Mittelalterliche Mess- und Planungsmethoden bei der Entstehung der Burgsteinfurter Altstadt und des Bagnos.

 

Dieser Beitrag erhebt nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Dissertation, nur eine Idee welche zum Weiterforschen anregen soll.

 

©  Rainer Wiese


 

Liebe Leserin, lieber Leser,

der nun folgende Bericht ist weder eine Abhandlung von wissenschaftlichen noch historischen Untersuchen, sondern beruht nur auf Annahmen auf Grund von Erkenntnissen, die in einigen anderen historischen Städten mehr oder weniger nachgewiesen wurden. In vielen Fällen wurden und werden jedoch auch diese Forschungsergebnisse noch angezweifelt.

 

Trotzdem finde ich die folgenden Aussagen und Thesen hochinteressant und meine, dass man diesen Bericht durchaus als Anregung zum Nachdenken, Forschen, Diskutieren oder -wenn tatsächlich Wahrheiten vorhanden sein sollten- zur Bestätigung veröffentlichen sollte. Vielleicht können uns die Historiker, Geschichtsforscher usw. etwas mehr über die neuesten Erkenntnisse der geschichtlichen Entwicklung und Vergangenheit von Burgsteinfurt berichten.

 

Es ist in vielen Veröffentlichungen zwar eigentlich schon alles dazu gesagt, geschrieben bzw. nachgewiesen worden, aber wir haben bei früheren hier bei uns veröffentlichten Dissertationen oder Ausarbeitungen immer wieder zu hören bekommen, dass diese veralteten Darstellungen längst überholt sind und man bei späteren Forschungen ganz andere Ergebnisse gewonnen hätte.

 

Vielleicht könnte dieser Bericht eben auch ein Anstoß sein, das eine oder andere Wissen mal aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Egal wie das ausgeht: wir würden uns sehr freuen über eine Mitteilung zum Wahrheitsgehalt dieses Berichts.

 

Bis dahin bleibt es auch für uns zunächst eine abenteuerliche These, aber wie bereits gesagt eine hochinteressante, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen! - Anm. der Stenvorde-Redaktion


 

Anlass für meine Überlegungen war die Vermutung, dass der gräfliche Baudirektor Joh. Joest und der Gartenplaner und Freimaurer Schatzmann die im Mittelalter üblichen Methoden der Vermessung und Stadtplanung auch bei der Planung und Anlage des Bagnos verwendet haben. Die besondere Funktion der Parkanlage als Lehrstück zur „Aufklärung“ für die westfälische Bevölkerung ließen mich das vermuten. (Mehr dazu in späteren Abschnitten).

 

Die Erklärungen zur Altstadtvermessung müssen noch genauer begründet und im Einzelnen rekonstruiert und untersucht werden. Untersuchungen aus Bayreuth erhärten aber meine Vermutung, dass es sich auch bei der Altstadtanlage von Burgsteinfurt um eine geplante Stadtanlage und nicht um eine gewachsene Stadt handeln muss.

 

Früheste Ansiedlungen befanden sich im heutigen Bereich Kirchstrasse und Zitadelle, dem sog. Friedhof. Ein Begriff aus der Zeit als sich in einem Heiligen Bereich (Freyung) erste Siedler niederließen um aus der naturgegebenen Landschaft Nutzen zu ziehen. Mit der Ansiedlung von Burgmannshöfen außerhalb des unmittelbaren Burgbereiches wurde die Befestigung und damit eine nach damaligen Methoden durchzuführende Stadtplanung erforderlich.

 

Gründungslinie

Siedlungsgeographische Überlegungen müssen immer an den Beginn jeder Überlegung einer Stadtgründung gestellt werden. Der zu besiedelnde Raum musste seiner Natur nach besondere Eigenschaften besitzen und sich zur Besiedelung anbieten. Die erste Tätigkeit der mittelalterlichen Vermesser bei der Absteckung des zukünftigen Stadtgrundrisses im Gelände bestand in der Festlegung der Gründungsachse, gefolgt von der Einplanung zweier Stadttore (Torgeometrie).

Mit diesem ersten Arbeitsschritt wurden bereits wesentliche Entscheidungen zu Lage und Ausrichtung der Stadt in ihrem natürlichen Umfeld und unter Berücksichtigung der beengten topographischen Situation (Hügel, Flüsse) getroffen, die Auskunft über die zur Gründungszeit vorhandene räumliche Situation geben. (Diese Vorgaben stellen sich bei der Anlage des Bagnos nicht. Hier war aber die harmonische Anlage in die bestehenden Strukturen des bereits bestehenden Altstadtkerns zu berücksichtigen.)

 

Die Richtung der Gründungsachse legte bereits die ungefähre Lage der späteren Kirch- und Wasserstraße fest, bei der im Prinzip die Ausrichtung übernommen wurde. In Burgsteinfurt dürfte dieses der Verlauf der alten Salzhandelslinie gewesen sein, also der Feinabschnitt zwischen Borghorst und Rheine Bentlage.

 

Bei der Planung des Bagnos war die Gründungslinie anders. Hier ging es in erster Linie um die Anlage des Bagnoquadrates als repräsentativem Corps de Logis nach dem Vorbild von Schloss Clemenswerth. Diese Anlage war 8-strahlig entsprechend den Besitzungen des Kurfürsten Clemens August von Köln. Die Besitzungen zu Graf Karls Zeiten waren Batenburg, Ravenshorst, Alpen und Hawickerwert, entsprechend den vier Pavillons, erbaut durch Johann Jost von Loen . Bereits Jost hat wohl mit diesen Planungsmethoden gearbeitet. Das Jahr 1765 muss daher als das Jahr des planerischen Baubeginns im Bagno angesehen werden. Meine Überlegungen gehen von den baulichen Gegebenheiten zu diesem Zeitpunkt aus.
 

Die Vermessungstechnik des Mittelalters

Die Vermessungstechnik des Mittelalters war offensichtlich sehr praxisorientiert und lösungsbezogen. In der mittelalterlichen Stadteinmessung müssen die wesentlichen Arbeiten auch mit dem Messseil ausgeführt worden sein. Die Schnur ist für die Baupraxis ein bis heute unersetzbares Arbeitsmittel. In der Sprache hat sich bis heute davon einiges erhalten. Im Wort "Strecke" ist beispielsweise das Strecken des Seiles noch enthalten, in "Linie" und "Lineal" die Leine.
 

Mit dem Messseil kann fast jeder Arbeitsschritt, der eine hohe Genauigkeit verlangt, durchgeführt werden. Mit Hilfe des Dreiecks mit Kantenlängen von 3 : 4 : 5 wird der rechte Winkel erzeugt. Die Zwölfknotenschnur (3+4+5 = 12) war ein gebräuchliches Arbeitsgerät, das diese Dreieckskonstruktion erleichterte. Mit ihr lassen sich auch noch viele andere geometrische Operationen in einfacher Weise durchführen. Die diagonal geführte Schnur ist ein ideales und höchst präzises Kontrollmittel, das auch bei zunehmender Länge eine genaue Überprüfung des Winkels zulässt. Unter Verwendung der Schnur als Lot ist die Bestimmung einer genauen Senkrechten möglich und mit Hilfe der Kombination von gleichschenkligem Winkeldreieck und Lot lässt sich eine Horizontale bestimmen.

Die Schnur ist natürlich auch ein ideales Instrument für die Einmessung von Kreisen beliebiger Größe.

Die Markierung der eingemessenen Fundamentstreifen wurde sicherlich mit Kalk, Gips, Steinen oder Pflöcken ausgeführt. Man muss davon ausgehen, dass außerhalb der inneren Baugrube Messmarken das große Basisrechteck markierten, die nicht durch das Baugeschehen gestört wurden.

Diese Marken könnten vielleicht bei einigen Bauwerken noch heute gefunden werden. Die Rekonstruktion der Messpunkte wäre so präzise möglich.

 

Der ganze geschilderte Messvorgang ist in der Baupraxis bis heute im Schnurgerüst erhalten geblieben. Auch das Schnurgerüst wurde immer mit den Seitenverhältnissen 3:4:5 eingerichtet. Erst die modernen Messgeräte mit Lasertechnik machten diese uralte Arbeitsmethode überflüssig.
 

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Beispiel für alte Maße:

1 Bayerischer Fuß = 0,2918 m
10 Fuß = 2,918 m = 1 Rute
200 Fuß = 58,360 m = 20 Ruten
500 Fuß = 145,900 m = 50 Ruten
700 Fuß = 204,260 m = 70 Ruten
1.000 Fuß = 291,800 m = 100 Ruten
1.400 Fuß = 408,520 m = 140 Ruten

In Westfalen verwendete man die hier gebräuchlichen oder niederländische Maßeinheiten.

 

Die Thaleskonstruktion (Thales von Milet - 624 bis 546 v. Chr.)

Hier stichpunktartig einige Besonderheiten aus seinem Leben - teilweise anekdotenhaft. Eine ausführliche Geschichte zu seinen Lebensdaten im Anhang.

Größter unter den sieben Weisen.
Berühmter Spruch: "Erkenne dich selbst!"
Keine Kinder ("aus Liebe zu den Kindern").
Philosoph ("Der Ursprung aller Dinge ist das Wasser").
Mathematiker, “Naturbeobachter'', Astronom.
Forschungsreisen nach Ägypten und Babylonien.
Konnte Sonnenfinsternis 585 v. Chr. voraussagen.
Gerissener Geschäftsmann ("...ein Philosoph kann jederzeit reich werden.")
Starb an Altersschwäche, Hitze und Durst inmitten von Menschenmassen...

Das Leben und die Zeit von THALES werden sehr anschaulich in dem Buch Pythagoras - ein Thema ohne Ende von Peter Baptist beschieben, das im Klett-Verlag erschienen ist.
 

Thales' mathematische Sätze

Man weiß bis heute nicht, ob Thales mathematische Schriften verfasst hat oder nicht, jedoch "alles deutet drauf hin, dass Thales ungeachtet allen späteren Streits über seine literarische Produktion denn doch eine mathematische Schrift verfasst und Eudemos sie noch in Händen gehabt hat.

