Vorträge in Steinfurt

 

Der Stadtarchivar der Stadt Steinfurt zu Gast beim Heimatverein in der Niedermühle

 

Steinfurt, 12.02.2008 - "Das Stadtarchiv ist kein verstaubter Aktenberg mehr" - ein Vortrag von Dr. Ralf Kloetzer.

 

Die Niedermühle konnte kaum die Interessierten fassen, die sich den Vortrag von Dr. Ralf Kloetzer über das Stadtarchiv anhören wollten.


Zuerst informierte der Referent über seinen beruflichen Werdegang. Nach dem Abitur im Frankfurter Raum studierte er Geschichte und Geographie, was er 1982 mit dem Staatsexamen abschloss.

 

Um mit der Täufergeschichte in Münster zu promovieren, wechselte er zur Uni Hamburg. Damit begann sein Kontakt mit Westfalen, der dann noch 1990 vertieft wurde, als seine Frau eine Anstellung in Münster erhielt.

 

Auch für ihn selbst gab es in Münster viele berufliche Möglichkeiten. So arbeitete er als Angestellter und freier Mitarbeiter in verschiedenen Archiven: Staatsarchiv, Stadtarchiv, Westfälisches Archivamt.

 

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter war er außerdem noch für den Altertumsverein Paderborn tätig.

 

Seit 2001 ist er bei der Stadt Drensteinfurt in Teilzeit beschäftigt, um das Adelsarchiv Landsberg-Velen aufzuarbeiten.

 

Außerdem ist er an einem Forschungsprojekt: „Häuserbücher der Stadt Münster“ beteiligt.

 

Zwischendurch erwarb er in einem Fernstudium eine Zusatzqualifikationen im Archivwesen.

Bild 1

 

Bild 2 - Dieses Bild lässt sich durch Anklicken des Fotos

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Von diesem vielseitigen Wissen und reichhaltiger Archiv-Erfahrungen profitiert nun heute die Stadt Steinfurt, wo Dr. Kloetzer seit November 2005 als Stadtarchivar angestellt ist. Die Einarbeitung ist ihm anfangs nicht leicht gefallen, war doch die Stelle, infolge Erkrankung des Vorgängers, 1 1/2 Jahre nicht besetzt. Trotzdem ist es ihm wichtig zu betonen, dass er dank der systematischen Arbeit seiner beiden Vorgänger Fritz Hilgemann und Hans Walter Pries eine gute Grundlagenarbeit vorfand, um hierauf aufzubauen.

 

Zwar bestreitet er nicht, sich in so einem kleineren Kommunalarchiv als Einzelkämpfer zu fühlen, kann das aber zum Teil durch die Zusammenkünfte der Archivare auf Kreisebene und vor allem durch seine Kontakte nach Münster, die er natürlich regelmäßig weiter pflegt, ausgleichen.

 

Das Archiv fordert ihn aber auch, beinhaltet es doch nicht nur viele wertvolle mittelalterliche Überlieferungen, sondern auch umfassende Dokumentationen der früheren Neuzeit beider Ortsteile.

 

Dazu kommt der geistige und räumliche Spagat zwischen dem Verwaltungsarchiv in Borghorst und dem historischen Archiv in Burgsteinfurt. Für seinen Mitarbeiter und ihn bedeutet es immer wieder eine neue Herausforderung das archivwürdige Aktenmaterial auszusuchen, weil man dabei 100-500 Jahre im voraus denken muss, um es dann den sachlich richtigen Beständen zuzuweisen. Dass das höchstens 5%-10% sind, haben die Erfahrungswerte mittlerweile gezeigt.

 

Auch das Bewahren und Erhalten ist eine wichtige Archivaufgabe. Als Beispiel zeigte Dr. Kloetzer eine Urkunde von 1359, die beim Jahrhundert- Hochwasser 1946 so zerstört wurde, dass darauf heute nichts mehr zu erkennen ist. (s. Bild 3)

 

So muss er sich mit aktueller Luftfeuchtigkeit der Archivräume, mit Papierentsäuerung, P-H Werten, mechanischen Beanspruchungen, Rostfraß und anderen Schadensfaktoren auseinandersetzen.


Besonders wichtig ist ihm, das Image von Archiven aufzuwerten. Handelt es sich doch nicht mehr um geheimnisumwitterte Kellerräume, wo verstaubte Aktenberge ungeordnet lagerten und unzureichend verwaltet wurden, sondern um moderne Dienstleistungsbetriebe mit einem Manager, der für die Bevölkerung mit Rat und Tat da sein will.

 

Um das umzusetzen, bemüht er sich in jedem Jahr mit neuen Sachthemen und Darstellungsformen an die Öffentlichkeit zu treten, um gegenüber Jedermann das Archiv zu öffnen.

 

Die Öffnungszeiten des Stadtarchivs im Ortsteil Burgsteinfurt, An der Hohen Schule, sind Dienstag- und Freitagmorgen von 8.30 – 12.30 Uhr.
 

Am deutschlandweiten Archivtag, am 02. März 2008 sind besondere Aktivitäten geplant.

 

Bild 3 - Schätze müssen erhalten bleiben, vor Feuer und Wasser geschützt werden. Wie wichtig es ist Archivbestände zu sichern, erklärte Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer anhand eines „Mahnmals“, der ältesten Urkunde des Stadtarchivs. Das antike Dokument „Urkunde für eine Zustiftung“, ausgestellt im Jahre 1359, wurde durch das Jahrhundert-Hochwasser 1946 bis zur Unkenntlichkeit zerstört (siehe Foto). Zum Glück wurde ein Foto vor der Naturkatastrophe von dem historischen Original für das Stadtarchiv gefertigt.

 

 

Text: Gottfried Bercks

Text Bild 3: Hermann-Josef Pape

Fotos: Hermann Josef Pape


 

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