|
Mittelalterliche Mess- und
Planungsmethoden bei der Entstehung der Burgsteinfurter
Altstadt und des Bagnos.
|
|
Dieser Beitrag erhebt nicht den Anspruch einer
wissenschaftlichen Dissertation, nur eine Idee welche
zum Weiterforschen anregen soll.
©
Rainer Wiese |
Liebe Leserin, lieber Leser,
der nun folgende Bericht ist weder eine
Abhandlung von wissenschaftlichen noch historischen Untersuchen,
sondern beruht nur auf Annahmen auf Grund von Erkenntnissen, die
in einigen anderen historischen Städten mehr oder weniger
nachgewiesen wurden. In vielen Fällen wurden und werden jedoch
auch diese Forschungsergebnisse noch angezweifelt.
Trotzdem finde ich die folgenden
Aussagen und Thesen hochinteressant und meine, dass man diesen
Bericht durchaus als Anregung zum Nachdenken, Forschen,
Diskutieren oder -wenn tatsächlich Wahrheiten vorhanden sein
sollten- zur Bestätigung veröffentlichen sollte. Vielleicht
können uns die Historiker, Geschichtsforscher usw. etwas mehr
über die neuesten Erkenntnisse der geschichtlichen Entwicklung
und Vergangenheit von Burgsteinfurt berichten.
Es ist in vielen Veröffentlichungen
zwar eigentlich schon alles dazu gesagt, geschrieben bzw.
nachgewiesen worden, aber wir haben bei früheren hier bei uns
veröffentlichten Dissertationen oder Ausarbeitungen immer wieder
zu hören bekommen, dass diese veralteten Darstellungen längst
überholt sind und man bei späteren Forschungen ganz andere
Ergebnisse gewonnen hätte.
Vielleicht könnte dieser Bericht eben
auch ein Anstoß sein, das eine oder andere Wissen mal aus einem
neuen Blickwinkel zu betrachten.
Egal wie das ausgeht: wir würden uns
sehr freuen über eine Mitteilung zum Wahrheitsgehalt dieses
Berichts.
Bis dahin bleibt es auch für uns
zunächst eine abenteuerliche These, aber wie bereits gesagt eine
hochinteressante, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen! -
Anm. der Stenvorde-Redaktion
|
|
Anlass für meine Überlegungen war die Vermutung, dass der
gräfliche Baudirektor Joh. Joest und der Gartenplaner und
Freimaurer Schatzmann die im Mittelalter üblichen Methoden der
Vermessung und Stadtplanung auch bei der Planung und Anlage des
Bagnos verwendet haben. Die besondere Funktion der Parkanlage
als Lehrstück zur „Aufklärung“ für die westfälische Bevölkerung
ließen mich das vermuten. (Mehr dazu in späteren Abschnitten).
Die Erklärungen zur Altstadtvermessung müssen noch genauer
begründet und im Einzelnen rekonstruiert und untersucht werden.
Untersuchungen aus Bayreuth erhärten aber meine Vermutung, dass
es sich auch bei der Altstadtanlage von Burgsteinfurt um eine
geplante Stadtanlage und nicht um eine gewachsene Stadt handeln
muss.
Früheste Ansiedlungen befanden sich im heutigen Bereich
Kirchstrasse und Zitadelle, dem sog. Friedhof. Ein Begriff aus
der Zeit als sich in einem Heiligen Bereich (Freyung) erste
Siedler niederließen um aus der naturgegebenen Landschaft Nutzen
zu ziehen. Mit der Ansiedlung von Burgmannshöfen außerhalb des
unmittelbaren Burgbereiches wurde die Befestigung und damit eine
nach damaligen Methoden durchzuführende Stadtplanung
erforderlich.
|
|
Gründungslinie
Siedlungsgeographische Überlegungen müssen immer an den Beginn
jeder Überlegung einer Stadtgründung gestellt werden. Der zu
besiedelnde Raum musste seiner Natur nach besondere
Eigenschaften besitzen und sich zur Besiedelung anbieten. Die
erste Tätigkeit der mittelalterlichen Vermesser bei der
Absteckung des zukünftigen Stadtgrundrisses im Gelände bestand
in der Festlegung der Gründungsachse, gefolgt von der Einplanung
zweier Stadttore (Torgeometrie).
Mit diesem ersten Arbeitsschritt wurden bereits wesentliche
Entscheidungen zu Lage und Ausrichtung der Stadt in ihrem
natürlichen Umfeld und unter Berücksichtigung der beengten
topographischen Situation (Hügel, Flüsse) getroffen, die
Auskunft über die zur Gründungszeit vorhandene räumliche
Situation geben. (Diese Vorgaben stellen sich bei der Anlage des
Bagnos nicht. Hier war aber die harmonische Anlage in die
bestehenden Strukturen des bereits bestehenden Altstadtkerns zu
berücksichtigen.)
Die Richtung der
Gründungsachse legte bereits die ungefähre Lage der späteren
Kirch- und Wasserstraße fest, bei der im Prinzip die Ausrichtung
übernommen wurde. In Burgsteinfurt dürfte dieses der Verlauf der
alten Salzhandelslinie gewesen sein, also der Feinabschnitt
zwischen Borghorst und Rheine Bentlage.
Bei der Planung des
Bagnos war die Gründungslinie anders. Hier ging es in erster
Linie um die Anlage des Bagnoquadrates als repräsentativem Corps
de Logis nach dem Vorbild von Schloss Clemenswerth. Diese Anlage
war 8-strahlig entsprechend den Besitzungen des Kurfürsten
Clemens August von Köln. Die Besitzungen zu Graf Karls Zeiten
waren Batenburg, Ravenshorst, Alpen und Hawickerwert,
entsprechend den vier Pavillons, erbaut durch Johann Jost von
Loen . Bereits Jost hat wohl mit diesen Planungsmethoden
gearbeitet. Das Jahr 1765 muss daher als das Jahr des
planerischen Baubeginns im Bagno angesehen werden. Meine
Überlegungen gehen von den baulichen Gegebenheiten zu diesem
Zeitpunkt aus.
|
|
Die
Vermessungstechnik des Mittelalters
Die Vermessungstechnik des Mittelalters war offensichtlich sehr
praxisorientiert und lösungsbezogen. In der mittelalterlichen
Stadteinmessung müssen die wesentlichen Arbeiten auch mit dem
Messseil ausgeführt worden sein. Die Schnur ist für die
Baupraxis ein bis heute unersetzbares Arbeitsmittel. In der
Sprache hat sich bis heute davon einiges erhalten. Im Wort
"Strecke" ist beispielsweise das Strecken des Seiles noch
enthalten, in "Linie" und "Lineal" die Leine.
|
|
Mit dem Messseil kann fast jeder Arbeitsschritt, der eine hohe
Genauigkeit verlangt, durchgeführt werden. Mit Hilfe des
Dreiecks mit Kantenlängen von 3 : 4 : 5 wird der rechte
Winkel erzeugt. Die Zwölfknotenschnur (3+4+5 = 12) war ein
gebräuchliches Arbeitsgerät, das diese Dreieckskonstruktion
erleichterte. Mit ihr lassen sich auch noch viele andere
geometrische Operationen in einfacher Weise durchführen. Die
diagonal geführte Schnur ist ein ideales und höchst präzises
Kontrollmittel, das auch bei zunehmender Länge eine genaue
Überprüfung des Winkels zulässt. Unter Verwendung der Schnur als
Lot ist die Bestimmung einer genauen Senkrechten möglich und mit
Hilfe der Kombination von gleichschenkligem Winkeldreieck und
Lot lässt sich eine Horizontale bestimmen.
Die Schnur ist natürlich auch ein ideales Instrument für die
Einmessung von Kreisen beliebiger Größe.
Die Markierung der eingemessenen Fundamentstreifen wurde
sicherlich mit Kalk, Gips, Steinen oder Pflöcken ausgeführt. Man
muss davon ausgehen, dass außerhalb der inneren Baugrube
Messmarken das große Basisrechteck markierten, die nicht durch
das Baugeschehen gestört wurden.
Diese Marken könnten vielleicht bei einigen Bauwerken noch heute
gefunden werden. Die Rekonstruktion der Messpunkte wäre so
präzise möglich.
Der ganze geschilderte Messvorgang ist in der Baupraxis bis
heute im Schnurgerüst erhalten geblieben. Auch das Schnurgerüst
wurde immer mit den Seitenverhältnissen 3:4:5 eingerichtet. Erst
die modernen Messgeräte mit Lasertechnik machten diese uralte
Arbeitsmethode überflüssig.
|
|
_______________________
Beispiel für alte Maße:
1 Bayerischer Fuß = 0,2918 m
10 Fuß = 2,918 m = 1 Rute
200 Fuß = 58,360 m = 20 Ruten
500 Fuß = 145,900 m = 50 Ruten
700 Fuß = 204,260 m = 70 Ruten
1.000 Fuß = 291,800 m = 100 Ruten
1.400 Fuß = 408,520 m = 140 Ruten
In Westfalen verwendete man die hier gebräuchlichen oder
niederländische Maßeinheiten.
|
|
Die Thaleskonstruktion (Thales von Milet - 624
bis 546 v. Chr.)
Hier stichpunktartig einige Besonderheiten aus seinem Leben -
teilweise anekdotenhaft. Eine ausführliche Geschichte zu seinen
Lebensdaten im Anhang.
Größter unter den sieben Weisen.
Berühmter Spruch: "Erkenne dich selbst!"
Keine Kinder ("aus Liebe zu den Kindern").
Philosoph ("Der Ursprung aller Dinge ist das Wasser").
Mathematiker, “Naturbeobachter'', Astronom.
Forschungsreisen nach Ägypten und Babylonien.
Konnte Sonnenfinsternis 585 v. Chr. voraussagen.
Gerissener Geschäftsmann ("...ein Philosoph kann jederzeit reich
werden.")
Starb an Altersschwäche, Hitze und Durst inmitten von
Menschenmassen...
Das Leben und die Zeit von THALES werden sehr anschaulich in dem
Buch Pythagoras - ein Thema ohne Ende von Peter Baptist
beschieben, das im Klett-Verlag erschienen ist.
|
|
Thales' mathematische Sätze
Man weiß bis heute nicht, ob Thales mathematische Schriften
verfasst hat oder nicht, jedoch "alles deutet drauf hin, dass
Thales ungeachtet allen späteren Streits über seine literarische
Produktion denn doch eine mathematische Schrift verfasst und
Eudemos sie noch in Händen gehabt hat.
Und das wiederum heißt auch, dass wir dem Bericht des Proklos
einiges Vertrauen entgegenbringen dürfen." Von Proklos kennt man
einen Kommentar zu Euklids Elementen (leider nur zum ersten
Buch). Dort werden vier Sätze auf Thales zurückgeführt. Wir
bringen hier zwei in einer uns geläufigen Formulierung:
- Jeder Kreis wird mit Hilfe des Durchmessers in zwei
gleichgroße Hälften geteilt.
- Bei einer Geradenkreuzung sind die Scheitelwinkel
gleich groß.
Das christlich
geprägte Mittelalter erfasste im Rahmen einer allgemeinen
Kosmologie die Erschaffung der Welt und die Ordnung des Kosmos
evorzugt in Bauvorstellungen und -begriff vornehmlich die
repräsentative Sakralarchitektur als Abbild des Kosmos.
Die Tätigkeit des mittelalterlichen Planers war der Forderung im
Liber Sapientiae verpflichtet: alles nach Maß, Zahl und Gewicht
zu ordnen (Omnia mensura et numero et pondere disposuisti).
Der Mensch kann im Mikrokosmos des Bauwerkes, der Stadt und
eines Parkes den universalen Kosmos der Zeit, des Raumes und der
Werke wiederfinden. Gleichsam das himmlische Jerusalem.
Zahlen, auch geometrische Figuren, die sie präsentieren, sind
ein Mittel, die Welt zu beschreiben, zu vermessen und sie zu
begreifen, d.h., sie in den eigenen geistigen Besitz
einzugliedern. Im Ausmessen und Zählen geht es um die Entdeckung
der Welt als einen geordneten Kosmos.
Diesem Auftrag folgten auch unsere mittelalterlichen Stadt- und
Landschaftsplaner.
|
Stadtmauern
Die sichernde Schale, der Stadtmauerring, markierte klar die
Grenzen der alten Stadt Burgsteinfurt. Sie stehen damit für den
Planungsrahmen und nicht für das Ende eines Wachstumsprozesses.
Die Stadtmauern sind nämlich allesamt älter als das älteste Haus
Burgsteinfurts. Der Mauerverlauf war durch die Fixierung der
beiden Durchgangs-Stadttore (Wassertor und Kirchtor) an der
Gründungslinie vorbestimmt. Da Tore immer die schwächsten Teile
der Mauern darstellen, mussten sie aufwendig gesichert werden.
Aus diesem Grund legte man auch nur wenige Durchgänge an. Die
Anzahl der Tore sagt etwas über die Bedeutung der Stadt aus;
denn bekanntlich wird mit der Anzahl der Tore festgelegt, wie
viele der vorhandenen und ankommenden Wege einen direkten Zugang
zur Stadt erhalten. Untersuchungen zum Altwegesystem werden
zeigen, dass eine eindeutige Tendenz bestand, die vorhandene
Altstraße (heute Kirchstraße, Markt und Wasserstraße) in das
Erschließungssystem der Stadt zu integrieren.
Die ersten Häuser (am Katthagen) waren in einem angemessenen
Abstand von der Stadtmauer, d.h. der Verteidigungsanlage
entfernt erbaut worden, weshalb Alt-Burgsteinfurt zur
Verteidigung leicht innerhalb der Mauern umrundet werden konnte.
Nur die Stadttore und der Schleusenturm bilden Ausnahmen. Ein am
Fuß der Stadtmauer rings um die Stadt verlaufender Wassergraben,
der aus der Steinfurter Aa gespeist wurde und ein zusätzlicher
Wall, vollendete das Befestigungswerk. Die Natur tat ihr Übriges
durch versumpftes Überschwemmungsgebiet vor der Kommende (bis in
den Boomgarden?)
|
|
Stadtmauerverlauf auf dem Thales-Kreis
Die Vermessung Burgsteinfurts mit Hilfe des Wechselschlags ist
auch bei anderen Stadtvermessungen immer wieder anzutreffen. Sie
ist ein weiteres Beispiel für die ökonomische Arbeitsweise der
Vermesser. Das Ziel ist die Erstellung eines Kreisbogens von
einem festgelegten Punkt aus.
Das Messseil wurde vom Fixpunkt über den Mittelpunkt der
Gründungslinie zur Kante des Schlosses geführt. Durch einen
Wechselschlag zwischen den Fixpunkten wird der Mauerbogen
erzeugt, der sich an den vorhergehenden Mauerabschnitt
anschließt.
Bei der Erstellung der Mauersegmente mit einem Kreisbogen
handelt es sich um eine besonders elegante Konstruktion.
Charakteristisches Element dieser Vermessungstechnik ist der
Kreisbogen. Für die Ausrundung der Schauseite des Schlosses
wurde auf dem Thales-Kreis die Kreiskonstruktion angesetzt. Der
Durchmesser dieses Kreisbogens entspricht dem Radius der
Gründungslinie.
Für die Vermessung eines Mauerabschnitts wurde der Kantenschlag,
eine universelle Standardmethode, angewendet, mit deren Hilfe
die Planer ihre Konstruktion in das vorbereitete Netz einbauten.
Beim Kantenschlag wird mit dem Messseil die Funktion eines
Zirkels nachgeahmt. Ausgehend vom Fixpunkt, der mittig auf dem
Kreisbogen des Thales - Kreises lag, wurde der Kantenschlag
zwischen einem „Mittel-Tor" und einem Eckturm durchgeführt.
In vielen historischen Städten lassen sich s-förmige
Bogenkombinationen aufzeigen. Diese geometrischen Figuren haben
ganz offensichtlich eine aufwertende Wirkung, da die
Konstruktion fast immer an prominenter Stelle im Stadtgrundriss
zu finden ist.
Die Steinfurter Durchgangsstraße ist in einen oberen und einen
unteren Abschnitt unterteilt (Kirchstr. und Wasserstr.) Um den
Verlauf des oberen geschwungenen Abschnitts der unteren
festzulegen, legte man den Mittelpunkt der Strecke zwischen dem
"Wassertor" und dem Kirchtor als Fixpunkt fest. Von diesem aus
wurde mittels Bogenschlag in Höhe des Marktplatzes ein
Kreisbogen geschlagen. Vom gleichen Fixpunkt ausgehend, wurde
Richtung Bütkamp und Rott-Tor mittels Bogenschlag ebenfalls ein
Kreisbogen geschlagen.
Zum Festlegen des unteren geschwungenen Abschnitts der
Wasserstrasse wurde auf dem Thaleskreis zwischen dem Punkt
"Wassertor" und dem "Kirchtor" ein Fixpunkt festgelegt, von dem
aus mittels Bogenschlag ein Kreisbogen geschlagen wurde. Vom
gleichen Fixpunkt ausgehend, wurde auf der anderen Straßeseite
mittels Bogenschlag ebenfalls ein Kreisbogen geschlagen. Die
Hauptstrasse einer mittelalterlichen Stadt war nie schnurgerade
bis zum anderen Stadttor angelegt. Das war
verteidigungsstrategisch sinnvoll und verwehrte dem zufälligen
Besucher keinen direkten Einblick in das Marktgeschehen. Noch
heute gilt im Feng Shui, dass böse Geister keine Kurven gehen
können und so hielt man sich auch diese aus der Stadt fern.
Da solche Varianten auch in anderen Städten vorgefunden werden,
kann man davon ausgehen, dass es sich um keinen zufälligen
Selbstbildungsprozess handelt, sondern dass hier ein gezielter
Planungswille vorlag. Bei vielen Städten ist in der Position der
Stadttore eine geometrische Systematik zu finden, die auf die
Startkonstruktion schließen lässt.
|
|
Wasserversorgung
Ein wichtiges Element, das bei der Planung der Infrastruktur
einer Stadt beachtet werden musste, war das System der
Trinkwasserversorgung und Schmutzwasserableitung. Die Verteilung
der Laufbrunnen in den einzelnen Stadtquartieren gehörte bereits
zur Aufgabe der Erstvermessung; denn eine Hofstätte ist ohne
Wert, wenn sie keinen Zugang zu trinkbarem Wasser hat.
Gründungsstädte wiesen darüber hinaus auch eine zusätzliche
Brauch- und Gewerbewasserversorgung auf. Ergänzt wurden sie
durch öffentliche Brunnen zur Brandbekämpfung.
Die Wasserversorgung Burgsteinfurts erfolgte völlig problemlos,
da die neugegründete Stadt von Flüssen, Bächen und Weihern
überreichlich umgeben war. Dieser naturgegebene Wasserreichtum
ermöglichte die Individualversorgung durch direkten Zugang zu
den Gewässern. Die Steinfurter Bürger hatten frühzeitig mit der
Anlage von Brunnen in ihren Grundstücken begonnen. So können -
von öffentlichen Brunnen abgesehen - fast für jedes dritte
Gebäude Hausbrunnen nachgewiesen werden.
|
|
Das Geheimnis der Arbeitsmethodik
mittelalterlicher Stadtplanungen
Historische Messmethoden
Die Seilvermessung hat eine lange Tradition und war bereits in
Mesopotamien und vor allem in Ägypten bekannt, denn dort gab es
ein ganz praktisches Arbeitsfeld für jährliche
Vermessungsarbeiten. Die Ägypter waren in den Bereichen der
Bautechnik perfekte Vermesser. Stadtplanerpersönlichkeiten sind
auch aus Griechenland bekannt. Der erste Theoretiker der
griechischen Stadtplanung war Hippodamos aus Milet, der aus der
Schule des Pythagoras kam. Seine erste Musterstadt (Planstadt)
soll die Hafenstadt von Athen, Piräus, gewesen sein.
Der Gründungsvorgang einer römischen Stadt ist gut überliefert.
Zuerst wurde das Achsenkreuz festgelegt, dessen Nord-Süd-Achse
Cardo (= Weltachse) hieß. Die in Ost-West-Richtung verlaufende
Achse wurde Decumanus genannt, weil an ihrem Anfang die Porta
Decumana (Haupttor) errichtet wurde.