Und das wiederum heißt auch, dass wir dem Bericht des Proklos einiges Vertrauen entgegenbringen dürfen." Von Proklos kennt man einen Kommentar zu Euklids Elementen (leider nur zum ersten Buch). Dort werden vier Sätze auf Thales zurückgeführt. Wir bringen hier zwei in einer uns geläufigen Formulierung:
     - Jeder Kreis wird mit Hilfe des Durchmessers in zwei gleichgroße Hälften geteilt.
     - Bei einer Geradenkreuzung sind die Scheitelwinkel gleich groß.
 

Das christlich geprägte Mittelalter erfasste im Rahmen einer allgemeinen Kosmologie die Erschaffung der Welt und die Ordnung des Kosmos evorzugt in Bauvorstellungen und -begriff vornehmlich die repräsentative Sakralarchitektur als Abbild des Kosmos.

Die Tätigkeit des mittelalterlichen Planers war der Forderung im Liber Sapientiae verpflichtet: alles nach Maß, Zahl und Gewicht zu ordnen (Omnia mensura et numero et pondere disposuisti). Der Mensch kann im Mikrokosmos des Bauwerkes, der Stadt und eines Parkes den universalen Kosmos der Zeit, des Raumes und der Werke wiederfinden. Gleichsam das himmlische Jerusalem.

Zahlen, auch geometrische Figuren, die sie präsentieren, sind ein Mittel, die Welt zu beschreiben, zu vermessen und sie zu begreifen, d.h., sie in den eigenen geistigen Besitz einzugliedern. Im Ausmessen und Zählen geht es um die Entdeckung der Welt als einen geordneten Kosmos.

Diesem Auftrag folgten auch unsere mittelalterlichen Stadt- und Landschaftsplaner.

 

Stadtmauern

Die sichernde Schale, der Stadtmauerring, markierte klar die Grenzen der alten Stadt Burgsteinfurt. Sie stehen damit für den Planungsrahmen und nicht für das Ende eines Wachstumsprozesses. Die Stadtmauern sind nämlich allesamt älter als das älteste Haus Burgsteinfurts. Der Mauerverlauf war durch die Fixierung der beiden Durchgangs-Stadttore (Wassertor und Kirchtor) an der Gründungslinie vorbestimmt. Da Tore immer die schwächsten Teile der Mauern darstellen, mussten sie aufwendig gesichert werden. Aus diesem Grund legte man auch nur wenige Durchgänge an. Die Anzahl der Tore sagt etwas über die Bedeutung der Stadt aus; denn bekanntlich wird mit der Anzahl der Tore festgelegt, wie viele der vorhandenen und ankommenden Wege einen direkten Zugang zur Stadt erhalten. Untersuchungen zum Altwegesystem werden zeigen, dass eine eindeutige Tendenz bestand, die vorhandene Altstraße (heute Kirchstraße, Markt und Wasserstraße) in das Erschließungssystem der Stadt zu integrieren.

Die ersten Häuser (am Katthagen) waren in einem angemessenen Abstand von der Stadtmauer, d.h. der Verteidigungsanlage entfernt erbaut worden, weshalb Alt-Burgsteinfurt zur Verteidigung leicht innerhalb der Mauern umrundet werden konnte. Nur die Stadttore und der Schleusenturm bilden Ausnahmen. Ein am Fuß der Stadtmauer rings um die Stadt verlaufender Wassergraben, der aus der Steinfurter Aa gespeist wurde und ein zusätzlicher Wall, vollendete das Befestigungswerk. Die Natur tat ihr Übriges durch versumpftes Überschwemmungsgebiet vor der Kommende (bis in den Boomgarden?)
 

Stadtmauerverlauf auf dem Thales-Kreis

Die Vermessung Burgsteinfurts mit Hilfe des Wechselschlags ist auch bei anderen Stadtvermessungen immer wieder anzutreffen. Sie ist ein weiteres Beispiel für die ökonomische Arbeitsweise der Vermesser. Das Ziel ist die Erstellung eines Kreisbogens von einem festgelegten Punkt aus.

Das Messseil wurde vom Fixpunkt über den Mittelpunkt der Gründungslinie zur Kante des Schlosses geführt. Durch einen Wechselschlag zwischen den Fixpunkten wird der Mauerbogen erzeugt, der sich an den vorhergehenden Mauerabschnitt anschließt.

Bei der Erstellung der Mauersegmente mit einem Kreisbogen handelt es sich um eine besonders elegante Konstruktion. Charakteristisches Element dieser Vermessungstechnik ist der Kreisbogen. Für die Ausrundung der Schauseite des Schlosses wurde auf dem Thales-Kreis die Kreiskonstruktion angesetzt. Der Durchmesser dieses Kreisbogens entspricht dem Radius der Gründungslinie.

Für die Vermessung eines Mauerabschnitts wurde der Kantenschlag, eine universelle Standardmethode, angewendet, mit deren Hilfe die Planer ihre Konstruktion in das vorbereitete Netz einbauten. Beim Kantenschlag wird mit dem Messseil die Funktion eines Zirkels nachgeahmt. Ausgehend vom Fixpunkt, der mittig auf dem Kreisbogen des Thales - Kreises lag, wurde der Kantenschlag zwischen einem „Mittel-Tor" und einem Eckturm durchgeführt.

In vielen historischen Städten lassen sich s-förmige Bogenkombinationen aufzeigen. Diese geometrischen Figuren haben ganz offensichtlich eine aufwertende Wirkung, da die Konstruktion fast immer an prominenter Stelle im Stadtgrundriss zu finden ist.

Die Steinfurter Durchgangsstraße ist in einen oberen und einen unteren Abschnitt unterteilt (Kirchstr. und Wasserstr.) Um den Verlauf des oberen geschwungenen Abschnitts der unteren festzulegen, legte man den Mittelpunkt der Strecke zwischen dem "Wassertor" und dem Kirchtor als Fixpunkt fest. Von diesem aus wurde mittels Bogenschlag in Höhe des Marktplatzes ein Kreisbogen geschlagen. Vom gleichen Fixpunkt ausgehend, wurde Richtung Bütkamp und Rott-Tor mittels Bogenschlag ebenfalls ein Kreisbogen geschlagen.

Zum Festlegen des unteren geschwungenen Abschnitts der Wasserstrasse wurde auf dem Thaleskreis zwischen dem Punkt "Wassertor" und dem "Kirchtor" ein Fixpunkt festgelegt, von dem aus mittels Bogenschlag ein Kreisbogen geschlagen wurde. Vom gleichen Fixpunkt ausgehend, wurde auf der anderen Straßeseite mittels Bogenschlag ebenfalls ein Kreisbogen geschlagen. Die Hauptstrasse einer mittelalterlichen Stadt war nie schnurgerade bis zum anderen Stadttor angelegt. Das war verteidigungsstrategisch sinnvoll und verwehrte dem zufälligen Besucher keinen direkten Einblick in das Marktgeschehen. Noch heute gilt im Feng Shui, dass böse Geister keine Kurven gehen können und so hielt man sich auch diese aus der Stadt fern.

Da solche Varianten auch in anderen Städten vorgefunden werden, kann man davon ausgehen, dass es sich um keinen zufälligen Selbstbildungsprozess handelt, sondern dass hier ein gezielter Planungswille vorlag. Bei vielen Städten ist in der Position der Stadttore eine geometrische Systematik zu finden, die auf die Startkonstruktion schließen lässt.
 

Wasserversorgung

Ein wichtiges Element, das bei der Planung der Infrastruktur einer Stadt beachtet werden musste, war das System der Trinkwasserversorgung und Schmutzwasserableitung. Die Verteilung der Laufbrunnen in den einzelnen Stadtquartieren gehörte bereits zur Aufgabe der Erstvermessung; denn eine Hofstätte ist ohne Wert, wenn sie keinen Zugang zu trinkbarem Wasser hat. Gründungsstädte wiesen darüber hinaus auch eine zusätzliche Brauch- und Gewerbewasserversorgung auf. Ergänzt wurden sie durch öffentliche Brunnen zur Brandbekämpfung.

Die Wasserversorgung Burgsteinfurts erfolgte völlig problemlos, da die neugegründete Stadt von Flüssen, Bächen und Weihern überreichlich umgeben war. Dieser naturgegebene Wasserreichtum ermöglichte die Individualversorgung durch direkten Zugang zu den Gewässern. Die Steinfurter Bürger hatten frühzeitig mit der Anlage von Brunnen in ihren Grundstücken begonnen. So können - von öffentlichen Brunnen abgesehen - fast für jedes dritte Gebäude Hausbrunnen nachgewiesen werden.
 

Das Geheimnis der Arbeitsmethodik mittelalterlicher Stadtplanungen

Historische Messmethoden

Die Seilvermessung hat eine lange Tradition und war bereits in Mesopotamien und vor allem in Ägypten bekannt, denn dort gab es ein ganz praktisches Arbeitsfeld für jährliche Vermessungsarbeiten. Die Ägypter waren in den Bereichen der Bautechnik perfekte Vermesser. Stadtplanerpersönlichkeiten sind auch aus Griechenland bekannt. Der erste Theoretiker der griechischen Stadtplanung war Hippodamos aus Milet, der aus der Schule des Pythagoras kam. Seine erste Musterstadt (Planstadt) soll die Hafenstadt von Athen, Piräus, gewesen sein.

Der Gründungsvorgang einer römischen Stadt ist gut überliefert. Zuerst wurde das Achsenkreuz festgelegt, dessen Nord-Süd-Achse Cardo (= Weltachse) hieß. Die in Ost-West-Richtung verlaufende Achse wurde Decumanus genannt, weil an ihrem Anfang die Porta Decumana (Haupttor) errichtet wurde.

Die Umgrenzungslinie der neuen Stadt wurde mit einem Pflug, der von einer weißen Kuh und einem Stier gezogen wurde, in den Erdboden geritzt. Die Erde musste bei diesem Vorgang nach außen geworfen werden. An den zukünftigen Tordurchlässen wurde der Pflug angehoben.

