Lazarettstadt Burgsteinfurt im 2. Weltkrieg

 

 (Vorbereitung des Themas zum heimatgeschichtlichen Arbeitskreis im Heimatverein Burgsteinfurt am 5. Oktober 2006).

 

Seite  1  2   

 

Bild 1 - Bericht in der Münsterschen Zeitung vom 28. September 2006  - - Durch Anklicken des Fotos oder des kleinen Symbols

öffnet sich ein neues Fenster mit einem vergrößerten Bild.

 

Im Zuge der Kriegsvorbereitung wurden in Burgsteinfurt bei Möller und Terberger Sanitätskompanien aufgestellt.

 

Die dazu Einberufenen trafen im Laufe des 26. und 27. August 1939 ein. Gleichzeitig erfolgte auch die Einrichtung des Reservelazaretts Burgsteinfurt und zwar in den Gebäuden Evangelisches Krankenhaus, Seminar, Martin Luther Haus und Rolinckheim.


Ab Dezember erfolgte die Belegung der einzelnen Teillazarette.

 

Bekannt sind Verwundetentransporte vom 02. Juni 1940, als 104 Leichtverwundete und Kranke aus dem Reservelazarett Soest, vom 10. Juni 1940, als 137 Verwundete aus dem Kampfgebiet um Dünkirchen und an der Somme und vom 14. Juni 1940, als 250 Schwerverwundete, am Burgsteinfurter Bahnhof ankamen und auf die Teillazarette verteilt werden mussten.

 

Nach dem Frankreich Feldzug ging die Zahl der Lazarettinsassen erheblich zurück, so dass ab August 1940 das Reservelazarett Burgsteinfurt aufgelöst wurde. Als erstes wurde das Martin Luther Haus geräumt, dann die anderen Gebäude. Ärzte, Verwaltung und Sanitätspersonal wurden auf andere Lazarette verteilt.

 

Bild 2 - - Auch dieses Bild lässt sich durch Anklicken vergrößert

in einem neuen Fenster anzeigen!

 

Im Mai 1941 wurde die Heeres Sanitätsstaffel Burgsteinfurt neu aufgestellt und es begannen die Vorbereitungen zur Neueinrichtung des Lazaretts in Burgsteinfurt. Zum Chefarzt wurde der Stabsarzt Dr. Friedrich Multhaupt aus Duisburg und zum Dienststellenleiter der Lazarettverwaltung Stabsintendant der Reserve Ernst Tiggemann aus Essen-Kettwig bestellt. Nach einiger Zeit kam der diensttuende Hauptfeldwebel Greving dazu.


„Uns blieben nur fünf Wochen bis zum 01.07.1941, um das Lazarett einzurichten“, schrieb Tiggemann 1957 an Dr. Rübel. „Dazu wohnten wir im katholischen Krankenhaus, wo wir hervorragend versorgt wurden. Hier erlebten wir auch die ersten Bombenabwürfe auf Hollich, wo auch acht Sprengbomben den Wiedel trafen und das Haus Rosemeier zerstörten“.
 

Die Lazaretteröffnung war mit viel Arbeit verbunden. Man denke nur an die Freimachung der Häuser, den Einbau und die Einrichtung der Verbands- und Operationsräume, der Röntgen- und Laborräume, der Lazarettapotheke und der Zahnstation. Dazu lag natürlich die Seminarturnhalle gerade richtig, um mit Betten, Schränken, Matratzen, Wäsche, Wirtschafts- und Sanitätsgeräten gefüllt zu werden.

 

Als dann am 01.07.1941 die Geschichte des Reservelazaretts Burgsteinfurt begann, konnte man nicht ahnen, dass dies 4,5 Jahre dauern würde.

 

Bild 3 - Lazarett im Seminar (heute Realschule in Burgsteinfurt)

Das Lazarett umfasste zunächst die Teillazarette: Evangelisches Krankenhaus, Seminar, Rolinckheim und Haus Loreto. Im Damenstift an der Emsdettener Straße wurden der Chefarzt, die Lazarettverwaltung und die Apotheke untergebracht. Diese ist aber wegen Platzmangels schon bald wieder verlegt worden. Am schwierigsten stellte sich die Auslagerung der Patienten aus dem Krankenhaus in andere Krankenhäuser des Kreises dar. Im evangelischen Krankenhaus musste allerdings auch am wenigsten geändert werden, so dass es sich für die schweren chirurgischen Fälle geradezu anbot.


Das Seminargebäude, das für 300 Betten vorzubereiten war, erforderte natürlich umfangreichere bauliche Veränderungen. So mussten hier Versorgungsleitungen verlegt, für 400 Personen eine Lazarettküche eingerichtet, Toilettenanlagen und Badeeinrichtungen in kürzester Zeit eingebaut werden. Hier sollten schwere aber auch leichtere chirurgische Fälle in einem keimfreien Operationssaal wegen der vielen Amputationen behandelt werden. Später kam noch die Einrichtung eines Labors und eines Röntgenraums dazu. Im oberen Geschoß wohnte das militärische Personal, während die Schwestern im Seitenflügel wohnten.

Das Rolinckheim wurde für 200 Betten ausgelegt, wobei die Unterkunftsräume für Ärzte und Pflegepersonal ein wenig zu kurz kamen. In diesem Teillazarett sollten die innerlich Kranken und Fälle leichter Chirurgie betreut werden.
 

Das Haus Loreto war wegen seiner ruhigen Lage und der vorhandenen Landwirtschaft als Fachabteilung für innere Medizin vorgesehen. Aber auch hier ging es ohne bauliche Maßnahmen nicht ab. Untersuchungs-, Behandlungs-, Röntgen- und Laborräume mussten neu geschaffen werden. Hier bestand auch eine sehr leistungsfähige Wäscherei, die später die schmutzige Wäsche vom Seminar mitgewaschen hat.

 

Im Laufe der Zeit wurde das Lazarett immer mehr erweitert. Schon 1942 kamen das Marienhospitz von Laurenz in Ochtrup, Teile des Pius Hospitals Ochtrup, ein Teil des Maria Trost Krankenhauses in Borghorst und später die Lehrerrinnenbildungsanstalt und das Kinderheim in Borghorst dazu, wodurch sich die Gesamtbettenzahl von 800 auf 1500 und zum Kriegsende einschließlich Notbetten auf 2000 erhöhte.

 

Bis auf das Seminar, das von der Wehrmacht verpflegt wurde, verpflegten sich die anderen Häuser alle selbst. Die Lazarettverwaltung schaltete sich nur für die Abrechnung mit dem Ernährungsamt ein. