Ein Besuch im Magazin des Steinfurter Stadtmuseums

 

Schenkungen aus 100 Jahren – Blick hinter die Kulissen

 

Bild 1 - Im Raum 17 unter Nr. 1862 ruht in der dritten Schublade der Fußwärmer, der von Fräulein Melles aus der Steinstraße 1952 gespendet wurde. In der Holzkiste mit Teppichboden lag ein Messingbehälter für das heiße Wasser.

 

Ein neues Objekt kommt ins Museum 

 

Obwohl Museumsarbeit in erster Linie durch die Präsentation von Ausstellungen wahrgenommen wird, stellt das Objekt in der Vitrine sozusagen den Endpunkt eines mehr oder weniger lang andauernden Prozesses dar. Wie sieht nun der Weg eines Gegenstandes vom Eintritt ins Museum bis zu seiner Zurschaustellung aus? Am Anfang steht der Erwerb, die so genannte Akzession, wobei unterschieden wird zwischen Schenkung, Dauer- und Leihgaben auf Zeit. „Hier in der Hauptschule haben wir Kellerräume für den Heimatverein Burgsteinfurt zur Verfügung. Sie wurden viele Jahre nicht beachtet, sind aber jetzt durch die Ordnungsarbeit von Norma Sukup zugänglich und durch die Initiative von Ingrid König und Petra Weiner können Sie nun alles sehen“, sagte Dr. Klötzer, bevor die Besucher durch die Räume schwärmten. Von den 5000 lagernden Objekten konnten nur wenige, aber dafür ganz gezielt wahr genommen, bestaunt und wertgeschätzt werden. Der Museumskreis des Heimatvereins Burgsteinfurt und Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer stellten am Dienstagabend interessierten Bürgern und Ahnenforschern einen Teil der im Stadtmuseumsmagazin in der Hauptschule am Bagno gehüteten Schätze vor.

 

Zuvor erfuhren die über 30 Bürger vom Stadtarchivar die Entwicklung des Stadtmuseums. „Bereits 1910 wurden Pläne geschmiedet ein historisches Museum für die damalige Stadt Burgsteinfurt zu entwickeln. Objekte wurden gesammelt aber die beiden Kriege zerstörte dieses Vorhaben. Stadtarchivar Fritz Hilgemann hatte in den 50er, 60er und siebziger Jahren viel dafür getan, das Projekt vorwärts zu bringen, hat die so genannte Heimatsammlung aufbereitet und vieles davon werden Sie heute Abend hier sehen“, sagte Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer.

 

„Nach der Stadtgründung Steinfurt 1975 wurde ein Stadtmuseum für die Kreisstadt geplant. 12 Jahre hat es gedauert, bis 1987 das Stadtmuseum im Behördenhaus eröffnet werden konnte. Im Hinblick auf das 20jährige Bestehen im Jahre 2007 hat die Kunsthistorikerin Norma Sukup ein monatelanges Projekt, vor allem hier im Stadtmuseumsmagazin der Hauptschule am Bagno durchgeführt und dabei 5000 Objekte geordnet, gereinigt, konserviert und katalogisiert. Diese Vorarbeiten waren die Grundlage um 2007 eine Museumserweiterung vorzunehmen, die schon bei der Gründung des Stadtmuseums geplant war, nämlich auch das 19. und 20. Jahrhundert stadtgeschichtlich zu präsentieren. Leider, so Dr. Klötzer, ist es nicht gelungen, das Stadtmuseum in die erste Etage des Behördenhauses zu erweitern. Dazu hätte jetzt im Jahre 2009 die Gelegenheit bestanden, aber die Räume werden für die VHS und für die Musikschule vorgesehen. So bleibt also das Stadtmuseum auf das Erdgeschoss beschränkt.

 

Ein über 190 Seiten starkes Bestandsverzeichnis, das Sukup schuf, zeigte und erklärte Ingrid König den Besuchern, die anschließend das Inventarverzeichnis einsehen konnten.
Dr. Klötzer zerstreute manche Gerüchte und Meinungen, dass gespendete Teile untergegangen und vergessen sind. Wörtlich sagte er: „das ist nicht der Fall, wir wollen durch unsere Aktion auch demonstrieren, dass die Dinge auch wenn sie jetzt viele Jahre ein Dornröschenschlaf hatten, auch in der Zukunft für die Forschung, Darstellung der Stadtgeschichte zur Verfügung stehen, eben nicht vergessen sind.“

 

Bild 2 - Auch Museumsleiter des Emslandmuseums Dr. Eiynck stellte fest, dieser Kaffeeröster stammt nachweislich aus der Steinfurter Region.

 

Wie der Besuch zeigte, haben die Bürger ein großes Interesse an der eigenen Geschichte. So meinte ein Besucher: „Was wir heute im Stadtmuseum, sammeln und sicher bewahren, sind die historischen Ausstellungsstücke von morgen.“

Vertreter des Emslandmuseums Lingen unter der Leitung von Dr. Andreas Eiynck hatten sich eingefunden, interessierten sich ebenfalls für die dort gehüteten Schätze und deren Aufbewahrung.

Vermisst wurden an diesem Abend Kulturpolitiker der Stadt Steinfurt und vor allem Mitglieder des Kulturausschusses.

 

Wie man sich vorstellen kann, ist die große Mehrzahl der Gegenstände ein Leben in Depots vorbestimmt, was nicht heißt, dass diese Dinge keine Bedeutung hätten.

 

Vor allem aber bedürfen sie ständiger Betreuung und Pflege in puncto Sauberkeit, Licht- und Klimaverhältnisse etc.

 

Der Blick hinter die Kulissen der Museumsarbeit zeigt auf, wie viel Geduld, aber auch harte Arbeit nötig ist, um Ausstellungen mit Objekten bestücken zu können und Kulturgut richtig zu bewahren.

 

 

Bild 3 - Der Schildertausch

 

Zum Thema

Rolincksammler Karl-Heinz Eissing aus Laer fand auf dem Dachboden des alten Fachwerkhauses der ehemaligen Gaststätte Preußners in einem Hohlraum ein fast unscheinbares Metallstück. Nachdem er die Platte von Staub und Patina befreit hatte, glänzten seine Augen, hielt er doch ein verzinktes Werbeblechschild der Brauerei H. Schmetkamp die im 19. Jahr-hundert im Katthagen Gerstensaft braute, in seinen Händen. Im Tausch mit einem Teil aus der Rolincksammlung des Johann Kolthof ( im Bild 1.von rechts) überließ Eissing das Fundstück aus der Brauereigeschichte Burgsteinfurts dem Stadtmuseum und wurde am diesem Abend gleich der Exponatensammlung des Stadtmuseums zugeführt. Ahnenforscherin König fand heraus, dass sich der „Schmettkampsche Bierkeller“ an der Aastraße befand. Er diente zur Lagerung des von Schmettkamp (Schmedding) im Katthagen gebrauten Altbieres.

 

 

Dieser Bericht wird in den nächsten Tagen noch mit weiteren Fotos erweitert - Anm. d. Redaktion


Text und Fotos: Hermann-Josef Pape


 

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