Speicher auf dem Hof Schulze Veltrup

 

heute: Café Haus Veltrup

 

 

Der Hof Schulze Veltrup - früher auch Schulte tho Veltorpe - ist zweifellos der Haupthof der Bauerschaft Veltrup. Er liegt in exponierter Lage - ähnlich wie die ehemalige Burg Ascheberg in Hollich - mit Blick über die weite Talung bis hin zum Schöppinger Berg. Es ist anzunehmen, dass der Hof ein alter sächsischer Herrschaftssitz war. Warum der Hof diese Stellung nicht halten konnte und später in die Abhängigkeit absank, ist nicht bekannt.

 

Erst 1369 erfahren wir aus einer Urkunde des Schlossarchivs, dass Schulze Veltrup bischöflicher Eigenhöriger war und als Pfand dem Edlen von Steinfurt gegeben wurde. Allerdings kann er nicht lange vorher dem Bischof gehört haben, da das Bistum Münster in seiner Frühzeit keinen Besitz im Scopinggau hatte.

Als im letzten Weltkrieg in der Nähe des Hofes Flakstellungen ausgebaut wurden, ist neben einigen Scherben ein vollständig erhaltenes Dreikubbengefäß aus einem Grabe der älteren Bronzezeit entdeckt worden, was den Schluss zulässt, dass dieses Land schon ca. 1500 vor Christus besiedelt war.

 

Trotz der Eigenhörigkeit hatte der Hof Schulze Veltrup eine herausgehobene Stellung in der Bauerschaft. Heißt es doch in einer Weisung des Gogerichts zur Sandwelle im Jahre 1395, daß der Schulze Veltrup die Einwohner der gleichnamigen Bauerschaft zum Gericht aufbieten solle. Es ist außerdem mehrmals überliefert, dass Schulze Veltrup Bauernrichter war.

 

Auf dem Lageplan (Bild 2) ist die alte Hofanlage noch in der Ursprünglichkeit dargestellt, die leider unserer schnelllebigen Zeit geopfert wurde. Am 8.7.1972 brannte das Hofgebäude ab. Die Torscheune wurde abgebrochen, da sie größeren Fahrzeugen im Wege war. Auch die Gräfte wurde zugeschüttet.

 

Glücklicherweise ist der Speicher erhalten geblieben, und wie schon eingangs erwähnt 1989 saniert und einer neuen wirtschaftlichen Nutzung zugeführt worden. Der Speicher stand bis 1972, als die Gräfte zugeschüttet wurde, auf einer Speicherinsel inmitten eines Gräftenteiches, die vom Haupthaus aus durch einen Steg erreichbar war.

Bild 1 - Speicher im Jahre 1962

Bild 2 - Lageplan ehem. Hof Schulze Veltrup

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Der Speicher selbst steht zweigeschossig auf einem ca. 50 cm ins Erdreich eingetieften Sockelgeschoss. Die Außenwände bestehen aus unregelmäßig vermauerten 50 - 60 cm dicken Sandsteinen mit deutlicher Eckverquaderung.

 

Die Fenster des Sockelgeschosses an der Süd- und Westseite und die Tür an der Ostseite sind mit Gewänden aus Bentheimer Sandstein eingefasst.

Die Fenster haben zusätzlich senkrecht stehende, vierkantige Gitterstäbe, die mit den scharfen Kanten gegeneinander gerichtet gesetzt sind.

 

Bei der Sanierung tauchten zugemauerte Schießscharten mit innenliegenden Lichtnischen auf, die aber nicht wieder freigelegt wurden.

 

Die ebenerdige Kellertür schneidet teilweise, wie bei Wesseling, in das untere Speichergeschoss ein. In dem Sturz oberhalb der Kellertür ist der Speicher mit 1832 datiert.

 

Wahrscheinlich ist zu diesem Zeitpunkt der eingeschossige Fachwerkspeicher abgebrochen, mit einem massiven Erdgeschoss versehen, dann das Fachwerkgerüst wieder aufgesetzt worden.

 

Bei der 1989 durchgeführten Sanierung fand diese Annahme durch den Zustand der Erdgeschossbalken (ausgefütterte, gezapfte Balkenköpfe) ihre Bestätigung. Der Fachwerkaufbau ist vermutlich dem 17. Jahrhundert zuzuordnen.