 

Abb. 1

Anwendung der Groma

Die Groma ist ein auf einer Stange montiertes Achsenkreuz, an dessen vier Armen jeweils ein Lot hängt. Mit zwei einfachen Peilvorgängen über die gegenüber hängenden Lotschnüre kann die Richtung festgelegt werden. Durch die rechtwinklige Anordnung der Kreuzarme ist die Übertragung des rechten Winkels in die Landschaft gesichert. Die Peilung mit Hilfe zweier Stangen über große Entfernung ist eine alte Methode, um eine Gerade in das Gelände zu übertragen.

Quelle: http://www.vetoniana.de/01966e92ae10a7f01/01966e92ae123843a/

 

   

Abb. 2 und 3: Landvermessung mit der „Groma“

 

Darstellung der Arithmetik mit Zwölfknotenschnur und der Geometrie mit Messstange und Zirkel

In der mittelalterlichen Stadteinmessung müssen die wesentlichen Arbeiten ebenso mit dem Messseil ausgeführt worden sein. Mit dem Messseil kann fast jeder Arbeitsschritt, der eine hohe Genauigkeit verlangt, durchgeführt werden.

Mit Hilfe des Dreiecks mit Kantenlängen von 3 : 4 : 5 wird der rechte Winkel erzeugt. Die Zwölfknotenschnur (3 + 4 + 5 = 12) war ein gebräuchliches Arbeitsgerät, das diese Dreieckskontruktion erleichterte. Mit ihr lassen sich auch noch viele andere geometrische Operationen in einfacher Weise durchführen. Noch heute ist sie „freimaurerisches Arbeitsgerät.“
 

Abb. 4: Darstellung der Arithmetik mit Zwölfknotenschnur und der Geometrie mit Messstange und Zirkel

 

Das Pentagramm

Das Pentagramm ist eines der ältesten Symbole, das wir kennen und wurde schon viertausend Jahre vor Christi verwendet.

Mit den Kreuzzügen kam das Pentagramm nach Europa. Dahingehend sensibilisiert, findet man Fünfecke und Fünfsterne "an allen Ecken und Enden": In Flaggen und Wappen, im Hoheitszeichen der US-Airforce, als Roter Stern (Emblem des Sozialismus), in grün als Zeichen des Islam, im Firmenzeichen der Automarke Chrysler, in der Architektur des US-Verteidigungsministeriums "Pentagon" und bei den meisten Weihnachtssternen. Noch weniger bekannt ist die Tatsache, dass der fünfzackige Stern beinahe zum Symbol der olympischen Spiele geworden wäre und erst im letzten Moment zugunsten der fünf ineinander verschlungenen Ringe aufgegeben wurde. Selbst die Kirche verwendet den Fünfstern, was man besonders eindrucksvoll an vielen gotischen Fensterrosetten sehen kann. In der Natur kommt die Zahl 5, das Fünfeck und der Fünfstern häufig vor, denn die 5 ist eines der Form bestimmenden Prinzipien der organisch belebten Natur. Mit den Templern und den Kreuzzügen kam das Wissen um Symbole wie das Pentagramm auch nach Europa.

Die Templer waren die Mitglieder eines mittelalterlichen Religions- und Militärordens, der offiziell "Orden der armen Ritter Christi" hieß. Gemeinhin bekannt waren sie als die "Ritter des Tempels von Salomon" oder "Tempelherren", da ihr erstes Ordenshaus nahe der Stelle gelegen war, an welcher der Salomonische Tempel stand. Da die Templer regelmäßig Geld und Güter von Europa nach Palästina transferierten, entwickelten sie ein gutes Bankensystem, das bald auch die europäischen Herrscher und Adelshäuser in Anspruch nahmen. Nachdem im Jahre 1099 Jerusalem erstmals von den Christen erobert worden war, erschien bald darauf die Gotik im Abendland in Gestalt der Tempelbaukunst, die in den von den Templern initiierten und finanzierten Bauhütten aufblühte. Die geheime Kenntnis ewiger Zahlengesetze wurde die Grundlage für den Bau von prächtigen Kathedralen, Kirchen und Abteien in ganz Europa. Wegen deren Bezüge zur Arithmetik, Geographie und Astronomie geraten Forscher immer wieder in höchstes Staunen über das Wissen der Baumeister. Über die Kommende in Burgsteinfurt erreichte über den Johanniterorden dieses Wissen auch unsere Region.
 

Dombauhütten


Abb. 5: Gott als

Baumeister

 

Die Dombauhütte war im Mittelalter ein Werkstattverband aller an einem Kirchenbau tätigen Handwerker. Hauptmerkmale der Bauhütten war ein streng hierarchischer Aufbau mit eigener Gerichtsbarkeit, Standesvertretung, Ausbildung des Nachwuchses, Wahrung, Überlieferung und Geheimhaltung von Berufsgeheimnissen. Es ist Bischof Gottfried zu verdanken, dass sich im 12. Jahrhundert die Lehren der Schule in Chartres von England bis Sizilien erstreckte, möglicherweise sogar bis in die islamische Welt.

Mit Thierry von Chartres, Nachfolger und Kanzler der Schule um 1140, wurde die Theologie zur Geometrie. Thierry wollte mittels Geometrie und Arithmetik den göttlichen Künstler hinter seiner Schöpfung aufspüren. Elemente seiner Philosophie sind das Eine und die Zahl. Das Eine als das Unwandelbare und Ewige ist identisch mit Gott, während die Zahl für das Verwunderliche, das geschaffene Sein, steht. Thierry selbst verfasste mehrere Bücher, darunter einen Kommentar zu Boethius, das Heptateuchon, ein Lehrwerk zu den sieben Freien Künsten.

Lehrbücher zur Geometrie

In der Handschrift De Natura Rerum befinden sich Texte zur Rechenkunst, Geometrie und Feldmesserkunst. Es ist Naturwissenschaftliches Lehrbuch, das das auf der Antike basierende Wissen über Astronomie und Geografie zusammenfasst. (Bamberg)

Als Herren der Bamberger Dombauhütte konnten sie das von den Templern (Grafen von Andechs-Meranien und die Templer) mitgebrachte Wissen und somit auch die Lehren von Chartres für den Bamberger Dombau und für die planmäßige Erstellung von Stadtanlagen (z.B. Bayreuth) übernehmen und anwenden. Die Bibliothek von Schloss Steinfurt hat ebenfalls Folianten zur Geometrie.

 

Die Werkleute der Bauhütten

 

Abb. 6: Geometria

als Baumeister

Es ist bekannt, dass die Bauleute, denen wir die Kathedralen verdanken, in Kumpaneien, in Bruderschaften miteinander verbunden waren. Drei solche Bruderschaften hat es z.B. zur Zeit der Grafen von Andechs-Meranien gegeben: Les Enfants du Père Soubise (die Kinder des Vaters Soubise), Les Enfants du Maitre Jacques (die Kinder des Meisters Jakob) und Les Enfants de Salomon (die Kinder Salomons).

 

Alle hüteten die Tradition des Handwerks, sind vom Adel des Handwerks durchdrungen und lehren den Gehorsam gegen das Werk, dem man sich verpflichtet hat. Sie verständigten sich untereinander durch die Worte und Zeichen einer Geheimsprache. Sie stehen in der Pflicht des Werkes, in der Pflicht der Berufung, n der Pflicht des Menschseins, die sie niemals verleugnet haben. Die Lehrlinge erlernen ihr Handwerk unter der Anleitung der Gesellen von Bauhütte zu Bauhütte im Lauf einer Wanderschaft. Das Wissen, das die Bruderschaft als ihr besonderes Eigentum verwaltet, wird durch die Meister vermittelt.

 

Die für den gotischen Bau notwendige Kenntnis der "Darstellenden Geometrie" - das Wissen der Mönche von Citeaux - ist lediglich den Erben der Kinder Salomons (Les Enfants de Salomon), den Compagnons du Devoir de Liberté, überliefert worden. Es muß sich also um eine Bruderschaft geistlicher Bauleute gehandelt haben, die von Citeaux - parallel mit der Begründung des Templerordens - ins Leben gerufen worden ist. Der Orden hatte eine komplexe Organisation, es gab Mönche und Laien, Ritter und Handwerker; alle waren Brüder. Speziell qualifizierte Geometer führten im Auftrag der Landesherren die Stadtplanungen durch.

 

Freimaurer

 

Die Symbole der heutigen Freimaurer sind zu einem wesentlichen Teil aus der Werkmauerei der mittelalterlichen Dombauer übernommen worden.

 

Die Säulen zum Bau von Kirchen und Städten symbolisieren noch heute:

 - die Weisheit (Gesinnung)

 - die Stärke (sittliche Kraft)

 - die Schönheit (Harmonie).


Die Erbauer und Planer des Bagno entstammten freimaurerischer Tradition:

Abb. 7: freimaurerische Arbeitstafel

(um 1740)

Das Steinfurter Bagno - ein Projekt im Licht der Aufklärung

Als die Grafen Karl und Ludwig von Bentheim-Steinfurt ihre Ideen zur Gestaltung der Anlagen des Bagno entwickelten, befand sich Europa in der Zeit eines geistigen Umbruchs. In Frankreich bezeichnete man die Zeit als das „Siécle des lumiérs“. Diese Bewegung räumte der Vernunft die Priorität vor der Tradition und der äußeren Autorität ein. Man forderte die natürliche Religion ein, die sich auf die Bejahung Gottes als höchstes Wesen und als Glauben an die ersten Ursachen verstand. Man beschäftigte sich vorurteilslos mit den Naturwissenschaften und im Bereich des Rechtes wurde die Gleichheit betont.

Auch in Burgsteinfurt widmete man sich wissenschaftlichen Themen. Man lehrte in der „Hohen Schule“ und auf ihrem Turm und der Plattform des Schlosses beobachte man den Gang der Gestirne unter wissenschaftlichen Aspekten. 1765 wurde das Projekt “Bagno“ umgesetzt welches dieses Wissen einer breiten Öffentlichkeit näher bringen sollte. Der Graf unterhielt eine für die damalige Zeit interessante Geräte- und Kuriositätensammlung und 1785 stieg ein Heißluftballon (bereits im 4. Jahr nach Montgolfiere) als wissenschaftliche Demonstration in den münsterländischen Himmel auf.

