gewerbegebiet Sonnenschein

 

Der Burgsteinfurter Wertstoffhof

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Ab und zu führt mich der Zufall zu einem besonderen Ort, über den es sich zu schreiben lohnt. Zwischen 2 Höhepunkten des Marktschreier-Wettbewerbs am Freitag, den 07.04.2006 war mir nach einer kleinen Radtour zumute, denn die Radwandersaison ist ja nicht mehr fern und ein wenig Training ist nie verkehrt. Ich fuhr also fröhlich pfeifend mit meinem Fahrrad die Meteler Stiege entlang und stieß plötzlich etwa in Höhe der Bahnstrecke Münster-Enschede auf eine schier endlose Autoschlange, die sich während meines Überholvorgangs noch stetig vergrößerte.  

 

 

Natürlich wurde sofort meine Neugierde geweckt, denn was gibt es hier im Gewerbegebiet, wo so viele Menschen gleichzeitig hinwollen? Nachdem ich an einer großen Zahl PKWs vorbeigefahren war, die da so rumstanden – die Fahrzeuginsassen hinterließen bei mir den Eindruck, dass sie ihr Ziel gar nicht schnell genug erreichen konnten – machte die Fahrzeugschlange einen scharfen Knick nach rechts und ich sah ganz weit hinten etwas, das ich aus dieser Entfernung nicht so recht deuten konnte. Mir fiel allerdings auf, dass sich nach wie vor kein Auto in dieser Schlange bewegte. Die kühnsten Gedanken schossen mir durch den Kopf.

Ich hatte schon oft gelesen von dem liebsten Hobby der 
Deutschen, Staus auf der Autobahn zu suchen, um sich später damit brüsten zu können dass „mein Stau der Längste in diesem Jahr war und ich mittendrin!“ Sollte sich hier etwa eine Sparvariante dieser Leidenschaft auf Grund der mittlerweile stark gestiegenen Spritpreise entwickeln nach dem Motto: „Stau ist Stau, und warum immer so weit fahren? Das können wir vor Ort auch.“ 

Da ich nicht mehr der Jüngste bin und manchmal schon ein bisschen vergesslich, machte ich ein paar Erinnerungsfotos, stellte mein Fahrrad auf einen Parkplatz ab und machte mich zu Fuß auf den Weg, um raus zu finden, wo die alle hinwollten.

Leider hatte ich vor lauter Aufregung vergessen, dass ich meine Kamera noch in der Hand hielt und war sehr verwundert, dass mich fast jeder ansprach, ob ich von der Presse wäre. War ich natürlich nicht, aber doch ein wenig erstaunt über die aggressive Stimmung, die hier vorherrschte.

Nach einiger Zeit erreichte ich mein Ziel. Es war ein eingezäuntes Gelände, stark bewacht, und zufällig fand ich auf der rechten Seite des Zauns ein Schild. Mir fiel es beim Lesen wie Schuppen aus den Haaren. Natürlich, der neue Wertstoffhof von Burgsteinfurt. Zur Erinnerung knipste ich auch das Schild. Das hätte ich aber besser nicht getan. Die Aufsicht raste auf mich zu, fuhr mich an: „Hier ist absolutes Fotografierverbot !!!“ Völlig eingeschüchtert wagte ich den Einwand: „Aber ich habe doch nur das Schild mit den Öffnungszeiten fotografiert.“ War aber auch verboten, also Bild sofort wieder gelöscht. Habe trotzdem nirgendwo einen Hinweis entdeckt, das auf dieses Verbot hinwies. Man kann ja nicht alles wissen!


Ich packte endlich meine Kamera ein, denn ich hielt ja nun ungewollt den ganzen Betrieb auf, weil das Aufsichtspersonal ausschließlich auf mich fixiert war, und ging ein paar Meter zurück. Aus sicherer Entfernung beobachtete ich nun staunend, mit welcher Perfektion das hier ablief. Jedes Fahrzeug wurde kontrolliert, der Personalausweis der Insassen verlangt, anschließend folgte ein kurzes Beratungsgespräch. Ich war sprachlos! Endlich mal lückenlose Aufklärung, wenn es auch zeitaufwändig war. Aber Sicherheit geht nun mal eben vor. Schließlich werden hier hochwertige Wertstoffe angeliefert und da ist für Schlendrian einfach kein Platz. 

 

Was spielt es da für eine Rolle, wenn das eine oder andere Fahrzeug nach längerer Wartezeit aus der Schlange ausschert und unverrichteter Dinge wieder nach Hause fährt. Allerdings stellte ich hier wie früher am alten Wertstoffhof in der Johanniterstraße fest: Von Service immer noch keine Spur. Kein Bratwurststand, kein Getränkeangebot, ja nicht mal eine mobile Toilette. Weit und breit auch kein Baum oder Gebüsch, um im Notfall ein klein wenig Deckung zu bieten. Das nenne ich allerdings Grausamkeit pur! 

