Das Schloss in Burgsteinfurt - Die Oberburg

       

Das Schloss

Die Unterburg (Vorburg)

Die Oberburg

 

Bild 1 - Die Oberburg

Bild 2 - Der Torturm

Das Äußere der Oberburg: Sie bildet heute ein geschlossenes, gut überschaubares Oval. Rings wird sie von einer starken, bis zu 2,5 m dicken Wehrmauer aus dem 12. und 13. Jahrhundert umgeben. An der Seite zur Schlossmühle kann man sie noch deutlich erkennen.

 

Allerdings war sie ursprünglich noch etwa 4 m höher, wie man an dem Törchen am Torturm sieht. Dieser ist ein wuchtiges Bauwerk, fast ohne Öffnungen. Er hatte die niedrige, rundbogige Toreinfahrt zu schützen.

 

Deshalb trug er ursprünglich - der aufmerksame Betrachter kann es noch an schwachen Bauspuren erkennen - als oberen Abschluss einen Zinnenkranz. Die lustige welsche Haube, die so gar nichts Wehrhaftes hat, trat erst 1696 an seine Stelle.

 

Vor dem Torturm lag früher natürlich eine Zugbrücke. Die heutige Steinbrücke an der gleichen Stelle mit ihren beiden Bögen, den 4 Eckpfeilern und dem durchbrochenen Geländer ist eine hübsche Erfindung des Architekten Nordhoff von 1888.

 

Bild 3 - Blick vom Torhaus zum Torturm  

Bild 4 - Diese Steinbrücke zur Oberburg ...

Bild 5 - ... hat die frühere Zugbrücke abgelöst

Die berühmteste und immer wieder abgebildete Ansicht des Schlosses ist die Ostseite.

 

Hier hat man nach und nach die Wohngebäude einfach auf die dicke Ringmauer aufgesetzt, und zwar zunächst im Süden, und dann immer weiter nach Norden. Unsere Betrachtung beginnt also bei den jüngsten Teilen und verfolgt somit die Baugeschichte rückwärts.

 

Wo heute der schmale, hohe Wohntrakt anfängt, an der Nordspitze also, stand bis 1773 ein mächtiger Steinturm. Er hatte einen Durchmesser von 19,5 m und über 5 m dicke Mauern. Dieser "Buddenturm" (d. h. Buten = Außenturm) war ein mächtiges Festungswerk aus der Zeit vor 1164.

 

Solche Anlagen durften nur die freien Adligen errichten, die sog. Dynasten also, die niemandem außer dem König Untertan waren. Derartige Türme waren nicht allein notwendiges Bollwerk, sondern auch stolzes Zeichen der Unabhängigkeit.

 

Erst zur Zeit der stehenden Heere im 18. Jahrhundert verloren sie ihren militärischen Wert. So trug man von 1773-93 den Turm ab und errichtete aus seinen Steinmassen fast sämtliche Bauwerke des Bagnos. Heute ist keine Spur mehr von ihm zu finden.

 

Der lange Wohntrakt auf der Ostseite bietet zunächst nichts Besonderes. Eine endlose Folge gleicher Fenster kennzeichnet diesen schlichten Barockbau von 1723-29.

 

Bild 6 - Das Wohngebäude
 

Bild 7 - Die Ostseite der Oberburg
 

Auch der nach Süden anschließende „Neue Saal" sitzt mit seinem Oberstock auf der Ringmauer. Ihre Höhe reicht bis 1,20 m unter die Bänke der oberen Fensterreihe. Die Form der Fenster ändert sich jetzt. 3 Steinkreuz- und 2 Steinbrückenfenster deuten auf ein höheres Alter hin. In der Tat stammen sie aus den Jahren 1556-61.

 

Damals wandelte die Gräfinwitwe Walburg die alte, unwohnliche Festung in ein Wohnschloss um. Auf die Wehrmauer konnte man verzichten, weil das alte Gemäuer den modernen Feuerwaffen doch nicht mehr hätte standhalten können. Die Burg konnte ihren Bewohnern höchstens noch Schutz gegen plötzliche Überfälle bieten. So wurde aus der Burgmauer die Außenmauer des Wohnschlosses.

 

Noch weiter nach Süden folgen die ältesten Teile der Anlage. Allerdings muss man hier vorsichtig sein; denn die so altertümlich romanisch anmutende Fensterreihe zu Füßen der Mauer ist eine Zutat Nordhoffs von 1878. Dieser „Blumengang" verbindet die beiden großen Säle des Schlosses miteinander.

 

Über diesem Gang sieht man drei Rundbogenfenster. An ihrer Tiefe kann man gut die enorme Mauerstärke ablesen. Sie gehören zu der eigenartigen, äußerst interessanten Schlosskirche, einer Doppelkapelle. Diese besteht aus einer Unter- und einer Oberkirche, ist also zweistöckig. Verbunden sind beide durch eine kleine, etwa 1 qm große Öffnung in der Zwischendecke.

 

Wir finden diesen merkwürdigen Typ nur in der Romanik an Schlossbauten des freien Adels bis hin zu den Kaiserpfalzen. Der Oberstock diente als Schlosskirche, während der meist kreuzförmige Unterstock für den Totenkult bestimmt war. Frühchristliche Grabbauten haben für diesen Typ Pate gestanden.
 

Bild 8 - ein beliebtes Fotomotiv

Bild 9 - Der Innenhof der Oberburg

 

Noch weiter nach Westen stößt ein quadratisches Gebäude mit hohem, gotischem Treppengiebel weit über den alten Mauerring vor. Es beherbergt den Rittersaal. Die Spitzbogenfenster geben ihn als ein frühgotisches Gebäude aus der Mitte des 13. Jahrhunderts zu erkennen, sein Mauerwerk entstammt aber noch der Romanik. Form und Lage dieses Bauteils geben zu der (bisher noch nicht eindeutig bewiesenen) Vermutung Anlass, dass sich hier der älteste Kern der Burganlage befindet.

 

Den Entstehungsvorgang könnte man sich etwa so vorstellen: An der Aa, oberhalb der steinernen Furt, warf man im frühen Mittelalter einen künstlichen Hügel auf, der nur wenig höher als seine Umgebung war. Um ihn leitete man den Fluss als Gräfte herum.

 

Auf dem Südteil der so entstandenen Insel baute man einen festen, quadratischen Wohnturm. Da er nach allen Seiten, selbst nach der geschützten Hofseite hin, etwa 2 m dicke Mauern hat, wird er ursprünglich frei gelegen haben.

 

An der Ostseite der Insel errichtete man etwas später einen mächtigen Festungsturm, den Buddenturm, um den man das Erdreich zu einem Hügel aufwarf, der seine Umgebung um etwa 4 m überragte. Diesen frühen Festungstyp der Turmhügelburg bezeichnet man auch als „Motte".

 

Erst im hohen Mittelalter entstand die heutige Rundburg, indem man beide Teile mit einer gemeinsamen Mantelmauer umgab und den Innenhof am Wohnturm etwa 2 m höher anschüttete.  

INNERES DER OBERBURG: Über die Brücke von 1888 betritt man den Burghügel, der ringsum schräg zur Burgmauer ansteigt. Der Torturm und das rechts anschließende Gebäude liegen in einer geraden Flucht. Sie haben früher zusammen die fast 3 m dicke, sehr hohe Schildmauer gebildet, die mittelalterliche Burgen an der Eingangsseite schützte.

Bild 10
 







Bild 11 - Blick auf den Torturm

Bild 12 - Die Südseite der Burg

 

 

Bild 13 - Südansicht

Neben dem Tor stehen zwei merkwürdige Gefäße aus Gusseisen. Sie haben die Form griechischer Vasen, deren Henkel von Schwänen gebildet werden. Kaum jemand wird vermuten, dass man hier Zimmeröfen vor sich hat. Den Eingang flankieren vier holländische Feldkanonen aus der Zeit um 1700. - Hat man den tunnelartigen Eingang mit seinem Tonnengewölbe durchschritten, so ist man sicherlich über das Bild des Innenhofes erstaunt. Anders als beim geschlossenen Äußeren der Oberburg bietet sich hier ein Anblick vielgestaltiger, locker aneinandergereihter Gebäude. Sie sollen entgegen dem Uhrzeigersinn beschrieben werden. An die Südseite des Torturms lehnen sich das Archiv und das fürstliche Rentamt an. Das einfache Gebäude hat im Untergeschoss zwei dreiteilige Steinkreuzfenster und im Obergeschoss eine Reihe einfacher Fenster. Geradezu rührend mutet der Versuch an, die nüchterne Wandfläche zu beleben. Friesartig ziehen sich an ihr 4 Felder aus Kalkstuck entlang, in denen Widderköpfe und Zierscheiben zusammenhanglos sitzen. Über der Toreinfahrt sind drei unterschiedlich gute Wappensteine von 1600, 1706 und 1715 angebracht. Der älteste, mittlere, zeigt in zwei kleinen Medaillons das gräfliche Ehepaar, das diesen Bau errichtete.

 

Ein gutes Beispiel westfälischer Renaissancearchitektur ist der hohe Treppenturm von 1596 in der Nordwestecke. Auch er besitzt neben den üblichen zweigeteilten einige dreiteilige Steinkreuzfenster. Man glaubt sie dem münsterschen Steinmetzen Heinrich Münsterweg zuschreiben zu können, der wenige Jahre vorher an der Hohen Schule gleiche Fenster angebracht haben soll.

 

Der Turm gliedert sich durch waagerechte Gesimse klar in 7 Stockwerke, von denen aber nur die 4 unteren als Treppenhaus dienen. Oben liegen noch 3 Zimmer übereinander. Türme dieser Art mit Turmkammern und Plattform waren um die damalige Zeit sehr beliebt. Sie dienten den adligen Besitzern zur Beobachtung der Gestirne, aus deren Stand man die Zukunft zu deuten versuchte.

 

Neben dieser astrologischen Liebhaberei wollten die Grafen aber sicher auch durch die Errichtung eines dritten Burgturmes ihren freiadligen Stand herausstreichen. In den Fenstern des Treppenhauses befinden sich zahlreiche hübsche Glasmalereien von 1652 und später mit Wappen, Köpfen, Figuren und Sinnsprüchen. 

 

Das Gebäude mit dem hohen Treppengiebel ist der Rittersaal. Das Innere zeigt ein für den Raum Westfalen einmaliges Bild. Ein untersetzter Mittelpfeiler trägt auf breiten Spitzbögen 4 quadratische Kreuzgewölbe. Sie sind hoch und weit gespannt und mit dicken, wulstartigen Rippen unterlegt. Hier schuf sich das kraftvolle Rittertum des 13. Jahrhunderts einen ihm gemäßen Raum. Die Rippen setzen in den Saalecken auf niedrigen Säulchen an, die reiche Kapitelle tragen.

 

Etwas vergröbert wiederholen sich Motive, die an der Stiftskirche zu Langenhorst etwa um 1220 verwendet wurden. Hierdurch bekommen wir einen Anhaltspunkt über die Errichtung dieses bemerkenswerten Saales, die gegen 1250 erfolgt sein muss. Damals wird man auch die tiefen Fensternischen an den beiden Außenseiten auf ihre heutige Form gebracht haben. Die steinernen Füllungen sind allerdings Zutaten von 1877.

 

Aus dieser Zeit stammen ebenso der heutige Mittelpfeiler und einige Wandkonsolen. Der spätgotische Kamin an der Südwand wurde 1970 angebracht. Er kommt aus dem Münsterhof in Horstmar. Als Schmuck des Saales dienen zwei Ritterrüstungen. Eine von ihnen hat noch Originalteile des 16. Jahrhunderts, die im vorigen Jahrhundert ergänzt wurden; die andere ist eine komplette Nachahmung aus dieser Zeit.

 

Unter den Ölgemälden, die Portraits männlicher Mitglieder des Grafenhauses darstellen, fällt das Bildnis des Grafen Arnold IV. von 1605 auf. Er war der Erbauer der Hohen Schule und führte das reformierte Bekenntnis in der Grafschaft ein. Die anderen vier Bilder stammen aus dem 18. Jahrhundert und sind von sehr unterschiedlicher Qualität. 

 

Das schiefwinklige Verbindungsstück zwischen Rittersaal und Kapelle, kleiner Hoek genannt, muss nach Ausweis seiner frühgotischen Bauformen von etwa 1250 stammen. Da es einen Wandkamin aus der Erbauungszeit besitzt, dürfte es der damals einzige heizbare Raum der Burg gewesen sein und als Winterstube gedient haben. - Außen folgt auf den Rittersaal ein unübersichtlicher Bauteil mit verschiedenen rundbogigen Türen und Fenstern. Manche von ihnen besitzen alte Substanz, andere sind Erneuerungen von 1898. Hinter ihnen verbirgt sich die bedeutende Doppelkapelle. (Zutritt nur mit Sondererlaubnis durch den mittleren Eingang über eine Wendeltreppe.)

 

Die Unterkirche dieser romanischen Burgkapelle vom Ende des 12. Jahrhunderts dient schon seit 1312 als Keller und ist erst kürzlich wiederhergestellt worden. Der Raum besteht aus einem zentralen Gewölbejoch, an das sich weitere Joche kreuzförmig anschließen.

 

Über einem einfachen Stützsystem in den Ecken erheben sich ziemlich flache, kuppelige Gewölbe, die sich zunächst zu Graten formen, dann aber zum Scheitel hin verschwinden. Da man bei der Restaurierung den ursprünglichen Wandverputz nicht wieder angebracht hat, kann man die Gewölbetechnik, wie sie in Westfalen kurz vor 1200 öfter angewandt wurde, aus nächster Nähe studieren.

 

Im Scheitel des Mittelgewölbes sieht man eine kleine quadratische Öffnung, die für doppelstöckige Kapellen des Mittelalters typisch ist. Sie ist ein Zitat der Öffnung über dem Grab Christi in der Grabeskirche in Jerusalem. 


Die ritterlichen Brüder Rudolf und Ludolf von Steinfurt könnten sie auf einem Kreuzzug ins Heilige Land kennen gelernt haben. So gibt sich die Unterkirche als eine Wiederholung des hl. Grabes zu erkennen. Gleichzeitig sollten die Seelen der Verstorbenen, deren Leiber vor der Bestattung in der Unterkirche aufgebahrt wurden, am Segen des Gottesdienstes in der Oberkirche teilhaben, wofür die räumliche Verbindung die Voraussetzung war.  

 

Die Oberkirche ist ein Meisterwerk romanischer Baukunst auf kleinstem Raum. Kräftige kreuzförmige Pfeiler ohne verzierte Kapitelle tragen 7 ziemlich flache Gratgewölbe. Scharfe, klare Linien und eine gewollte Raumenge bestimmen den Eindruck.

 

Ob das nordöstliche Joch mit seinem jüngeren Rippengewölbe immer zum Raum gehört hat, ist fraglich. Wenn nicht, dann wäre der kreuzförmige Charakter des Raumes früher noch deutlicher gewesen. Immerhin haben wir auch heute noch einen ungerichteten Raum vor uns, der sich auf seinen Mittelpunkt konzentriert.

 

Das Urbild eines solchen Zentralbaus liegt in den Palastkapellen des Ostens, vor allem im Byzantinischen Reich mit seiner Hauptstadt Konstantinopel. In dieser Verwandtschaft zu herrscherlichen Bauten zeigt sich wieder der Hoheitsanspruch des freien Adels im Mittelalter. 

 

Zwei wichtige Kunstwerke stammen aus dem Kloster Frenswegen bei Nordhorn, das 1809 aufgelöst wurde und in Bentheim-Steinfurtschen Besitz gelangte. Es sind dies zwei lebensgroße Sandsteinfiguren von der Hand des Johann Mauritz Gröninger aus Münster.

 

Er war der bedeutendste Barockbildhauer seiner Zeit in Westfalen. Die Kreuztragung von 1689 und die Pieta von 1693 vereinigen in sich überzeugend westfälisches Streben nach Gefühlstiefe und hochbarockes Formstreben flämischer Bildhauer aus der Schule des Artus Quellinus in Antwerpen. 

 

Bild 14 - hier noch mal der Innenhof
aus einer anderen Perspektive 

Außen schließt sich an die Kapelle eine Gebäudegruppe an, die durch ihre vier sehr unterschiedlichen Baukörper besonders malerisch wirkt. Diese bilden zusammen das Wohnhaus der Gräfin Walburg v. Brederode, das sie 1558-59 errichten ließ.

 

Gleich neben der Kapelle liegt ein vorspringendes Giebelhaus. Erst 1661 wurde es dem älteren Teil vorgeblendet. Es trägt einen schlanken Giebel in der münsterischen Dreistaffelform mit einem Muschelaufsatz mit Kugeln.

 

Leider bedrängt es arg den älteren Treppenturm, der früher an drei Seiten frei vor der Wand stand. Auch die anschließende Doppeltreppe mit ihrem recht wuchtigen Balustergeländer und dem übergiebelten Portal ist erst später vorgebaut worden, und zwar in hochbarocker Zeit um 1720.

 

So ist von dem Wohnhaus der Gräfin Walburg außen nur noch der prächtige ,,Utstich“, der Erker von 1559, sichtbar. Er ist eines der bedeutendsten Werke westfälischer Renaissancearchitektur und das einzig erwähnenswerte dieser Zeit im Kreis Steinfurt. Sein Schöpfer war der Bildhauer Johann Brabender, genannt Beldensnyder, aus Münster. Dieser Künstler, der lange in gotischen Formen gearbeitet hatte, gibt sich hier voll auf der Höhe seiner Zeit.

 

Das Anliegen der Renaissance ist rein verwirklicht, ein Bauwerk ganz nach den Gesetzen von Stütze und Last, von Senkrechter und Waagerechter zu gestalten. 

 

 

Bild 15 - Der Erker von 1559

So erhebt sich über einem kräftigen Fundament aus ungeschmückten Quadersteinen zuerst ein Sockel. Aus ihm wachsen vier Wandpfeiler empor, die oben ein breites Quergesims tragen. Ihm entspricht im Innern die lastende Decke.

 

Das zweite Stockwerk wiederholt diesen Aufbau in gleicher Reihenfolge. Als Abschluss muss man sich einen zur Mitte ansteigenden Giebel mit 3 kugelbesetzten Muscheln vorstellen, der heute verschwunden ist. Aus der Durchdringung von Senkrechter und Waagerechter entstehen viele rechteckige Felder. Sie sind mit prächtigem Ornamentwerk versehen und wirken wie gerahmte Bilder. All die beliebten Zierformen der Renaissance sind zu finden: Ranken, Tier- und Menschenmasken, Zierscheiben, Wappen und Blattwerk.

 

Diese aus Italien stammenden Motive waren damals durch Kupferstecher aus Nürnberg und den Niederlanden, aber auch durch Heinrich Aldegrever aus Soest über Deutschland verbreitet worden. Beldensnyder erlaubt sich noch einen kleinen Scherz: Solche Utstiche dienten eigentlich dazu, das Geschehen auf Straßen und Höfen vom Fenster aus zu verfolgen.

 

Nun zeigt sich im Oberstock in einem Feld, in dem ein Fenster sein müsste, die Gräfin Walburg mit ihrem Sohn, auf Kissen auf die Brüstung gelehnt. Dieses Relief soll also die nicht sichtbare Wirklichkeit vortäuschen.

 

Nach links schließt sich ein langer Flügel von 1729 an. Architektonisch ist er nicht beachtenswert. 

 

Hinzuweisen wäre noch auf die zahlreichen Wappenreliefs in den Wänden. An ihnen kann man die Geschichte des Hauses Bentheim-Steinfurt, aber auch die Besonderheiten der Wappengestaltung, die Heraldik, studieren.

 

Bild 16 - Eines der bedeutendsten Werke westfälischer Renaissancearchitektur

Vor der Ringmauer, neben dem Torturm, findet man noch zwei bemooste Sockelsteine. Auf ihnen sind Felsen, Wassertiere und Pflanzen im Relief dargestellt. Sie stammen aus dem Bagno und scheinen die Münder von Springbrunnen getragen zu haben.

 

Beim Verlassen des Hofes gewahrt man noch in der Toreinfahrt einen riesigen Tonkrug. Seine Herkunft ist unbekannt. Er scheint ein italienischer Wein- oder Ölkrug aus christlicher Zeit zu sein.

 


Beschreibungen zitiert aus: Unterwegs im Kreis Steinfurt, hg. vom Kreis Steinfurt 1980, Gesamtherstellung: Druckhaus Cramer, Greven.

Textbearbeitung: Willi Tebben, Fotos: Günther Hilgemann (Bilder 2 - 6 und 8 - 16); Willi Tebben (Bild 1 und 7)


Eine Galerie mit Schlossimpressionen von Günther Hilgemann finden Sie hier.


Einige dieser Motive sind auch bei Rundgängen und Führungen für Besucher nicht zugänglich, da es hier um Privatbereiche des Schlosses handelt.
 

wird fortgesetzt

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