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Die Geschichte der Sellener
Schule
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| Burgsteinfurt. Das Jahr 1877 brachte für die Sellener
Kinder einen wichtigen Einschnitt: Mit der Aufnahme des
Unterrichts in der neuen Sellener Schule entfielen für sie die
langen Wege nach Burgsteinfurt. Bereits fünf Jahre vorher
hatten die Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Bauerschaft
um die Errichtung dieser Schule begonnen. 1875 hatte man an
der Landstraße von Burgsteinfurt nach Ochtrup ein passendes
Grundstück gefunden. Der Eigentümer Georg Peter Hegelich
überließ es dem Schulvorstand für etwa 850 Taler. Ein Jahr
später errichtete der Zimmermann Mühlenkamp aus Höpingen
darauf das Schulhaus. |
| Jahrhundertelang waren die Kinder aus den Bauerschaften
gezwungen, den beschwerlichen Weg zur Schule in die Stadt zu
nehmen. Dieser Zustand war für die Eltern nicht tragbar, was
sich daran zeigte, dass ab dem 18. Jahrhundert Versuche
unternommen wurden, so genannte Klippschulen einzurichten.
Besonders im Winter wurde, was nicht genehmigt war, auf
verschiedenen Höfen unterrichtet. Teilweise versuchten
Lehrkräfte aus der Stadt trotz Verbots auf diese Weise ihr
mageres Gehalt aufzubessern. Auch Saisonkräfte, die lediglich
des Lesens und Schreibens kundig waren, wurden von den Bauern
engagiert. |
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| Von Ausnahmen abgesehen war es um die schulische
Versorgung der Bauernkinder auch im Sommer oft nicht besser
bestellt. Selbst die kleineren Kinder wurden schon zum
Viehhüten und zu leichteren Arbeiten auf den Höfen
herangezogen und mussten aus diesen Gründen häufig auf den
Unterricht verzichten. Obwohl die Kinder der Bauerschaften das
Angebot der Stadtschulen in nur geringem Maße ausnutzten,
waren die Bauern verpflichtet, das Schulgeld für das ganze
Jahr zu zahlen. Erst seit 1818 wurden gezielte Anstrengungen
unternommen, den Missständen mit dem Bau eigener Schulen zu
begegnen. Im November dieses Jahres wenden sich 18 Hollicher
Bauern mit einer Eingabe an den Fürsten zu Bentheim-Steinfurt,
aber erst am 16. November 1829 konnte der erste Lehrer,
Heinrich Twente, in das neue Schulgebäude und in sein Amt
eingeführt werden. |
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Bild 1 -
Pausentanz auf dem Schulhof der Sellener Schule. In
Spitzenzeiten wurden dort bis zu 50 Kinder unterrichtet.
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Für die
Einwohner von Sellen und Veltrup wird diese Schule zum Stein
des Anstoßes: Zusammen mit den Bürgern der Stadt sollen sie
aus Gründen einer gleichmäßigen Belastung zur Mitbestreitung
der Kosten herangezogen werden. Daraufhin beauftragen 54
angesehene Bürger den Justizkommissar Deiters mit der Führung
eines Prozesses gegen die Bauerschaft Hollich. Am 24. Oktober
1833 unterzeichnen elf Veltruper Bauern ein Papier, in dem sie
sich weigern, irgendwelche Kosten für die Hollicher Schule zu
übernehmen. Als bei verschiedenen Zahlungsunwilligen in Stadt
und Kirchspiel Pfändungen durchgeführt werden, kommt es sogar
zum offenen Streit. Nach einigen Tagen ist zwar die Ruhe
wiederhergestellt, zu einem endgültigen Prozessentscheid kommt
es erst Ende 1840: Die Klage wird abgewiesen.
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Über die Entwicklung der Sellener Schule ist nicht allzu
viel bekannt, da sämtliche Schulunterlagen im 2. Weltkrieg
verloren gegangen sind. Bekannt aber ist, dass 1910 ein neues
Schulgebäude errichtet wurde, so dass von da an der Unterricht
zweiklassig durchgeführt werden konnte. In der Endphase des
letzten Krieges dient es den Engländern als Truppenunterkunft.
Doch bereits am 3. September 1945 erlaubt der britische
Oberbefehlshaber die Wiederaufnahme des Unterrichts in Stadt
und Land. Die Sellener Schule wird zu diesem Zeitpunkt von 87
Kindern besucht, davon 43 Jungen und 44 Mädchen. Durch Zuzug
von Ostvertriebenen steigt die Schülerzahl 1950 auf 104; ab
1958 pendelt sie sich auf rund 60 Kinder ein.