 

Wo ist der gute alte deutsche Pioniergeist geblieben? Gibt es denn wirklich niemand, der bereit ist, 2x die Woche in den Nachmittagsstunden den Verdurstenden und Verhungernden eine kleine Überlebenschance zu bieten? Würde auch der Stimmung gut tun, denn die ist an diesem Freitag, den 07.04. 2006 so hochexplosiv gewesen, dass hier ein Krieg hätte entstehen können. Und am Dienstag zuvor soll es noch wesentlich schlimmer gewesen sein. 

 

Kleiner Tipp an die Politik: Lassen Sie sich hier mal blicken und unterhalten Sie sich mit den Wartenden, am Besten kurz vor den Wahlen. Hier können Sie wirklich punkten, im Extremfall leider auch ein paar Stimmen verlieren. Sie wüssten in dem Fall aber wenigstens warum und wären vorbereitet. Denn hier vernehmen Sie die ehrliche und ungeschminkte Stimme des Volkes. Aber ich stelle gerade fest, dass ich das eigentlich gar nicht schreiben, sondern nur über den Wertstoffhof berichten wollte. Also vergessen Sie den Tipp gleich wieder.

 

Ja, und endlich fuhr ein Wagen vom Platz, und der nächste konnte zu den Containern fahren. Ich erlebte erneut eine Überraschung. Warum konnte das Auto den Platz einfach verlassen, ohne erneut kontrolliert zu werden? Hatte denn hier gar keiner Angst, dass Wertstoffe entwendet werden? Das könnte noch eine kleine Sicherheitslücke sein und man sollte vielleicht mal intensiv darüber nachdenken.

 

Eins habe ich während dieser Zeit aber nicht rausbekommen. Warum ein absolutes Fotografierverbot? Was haben die hier zu vertuschen? Oder geht es wirklich nur um den wertvollen Lagerbestand, den man nicht finsteren Zeitgenossen in die Hände fallen lassen möchte durch z.B. Werkspionage? Oder gibt es noch andere, für den normal denkenden Menschen nicht nachvollziehbare Gründe? Ich weiß es nicht und bin mir auch nicht sicher, ob ich das je herausbekommen werde.

Für mich steht lediglich fest: Diese knappe halbe Stunde meines Aufenthalts vor dem Wertstoffhof hat mich als einen eher etwas sensibel einzustufenden Zeitgenossen wohl sehr nachhaltig geprägt: Ich traue mich nicht mehr dort hin, und das will was heißen nach meinen früheren Erlebnissen mit diesen Einrichtungen! ( siehe Bericht Wertstoffhof Johanniterstr.)


Zu Hause habe ich als erstes in meiner Sammelsurium-Schublade nachgesehen, ob ich noch die alten Meldekarten für Sperrmüll und Elektroschrott habe. Sie waren noch da, ich kann daher weiterhin beruhigt schlafen – also kein Alptraum Wertstoffhof.

 

Gleichzeitig heißt das aber auch: Ich kann diesbezüglich keine Berichte mehr liefern. Und genau an diesem Punkt hätte ich einen Vorschlag. Beschreiben Sie doch einfach mal Ihre Erlebnisse mit dem neuen Burgsteinfurter Wertstoffhof und schicken Sie diese an die Kontaktadresse von Stenvorde.de. (Kleiner Tipp: wenn es ein längerer Text sein sollte, schreiben Sie ihn mit Hilfe eines Texteditors oder eines Schreibprogramms und kopieren ihn in das Nachrichten-Fenster. Ist komfortabler!) 

 

Wir würden uns riesig freuen, Ihren Bericht zu veröffentlichen. Allerdings können wir keine anonymen Zuschriften annehmen, außerdem möchten wir uns natürlich auch gerne bei Ihnen schriftlich bedanken. Veröffentlicht würde lediglich Ihr Name unter dem Artikel, keinerlei weitere persönliche Daten! 

 

Aber an dieser Stelle noch ein kleiner dezenter Hinweis von uns: Sie schreiben im vorstehenden Fall nicht nur für den regionalen Bereich, sondern präsentieren es außerdem unseren interessierten Besuchern weltweit, wie nebenstehender Bildausschnitt aus der Log-Datei von www.stenvorde.de bestätigt. 


Aber bitte haben Sie keine Scheu davor. Ich habe bei meinen vielen Reisen im Bundesgebiet (einschl. neuer Bundesländer) eine Menge Wertstoffhöfe besichtigt, aber einen wie in Burgsteinfurt bisher nicht gefunden. Daher sei die Frage erlaubt, aus welchem Grund man der weiten Welt diese Einmaligkeit vorenthalten sollte. Vielleicht macht unser Steinfurter Beispiel Schule und schafft weltweit neue und wichtige Arbeitsplätze? Steinfurt ist ja schließlich weltoffen und würde seine Erfahrungen sicher gern weitergeben!

 

 

 

Im IV. Quartal 2006 stellte man schließlich fest, dass die angelieferte Wertstoffmenge alle früheren Planungen über den Haufen geworfen hatte: sowohl die Menge wie auch die Entsorgungskosten hatten sich schlichtweg verdoppelt. So ging es also nicht weiter, neue Ideen mussten her!

 

Was man sich hierzu in Stemmert einfallen ließ, lesen Sie auf unserer Seite 3

 

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Text: Willi Tebben

Bilder: Willi Tebben


 

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