Der fürstliche Baudirektor Friedrich Christian von Schatzmann war Freimaurer und beriet den Grafen bei der Umsetzung seiner Ideen. In dem Lehrstück des Bagno spiegelt sich die Darstellung der spirituellen Menschheitsgeschichte von Werden und Vergehen wie sie die Freimaurer vertreten und in ihrer Symbolik bis heute bewahren. Von der Dunkelheit (des Unwissens) bis zum Licht (der Aufklärung) durch die Zeit der Geschichte und des menschlichen Lebens finden wir die gleiche Symbolik in anderen Gartenanlagen dieser Zeit. (Parc Monceau Paris, Schloss Louisenlund, Wörlitz, Wilhelmshöhe)

Hier einige Beispiele: Die Ruinen- und Roseninsel als Symbol für Leben und Vergänglichkeit, die Wasserkunst als Zeichen für das Rad des Lebens und den Fluss der Geschichte. Diogenes als „Erkenne Dich Selbst“. Die Baukunst im Dienst der Religion von den Pyramiden über die griechischen Tempel bis zum Islam (Moschee) und Christentum (Kapelle am See).

Die Öffnung dieser „Geheimnisse“ für jedermann war dadurch gekennzeichnet, dass nicht nur die gräfliche Familie und deren geladene Gäste daran teilnehmen konnten, sondern jedermann aus der gemeinen Bevölkerung der ordentlich gekleidet den Park betrat. Sogar der Bau der Konzertgalerie war so angelegt, dass sie nach außen geöffnet werden konnte und die Besucher so den Darbietungen lauschen konnten.

Den Zugang zum Bagno bewachte die gräfliche Garde, überwiegend Mitbrüder in der 1785 vom gräflichen Hofcavalier und Hauptmann Siegfried August von Goué 2), einem Jugendfreund Goethes (seit 1780 am gräflichen Hof) gegründeten Loge „Ludwig zum Flammenden Stern“. Dazu zählten auch die Grenadiere Hetzer und Bergfeld und der Feldwebel Wagner.
 

Abb. 8: Grenadierswache mit Feldwebel Wagner und den Grenadieren Hetzer und Bergfeld

Die Brr. Franciscus Grünbein, J. Justus (Hof Sprachmeister) und der Kammervirtuose Friedrich Roslaub waren ebenfalls Logenmitglieder. Sie erhielten ihre Initiationen wahrscheinlich noch in dem langen unterirdischen Gang der Ruineninsel des Bagno welchen Schatzmann anlegen ließ. Beim Austreten aus der Felsengrotte erblickte man das Licht vom Osten her. Der Osnabrücker Freigeist und Patriot K.J. Gruner (1777-1820) besuchte Burgsteinfurt und die Loge, ebenso wie die Freimaurer J.B. Bernadotte (1763-1844) und General von Blücher, welcher Meister der Loge in Münster war. Da man ihn “in Münster nicht mochte“, besuchte er so wie Hardenberg und der Freiherr von Stein die Loge in Burgsteinfurt. Im Mitgliederverzeichnis von 1787 finden sich allein 13 bekannte Angehörige des gräflichen Hofes wieder. Graf Ludwig selber war Protektor.

 

2010 feiert die Burgsteinfurter Loge ihr 225-jähriges Jubiläum. Bisher war sie im ehemaligen „Maison du Garde“ (heute Bagnorestaurant) beheimatet und arbeitet heute im Huck-Beifang-Haus in der Hahnenstraße 8. Auf dem „Plan Génerál du Bagno“ befinden sich ein Vers von Ganganelli dem Aufklärerpapst und dem damals führenden Freimaurer Voltaire. Der Sinnspruch am unteren Rand spiegelt die ganze freimauerische Denk- und Lebensweise wider:

 

 

Dein Leben, mein Freund, ist eine Reise.
Der Weg verführt, gehe ihn, hoff (und) sei weise.

 

Die Planungsstufen des Bagno

Die Gründungslinie des Bagno.

Nach Festlegung der Gründungslinie an der kleinen Kirche (geistliches Zentrum der Stadt, unter Berücksichtigung der besonderen topographischen Situation (Altstadt, Schlossgraben und Wohnung des Grafen (weltliches Machtzentrum), bis zur Baustelle (Wasserstelle / Entencoje) erfolgte der zweite Schritt auf Grundlage der Thales-Konstruktion:

In der Parkmitte wurde der Mittelpunkt der Gründungslinie fixiert. Der anschließend gezogene Kreis umfriedete die gesamte Plananlage.

Vom Mittelpunkt der Gründungslinie aus wurde ein rechtwinkliges Dreieck mit einer Schenkellänge bis zum süßen Quell (Badestelle im Bagno, daher der Name) konstruiert und darüber hinaus bis zum großen Wasserrad, womit bereits alle für die folgenden Teilschritte des Basisgerüsts wichtigen Maße festgelegt waren. Die genauen Maße zu ermitteln war mir bisher noch nicht möglich. Bevorzugt wurde bei der Konstruktion für den Bagno eine Quadratkonstruktion im Kreis. Diese Form ist bei Klosteranlagen, aber auch bei Rahmenkonstruktionen der Miniaturen z.B. in der manessischen Handschrift vielfach verwendet worden.

Viele Bauherren und Künstler nutzten zur formalen Gestaltung die Eigenschaften des Quadrates, das sich bekanntlich vor vielen anderen Formen auszeichnete. Es besitzt vier Symmetrieachsen - die beiden Mittellinien und die beiden Diagonalen. Es lässt sich durch kleinere Figuren von gleicher Gestalt (kleine Quadrate) lückenlos und überlappungsfrei auslegen. Das war für die Anlage von Modulen wie bei einer Parkanlage von Wichtigkeit.

Um weitere Bezugspunkte in der Bagnoplanung zu rekonstruieren, zog ich die Verbindungswege über evtl. Abbiegungen und Kreuzungspunkte hinaus bis an den Rand der Generalkarte des Bagno. (Ich habe bisher jedoch nur eine unscharfen kleinen Scan zur Verfügung.)

 

Abb. 9

Es zeigte sich sehr schnell, dass sich noch zwei weitere Konzentrationspunkte der Linien (nennen wir sie nach „Feng Shui“ Kraftlinien) herausstellten. Die Kommendenkapelle und die neue Wache.

 

Abb. 10

Über das Netz von Strahlen aus der Bagnoquelle, der Kommendenkapelle und der kleinen Kirche verlaufen parallele senkrechte Linien welche vorwiegend auf Wegen und Wegkreuzungen liegen. Ihre leichte Konzentrik verweist auf einen weiter entfernt liegenden Kreuzungspunkt. Die drei Bagnoinseln liegen alle auf einem Strahl zur Quelle und schneiden den Standort der Bagnokapelle. Auf der Allee des französischen Gartens befindet sich der Mittelpunkt der Thaleskonstruktion.

Weitere erstaunliche Übereinstimmungen werden sich ergeben, wenn man die von mir im Schnellgang erstellte Grafik auf einer grösseren Zeichnung nachvollzieht. Geringe Ungenauigkeiten erklären sich damit, dass die Schatzmannsche Karte von Le Rouge von Hand gezeichnet wurde. Damals gab es noch keine CAD-Programme und Satellitenaufnahmen.

Zum Schluss noch eine interessante Feststellung. Aus dem Gewirr von Linien lassen sich einige interessante Figuren erkennen. Darunter auch ein Pentagramm und eine Pyramidendarstellung. Gewollt oder Zufall? Wer weiss es? Ist das Bangoquadrat die ’3’ in einer Dreieckszeichnung der Pythagorasfigur?

 

Abb. 11

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Schlussbemerkung:

Die Stadt- und Bagnoplanung beruht auf der Messmethodik der mittelalterlichen Planstädte. Die Gründungslinie wurde von dem Wunsch des Grafen nach einem Sommersitz bestimmt. Später entstand ein im Sinne der Aufklärung beabsichtigter Volks-Lehrgarten. Die Bezugspunkte waren daher auf die Kommendenkapelle als historischen Urflusspunkt und die zeitgenössisch sprudelnde Quelle (des Wissens) im Bagno ausgerichtet. Die Quellinie reicht überdies zur Wasserkunst als dem Symbol für Lebensrad und Fluss des Lebens. Von hier gehen die Bezugslinie über die Bagnoinseln Wahrheit, Stärke, Schönheit und ihrer Doppelnatur Unwissenheit, Vergänglichkeit und Leben. Eine genauere Interpretationsarbeit steht noch aus.

Natürlich ist das alles nicht auf meinem Mist gewachsen. Schon gar nicht in einer einzigen Nacht. Die Erkenntnisse aus der Planungsstadt Bayreuth, welche ähnliche Merkmale aufweist wie Burgsteinfurt sind natürlich eingeflossen. Ich erspare mir hier jedoch die üblichen Verweise. Im Anhang noch einige Erläuterungen zur Person des Thales und eine Biografie des Burgsteinfurter Logengründers Siegfried August von Goué.

Die Geografie vom Bagno muss ich mir noch mal angucken. Bei Google-Earth hauen die Linien nicht ganz so gut hin, ist aber durch die Satellitenposition auch etwas verzogen. Als Resumé kann man aber jetzt schon sagen, dass das, was unsere Stadtführer über Graf Ludwig und den Bagno sagen nicht ganz stimmt. Unser Graf hatte es schon lange nicht mehr nötig als absolutistischer Herrscher um Anerkennung zu betteln und mit seinem Bagno anzugeben. Er war Respektsperson seiner Zeit und der Bagno ein Lehrprojekt der Aufklärungszeit. Das wussten diejenigen die aufgeklärt werden sollten natürlich nicht alle. Und Steinfurts erste Stadtführer (die Schlosswache) hatte viel zu tun den Leuten die Objekte zu erklären. Geschult wurden sie dazu in Gués Loge. Jedenfalls hatte der Graf nicht vor Krieg zu führen, dafür war die Garde zu schwach; aber als reine Schloss- und Parkwache (und als hervorragende "Anschauungspädagogen") gerade groß genug. Leider scheiterte das Projekt daran, dass es seiner Zeit voraus war. Aus Gram darüber endete Gué im Suff und der Graf in den Depressionen über die verlorene Würde und Anerkennung. - Ich glaube auch heute wäre es noch seiner Zeit voraus. Denn die Steinfurter, die alte Häuser abreißen, würden auch einen wieder aufgebauten Bagno nicht verstehen.

 

ANHANG

Ich zitiere Auszüge aus dem Kapitel ``Pythagoras trifft Thales'':
 

Pythagoras trifft Thales

Wir schreiben die 50er Jahre des sechsten Jahrhunderts vor Christus. Die Städte der Küstenregion Ioniens nutzten ihre günstige Lage zwischen der griechischen und persischen Einflusssphäre, indem sie gewinnbringende Handelsbeziehungen mit beiden Seiten unterhielten.

Milet hatte sich zu einer lebendigen und reichen Hafenstadt entwickelt, es war damals wohl die bedeutendste ionische Stadt überhaupt. Hier wurden nahezu alle Güter der Welt umgeschlagen: Getreide, Öl, Metalle, Papyrus, Stoffe und Wein. Milet war eine Stadt, in der die Geschäfte florierten und Wohlstand für viele herrschte, in der Menschen aus allen Teilen der Welt zusammenkamen, in der Neuigkeiten und Informationen ausgetauscht wurden. Eine solche Stadt bietet ideale Voraussetzungen als Brutstätte neuer Ideen und Lehren, da die Menschen in ihr weltoffen und neugierig sind. In den engen, rechtwinklig verlaufenden Gassen Milets -- der Stadtplan erinnert uns beinahe an Manhattan -- bahnen sich zwei Männer mühsam ihren Weg durch das Gedränge. Der ältere der beiden wird öfters von Passanten freundlich gegrüßt und wechselt ein paar Worte mit ihnen. Man kennt und schätzt eben Thales in seiner Heimatstadt. Sein Begleiter ist wesentlich jünger und kam erst vor einigen Tagen von der nahen Insel Samos, um für einige Wochen bei ihm zu studieren. Nachdem sie den Stadtkern durchquert haben, steigen die beiden den Hügel Kebalak Tepe hinaus genießen von dort oben den Blick auf die Stadt, die auf einer Landzunge in das Meer hinausragt.

Ein Schiff vor der Küste erregt ihre Aufmerksamkeit. Thales fragt seinen jungen Begleiter, der sich übrigens Pythagoras nennt, ob er ihm eine Möglichkeit beschreiben könne, mit der sich die Entfernung des Schiffes von der Küste bestimmen lässt. Da Pythagoras nicht sogleich antwortet, zeichnet Thales eine Figur mit seinem Stock in den Staub und beginnt eine Geometrielektion [...]

Der alte Thales gemeinsam mit seinem jungen Schüler Pythagoras auf dem Hügel Kebalak Tepe oberhalb Milets -- eine wirklich schöne Legende, aber mehr auch nicht! Ein Zusammentreffen der beiden Urväter der antiken Geometrie wäre aufgrund der geographischen Nähe -- Samos liegt etwa 90
Kilometer nordwestlich von Milet -- und der überlappenden Lebensdaten -- ca. 624 - ca. 546 bzw. ca. 580 - ca. 500 -- durchaus denkbar, doch es gibt keinerlei Belege oder auch nur kleinste Hinweise dafür. Unsere Geschichte handelt somit von einer fiktiven Begegnung, eben einer Begegnung der besonderen Art.

Während Pythagoras von seinen Zeitgenossen und von seinen griechischen Nachfahren nicht immer mit Lob bedacht wurde, Heraklit von Ephesos (ca. 540 - ca. 480 v.Chr.) unterstellt ihm gar „Vielwisserei ohne Verstand'', (wie bei mir ausreichend beeindruckendes Halbwissen) hört man über Thales überwiegend sehr viel Positives. Noch im 2. Jahrhundert nach Christus preist der Dichter Apuelios seine wissenschaftlichen Leistungen: ``Thales von Milet, gewiß der größte unter jenen sieben überlieferten Männern der Weisheit (war er doch bei den Griechen der erste Erforscher der
Geometrie und ein äußert zuverlässiger Betrachter der Natur und der Sterne) hat die größten Dinge in kurzen Zeilen erforscht: den Kreislauf der Jahreszeiten, das Wehen der Winde, den Gang der Sterne, das tönende Wunder des Donners, die gekrümmten Bahnen der Gestirne, die jährlichen Sonnenwenden, ebenso das Wachsen des neuen Mondes und die Abnahme des alternden sowie das Verschwinden es dahingehenden Mondes.

Ebenso hat er, bereits in hohem Alter, ein göttliches Zahlenverhältnis bei der Sonne beschrieben, welches ich nicht nur gehört, sondern auch durch eigene Beobachtung bestätigt habe, nämlich: wie oft die Sonne mit ihrer Größe den Kreis, den sie durchläuft, misst [gemeint ist das Zahlenverhältnis 1:720].''

Dass Thales der größte unter den Sieben Weisen war, dürfen wir Apuelios getrost glauben, denn es gibt etliche Listen mit Namen der Weisen, die allerdings nicht übereinstimmen. Bei deren Durchsicht kommt man insgesamt auf 17 Weise. Aber Thales schlägt die gesamte Konkurrenz, denn er steht auf jeder der Listen.

Wie nicht anders zu erwarten, ranken sich um Thales eine Vielzahl von Anekdoten. Auf die Frage, warum er keine Kinder habe, entschuldigte er sich mit den Worten: “Aus Liebe zu den Kindern.''

Seine Mutter wollte ihm unbedingt eine Braut suchen. Er wehrte sich jahrelang dagegen mit der Bemerkung: “Noch ist es Zeit.'' Schließlich konnte er später antworten: “Nun ist die Zeit dazu vorüber.'' Platon schildert ihn als einen etwas vertrottelten -- oder vornehmer ausgedrückt -- als zerstreuten Gelehrten, weil er beim Sternengucken einen Brunnen nicht bemerkte und unter dem Gespött einer Sklavin prompt hineinfiel. Ich entdecke viele Gemeinsamkeiten, daher ist er mir so sympathisch. Als gerissenen Geschäftsmann stellt ihn dagegen Aristoteles dar. Aufgrund nicht näher
geschilderter astronomischer Beobachtungen sah Thales eine gute Olivenernte voraus. Bereits im Winter zuvor mietete er daher alle Ölpressen in der Stadt und Umgebung für billiges Geld, um diese dann in der Erntezeit zu Höchstpreisen zu verleihen. Diese Aktion diente ihm zum Beweis, dass ein Philosoph jeder Zeit reich werden könne, wenn er nur wolle, ich will und kann es wohl nicht mehr.

Im Unterschied zu den historisch umstrittenen Reisen des Pythagoras nach Ägypten und Babylonien, werden Aufenthalte des Thales in diesen Ländern nicht angezweifelt. Er brach zu seiner Wissenschaftsreise auf, als er das Alter der Vernunft erreicht hatte. Für einen Weisen dürften dies sicherlich die Jugendjahre gewesen sein. Bei den Priestern in der Fremde lernte er alles, was man damals über Himmelskunde, Mathematik und Navigationslehre wusste. Mit den dort erworbenen Kenntnissen gelang ihm im Jahr 585 v.Chr. eine großartige Leistung, die seinen Ruf als herausragenden Wissenschaftler bei seinen Zeitgenossen begründete. Er sagte eine Sonnenfinsternis voraus -- und die trat auch tatsächlich ein. Sein Ansehen stieg ins Unermessliche. Natürlich stand ihm dabei das Glück des Tüchtigen zur Seite. Aufgrund der Beobachtungen der chaldäischen Priester konnte man auf die Periodizität der Verfinsterungen schließen und damit das ungefähre Datum der nächsten Verfinsterung vorausberechnen. Aber man konnte nicht sicher sein, dass man sie in Milet auch sieht. Der Erfolg war grandios, sein vorhergesagtes Datum stimmte und die Finsternis war total.

Thales wurde sehr alt. Mit einem Epigramm beschreibt Diogenes Laertios seinen Tod:

``Aus der Bahn entriss den Weisen der große Kronide
Da er den gymnischen Kampf der Hellenen ansah.
Ihm den Sternen zu nähern, die sein hochstrebendes Auge
Von der Erde nicht mehr sah am hohen Olymp.''

Thales starb an Altersschwäche, Hitze und Durst inmitten von Menschenmassen in einem Stadion, wo er einem sportlichen Wettkampf zusah. Man ist versucht zu sagen: Typisch für die Sportbegeisterung der Hellenen, die ohne ihre ``ewige Turnerei'' (Jakob Burckhardt) nicht leben -- und nicht sterben konnten. Danach wird es mich wohl beim Steinfurt-Marathon erwischen. Beim Zusehen natürlich beim Bierschäsken mit Rolinck-Lager.

 

Warum wurde Thales so berühmt?

Thales ist einer der Wendepunkte des europäischen Denkens: Mit ihm beginnt, was wir Wissenschaft nennen. Auch dieses Gedankengut hat eine gewisse Tradition. Liest man nämlich Homer genauer, so fällt einem auf, dass sich dort bereits Ansätze eines "rationalen", "naturerkennenden" Denkens finden. Wir zitieren wichtige Stellen, die darauf hindeuten aus :

"Homers diesseitiger Geist lässt erstmals aus dem narkotischen Dunst von Mythos und Magie etwas aufzeigen, das wenig später in Milet festere Konturen gewinnen und dann unser Leben im Guten und Bösen mächtiger bestimmen wird als alles andere sonst [...] :

 

Die nur im Medium der Diesseitigkeit mögliche Vorstellung einer durch sich selbst existierenden, autonomen Natur. Und damit auch die Vorstellung, die Natur könne vom Menschen erkannt werden - denn erkennen kann man nur das durch sich selbst bestehende, das nicht heute oder morgen oder übermorgen durch "unberechenbare" Eingriffe von außen willkürlich gestört und aus der Bahn geworfen wird.