Die Umgrenzungslinie der neuen Stadt wurde mit einem Pflug, der
von einer weißen Kuh und einem Stier gezogen wurde, in den
Erdboden geritzt. Die Erde musste bei diesem Vorgang nach außen
geworfen werden. An den zukünftigen Tordurchlässen wurde der
Pflug angehoben.
|
|

Abb. 1 |
|
Anwendung der Groma
Die Groma ist ein auf einer Stange montiertes Achsenkreuz, an
dessen vier Armen jeweils ein Lot hängt. Mit zwei einfachen
Peilvorgängen über die gegenüber hängenden Lotschnüre kann die
Richtung festgelegt werden. Durch die rechtwinklige Anordnung
der Kreuzarme ist die Übertragung des rechten Winkels in die
Landschaft gesichert. Die Peilung mit Hilfe zweier Stangen über
große Entfernung ist eine alte Methode, um eine Gerade in das
Gelände zu übertragen.
Quelle:
http://www.vetoniana.de/01966e92ae10a7f01/01966e92ae123843a/
|
|

Abb. 2 und 3: Landvermessung mit der „Groma“
|
|
Darstellung der Arithmetik mit
Zwölfknotenschnur und der Geometrie mit Messstange und Zirkel
In der mittelalterlichen Stadteinmessung müssen die wesentlichen
Arbeiten ebenso mit dem Messseil ausgeführt worden sein. Mit dem
Messseil kann fast jeder Arbeitsschritt, der eine hohe
Genauigkeit verlangt, durchgeführt werden.
Mit Hilfe des Dreiecks mit Kantenlängen von 3 : 4 : 5
wird der rechte Winkel erzeugt. Die Zwölfknotenschnur (3 + 4 + 5
= 12) war ein gebräuchliches Arbeitsgerät, das diese
Dreieckskontruktion erleichterte. Mit ihr lassen sich auch noch
viele andere geometrische Operationen in einfacher Weise
durchführen. Noch heute ist sie „freimaurerisches Arbeitsgerät.“
|
|

Abb. 4: Darstellung der Arithmetik mit Zwölfknotenschnur und
der Geometrie mit Messstange und Zirkel
|
|
Das Pentagramm
Das Pentagramm ist eines der ältesten Symbole, das wir kennen
und wurde schon viertausend Jahre vor Christi verwendet.
Mit den Kreuzzügen kam das Pentagramm nach Europa. Dahingehend
sensibilisiert, findet man Fünfecke und Fünfsterne "an allen
Ecken und Enden": In Flaggen und Wappen, im Hoheitszeichen der
US-Airforce, als Roter Stern (Emblem des Sozialismus), in grün
als Zeichen des Islam, im Firmenzeichen der Automarke Chrysler,
in der Architektur des US-Verteidigungsministeriums "Pentagon"
und bei den meisten Weihnachtssternen. Noch weniger bekannt ist
die Tatsache, dass der fünfzackige Stern beinahe zum Symbol der
olympischen Spiele geworden wäre und erst im letzten Moment
zugunsten der fünf ineinander verschlungenen Ringe aufgegeben
wurde. Selbst die Kirche verwendet den Fünfstern, was man
besonders eindrucksvoll an vielen gotischen Fensterrosetten
sehen kann. In der Natur kommt die Zahl 5, das Fünfeck und der
Fünfstern häufig vor, denn die 5 ist eines der Form bestimmenden
Prinzipien der organisch belebten Natur. Mit den Templern und
den Kreuzzügen kam das Wissen um Symbole wie das Pentagramm auch
nach Europa.
Die Templer waren die Mitglieder eines mittelalterlichen
Religions- und Militärordens, der offiziell "Orden der armen
Ritter Christi" hieß. Gemeinhin bekannt waren sie als die
"Ritter des Tempels von Salomon" oder "Tempelherren", da ihr
erstes Ordenshaus nahe der Stelle gelegen war, an welcher der
Salomonische Tempel stand. Da die Templer regelmäßig Geld und
Güter von Europa nach Palästina transferierten, entwickelten sie
ein gutes Bankensystem, das bald auch die europäischen Herrscher
und Adelshäuser in Anspruch nahmen. Nachdem im Jahre 1099
Jerusalem erstmals von den Christen erobert worden war, erschien
bald darauf die Gotik im Abendland in Gestalt der
Tempelbaukunst, die in den von den Templern initiierten und
finanzierten Bauhütten aufblühte. Die geheime Kenntnis ewiger
Zahlengesetze wurde die Grundlage für den Bau von prächtigen
Kathedralen, Kirchen und Abteien in ganz Europa. Wegen deren
Bezüge zur Arithmetik, Geographie und Astronomie geraten
Forscher immer wieder in höchstes Staunen über das Wissen der
Baumeister. Über die Kommende in Burgsteinfurt erreichte über
den Johanniterorden dieses Wissen auch unsere Region.
|
|

Abb. 5: Gott als
Baumeister
|
Die Dombauhütte war im Mittelalter ein Werkstattverband aller an
einem Kirchenbau tätigen Handwerker. Hauptmerkmale der Bauhütten
war ein streng hierarchischer Aufbau mit eigener
Gerichtsbarkeit, Standesvertretung, Ausbildung des Nachwuchses,
Wahrung, Überlieferung und Geheimhaltung von Berufsgeheimnissen.
Es ist Bischof Gottfried zu verdanken, dass sich im 12.
Jahrhundert die Lehren der Schule in Chartres von England bis
Sizilien erstreckte, möglicherweise sogar bis in die islamische
Welt.
Mit Thierry von
Chartres, Nachfolger und Kanzler der Schule um 1140, wurde die
Theologie zur Geometrie. Thierry wollte mittels Geometrie und
Arithmetik den göttlichen Künstler hinter seiner Schöpfung
aufspüren. Elemente seiner Philosophie sind das Eine und die
Zahl. Das Eine als das Unwandelbare und Ewige ist identisch mit
Gott, während die Zahl für das Verwunderliche, das geschaffene
Sein, steht. Thierry selbst verfasste mehrere Bücher, darunter
einen Kommentar zu Boethius, das Heptateuchon, ein Lehrwerk zu
den sieben Freien Künsten. |
|
Lehrbücher zur Geometrie
In der Handschrift De Natura Rerum befinden sich Texte zur
Rechenkunst, Geometrie und Feldmesserkunst. Es ist
Naturwissenschaftliches Lehrbuch, das das auf der Antike
basierende Wissen über Astronomie und Geografie zusammenfasst.
(Bamberg)
Als Herren der Bamberger Dombauhütte konnten sie das von den
Templern (Grafen von Andechs-Meranien und die Templer)
mitgebrachte Wissen und somit auch die Lehren von Chartres für
den Bamberger Dombau und für die planmäßige Erstellung von
Stadtanlagen (z.B. Bayreuth) übernehmen und anwenden. Die
Bibliothek von Schloss Steinfurt hat ebenfalls Folianten zur
Geometrie.
|
|
Die Werkleute der Bauhütten
|
|

Abb. 6: Geometria
als Baumeister |
Es ist bekannt, dass die Bauleute, denen wir die Kathedralen
verdanken, in Kumpaneien, in Bruderschaften miteinander
verbunden waren. Drei solche Bruderschaften hat es z.B. zur Zeit
der Grafen von Andechs-Meranien gegeben: Les Enfants du Père
Soubise (die Kinder des Vaters Soubise), Les Enfants du Maitre
Jacques (die Kinder des Meisters Jakob) und Les Enfants de
Salomon (die Kinder Salomons).
Alle hüteten die Tradition des
Handwerks, sind vom Adel des Handwerks durchdrungen und lehren
den Gehorsam gegen das Werk, dem man sich verpflichtet hat. Sie
verständigten sich untereinander durch die Worte und Zeichen
einer Geheimsprache. Sie stehen in der Pflicht des Werkes, in
der Pflicht der Berufung, n der Pflicht des Menschseins, die sie
niemals verleugnet haben. Die Lehrlinge erlernen ihr Handwerk
unter der Anleitung der Gesellen von Bauhütte zu Bauhütte im
Lauf einer Wanderschaft. Das Wissen, das die Bruderschaft als
ihr besonderes Eigentum verwaltet, wird durch die Meister
vermittelt.
Die für den gotischen Bau notwendige Kenntnis der
"Darstellenden Geometrie" - das Wissen der Mönche von Citeaux -
ist lediglich den Erben der Kinder Salomons (Les Enfants de
Salomon), den Compagnons du Devoir de Liberté, überliefert
worden. Es muß sich also um eine Bruderschaft geistlicher
Bauleute gehandelt haben, die von Citeaux - parallel mit der
Begründung des Templerordens - ins Leben gerufen worden ist. Der
Orden hatte eine komplexe Organisation, es gab Mönche und Laien,
Ritter und Handwerker; alle waren Brüder. Speziell qualifizierte
Geometer führten im Auftrag der Landesherren die Stadtplanungen
durch.
|
|
Freimaurer
Die Symbole der heutigen Freimaurer sind zu einem wesentlichen
Teil aus der Werkmauerei der mittelalterlichen Dombauer
übernommen worden.
Die Säulen zum Bau von Kirchen und Städten
symbolisieren noch heute:
-
die Weisheit (Gesinnung)
- die Stärke (sittliche Kraft)
- die
Schönheit (Harmonie).
Die Erbauer und Planer des Bagno entstammten freimaurerischer
Tradition: |

Abb.
7: freimaurerische Arbeitstafel
(um 1740) |
|
Das Steinfurter Bagno - ein Projekt im Licht
der Aufklärung
Als die Grafen Karl und Ludwig von Bentheim-Steinfurt ihre Ideen
zur Gestaltung der Anlagen des Bagno entwickelten, befand sich
Europa in der Zeit eines geistigen Umbruchs. In Frankreich
bezeichnete man die Zeit als das „Siécle des lumiérs“. Diese
Bewegung räumte der Vernunft die Priorität vor der Tradition und
der äußeren Autorität ein. Man forderte die natürliche Religion
ein, die sich auf die Bejahung Gottes als höchstes Wesen und als
Glauben an die ersten Ursachen verstand. Man beschäftigte sich
vorurteilslos mit den Naturwissenschaften und im Bereich des
Rechtes wurde die Gleichheit betont.
Auch in Burgsteinfurt widmete man sich wissenschaftlichen
Themen. Man lehrte in der „Hohen Schule“ und auf ihrem Turm und
der Plattform des Schlosses beobachte man den Gang der Gestirne
unter wissenschaftlichen Aspekten. 1765 wurde das Projekt
“Bagno“ umgesetzt welches dieses Wissen einer breiten
Öffentlichkeit näher bringen sollte. Der Graf unterhielt eine
für die damalige Zeit interessante Geräte- und
Kuriositätensammlung und 1785 stieg ein Heißluftballon (bereits
im 4. Jahr nach Montgolfiere) als wissenschaftliche
Demonstration in den münsterländischen Himmel auf.
Der fürstliche Baudirektor Friedrich Christian von Schatzmann
war Freimaurer und beriet den Grafen bei der Umsetzung seiner
Ideen. In dem Lehrstück des Bagno spiegelt sich die Darstellung
der spirituellen Menschheitsgeschichte von Werden und Vergehen
wie sie die Freimaurer vertreten und in ihrer Symbolik bis heute
bewahren. Von der Dunkelheit (des Unwissens) bis zum Licht (der
Aufklärung) durch die Zeit der Geschichte und des menschlichen
Lebens finden wir die gleiche Symbolik in anderen Gartenanlagen
dieser Zeit. (Parc Monceau Paris, Schloss Louisenlund, Wörlitz,
Wilhelmshöhe)
Hier einige Beispiele: Die Ruinen- und Roseninsel als Symbol für
Leben und Vergänglichkeit, die Wasserkunst als Zeichen für das
Rad des Lebens und den Fluss der Geschichte. Diogenes als
„Erkenne Dich Selbst“. Die Baukunst im Dienst der Religion von
den Pyramiden über die griechischen Tempel bis zum Islam
(Moschee) und Christentum (Kapelle am See).
Die Öffnung dieser „Geheimnisse“ für jedermann war dadurch
gekennzeichnet, dass nicht nur die gräfliche Familie und deren
geladene Gäste daran teilnehmen konnten, sondern jedermann aus
der gemeinen Bevölkerung der ordentlich gekleidet den Park
betrat. Sogar der Bau der Konzertgalerie war so angelegt, dass
sie nach außen geöffnet werden konnte und die Besucher so den
Darbietungen lauschen konnten.
Den Zugang zum Bagno bewachte die gräfliche Garde, überwiegend
Mitbrüder in der 1785 vom gräflichen Hofcavalier und Hauptmann
Siegfried August von Goué 2), einem Jugendfreund Goethes (seit
1780 am gräflichen Hof) gegründeten Loge „Ludwig zum Flammenden
Stern“. Dazu zählten auch die Grenadiere Hetzer und Bergfeld und
der Feldwebel Wagner.
|
|

Abb. 8:
Grenadierswache mit Feldwebel Wagner und den Grenadieren Hetzer
und Bergfeld |
Die Brr. Franciscus Grünbein, J. Justus (Hof Sprachmeister) und
der Kammervirtuose Friedrich Roslaub waren ebenfalls
Logenmitglieder. Sie erhielten ihre Initiationen wahrscheinlich
noch in dem langen unterirdischen Gang der Ruineninsel des Bagno
welchen Schatzmann anlegen ließ. Beim Austreten aus der
Felsengrotte erblickte man das Licht vom Osten her. Der
Osnabrücker Freigeist und Patriot K.J. Gruner (1777-1820)
besuchte Burgsteinfurt und die Loge, ebenso wie die Freimaurer
J.B. Bernadotte (1763-1844) und General von Blücher, welcher
Meister der Loge in Münster war. Da man ihn “in Münster nicht
mochte“, besuchte er so wie Hardenberg und der Freiherr von
Stein die Loge in Burgsteinfurt. Im Mitgliederverzeichnis von
1787 finden sich allein 13 bekannte Angehörige des gräflichen
Hofes wieder. Graf Ludwig selber war Protektor.
2010 feiert die
Burgsteinfurter Loge ihr 225-jähriges Jubiläum. Bisher war sie
im ehemaligen „Maison du Garde“ (heute Bagnorestaurant)
beheimatet und arbeitet heute im Huck-Beifang-Haus in der
Hahnenstraße 8. Auf dem „Plan Génerál du Bagno“ befinden sich
ein Vers von Ganganelli dem Aufklärerpapst und dem damals
führenden Freimaurer Voltaire. Der Sinnspruch am unteren Rand
spiegelt die ganze freimauerische Denk- und Lebensweise wider:
|
|
|
Dein Leben, mein Freund, ist eine Reise.
Der Weg verführt, gehe ihn, hoff (und) sei weise.
|
|
Die Planungsstufen des Bagno
Die Gründungslinie des Bagno.
Nach Festlegung der Gründungslinie an der kleinen Kirche
(geistliches Zentrum der Stadt, unter Berücksichtigung der
besonderen topographischen Situation (Altstadt, Schlossgraben
und Wohnung des Grafen (weltliches Machtzentrum), bis zur
Baustelle (Wasserstelle / Entencoje) erfolgte der zweite Schritt
auf Grundlage der Thales-Konstruktion:
In der Parkmitte wurde der Mittelpunkt der Gründungslinie
fixiert. Der anschließend gezogene Kreis umfriedete die gesamte
Plananlage.
Vom Mittelpunkt der Gründungslinie aus wurde ein rechtwinkliges
Dreieck mit einer Schenkellänge bis zum süßen Quell (Badestelle
im Bagno, daher der Name) konstruiert und darüber hinaus bis zum
großen Wasserrad, womit bereits alle für die folgenden
Teilschritte des Basisgerüsts wichtigen Maße festgelegt waren.
Die genauen Maße zu ermitteln war mir bisher noch nicht möglich.
Bevorzugt wurde bei der Konstruktion für den Bagno eine
Quadratkonstruktion im Kreis. Diese Form ist bei Klosteranlagen,
aber auch bei Rahmenkonstruktionen der Miniaturen z.B. in der
manessischen Handschrift vielfach verwendet worden.
Viele Bauherren und Künstler nutzten zur formalen Gestaltung die
Eigenschaften des Quadrates, das sich bekanntlich vor vielen
anderen Formen auszeichnete. Es besitzt vier Symmetrieachsen -
die beiden Mittellinien und die beiden Diagonalen. Es lässt sich
durch kleinere Figuren von gleicher Gestalt (kleine Quadrate)
lückenlos und überlappungsfrei auslegen. Das war für die Anlage
von Modulen wie bei einer Parkanlage von Wichtigkeit.
Um weitere Bezugspunkte in der Bagnoplanung zu rekonstruieren,
zog ich die Verbindungswege über evtl. Abbiegungen und
Kreuzungspunkte hinaus bis an den Rand der Generalkarte des
Bagno. (Ich habe bisher jedoch nur eine unscharfen kleinen Scan
zur Verfügung.)
|
|

Abb. 9 |
|
Es zeigte sich sehr schnell, dass sich noch zwei weitere
Konzentrationspunkte der Linien (nennen wir sie nach „Feng Shui“
Kraftlinien) herausstellten. Die Kommendenkapelle und die neue
Wache.
|
|

Abb. 10 |
|
Über das Netz von Strahlen aus der Bagnoquelle, der
Kommendenkapelle und der kleinen Kirche verlaufen parallele
senkrechte Linien welche vorwiegend auf Wegen und Wegkreuzungen
liegen. Ihre leichte Konzentrik verweist auf einen weiter
entfernt liegenden Kreuzungspunkt. Die drei Bagnoinseln liegen
alle auf einem Strahl zur Quelle und schneiden den Standort der
Bagnokapelle. Auf der Allee des französischen Gartens befindet
sich der Mittelpunkt der Thaleskonstruktion.
Weitere erstaunliche Übereinstimmungen werden sich ergeben, wenn
man die von mir im Schnellgang erstellte Grafik auf einer
grösseren Zeichnung nachvollzieht. Geringe Ungenauigkeiten
erklären sich damit, dass die Schatzmannsche Karte von Le Rouge
von Hand gezeichnet wurde. Damals gab es noch keine
CAD-Programme und Satellitenaufnahmen.
Zum Schluss noch eine interessante Feststellung. Aus dem Gewirr
von Linien lassen sich einige interessante Figuren erkennen.
Darunter auch ein Pentagramm und eine Pyramidendarstellung.
Gewollt oder Zufall? Wer weiss es? Ist das Bangoquadrat die ’3’
in einer Dreieckszeichnung der Pythagorasfigur?
|
|

Abb. 11 |
|
Schlussbemerkung:
Die Stadt- und Bagnoplanung beruht auf der Messmethodik der
mittelalterlichen Planstädte. Die Gründungslinie wurde von dem
Wunsch des Grafen nach einem Sommersitz bestimmt. Später
entstand ein im Sinne der Aufklärung beabsichtigter
Volks-Lehrgarten. Die Bezugspunkte waren daher auf die
Kommendenkapelle als historischen Urflusspunkt und die
zeitgenössisch sprudelnde Quelle (des Wissens) im Bagno
ausgerichtet. Die Quellinie reicht überdies zur Wasserkunst als
dem Symbol für Lebensrad und Fluss des Lebens. Von hier gehen die
Bezugslinie über die Bagnoinseln Wahrheit, Stärke, Schönheit und
ihrer Doppelnatur Unwissenheit, Vergänglichkeit und Leben. Eine
genauere Interpretationsarbeit steht noch aus.
Natürlich ist das alles nicht auf meinem Mist gewachsen. Schon
gar nicht in einer einzigen Nacht. Die Erkenntnisse aus der
Planungsstadt Bayreuth, welche ähnliche Merkmale aufweist wie
Burgsteinfurt sind natürlich eingeflossen. Ich erspare mir hier
jedoch die üblichen Verweise. Im Anhang noch einige
Erläuterungen zur Person des Thales und eine Biografie des
Burgsteinfurter Logengründers Siegfried August von Goué.
Die Geografie vom Bagno muss ich mir noch mal angucken. Bei
Google-Earth hauen die Linien nicht ganz so gut hin, ist aber
durch die Satellitenposition auch etwas verzogen. Als Resumé
kann man aber jetzt schon sagen, dass das, was unsere Stadtführer
über Graf Ludwig und den Bagno sagen nicht ganz stimmt. Unser
Graf hatte es schon lange nicht mehr nötig als absolutistischer
Herrscher um Anerkennung zu betteln und mit seinem Bagno
anzugeben. Er war Respektsperson seiner Zeit und der Bagno ein
Lehrprojekt der Aufklärungszeit. Das wussten diejenigen die
aufgeklärt werden sollten natürlich nicht alle. Und Steinfurts
erste Stadtführer (die Schlosswache) hatte viel zu tun den
Leuten die Objekte zu erklären. Geschult wurden sie dazu in Gués
Loge. Jedenfalls hatte der Graf nicht vor Krieg zu führen, dafür
war die Garde zu schwach; aber als reine Schloss- und Parkwache
(und als hervorragende "Anschauungspädagogen") gerade groß
genug. Leider scheiterte das Projekt daran, dass es seiner Zeit
voraus war. Aus Gram darüber endete Gué im Suff und der Graf in
den Depressionen über die verlorene Würde und Anerkennung. - Ich
glaube auch heute wäre es noch seiner Zeit voraus. Denn die
Steinfurter, die alte Häuser abreißen, würden auch einen
wieder aufgebauten Bagno nicht verstehen.
|
|
ANHANG
Ich zitiere Auszüge aus dem Kapitel ``Pythagoras trifft
Thales'':
|
|
Pythagoras trifft Thales
Wir schreiben die 50er Jahre des sechsten Jahrhunderts vor
Christus. Die Städte der Küstenregion Ioniens nutzten ihre
günstige Lage zwischen der griechischen und persischen
Einflusssphäre, indem sie gewinnbringende Handelsbeziehungen mit
beiden Seiten unterhielten.
Milet hatte sich zu einer lebendigen und reichen Hafenstadt
entwickelt, es war damals wohl die bedeutendste ionische Stadt
überhaupt. Hier wurden nahezu alle Güter der Welt umgeschlagen:
Getreide, Öl, Metalle, Papyrus, Stoffe und Wein. Milet war eine
Stadt, in der die Geschäfte florierten und Wohlstand für viele
herrschte, in der Menschen aus allen Teilen der Welt
zusammenkamen, in der Neuigkeiten und Informationen ausgetauscht
wurden. Eine solche Stadt bietet ideale Voraussetzungen als
Brutstätte neuer Ideen und Lehren, da die Menschen in ihr
weltoffen und neugierig sind. In den engen, rechtwinklig
verlaufenden Gassen Milets -- der Stadtplan erinnert uns beinahe
an Manhattan -- bahnen sich zwei Männer mühsam ihren Weg durch
das Gedränge. Der ältere der beiden wird öfters von Passanten
freundlich gegrüßt und wechselt ein paar Worte mit ihnen. Man
kennt und schätzt eben Thales in seiner Heimatstadt. Sein
Begleiter ist wesentlich jünger und kam erst vor einigen Tagen
von der nahen Insel Samos, um für einige Wochen bei ihm zu
studieren. Nachdem sie den Stadtkern durchquert haben, steigen
die beiden den Hügel Kebalak Tepe hinaus genießen von dort oben
den Blick auf die Stadt, die auf einer Landzunge in das Meer
hinausragt.
Ein Schiff vor der Küste erregt ihre Aufmerksamkeit. Thales
fragt seinen jungen Begleiter, der sich übrigens Pythagoras
nennt, ob er ihm eine Möglichkeit beschreiben könne, mit der
sich die Entfernung des Schiffes von der Küste bestimmen lässt.
Da Pythagoras nicht sogleich antwortet, zeichnet Thales eine
Figur mit seinem Stock in den Staub und beginnt eine
Geometrielektion [...]
Der alte Thales gemeinsam mit seinem jungen Schüler Pythagoras
auf dem Hügel Kebalak Tepe oberhalb Milets -- eine wirklich
schöne Legende, aber mehr auch nicht! Ein Zusammentreffen der
beiden Urväter der antiken Geometrie wäre aufgrund der
geographischen Nähe -- Samos liegt etwa 90
Kilometer nordwestlich von Milet -- und der überlappenden
Lebensdaten -- ca. 624 - ca. 546 bzw. ca. 580 - ca. 500 --
durchaus denkbar, doch es gibt keinerlei Belege oder auch nur
kleinste Hinweise dafür. Unsere Geschichte handelt somit von
einer fiktiven Begegnung, eben einer Begegnung der besonderen
Art.
Während Pythagoras von seinen Zeitgenossen und von seinen
griechischen Nachfahren nicht immer mit Lob bedacht wurde,
Heraklit von Ephesos (ca. 540 - ca. 480 v.Chr.) unterstellt ihm
gar „Vielwisserei ohne Verstand'', (wie bei mir ausreichend
beeindruckendes Halbwissen) hört man über Thales überwiegend
sehr viel Positives. Noch im 2. Jahrhundert nach Christus preist
der Dichter Apuelios seine wissenschaftlichen Leistungen:
``Thales von Milet, gewiß der größte unter jenen sieben
überlieferten Männern der Weisheit (war er doch bei den Griechen
der erste Erforscher der
Geometrie und ein äußert zuverlässiger Betrachter der Natur und
der Sterne) hat die größten Dinge in kurzen Zeilen erforscht:
den Kreislauf der Jahreszeiten, das Wehen der Winde, den Gang
der Sterne, das tönende Wunder des Donners, die gekrümmten
Bahnen der Gestirne, die jährlichen Sonnenwenden, ebenso das
Wachsen des neuen Mondes und die Abnahme des alternden sowie das
Verschwinden es dahingehenden Mondes.
Ebenso hat er, bereits in
hohem Alter, ein göttliches Zahlenverhältnis bei der Sonne
beschrieben, welches ich nicht nur gehört, sondern auch durch
eigene Beobachtung bestätigt habe, nämlich: wie oft die Sonne
mit ihrer Größe den Kreis, den sie durchläuft, misst [gemeint
ist das Zahlenverhältnis 1:720].''
Dass Thales der größte unter den Sieben Weisen war, dürfen wir
Apuelios getrost glauben, denn es gibt etliche Listen mit Namen
der Weisen, die allerdings nicht übereinstimmen. Bei deren
Durchsicht kommt man insgesamt auf 17 Weise. Aber Thales schlägt
die gesamte Konkurrenz, denn er steht auf jeder der Listen.
Wie nicht anders zu erwarten, ranken sich um Thales eine
Vielzahl von Anekdoten. Auf die Frage, warum er keine Kinder
habe, entschuldigte er sich mit den Worten: “Aus Liebe zu den
Kindern.''
Seine Mutter wollte ihm unbedingt eine Braut suchen. Er wehrte
sich jahrelang dagegen mit der Bemerkung: “Noch ist es Zeit.''
Schließlich konnte er später antworten: “Nun ist die Zeit dazu
vorüber.'' Platon schildert ihn als einen etwas vertrottelten --
oder vornehmer ausgedrückt -- als zerstreuten Gelehrten, weil er
beim Sternengucken einen Brunnen nicht bemerkte und unter dem
Gespött einer Sklavin prompt hineinfiel. Ich entdecke viele
Gemeinsamkeiten, daher ist er mir so sympathisch. Als gerissenen
Geschäftsmann stellt ihn dagegen Aristoteles dar. Aufgrund nicht
näher
geschilderter astronomischer Beobachtungen sah Thales eine gute
Olivenernte voraus. Bereits im Winter zuvor mietete er daher
alle Ölpressen in der Stadt und Umgebung für billiges Geld, um
diese dann in der Erntezeit zu Höchstpreisen zu verleihen. Diese
Aktion diente ihm zum Beweis, dass ein Philosoph jeder Zeit
reich werden könne, wenn er nur wolle, ich will und kann es
wohl nicht mehr.
Im Unterschied zu den historisch umstrittenen Reisen des
Pythagoras nach Ägypten und Babylonien, werden Aufenthalte des
Thales in diesen Ländern nicht angezweifelt. Er brach zu seiner
Wissenschaftsreise auf, als er das Alter der Vernunft erreicht
hatte. Für einen Weisen dürften dies sicherlich die Jugendjahre
gewesen sein. Bei den Priestern in der Fremde lernte er alles,
was man damals über Himmelskunde, Mathematik und
Navigationslehre wusste. Mit den dort erworbenen Kenntnissen
gelang ihm im Jahr 585 v.Chr. eine großartige Leistung, die
seinen Ruf als herausragenden Wissenschaftler bei seinen
Zeitgenossen begründete. Er sagte eine Sonnenfinsternis voraus
-- und die trat auch tatsächlich ein. Sein Ansehen stieg ins
Unermessliche. Natürlich stand ihm dabei das Glück des Tüchtigen
zur Seite. Aufgrund der Beobachtungen der chaldäischen Priester
konnte man auf die Periodizität der Verfinsterungen schließen
und damit das ungefähre Datum der nächsten Verfinsterung
vorausberechnen. Aber man konnte nicht sicher sein, dass man sie
in Milet auch sieht. Der Erfolg war grandios, sein
vorhergesagtes Datum stimmte und die Finsternis war total.
Thales wurde sehr alt. Mit einem Epigramm beschreibt Diogenes
Laertios seinen Tod:
``Aus der Bahn entriss den Weisen der große Kronide
Da er den gymnischen Kampf der Hellenen ansah.
Ihm den Sternen zu nähern, die sein hochstrebendes Auge
Von der Erde nicht mehr sah am hohen Olymp.''
Thales starb an Altersschwäche, Hitze und Durst inmitten von
Menschenmassen in einem Stadion, wo er einem sportlichen
Wettkampf zusah. Man ist versucht zu sagen: Typisch für die
Sportbegeisterung der Hellenen, die ohne ihre ``ewige Turnerei''
(Jakob Burckhardt) nicht leben -- und nicht sterben konnten.
Danach wird es mich wohl beim Steinfurt-Marathon erwischen. Beim
Zusehen natürlich beim Bierschäsken mit Rolinck-Lager.
|
|
Warum wurde Thales so berühmt?
Thales ist einer der Wendepunkte des europäischen Denkens: Mit
ihm beginnt, was wir Wissenschaft nennen. Auch dieses
Gedankengut hat eine gewisse Tradition. Liest man nämlich Homer
genauer, so fällt einem auf, dass sich dort bereits Ansätze
eines "rationalen", "naturerkennenden" Denkens finden. Wir
zitieren wichtige Stellen, die darauf hindeuten aus :
"Homers diesseitiger Geist lässt erstmals aus dem narkotischen
Dunst von Mythos und Magie etwas aufzeigen, das wenig später in
Milet festere Konturen gewinnen und dann unser Leben im Guten
und Bösen mächtiger bestimmen wird als alles andere sonst [...]
:
Die nur im Medium der Diesseitigkeit mögliche Vorstellung
einer durch sich selbst existierenden, autonomen Natur. Und
damit auch die Vorstellung, die Natur könne vom Menschen erkannt
werden - denn erkennen kann man nur das durch sich selbst
bestehende, das nicht heute oder morgen oder übermorgen durch
"unberechenbare" Eingriffe von außen willkürlich gestört und aus
der Bahn geworfen wird.
Nur eine erkannte Natur aber lässt sich
in den Dienst des Menschen stellen. Denn diese übergewaltige
Natur kann der lächerlich kleine Mensch nur "beherrschen", indem
er sich ihr unterwirft; dazu aber muss er ihre Gesetze kennen -
und um die Gesetze zu erforschen muss er gegen allen chaotischen
Animismus und Geisterglauben erst einmal den ungeheueren
Gedanken fassen, die Natur sei überhaupt gesetzlich geordnet,
sei irgendwie gesetzlich geordnet, aber eben geordnet, und nicht
Spielball von Göttern, Dämonen und weiteren Zauberentitäten
minderen Rangs.
Diese unendlich folgenreiche "Entzauberung der
Welt" (Max Weber) hebt an in Ionien, und sie wird auf den Weg
gebracht durch Homer und seine entzaubernde Diesseitigkeit."
[Homer stellte fest:] "Okeanos sei der Ursprung und Anfang
sämtlicher Dinge [...]
Man kann den Gedanken nicht abwehren,
dass Homer hier den Okeanos gar nicht mehr als Gott sondern nur
noch als dessen Element, das Wasser, gedacht hat und dass er so
den berühmten Satz des Thales vorwegnimmt (mit dem die
abendländische Philosophie begonnen haben soll), der Ursprung
aller Dinge sei das Wasser. [...]
Die Frage nach dem Ursprung
der Dinge hat sich seit jeher den Menschen aufgedrängt; sie wird
von allen Völkern und von allen Kindern gestellt. Erst beim
Versuch einer Antwort scheiden sich die Geister - je nachdem, ob
der Ursprung in göttlichen Akten oder in natürlichen
Gegebenheiten gesucht wird. Erst die zweite Antwort konstituiert
die Autonomie der Natur. Es scheint, dass wir sie Homer
verdanken.
Die ionischen Naturphilosophen brauchten sie nur noch
weiterzudenken [...] Die Frage, woraus der Okeanos selbst
entstanden sei, übergeht Homer mit Schweigen; auch Thales wird
nicht sagen, woher denn das Wasser kommt. [...]
Drückt sich in diesem Schweigen vielleicht nicht schon aus, was
spätere Griechen laut sagen werden, dass nichts entsteht und
nichts zergeht - also das, was noch viel später einer der
fundamentalsten Sätze der Physik und Chemie sein wird: der Satz
von der Erhaltung der Materie (der dann 1905 in dem noch
umfassenderen Satz von der Erhaltung der Energie aufgehen wird)?
[...]
Doch es geht hier nicht darum, alten Dichtern und Denkern
"Erkenntnisse" unterzuschieben, schon gar nicht die einer
modernen Naturwissenschaft; das wäre ein lächerliches
Unterfangen.
Es geht um etwas ungleich Wichtigeres, aus dem
"Erkenntnisse" nach genügend langer Zeit in fast unheimlicher
Weise wie von selbst entstehen: Es geht um eine völlige Umkehr
der Blick- und Denkrichtung - weg von unberechenbaren Machinationen unberechenbarer Mächte, hin zum "Projekt geordnete
Natur". (Wie's im Projekt „Bagno dargestellt wird.)
Diese
ionische Kehre ist die radikalste Wendung in der menschlichen
Geschichte, und sie hat die radikalsten Folgen gehabt. An ihrem
Anfang steht Homer."
|
|
Das Neue bei Thales
Des Ruhm des Thales kam nicht von dem Satz "Der Ursprung aller
Dinge ist das Wasser" , auch nicht (wie die wir Mathematiklehrer
vielleicht manchmal meinen) durch den Thalessatz (von dem noch
nicht einmal erwiesen ist, dass er wirklich von Thales stammt).
Sondern: Thales verwendet erstmals naturwissenschaftliche
Methoden:
Vorausberechnung einer Sonnenfinsternis durch Deutung der durch
lange Beobachtungen der Babylonier gewonnenen Erkenntnis von der
periodischen Wiederkehr der Verfinsterungen.
Fragt nach einsichtiger Mechanik der Sonnenfinsternisse und
findet sie [1]:
"Thales sagte als erster, dass die Sonne durch den Mond
verfinstert wird, indem dieser unter die Sonne [zwischen Sonne
und Erde] tritt."
Behauptet als erster, dass der Mond von der Sonne beleuchtet
wird.
Hebt sich von den Chaldäern ab, die sagen, dass die Gestirne
Götter sind und behauptet in "nüchterner Respektlosigkeit [...],
die Sterne bestünden ganz unerbaulich aus ordinärer Erde, die
glühte". [1]
Findet, dass der Sonnendurchmesser zum Sonnenkreis dasselbe
Verhältnis hat, wie der Monddurchmesser zum Mondkreis, nämlich
1:720 (was tatsächlich näherungsweise richtig ist).
Gibt eine "poseidonfreie" Erdbebentheorie. "Da die Erde (seiner
Meinung nach) auf dem Wasser schwamm, musste sie schwanken wie
ein Schiff, wenn das Tragewasser in Bewegung geriet - und das
war dann ein Erdbeben." [1] Zuvor waren die Griechen der
Meinung, ein Erdbeben käme zustande, wenn der Meeresgott
Poseidon seinen Dreizack gegen die Erde stößt.
|
|
Der wissenschaftliche Geist des Thales
Die in " " stehenden Sätze sind im Folgenden Zitate aus [1].
Seine Theorien sind "angreifbar".
"Die Angreifbarkeit sichert zwar nicht, dass die Wahrheit an den
Tag kommt, aber doch, dass der Unwahrheit das Lebenslicht
ausgeblasen wird. Und das will viel heißen."
Beispiel: Thales erklärt, die Überschwemmungen am Nil entstehen
durch die im Hochsommer wehenden Nordostwinde der Ägäis ("Etesien")
als Folge eines Rückstaus.
Versuch, eine Naturerscheinung alleine aus der Natur heraus zu
erklären [ ägyptische Erklärung:
Chnum, ein göttliches Wesen in Gestalt eines Widders mit sehr
langen Hörnern, "bringt" die Überschwemmungen].
Auch wenn Thales Unrecht hatte: Es handelt sich um eine
natürliche und überprüfbare Erklärung.
Zwei ionische Eigentümlichkeiten treten hierbei hervor :
"In Ionien entsteht das offene wissenschaftliche Gespräch [...]
Die neuen Denker brauchen einander, um auf den richtigen Weg zu
kommen." "Die neuen Denker wollen Wissen um des Wissens willen,
ohne nach einem handelbaren Nutzen des Wissens zu fragen. Das
Phänomen der Nilschwelle ist ihnen als solches interessant.
Seine zutreffendste Erklärung ist völlig nutzlos, sie ist in der
Tat nutzloser als die ägyptische vermöge des langgehörnten Chnum."
Vorzüge einer Forschung, die das Wissen um des Wissens willen
sucht:
"Die Forschung kann nach allen Seiten und ohne Ende weitergehen,
weil sie keinen festumrissenen Zweck erreichen will." "Selbst
das verborgenste Wissen wird so aufgespürt, und nur so kann
Wissen aus sich selbst heraus immer neues Wissen erzeugen."
|
|
Thales als Geometer
"Thales [hat] die Geometrie von seiner Ägyptenreise als erster
nach Griechenland gebracht und selbst viele Entdeckungen gemacht
[...] Thales gilt deshalb als Vater der griechischen Geometrie,
einer der größten und wirkungsmächtigsten Leistungen des
hellenischen Geistes. Ohne sie sind Kepler, Galilei und Newton
und damit die moderne Welt nicht zu denken."
Die ägyptische und babylonische Mathematik war eine "Sammlung
von Faustregeln zur Lösung von Aufgaben aus Handel und Gewerbe,
Ackerbau und Staatsverwaltung. Da ging es um Erbschaften und
Felder, Zinsen und Steuern, Ziegelsteine und Getreidesäcke."
Nirgendwo sind Beweise zu finden. Im Gegensatz dazu ruft Thales
"die Geometrie als beweisende Wissenschaft ins Leben." Die
einfachen
Sätze des Thales "sollten als feste Basis für etwas bislang nie
Erlebtes dienen - für die logische Herleitung der von Ägyptern
und Babyloniern schon empirisch gefundenen Resultate. Wir
erleben hier eine unendlich folgenreiche Premiere; das Stück
heißt "Die wissenschaftliche Geometrie", sein Verfasser ist
Thales." Auf praktischen Nutzen hat es Thales bei seinen
Beweisen nicht abgesehen - es ging um Wissenssicherung.
Thales und seine "Sandgeometrie". Dazu ein Zitat von Platon (ca.
200 Jahre nach Thales): "[Die Mathematiker] nehmen die
sichtbaren Gestalten zur Hilfe und beziehen ihre Reden auf
diese, obschon eigentlich nicht sie den Gegenstand ihres
Nachdenkens bilden, sondern jene, von denen diese Abbilder sind.
Wegen des Vierecks führen sie ihre Beweise, oder wegen der
Diagonale selbst, aber nicht wegen derjenigen, die sie
zeichnen... Sie suchen jenes zu erblicken, das man
ausschließlich im Geiste schauen kann. Für Platon ist das
mathematische "Idealisieren", das mit Thales anhebt und dem
Mathematiker "ideale" Objekte in die Hand gibt, ein Wendepunkt
seines Denkens geworden. Es hat ihn zu seiner Ideenlehre
geführt, zu der Vorstellung also, jedes Erdending sei ein
Abbild, ein schlechtes Abbild, eines vollkommenen Urbilds -
einer "Idee" - in einem transzendenten Seinsbereich, so wie der
Kreis im Sand nur ein schlechtes Abbild des vollkommenen Kreises
im Übersinnlichen ist."
Thales von Milet war auch Philosoph. Früher waren Philosophie,
Mathematik und "Naturwissenschaften" sehr eng miteinander
verflochten - ja man konnte oft keine deutliche Trennung
vornehmen.
|
|
Der Symbolwert der Zahl 7
Die Sieben ist nicht nur die numerische Summe der Zahlen Drei
und Vier, sondern gilt auch als "exegetische Summe" ihrer
Symbolgehalte. Bei fast keiner Zahl ist der Symbolgehalt
eindeutig oder unter einen Oberbegriff subsumierbar oder nur auf
eine Zahl beschränkt.