Über ein Sandsteingesims ist das untere Speichergeschoss gegenüber dem Sockelgeschoss ein wenig nach innen versetzt.

 

Die Außenwände bestehen aus im Kreuzverband gemauerten Feldbrandsteinen in den Abmessungen von ca. 24 x 12 x 6 cm, die von außen neu verfugt sind.

 

Die Eingangstür an der Ostseite und die Fenster sind mit Eichenholzgewänden eingefasst. Die Geschosshöhe beträgt 2,40 m.

 

Der Fachwerkaufbau des oberen Speichergeschosses besteht aus 6 Gebinden, die auf einer Fußschwelle stehen. Im Wandgefüge sind kurze Kopfstreben und im Querverbund aufgelegte Ankerbalken vorhanden.

Die Ausmauerung der Gefache besteht aus Feldbrandsteinen mit den Abmessungen von ca. 20,5 x 10 x 4,5 cm.

 

Im Inneren des Gebäudes sind die Ankerbalken durch unprofilierte, aber ausgerundete Knaggen abgestützt.

 

Die Giebeldreiecke kragen über abgerundete Endbalken 16 cm vor. Dies ist in der Süd- und Nordansicht deutlich zu erkennen.

 

Das Fachwerk ist in voller Giebelhöhe ausgemauert. Oberhalb des Giebelrandbalkens ist eine Rollschicht gesetzt und die Feldbrandsteine am Giebelgesims sind in Ziersetzung gemauert.

 

In Höhe des Spitzbodenriegels sieht man am Ostgiebel einen auskragenden Eichenbalken, der eine hölzerne Seilrolle trägt. Diese ist durch eine dachförmige Brettabdeckung gegen Witterung geschützt.

 

Mittig unter dem First befanden sich unterhalb der Seilrolle in beiden Geschossen Türen, die im Zuge der Sanierung zu Fenstern umfunktioniert wurden.

 

Über Holztreppen gelangt man in die einzelnen Geschosse. Die Fußböden auf den Balkenlagen bestehen aus 4 cm starkem Bohlenbelag. Alle Türen sind Brettertüren mit Ouerriegeln, die eine fischgrätartige grünweiß gestrichene Aufdoppelung aufweisen.

 

In der Nordostecke des Speichers stand ein Schornstein, der wahrscheinlich im Zuge jüngerer Baumaßnahmen errichtet wurde. Da er versottet war und Frostschäden zeigte, ist er im Zusammenhang mit der Sanierung im Jahre 1989 abgebrochen worden.

 

Bild 3 - Renovierter Speicher (Januar 1991)

Bild 4a - Sockelgeschossgrundriss - alter Bestand

Bild 4b - Erdgeschossgrundriss - alter Bestand

Bild 5a - Obergeschossgrundriss - alter Bestand

Bild 5b - Dachgeschossgrundriss - alter Bestand

Bild 6a - Schnitt - alter Bestand

Bild 6b - Ostansicht - alter Bestand

Bild 7a - Südansicht - alter Bestand

Bild 7b - Westansicht - alter Bestand

 

Bild 8 - Nordansicht - alter Bestand

Bild 9 - Nordwestansicht (August 1989)

 

 

Weitere Informationen über das Café & Bauernkunststube Haus Veltrup finden Sie hier!

 

 

Text: Gottfried Bercks

Zeichnungen: Gottfried Bercks

Fotos: Wilhelm Alff

 

Dieser Bericht wurde übernommen aus der Broschüre "Steinfurter Schriften Band 19 - Die Speichergebäude in den Burgsteinfurter Bauerschaften Hollich, Sellen und Veltrup" von Wilhelm Alff und Gottfried Bercks.

Für die Genehmigung bedanken wir uns ganz herzlich bei den beiden Autoren und beim Stadtarchivar der Stadt Steinfurt, Herr Dr. Klötzer.

 

Wenn Sie mehr über die Speichergebäude in den Burgsteinfurter Bauerschaften wissen möchten: Die Broschüre "Steinfurter Schriften Band 19" kann noch im Stadtarchiv der Stadt Steinfurt erworben werden. Kopien von der Titelseite und vom Inhaltsverzeichnis finden Sie hier.


 

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