 

Nur eine erkannte Natur aber lässt sich in den Dienst des Menschen stellen. Denn diese übergewaltige Natur kann der lächerlich kleine Mensch nur "beherrschen", indem er sich ihr unterwirft; dazu aber muss er ihre Gesetze kennen - und um die Gesetze zu erforschen muss er gegen allen chaotischen Animismus und Geisterglauben erst einmal den ungeheueren Gedanken fassen, die Natur sei überhaupt gesetzlich geordnet, sei irgendwie gesetzlich geordnet, aber eben geordnet, und nicht Spielball von Göttern, Dämonen und weiteren Zauberentitäten minderen Rangs.

 

Diese unendlich folgenreiche "Entzauberung der Welt" (Max Weber) hebt an in Ionien, und sie wird auf den Weg gebracht durch Homer und seine entzaubernde Diesseitigkeit."

 

[Homer stellte fest:] "Okeanos sei der Ursprung und Anfang sämtlicher Dinge [...]

 

Man kann den Gedanken nicht abwehren, dass Homer hier den Okeanos gar nicht mehr als Gott sondern nur noch als dessen Element, das Wasser, gedacht hat und dass er so den berühmten Satz des Thales vorwegnimmt (mit dem die abendländische Philosophie begonnen haben soll), der Ursprung aller Dinge sei das Wasser. [...]

 

Die Frage nach dem Ursprung der Dinge hat sich seit jeher den Menschen aufgedrängt; sie wird von allen Völkern und von allen Kindern gestellt. Erst beim Versuch einer Antwort scheiden sich die Geister - je nachdem, ob der Ursprung in göttlichen Akten oder in natürlichen Gegebenheiten gesucht wird. Erst die zweite Antwort konstituiert die Autonomie der Natur. Es scheint, dass wir sie Homer verdanken.

 

Die ionischen Naturphilosophen brauchten sie nur noch weiterzudenken [...] Die Frage, woraus der Okeanos selbst entstanden sei, übergeht Homer mit Schweigen; auch Thales wird nicht sagen, woher denn das Wasser kommt. [...]

Drückt sich in diesem Schweigen vielleicht nicht schon aus, was spätere Griechen laut sagen werden, dass nichts entsteht und nichts zergeht - also das, was noch viel später einer der fundamentalsten Sätze der Physik und Chemie sein wird: der Satz von der Erhaltung der Materie (der dann 1905 in dem noch umfassenderen Satz von der Erhaltung der Energie aufgehen wird)? [...]

Doch es geht hier nicht darum, alten Dichtern und Denkern "Erkenntnisse" unterzuschieben, schon gar nicht die einer modernen Naturwissenschaft; das wäre ein lächerliches Unterfangen.

 

Es geht um etwas ungleich Wichtigeres, aus dem "Erkenntnisse" nach genügend langer Zeit in fast unheimlicher Weise wie von selbst entstehen: Es geht um eine völlige Umkehr der Blick- und Denkrichtung - weg von unberechenbaren Machinationen unberechenbarer Mächte, hin zum "Projekt geordnete Natur". (Wie's im Projekt „Bagno dargestellt wird.)

 

Diese ionische Kehre ist die radikalste Wendung in der menschlichen Geschichte, und sie hat die radikalsten Folgen gehabt. An ihrem Anfang steht Homer."

 

Das Neue bei Thales

Des Ruhm des Thales kam nicht von dem Satz "Der Ursprung aller Dinge ist das Wasser" , auch nicht (wie die wir Mathematiklehrer vielleicht manchmal meinen) durch den Thalessatz (von dem noch nicht einmal erwiesen ist, dass er wirklich von Thales stammt).

Sondern: Thales verwendet erstmals naturwissenschaftliche Methoden:

Vorausberechnung einer Sonnenfinsternis durch Deutung der durch lange Beobachtungen der Babylonier gewonnenen Erkenntnis von der periodischen Wiederkehr der Verfinsterungen.


Fragt nach einsichtiger Mechanik der Sonnenfinsternisse und findet sie [1]:


"Thales sagte als erster, dass die Sonne durch den Mond verfinstert wird, indem dieser unter die Sonne [zwischen Sonne und Erde] tritt."

Behauptet als erster, dass der Mond von der Sonne beleuchtet wird.

Hebt sich von den Chaldäern ab, die sagen, dass die Gestirne Götter sind und behauptet in "nüchterner Respektlosigkeit [...], die Sterne bestünden ganz unerbaulich aus ordinärer Erde, die glühte". [1]

Findet, dass der Sonnendurchmesser zum Sonnenkreis dasselbe Verhältnis hat, wie der Monddurchmesser zum Mondkreis, nämlich 1:720 (was tatsächlich näherungsweise richtig ist).

Gibt eine "poseidonfreie" Erdbebentheorie. "Da die Erde (seiner Meinung nach) auf dem Wasser schwamm, musste sie schwanken wie ein Schiff, wenn das Tragewasser in Bewegung geriet - und das war dann ein Erdbeben." [1] Zuvor waren die Griechen der Meinung, ein Erdbeben käme zustande, wenn der Meeresgott Poseidon seinen Dreizack gegen die Erde stößt.

 

Der wissenschaftliche Geist des Thales

Die in " " stehenden Sätze sind im Folgenden Zitate aus [1]. Seine Theorien sind "angreifbar".

"Die Angreifbarkeit sichert zwar nicht, dass die Wahrheit an den Tag kommt, aber doch, dass der Unwahrheit das Lebenslicht ausgeblasen wird. Und das will viel heißen."

Beispiel: Thales erklärt, die Überschwemmungen am Nil entstehen durch die im Hochsommer wehenden Nordostwinde der Ägäis ("Etesien") als Folge eines Rückstaus.

Versuch, eine Naturerscheinung alleine aus der Natur heraus zu erklären [ ägyptische Erklärung:

Chnum, ein göttliches Wesen in Gestalt eines Widders mit sehr langen Hörnern, "bringt" die Überschwemmungen].

Auch wenn Thales Unrecht hatte: Es handelt sich um eine natürliche und überprüfbare Erklärung.

Zwei ionische Eigentümlichkeiten treten hierbei hervor :

"In Ionien entsteht das offene wissenschaftliche Gespräch [...] Die neuen Denker brauchen einander, um auf den richtigen Weg zu kommen." "Die neuen Denker wollen Wissen um des Wissens willen, ohne nach einem handelbaren Nutzen des Wissens zu fragen. Das Phänomen der Nilschwelle ist ihnen als solches interessant. Seine zutreffendste Erklärung ist völlig nutzlos, sie ist in der Tat nutzloser als die ägyptische vermöge des langgehörnten Chnum."

Vorzüge einer Forschung, die das Wissen um des Wissens willen sucht:

"Die Forschung kann nach allen Seiten und ohne Ende weitergehen, weil sie keinen festumrissenen Zweck erreichen will." "Selbst das verborgenste Wissen wird so aufgespürt, und nur so kann Wissen aus sich selbst heraus immer neues Wissen erzeugen."

 

Thales als Geometer

"Thales [hat] die Geometrie von seiner Ägyptenreise als erster nach Griechenland gebracht und selbst viele Entdeckungen gemacht [...] Thales gilt deshalb als Vater der griechischen Geometrie, einer der größten und wirkungsmächtigsten Leistungen des hellenischen Geistes. Ohne sie sind Kepler, Galilei und Newton und damit die moderne Welt nicht zu denken."

Die ägyptische und babylonische Mathematik war eine "Sammlung von Faustregeln zur Lösung von Aufgaben aus Handel und Gewerbe, Ackerbau und Staatsverwaltung. Da ging es um Erbschaften und Felder, Zinsen und Steuern, Ziegelsteine und Getreidesäcke." Nirgendwo sind Beweise zu finden. Im Gegensatz dazu ruft Thales "die Geometrie als beweisende Wissenschaft ins Leben." Die einfachen

Sätze des Thales "sollten als feste Basis für etwas bislang nie Erlebtes dienen - für die logische Herleitung der von Ägyptern und Babyloniern schon empirisch gefundenen Resultate. Wir erleben hier eine unendlich folgenreiche Premiere; das Stück heißt "Die wissenschaftliche Geometrie", sein Verfasser ist Thales." Auf praktischen Nutzen hat es Thales bei seinen Beweisen nicht abgesehen - es ging um Wissenssicherung.

Thales und seine "Sandgeometrie". Dazu ein Zitat von Platon (ca. 200 Jahre nach Thales): "[Die Mathematiker] nehmen die sichtbaren Gestalten zur Hilfe und beziehen ihre Reden auf diese, obschon eigentlich nicht sie den Gegenstand ihres Nachdenkens bilden, sondern jene, von denen diese Abbilder sind. Wegen des Vierecks führen sie ihre Beweise, oder wegen der Diagonale selbst, aber nicht wegen derjenigen, die sie zeichnen... Sie suchen jenes zu erblicken, das man ausschließlich im Geiste schauen kann. Für Platon ist das mathematische "Idealisieren", das mit Thales anhebt und dem Mathematiker "ideale" Objekte in die Hand gibt, ein Wendepunkt seines Denkens geworden. Es hat ihn zu seiner Ideenlehre geführt, zu der Vorstellung also, jedes Erdending sei ein Abbild, ein schlechtes Abbild, eines vollkommenen Urbilds - einer "Idee" - in einem transzendenten Seinsbereich, so wie der Kreis im Sand nur ein schlechtes Abbild des vollkommenen Kreises im Übersinnlichen ist."

Thales von Milet war auch Philosoph. Früher waren Philosophie, Mathematik und "Naturwissenschaften" sehr eng miteinander verflochten - ja man konnte oft keine deutliche Trennung vornehmen.

 

Der Symbolwert der Zahl 7

Die Sieben ist nicht nur die numerische Summe der Zahlen Drei und Vier, sondern gilt auch als "exegetische Summe" ihrer Symbolgehalte. Bei fast keiner Zahl ist der Symbolgehalt eindeutig oder unter einen Oberbegriff subsumierbar oder nur auf eine Zahl beschränkt.

Die Sieben ist zusammengesetzt aus der göttlichen geistigen DREI und der erdhaft weltlichen VIER.