Die Sieben ist zusammengesetzt aus der göttlichen geistigen DREI
und der erdhaft weltlichen VIER.
Der Offenbarung zufolge beherrscht die Zahl Sieben auch das Ende
der Welt: sieben Gemeinden, sieben Leuchter, sieben Sterne,
sieben Engel, sieben Siegel, sieben Trompeten, sieben Plagen,
das Untier mit sieben Hörnern, der Drache mit sieben Häuptern
und sieben Kronen. Gott hat die Welt in sieben Tagen erschaffen.
|
|
Der Symbolwert der Zahl 5
Pythagoras sah die Fünf als Zahl des Menschen (vier Glieder und
der Rumpf, fünf Sinne) in seiner Erscheinung als Mikrokosmos,
eine Deutung, die er sicherlich vom makrokosmischen Aspekt der
Fünf abgeleitet hat. Das Kreuz als Kosmogramm hat fünf
Hauptpunkte. Die fünf Wunden Christi.
Die Zahl Fünf wurde im Mittelalter als Heilszeichen gesehen.
|
|
Der Symbolwert des Quadrats
Das Quadrat wurde wegen seiner allseitigen Symmetrie als
besonders vollkommene Figur betrachtet.
|
|
Der Symbolwert des Kreises
Der Kreis war Symbol der Unendlichkeit.
|
|
Kirchenrichtung von OST nach WEST:
(z.B. kleine/gro0e Kirche, Kommendenkapelle, Bagnokapelle)
Seit dem 5. Jahrhundert sind die Kirchen größtenteils nach OSTEN
ausgerichtet, also im allgemeinen in der Himmelsrichtung des
Aufgangs der Sonne als Symbol Christi.
|
|
2) August Siegfried von Goue MATRIKEL NR: 1 der Burgsteinfurter
Loge
Der Burgsteinfurter Logengründer August Siegfried von Goue (geb.
1742 in Hildesheim, gest. 1789 in Burgsteinfurt) hielt sich fünf
Jahre lang in Wetzlar auf, wo von 1767 bis 1776 eine Visitation
des Reichskammergerichts stattfand. Goue war von 1767 bis 1771
als Legationssekretär des Vertreters des Herzogtums
Braunschweig-Wolfenbüttel tätig und blieb nach seiner Entlassung
ein weiteres Jahr bis Juli 1772 in Wetzlar. So lernten sich Goue
und Goethe, der im Mai 1772 Rechtspraktikant am
Reichskammergericht wurde, kennen. Goue war eine treibende Kraft
im theatralischen und geselligen Leben der jüngeren Juristen in
der Stadt (ca. 5000 Einwohner, 1000 Mitglieder der
gesellschaftlich abgeschotteten ’feinen Welt’ ). Er war bekannt
durch seine Galanterie und seine "Neigung zu Trunk und Spiel" (Gloël:
Nachwort, S. 221), schrieb Theaterstücke und
Gelegenheitsgedichte (als Vater Gleim Wetzlar besuchte, ritzte
er ein satirisches Gedicht in eine Fensterscheibe), gab eine
Wochenschrift ("Blat zum Zeitvertreib", 1769, 7 Nummern) heraus,
parodierte den Hofstaat und tat sich mit Mystifikationen hervor,
die mit Fiktionen ein das Publikum verwirrendes Spiel trieben.
"August Siegfried war in Wetzlar und für sein ganzes späteres
Leben ein eifriger Freimaurer". In die Wetzlarer Loge Joseph zu
den drei Helmen trat er 1768 ein. Die Loge bekannte sich zur
strikten Observanz. "Danach behauptete man, daß die Logen aus
dem Tempelritterorden stammten, fügte den üblichen drei Graden
des Lehrlings, des Gesellen und des Meisters noch mehrere
Hochgrade, so den des Tempelritters, hinzu, trug in den
Sitzungen nicht nur den Schurz, sondern auch Schwert und Mantel
und nahm manche Förmlichkeiten der Ritterorden an."
Die Maurer führten lateinische Ordensnamen, Goue – 1770 zum
Tempelritter geschlagen – hieß "eques a cochlea argentea,
der
Ritter von der silbernen Schnecke mit dem Wahlspruch bene qui
latet, wohl dem, der im verborgenen bleibt." Außer einigen
Offizieren waren Mitglieder nur Juristen des
Reichskammergerichts und der Visitation.
Auf das Freimaurertum verweist der von Goethe als
"philosophisch-mystisch" charakterisierte Orden des "Übergangs",
dessen Ritualbuch "Der hoeere Ruf" ist. Die hier wiedergegebene
erste Auflage wird von Heinrich Gloël auf 1768 datiert; eine
zweite, erweiterte und um das scherzhafte Seitenstück "Der
feinere Pfif" von Johann Ferdinand Opiz (1741-1812) vermehrte
Auflage kam 1769 im gleichen Verlag heraus. Die Buchstaben G und
H verweisen auf die Verfasser der 34 Abschnitte: Goue (14
Abschnitte) und von Hochsteter, mit dem zusammen er Anfang 1768
einen "Katalog", d.i. ein Verzeichnis von 86 Büchertiteln, die
sich satirisch auf Wetzlaer Personen beziehen, verfaßt hat. Nr.
25 spielt auf Goue an, der das Plan- oder Knopfmachen, d.h. den
Hof / die Cour machen, vollendet beherrscht zu haben scheint und
in der scherzhaften "Knopfmacherzunft", der die ganze Wetzlaer
Gesellschaft angehörte, als Knopfmacher von fünf Damen auftrat
(S. 220):
Der neue Archimedes oder Plan zum Planen oder nach denen Regeln
der Planimetrie und Planilogie systematisch abgefaßte
Erörterungen und Beobachtungen, was eigentlich Plane seyen, wie
sie entstehen, unterhalten und der Verschiedenheit ihrer Natur
gemäß gravieret, crayonieret, duschieret, lavieret werden, wobey
zugleich in 142 Kupferstichen gezeiget wird, welche Blicke,
Bewegungen der Hände oder Füße, kleine oder stärkere Schläge für
Anzeichen eines Planes gehalten werden können, auch deutliche
Tabellen, in welchen das Verhältniß der drückenden und
gegendrückenden Kraft von 1 bis 1000 auf das genaueste berechnet
ist, zu wohlmeynender Unterrichtung des Publikums herausgegeben
und mit critischen Bemerkungen versehen von de Gué., der
Plan-Wissenschaft
Archi-poll-hetero-plan-ortho-didacti-philo-graphi-practico. Gr.
4.
Soweit "Der hoeere Ruf" überhaupt einen konsistenten Sinn hat,
handelt er vom Übergang aus dem irdischen in ein geistiges
Leben. Die vier Stufen, von denen auch Goethe spricht, seien wie
folgt erklärt:
Wenn man staunend vom Strahle der Aufklärung getroffen wird,
schwinden die Vorurteile. […] Man muß Kraft gewinnen, um aus der
Vereinzelung seines Daseins "ins Ganze gezogen zu werden". Aus
dem Staube des Irdischen soll man sich zur Sonnenhöhe erheben.
Die vierte Stufe ist die Erwerbung der Weisheit. Diesen vier
Stufen der Entwurmigung oder Vervollkommnung entsprechend
unterscheidet das Büchlein unter den Eingeweihten
1. den Prüfling oder den zur Weisheit Gelockten,
2. den Berufenen,
3. den Hochberufenen,
4. den Weisen.
Der hohe Gedanke der Weisheit ist dem Prüfling ein Machtspruch,
dem er sich beugt, dem Berufenen ein Rätsel, an dessen Lösung er
zu arbeiten hat, dem Hochberufenen ein knopfigter Leitfaden, dem
schwer zu folgen ist, dem Weisen ein stützender und leitender
Gemeinstab." (S. 276)
Die Lehren der Weisheit stehen in maurerischer Tradition. "Im
einzelnen sei bemerkt, daß die Terzie (S.170 der im Reprint
hinzugefügten Zählung) der 60. Teil der Sekunde ist, der
hölzerne Kasten der Sarg, der Serpentarius das Sternbild des
Schlangenträgers." (S. 278) Anderes bleibt unklar. "Vieles
spottet jeder Erklärung und Deutung." (Ebd.) Lavater, dem Goethe
1774 aus dem Buch vorlas, spricht in seinem Tagebuch von einer "gedruckte[n]
Broschure voll enigmatischer Weisheit und Narrheit" (zit.
278f.). (Die Einführung folgt dem umfangreichen und gründlichen
Nachwort von Heinrich Gloël.)
|
|
Der Logengründer bei Goethe: „Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit.“
Auszug:
[ Daß mir, außer dem deutschen Zivil- und Staatsrechte, hier [in
Wetzlar] nichts Wissenschaftliches sonderlich begegnen, daß ich
aller poetischen Mitteilung entbehren würde, glaubte ich
vorauszusehn, als mich, nach einigem Zögern, die Lust meinen
Zustand zu verändern, mehr als der Trieb nach Kenntnissen, in
diese Gegend hinführte. Allein wie verwundert war ich, als mir,
anstatt einer sauertöpfischen Gesellschaft, ein drittes
akademisches Leben entgegensprang.
An einer großen Wirtstafel traf ich beinah sämtliche
Gesandtschaftsuntergeordnete, junge muntere Leute, beisammen;
sie nahmen mich freundlich auf, und es blieb mir schon den
ersten Tag kein Geheimnis, daß sie ihr mittägiges Beisammensein
durch eine romantische Fiktion erheitert hatten. Sie stellten
nämlich, mit Geist und Munterkeit, eine Rittertafel vor. Obenan
saß der Heermeister, zur Seite desselben der Kanzler, sodann die
wichtigsten Staatsbeamten; nun folgten die Ritter, nach ihrer
Anciennetät; Fremde hingegen, die zusprachen, mußten mit den
untersten Plätzen vorlieb nehmen, und für sie war das Gespräch
meist unverständlich, weil sich in der Gesellschaft die Sprache,
außer den Ritterausdrücken, noch mit manchen Anspielungen
bereichert hatte. Einem jeden war ein Rittername zugelegt, mit
einem Beiworte. Mich nannten sie Götz von Berlichingen, den
Redlichen. Jenen verdiente ich mir durch meine Aufmerksamkeit
für den biedern deutschen Altvater, und diesen durch die
aufrichtige Neigung und Ergebenheit gegen die vorzüglichen
Männer, die ich kennen lernte.