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| Ab 1952 heißt die Schule „Evangelische Volksschule
Burgsteinfurt - Sellen" und wird von der Stadtverwaltung nur
als unbedeutende Zweigstelle der städtischen evangelischen
Volksschule angesehen. Darunter leiden die Ausstattung von
Schule und Dienstwohnungen der Lehrer, beispielsweise wird das
Gebäude erst im Herbst 1958 an das städtische Wassernetz
angeschlossen. Am 1. August 1968 wird aus der Volksschule die
Grundschule Sellen, die Kinder im Hauptschulalter müssen zur
Mittelpunktschule Burgsteinfurt. Am 1. August 1970 wird der
Unterricht nach über 90 Jahren ganz eingestellt. |

Bild 2 - Im Jahr 1910 wurde ein zweites Schulgebäude mit
angrenzender Lehrerwohnung errichtet, weil die alte Schule
mittlerweile zu klein geworden war.
Jetzt konnte man
2-klassig unterrichten.
(siehe hierzu
auch
Der Rundgang - Seite 3 von 4)
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Bild 3 - Einschulungsjahrgang Sommer 1968
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Bild 4 - Entlassungsjahrgänge Sommer 1970. Die Sellener Schule
wird nun geschlossen.
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Eine Funktion hatte es von nun an nur noch als
Lagerraum. Für die Stadt war die weitere Unterhaltung zu
kostspielig, der Abriss war eigentlich schon besiegelt, bis
eine kleine engagierte Gruppe Sellener Bürger das Haus
retten wollte. Schnell waren sie sich einig, für den Erhalt
des Gebäudes und damit auch ein Stück der eigenen
Kulturgeschichte zu kämpfen.
Ende 1993 stellte diese Interessengemeinschaft den Antrag,
40 000 Mark, die ursprünglich als Kosten für den Abriss
bereitgestellt werden sollten, als Grundstock für den
Wiederaufbau zu verwenden. Das Geld hat der Verein zwar nie
bekommen, dafür aber die Zusage der Stadt, ihm das Gebäude
zur Einrichtung eines Schulmuseums zur Verfügung zu stellen.
Ende 1994 war der Förderverein offiziell aus der Taufe
gehoben, das Werk konnte beginnen.
Sein Ziel war und ist es, die kulturgeschichtliche Bedeutung
der „Sellener Schule" zu dokumentieren, der Nachwelt zu
erhalten und die Pflege des ländlichen Brauchtums zu
fördern.
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Seither haben die Fördervereinsmitglieder viel
unternommen, um Geld zu sammeln. Der Verein war auf
unterschiedlichen Märkten und Stadtfesten mit einer Cafeteria
vertreten, war an der Burgsteinfurter 650-Jahr-Feier
beteiligt, hat historische Modenschauen zur Regionale
veranstaltet, Führungen organisiert, Neujahrskuchen gebacken.
Die Einnahme sind zu 100 Prozent in den Wiederaufbau gesteckt
worden. Die Arbeitsstunden, die dafür geopfert wurden, sind
nie gezählt worden. Zweimal wurden
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Maurer-, Tischler- und
Sanitärarbeiten bewilligt. Den Rest haben freiwillige Helfer
des Vereins in Eigenleistung gestemmt.
Darüber dürfen sich Stadt und Land gemeinsam freuen: Fast
zwölf Jahre nach seiner Gründung ist der Förderverein Sellener
Schule jetzt am Ziel und konnte am 13. Mai 2006 das
Landschulmuseum an der Ochtruper Straße einweihen. Großes
Engagement wurde aufgebraucht, viel Zeit und Kraft wurden
investiert, aus dem fast baufälligen Gebäude ein neues
Schmuckstück für die Stadt Steinfurt zu machen, das wie kein
zweites den Alltag von Schülern und Lehrern dokumentiert und
Zeugnis bäuerlichen Lebens abgibt.
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| Der Förderverein des Sellener Landschulmuseums hat sich
schon neue Ziele gesteckt. Die Arbeit wird nach einer kurzen
Erholungspause fortgesetzt. Der Dachboden soll ausgebaut und
dort Raum für eine Dokumentation bäuerlichen Lebens und seiner
Strukturen geschaffen werden. Sitten und Bräuche, Handel und
Wandel, Glauben und Christentum sowie das Schützenwesen sollen
aufgearbeitet werden, kündigte Annegret Arning an und bat um
weitere tatkräftige Unterstützung des Vereins. |
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| Text: Dirk Drunkenmölle - Zitate aus mehreren Berichten
zum Sellener Landschulmuseum, am 10. und 15. Mai 2006 im
Steinfurter Kreisblatt erschienen |
| Bilder: Willi Arning (Bild 1 und 2); Ingrid König (Bild
3 und 4) |
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