Der Offenbarung zufolge beherrscht die Zahl Sieben auch das Ende der Welt: sieben Gemeinden, sieben Leuchter, sieben Sterne, sieben Engel, sieben Siegel, sieben Trompeten, sieben Plagen, das Untier mit sieben Hörnern, der Drache mit sieben Häuptern und sieben Kronen. Gott hat die Welt in sieben Tagen erschaffen.

 

Der Symbolwert der Zahl 5

Pythagoras sah die Fünf als Zahl des Menschen (vier Glieder und der Rumpf, fünf Sinne) in seiner Erscheinung als Mikrokosmos, eine Deutung, die er sicherlich vom makrokosmischen Aspekt der Fünf abgeleitet hat. Das Kreuz als Kosmogramm hat fünf Hauptpunkte. Die fünf Wunden Christi.

Die Zahl Fünf wurde im Mittelalter als Heilszeichen gesehen.

 

Der Symbolwert des Quadrats

Das Quadrat wurde wegen seiner allseitigen Symmetrie als besonders vollkommene Figur betrachtet.

 

Der Symbolwert des Kreises

Der Kreis war Symbol der Unendlichkeit.

 

Kirchenrichtung von OST nach WEST:

(z.B. kleine/gro0e Kirche, Kommendenkapelle, Bagnokapelle)

Seit dem 5. Jahrhundert sind die Kirchen größtenteils nach OSTEN ausgerichtet, also im allgemeinen in der Himmelsrichtung des Aufgangs der Sonne als Symbol Christi.

 

2) August Siegfried von Goue MATRIKEL NR: 1 der Burgsteinfurter Loge

 

Der Burgsteinfurter Logengründer August Siegfried von Goue (geb. 1742 in Hildesheim, gest. 1789 in Burgsteinfurt) hielt sich fünf Jahre lang in Wetzlar auf, wo von 1767 bis 1776 eine Visitation des Reichskammergerichts stattfand. Goue war von 1767 bis 1771 als Legationssekretär des Vertreters des Herzogtums Braunschweig-Wolfenbüttel tätig und blieb nach seiner Entlassung ein weiteres Jahr bis Juli 1772 in Wetzlar. So lernten sich Goue und Goethe, der im Mai 1772 Rechtspraktikant am Reichskammergericht wurde, kennen. Goue war eine treibende Kraft im theatralischen und geselligen Leben der jüngeren Juristen in der Stadt (ca. 5000 Einwohner, 1000 Mitglieder der gesellschaftlich abgeschotteten ’feinen Welt’ ). Er war bekannt durch seine Galanterie und seine "Neigung zu Trunk und Spiel" (Gloël: Nachwort, S. 221), schrieb Theaterstücke und Gelegenheitsgedichte (als Vater Gleim Wetzlar besuchte, ritzte er ein satirisches Gedicht in eine Fensterscheibe), gab eine Wochenschrift ("Blat zum Zeitvertreib", 1769, 7 Nummern) heraus, parodierte den Hofstaat und tat sich mit Mystifikationen hervor, die mit Fiktionen ein das Publikum verwirrendes Spiel trieben.

"August Siegfried war in Wetzlar und für sein ganzes späteres Leben ein eifriger Freimaurer". In die Wetzlarer Loge Joseph zu den drei Helmen trat er 1768 ein. Die Loge bekannte sich zur strikten Observanz. "Danach behauptete man, daß die Logen aus dem Tempelritterorden stammten, fügte den üblichen drei Graden des Lehrlings, des Gesellen und des Meisters noch mehrere Hochgrade, so den des Tempelritters, hinzu, trug in den Sitzungen nicht nur den Schurz, sondern auch Schwert und Mantel und nahm manche Förmlichkeiten der Ritterorden an."

Die Maurer führten lateinische Ordensnamen, Goue – 1770 zum Tempelritter geschlagen – hieß "eques a cochlea argentea, der Ritter von der silbernen Schnecke mit dem Wahlspruch bene qui latet, wohl dem, der im verborgenen bleibt." Außer einigen Offizieren waren Mitglieder nur Juristen des Reichskammergerichts und der Visitation.

Auf das Freimaurertum verweist der von Goethe als "philosophisch-mystisch" charakterisierte Orden des "Übergangs", dessen Ritualbuch "Der hoeere Ruf" ist. Die hier wiedergegebene erste Auflage wird von Heinrich Gloël auf 1768 datiert; eine zweite, erweiterte und um das scherzhafte Seitenstück "Der feinere Pfif" von Johann Ferdinand Opiz (1741-1812) vermehrte Auflage kam 1769 im gleichen Verlag heraus. Die Buchstaben G und H verweisen auf die Verfasser der 34 Abschnitte: Goue (14 Abschnitte) und von Hochsteter, mit dem zusammen er Anfang 1768 einen "Katalog", d.i. ein Verzeichnis von 86 Büchertiteln, die sich satirisch auf Wetzlaer Personen beziehen, verfaßt hat. Nr. 25 spielt auf Goue an, der das Plan- oder Knopfmachen, d.h. den Hof / die Cour machen, vollendet beherrscht zu haben scheint und in der scherzhaften "Knopfmacherzunft", der die ganze Wetzlaer Gesellschaft angehörte, als Knopfmacher von fünf Damen auftrat (S. 220):

Der neue Archimedes oder Plan zum Planen oder nach denen Regeln der Planimetrie und Planilogie systematisch abgefaßte Erörterungen und Beobachtungen, was eigentlich Plane seyen, wie sie entstehen, unterhalten und der Verschiedenheit ihrer Natur gemäß gravieret, crayonieret, duschieret, lavieret werden, wobey zugleich in 142 Kupferstichen gezeiget wird, welche Blicke, Bewegungen der Hände oder Füße, kleine oder stärkere Schläge für Anzeichen eines Planes gehalten werden können, auch deutliche Tabellen, in welchen das Verhältniß der drückenden und gegendrückenden Kraft von 1 bis 1000 auf das genaueste berechnet ist, zu wohlmeynender Unterrichtung des Publikums herausgegeben und mit critischen Bemerkungen versehen von de Gué., der Plan-Wissenschaft Archi-poll-hetero-plan-ortho-didacti-philo-graphi-practico. Gr. 4.

Soweit "Der hoeere Ruf" überhaupt einen konsistenten Sinn hat, handelt er vom Übergang aus dem irdischen in ein geistiges Leben. Die vier Stufen, von denen auch Goethe spricht, seien wie folgt erklärt:

Wenn man staunend vom Strahle der Aufklärung getroffen wird, schwinden die Vorurteile. […] Man muß Kraft gewinnen, um aus der Vereinzelung seines Daseins "ins Ganze gezogen zu werden". Aus dem Staube des Irdischen soll man sich zur Sonnenhöhe erheben. Die vierte Stufe ist die Erwerbung der Weisheit. Diesen vier Stufen der Entwurmigung oder Vervollkommnung entsprechend unterscheidet das Büchlein unter den Eingeweihten


1. den Prüfling oder den zur Weisheit Gelockten,
2. den Berufenen,
3. den Hochberufenen,
4. den Weisen.

Der hohe Gedanke der Weisheit ist dem Prüfling ein Machtspruch, dem er sich beugt, dem Berufenen ein Rätsel, an dessen Lösung er zu arbeiten hat, dem Hochberufenen ein knopfigter Leitfaden, dem schwer zu folgen ist, dem Weisen ein stützender und leitender Gemeinstab." (S. 276)

Die Lehren der Weisheit stehen in maurerischer Tradition. "Im einzelnen sei bemerkt, daß die Terzie (S.170 der im Reprint hinzugefügten Zählung) der 60. Teil der Sekunde ist, der hölzerne Kasten der Sarg, der Serpentarius das Sternbild des Schlangenträgers." (S. 278) Anderes bleibt unklar. "Vieles spottet jeder Erklärung und Deutung." (Ebd.) Lavater, dem Goethe 1774 aus dem Buch vorlas, spricht in seinem Tagebuch von einer "gedruckte[n] Broschure voll enigmatischer Weisheit und Narrheit" (zit. 278f.). (Die Einführung folgt dem umfangreichen und gründlichen Nachwort von Heinrich Gloël.)

 

Der Logengründer bei Goethe: „Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit.“

Auszug:

[ Daß mir, außer dem deutschen Zivil- und Staatsrechte, hier [in Wetzlar] nichts Wissenschaftliches sonderlich begegnen, daß ich aller poetischen Mitteilung entbehren würde, glaubte ich vorauszusehn, als mich, nach einigem Zögern, die Lust meinen Zustand zu verändern, mehr als der Trieb nach Kenntnissen, in diese Gegend hinführte. Allein wie verwundert war ich, als mir, anstatt einer sauertöpfischen Gesellschaft, ein drittes akademisches Leben entgegensprang.

An einer großen Wirtstafel traf ich beinah sämtliche Gesandtschaftsuntergeordnete, junge muntere Leute, beisammen; sie nahmen mich freundlich auf, und es blieb mir schon den ersten Tag kein Geheimnis, daß sie ihr mittägiges Beisammensein durch eine romantische Fiktion erheitert hatten. Sie stellten nämlich, mit Geist und Munterkeit, eine Rittertafel vor. Obenan saß der Heermeister, zur Seite desselben der Kanzler, sodann die wichtigsten Staatsbeamten; nun folgten die Ritter, nach ihrer Anciennetät; Fremde hingegen, die zusprachen, mußten mit den untersten Plätzen vorlieb nehmen, und für sie war das Gespräch meist unverständlich, weil sich in der Gesellschaft die Sprache, außer den Ritterausdrücken, noch mit manchen Anspielungen bereichert hatte. Einem jeden war ein Rittername zugelegt, mit einem Beiworte. Mich nannten sie Götz von Berlichingen, den Redlichen. Jenen verdiente ich mir durch meine Aufmerksamkeit für den biedern deutschen Altvater, und diesen durch die aufrichtige Neigung und Ergebenheit gegen die vorzüglichen Männer, die ich kennen lernte.