[...] Von Goué, ein schwer zu entziffernder und zu
beschreibender Mann, eine derbe, breite, hannövrische Figur,
still in sich gekehrt. Es fehlte ihm nicht an Talenten mancher
Art. Man hegte von ihm die Vermutung, daß er ein natürlicher
Sohn sei; auch liebte er ein gewisses geheimnisvolles Wesen, und
verbarg seine eigensten Wünsche und Vorsätze unter mancherlei
Seltsamkeiten, wie er denn die eigentliche Seele des
wunderlichen Ritterbundes war, ohne daß er nach der Stelle des
Heermeisters gestrebt hätte. Vielmehr ließ er, da gerade zu der
Zeit dies Haupt der Ritterschaft abging, einen andern wählen und
übte durch diesen seinen Einfluß. So wußte er auch manche kleine
Zufälligkeiten dahin zu lenken, daß sie bedeutend erschienen und
in fabelhaften Formen durchgeführt werden konnten. Bei diesem
allen aber konnte man keinen ernsten Zweck bemerken; es war ihm
bloß zu tun, die Langeweile, die er und seine Kollegen bei dem
verzögerten Geschäft empfinden mußten, zu erheitern, und den
leeren Raum, wäre es auch nur mit Spinnegewebe, auszufüllen.
Übrigens wurde dieses fabelhafte Fratzenspiel mit äußerlichem
großen Ernst betrieben, ohne daß jemand lächerlich finden
durfte, wenn eine gewisse Mühle als Schloß, der Müller als
Burgherr behandelt wurde, wenn man "Die vier Haimonskinder" für
ein kanonisches Buch erklärte und Abschnitte daraus, bei
Zeremonien, mit Ehrfurcht vorlas. Der Ritterschlag selbst
geschah mit hergebrachten, von mehreren Ritterorden entlehnten
Symbolen. Ein Hauptanlaß zum Scherze war ferner der, daß man das
Offenbare als ein Geheimnis behandelte; man trieb die Sache
öffentlich, und es sollte nicht davon gesprochen werden. Die
Liste der sämtlichen Ritter ward gedruckt, mit so viel Anstand
als ein Reichstagskalender; und wenn Familien darüber zu spotten
und die ganze Sache für absurd und lächerlich zu erklären
wagten, so ward, zu ihrer Bestrafung, so lange intrigiert, bis
man einen ernsthaften Ehemann, oder nahen Verwandten,
beizutreten und den Ritterschlag anzunehmen bewogen hatte; da
denn über den Verdruß der Angehörigen eine herrliche
Schadenfreude entstand.
In dieses Ritterwesen verschlang sich noch ein seltsamer Orden,
welcher philosophisch und mystisch sein sollte, und keinen
eigentlichen Namen hatte. Der erste Grad hieß der Übergang, der
zweite des Übergangs Übergang, der dritte des Übergangs Übergang
zum Übergang, und der vierte des Übergangs Übergang zu des
Übergangs Übergang. Den hohen Sinn dieser Stufenfolge
auszulegen, war nun die Pflicht der Eingeweihten, und dieses
geschah nach Maßgabe eines gedruckten Büchleins, in welchem jene
seltsamen Worte auf eine noch seltsamere Weise erklärt, oder
vielmehr amplifiziert waren. Die Beschäftigung mit diesen Dingen
war der erwünschteste Zeitverderb. ]
(Goethe. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. Dritter Teil.
Zwölftes Buch. Absätze eingefügt.)
|
|
SCHAZMANN, FRID. CHRIST.
von MATRIKEL NR: 9 der Burgsteinfurter
Loge
Oberbaudirector aus Steinfurt. Stammt aus Friedberg/Hessen.
Meistergrad. 1787 zweiter Aufseher. 1789 erster Aufseher.
Im Stadtmuseum Burgsteinfurt sind mehrere alte Stiche, die unter
seiner Mitwirkung in Paris angefertigt wurden, ausgestellt. Er
hat an vielen Bauten des BAGNO-Parks mitgewirkt.
Im neuen Buch des Kreisheimatbundes (Ausgabe 1988) sind Stiche
von La Rouge nach Zeichnungen von Br. Schazmann abgedruckt.
Unter Anmerkungen steht: Die noch vorhandenen
Originalzeichnungen des gräflichen Baudirektors von Schazmann
sind in der Tat weit besser als die Kupferstiche.
Protokoll der Stadtkommission vom 14.8.1777:
Nach Angabe des Registertagebuches wurde S. C. Schazmann
angestellt und heute vorgestellt und eingeführt worden.
Protokoll der Stadtkommission vom 26.8.1782:
Nachdem der bisherige Sekretarius Schatzmann sein Sekretariat in
die Häuser Illnstr. Regentis resigniret und der Lieutnant in
Hof-Gräfl. Dienste getreten....Nachfolger des Stadtsekretärs
wurde der bei den fürstlich gräflichen Diensten gestandene
Advokat Adolf Reinhard aus Rinteln.
|
|
Literaturhinweise:
Klaus Humpert, Martin Schenk
Entdeckung der mittelalterlichen Stadtplanung
Das Ende vom Mythos der 'gewachsenen Stadt'
Theiss Verlag, Stuttgart 2001
ISBN-10 3806214646
ISBN-13 9783806214642
Klappentext:
Mit einer CD-Rom sowie 250 farbigen Planzeichnungen und 100
farbigen Abbildungen. Die Autoren weisen in diesem reich
illustrierten Band überzeugend nach, dass die Vorstellung von
der über Jahrhunderte ständig gewachsenen mittelalterlichen
Stadt aufzugeben ist. Viele der zunächst organisch erscheinenden
Stadtgrundrisse stellen sich bei näherer Untersuchung als
Ergebnisse bewusster Entscheidungen und Leistungen von Planern
dar. Der Leser wird mit neuen Forschungsergebnissen
konfrontiert, die zeigen, dass viele Gründungsstädte mit ihren
Vorstädten in einer einzigen großen Maßnahme eingemessen wurden,
ihnen also eine exakte Geometrie zu Grunde liegt. Am Beispiel
ausgewählter Städte werden die zu Grunde liegenden
Messkonstruktionen detailliert dargestellt.
Fundamental Principles of Urban Growth
von Klaus Humpert,Klaus Brenner,Sybille Becker,
ISBN-10:3-928766-51-1EAN:9783928766517 Einband:gebunden
Verlag: Müller und Busmann
August Siegfried von Goué
Von Prof. Dr. Adolf Benkert
1918 Progr.Nr. 481 Gymn. Arnoldinum Burgsteinfurt
Prof. Dr. Erich Maschke "Südwestdeutsche Städte im Zeitalter der Staufer"
Prof. Dr. Berent Schwineköper
"Die Problematik von Begriffen wie Stauferstädte,
Zähringerstädte und ähnliche Bezeichnungen"
Prof. Dr. Volker Hoffmann
Institut für Kunstgeschichte
Hodlerstrasse 8, CH-3011 Bern
Tel. , Fax: -8969
E-Mail: hoffmann@ikg.unibe.ch
Die 'denkmalpflege' Vor Der Denkmalpflege
Akten Des Berner Kongresses 30. Juni Bis 3. Juli 1999 von Volker
Hoffmann, Jurg Schweizer, Wolfgang Wolters
ISBN 303910439X, Flexibler Einband, aus der Reihe 1,
Sach-/Fachbuch,
erschienen am 01.04.2005 bei Peter Lang Pub Inc
Der geometrische Entwurf der Hagia Sophia in Istanbul
Bilder einer Ausstellung von Volker Hoffmann
ISBN 9783039106578, Flexibler Einband, aus der Reihe 1,
Sach-/Fachbuch,
erschienen am
01.04.2005 bei Lang, Peter Bern
Das Bagno bei Burgsteinfurt
Von Wolfgang Lübbers 1992
Denkmalpflege heute Akten des Berner Denkmalpflegekongresses
Oktober 1993
von Volker Hoffmann, Hans P Autenrieth
ISBN 9783906756929, Flexibler Einband, Sach-/Fachbuch,
erschienen bei Lang, Peter Bern
Wegener, Franz:
Der Freimaurergarten.
Die geheimen Gärten der Freimaurer des 18. Jahrhunderts
Gladbeck: KFVR - Kulturförderverein Ruhrgebiet e.V., 2008
ISBN : 978-3-931300-22-7
Einband : Paperback Seiten/Umfang : 224 Seiten, 20 schwarz-weiß
Fotos,
10 Farbfotos, 1 schwarz-weiß Graphik, 22 x 17 cm
Das Steinfurter Bagno
Schriftenreihe des Kreisheimatbundes No. 5
Der Unbefangene
Zeitschrift in Burgsteinfurt v. 1803 bis ca. 1807
(Kreisarchiv Steinfurt)
Stee auf einem Bein auf der Spize des Turms
und halte den Sturm aus ohne zu fallen.
Widerstrebe der Rukhaeklung zum Klos
und sei dir selbst dein Morgen und Abendwerk.
Wer den hoeeren Ruf liest, wird sich vielleicht an den Kopf
fassen und dem Schwindel zu verfallen glauben. Gedanken und
Ausdruck sind in allen Abschnitten geheimnisvoll und dunkel, die
Wortbildung sonderbar und geradezu grotesk, die Schreibung
wunderlich und gesucht.
Die Verfasser sagen in der Einleitung [zur zweiten Auflage]
ausdrücklich, dass sie nicht für die Welt schreiben. "Wen man
sich gewoenete in Hieroglifen zu schreiben, warum solte man
nicht auch in Hieroglifen reden dürfen. Es hat oft Ursachen,
warum man nicht deutlicher sich erklaeret."
(Gloël: Nachwort, S. 274f.)
Textvorlage: August Siegfried von Goue. Auswahl von Karl
Schüddekopf. Einführung von Heinrich Gloël. Weimar:
Gesellschaft der Bibliophilen 1917, S. 159-171.
Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig.
|
|
In einem weiteren Text werde ich euch vom Grafen Ludwig
berichten und wie er sein Wunderland Bagno erschuf, welche
wundersamen Dinge es dort zu bestaunen gab und wie er auf
gefährlichen Wegen an das Wissen gelangte um sein Projekt zu
realisieren.
|
|
*) mit Dank zitiert nach
Prof. Dr. Georg Jäger, München |
|
© Rainer Wiese
Text der Anmerkung: Willi Tebben |
|