[...] Von Goué, ein schwer zu entziffernder und zu beschreibender Mann, eine derbe, breite, hannövrische Figur, still in sich gekehrt. Es fehlte ihm nicht an Talenten mancher Art. Man hegte von ihm die Vermutung, daß er ein natürlicher Sohn sei; auch liebte er ein gewisses geheimnisvolles Wesen, und verbarg seine eigensten Wünsche und Vorsätze unter mancherlei Seltsamkeiten, wie er denn die eigentliche Seele des wunderlichen Ritterbundes war, ohne daß er nach der Stelle des Heermeisters gestrebt hätte. Vielmehr ließ er, da gerade zu der Zeit dies Haupt der Ritterschaft abging, einen andern wählen und übte durch diesen seinen Einfluß. So wußte er auch manche kleine Zufälligkeiten dahin zu lenken, daß sie bedeutend erschienen und in fabelhaften Formen durchgeführt werden konnten. Bei diesem allen aber konnte man keinen ernsten Zweck bemerken; es war ihm bloß zu tun, die Langeweile, die er und seine Kollegen bei dem verzögerten Geschäft empfinden mußten, zu erheitern, und den leeren Raum, wäre es auch nur mit Spinnegewebe, auszufüllen.

Übrigens wurde dieses fabelhafte Fratzenspiel mit äußerlichem großen Ernst betrieben, ohne daß jemand lächerlich finden durfte, wenn eine gewisse Mühle als Schloß, der Müller als Burgherr behandelt wurde, wenn man "Die vier Haimonskinder" für ein kanonisches Buch erklärte und Abschnitte daraus, bei Zeremonien, mit Ehrfurcht vorlas. Der Ritterschlag selbst geschah mit hergebrachten, von mehreren Ritterorden entlehnten Symbolen. Ein Hauptanlaß zum Scherze war ferner der, daß man das Offenbare als ein Geheimnis behandelte; man trieb die Sache öffentlich, und es sollte nicht davon gesprochen werden. Die Liste der sämtlichen Ritter ward gedruckt, mit so viel Anstand als ein Reichstagskalender; und wenn Familien darüber zu spotten und die ganze Sache für absurd und lächerlich zu erklären wagten, so ward, zu ihrer Bestrafung, so lange intrigiert, bis man einen ernsthaften Ehemann, oder nahen Verwandten, beizutreten und den Ritterschlag anzunehmen bewogen hatte; da denn über den Verdruß der Angehörigen eine herrliche Schadenfreude entstand.

In dieses Ritterwesen verschlang sich noch ein seltsamer Orden, welcher philosophisch und mystisch sein sollte, und keinen eigentlichen Namen hatte. Der erste Grad hieß der Übergang, der zweite des Übergangs Übergang, der dritte des Übergangs Übergang zum Übergang, und der vierte des Übergangs Übergang zu des Übergangs Übergang. Den hohen Sinn dieser Stufenfolge auszulegen, war nun die Pflicht der Eingeweihten, und dieses geschah nach Maßgabe eines gedruckten Büchleins, in welchem jene seltsamen Worte auf eine noch seltsamere Weise erklärt, oder vielmehr amplifiziert waren. Die Beschäftigung mit diesen Dingen war der erwünschteste Zeitverderb. ]

(Goethe. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. Dritter Teil. Zwölftes Buch. Absätze eingefügt.)

 

SCHAZMANN, FRID. CHRIST. von  MATRIKEL NR: 9 der Burgsteinfurter Loge
Oberbaudirector aus Steinfurt. Stammt aus Friedberg/Hessen. Meistergrad. 1787 zweiter Aufseher. 1789 erster Aufseher.

Im Stadtmuseum Burgsteinfurt sind mehrere alte Stiche, die unter seiner Mitwirkung in Paris angefertigt wurden, ausgestellt. Er hat an vielen Bauten des BAGNO-Parks mitgewirkt.

Im neuen Buch des Kreisheimatbundes (Ausgabe 1988) sind Stiche von La Rouge nach Zeichnungen von Br. Schazmann abgedruckt. Unter Anmerkungen steht: Die noch vorhandenen Originalzeichnungen des gräflichen Baudirektors von Schazmann sind in der Tat weit besser als die Kupferstiche.

Protokoll der Stadtkommission vom 14.8.1777:
Nach Angabe des Registertagebuches wurde S. C. Schazmann angestellt und heute vorgestellt und eingeführt worden.
 

Protokoll der Stadtkommission vom 26.8.1782:
Nachdem der bisherige Sekretarius Schatzmann sein Sekretariat in die Häuser Illnstr. Regentis resigniret und der Lieutnant in Hof-Gräfl. Dienste getreten....Nachfolger des Stadtsekretärs wurde der bei den fürstlich gräflichen Diensten gestandene Advokat Adolf Reinhard aus Rinteln.

 

Literaturhinweise:

 

Klaus Humpert, Martin Schenk
Entdeckung der mittelalterlichen Stadtplanung
Das Ende vom Mythos der 'gewachsenen Stadt'

Theiss Verlag, Stuttgart 2001
ISBN-10 3806214646
ISBN-13 9783806214642


Klappentext:

Mit einer CD-Rom sowie 250 farbigen Planzeichnungen und 100 farbigen Abbildungen. Die Autoren weisen in diesem reich illustrierten Band überzeugend nach, dass die Vorstellung von der über Jahrhunderte ständig gewachsenen mittelalterlichen Stadt aufzugeben ist. Viele der zunächst organisch erscheinenden Stadtgrundrisse stellen sich bei näherer Untersuchung als Ergebnisse bewusster Entscheidungen und Leistungen von Planern dar. Der Leser wird mit neuen Forschungsergebnissen konfrontiert, die zeigen, dass viele Gründungsstädte mit ihren Vorstädten in einer einzigen großen Maßnahme eingemessen wurden, ihnen also eine exakte Geometrie zu Grunde liegt. Am Beispiel ausgewählter Städte werden die zu Grunde liegenden Messkonstruktionen detailliert dargestellt.


Fundamental Principles of Urban Growth
von Klaus Humpert,Klaus Brenner,Sybille Becker,
ISBN-10:3-928766-51-1EAN:9783928766517 Einband:gebunden
Verlag: Müller und Busmann

 

August Siegfried von Goué
Von Prof. Dr. Adolf Benkert
1918 Progr.Nr. 481 Gymn. Arnoldinum Burgsteinfurt

 


Prof. Dr. Erich Maschke "Südwestdeutsche Städte im Zeitalter der Staufer"
Prof. Dr. Berent Schwineköper "Die Problematik von Begriffen wie Stauferstädte, Zähringerstädte und ähnliche Bezeichnungen"
Prof. Dr. Volker Hoffmann
Institut für Kunstgeschichte
Hodlerstrasse 8, CH-3011 Bern
Tel. , Fax: -8969
E-Mail: hoffmann@ikg.unibe.ch


Die 'denkmalpflege' Vor Der Denkmalpflege
Akten Des Berner Kongresses 30. Juni Bis 3. Juli 1999 von Volker Hoffmann, Jurg Schweizer, Wolfgang Wolters
ISBN 303910439X, Flexibler Einband, aus der Reihe 1, Sach-/Fachbuch,

erschienen am 01.04.2005 bei Peter Lang Pub Inc


Der geometrische Entwurf der Hagia Sophia in Istanbul
Bilder einer Ausstellung von Volker Hoffmann
ISBN 9783039106578, Flexibler Einband, aus der Reihe 1, Sach-/Fachbuch,

erschienen am 01.04.2005 bei Lang, Peter Bern

 

Das Bagno bei Burgsteinfurt
Von Wolfgang Lübbers 1992

 


Denkmalpflege heute Akten des Berner Denkmalpflegekongresses Oktober 1993

von Volker Hoffmann, Hans P Autenrieth
ISBN 9783906756929, Flexibler Einband, Sach-/Fachbuch,
erschienen bei Lang, Peter Bern

 

Wegener, Franz:
Der Freimaurergarten.
Die geheimen Gärten der Freimaurer des 18. Jahrhunderts Gladbeck: KFVR - Kulturförderverein Ruhrgebiet e.V., 2008
ISBN : 978-3-931300-22-7
Einband : Paperback Seiten/Umfang : 224 Seiten, 20 schwarz-weiß Fotos,
10 Farbfotos, 1 schwarz-weiß Graphik, 22 x 17 cm

 

Das Steinfurter Bagno
Schriftenreihe des Kreisheimatbundes No. 5

 

 

Der Unbefangene
Zeitschrift in Burgsteinfurt v. 1803 bis ca. 1807
(Kreisarchiv Steinfurt)

 


Stee auf einem Bein auf der Spize des Turms
und halte den Sturm aus ohne zu fallen.
Widerstrebe der Rukhaeklung zum Klos
und sei dir selbst dein Morgen und Abendwerk.

Wer den hoeeren Ruf liest, wird sich vielleicht an den Kopf fassen und dem Schwindel zu verfallen glauben. Gedanken und Ausdruck sind in allen Abschnitten geheimnisvoll und dunkel, die Wortbildung sonderbar und geradezu grotesk, die Schreibung wunderlich und gesucht.

Die Verfasser sagen in der Einleitung [zur zweiten Auflage] ausdrücklich, dass sie nicht für die Welt schreiben. "Wen man sich gewoenete in Hieroglifen zu schreiben, warum solte man nicht auch in Hieroglifen reden dürfen. Es hat oft Ursachen, warum man nicht deutlicher sich erklaeret."
(Gloël: Nachwort, S. 274f.)


Textvorlage: August Siegfried von Goue. Auswahl von Karl Schüddekopf. Einführung von Heinrich Gloël. Weimar:
Gesellschaft der Bibliophilen 1917, S. 159-171.
Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig.

 

In einem weiteren Text werde ich euch vom Grafen Ludwig berichten und wie er sein Wunderland Bagno erschuf, welche wundersamen Dinge es dort zu bestaunen gab und wie er auf gefährlichen Wegen an das Wissen gelangte um sein Projekt zu realisieren.

 

*) mit Dank zitiert nach

Prof. Dr. Georg Jäger, München

 


©  Rainer Wiese

Text der Anmerkung: Willi Tebben


 

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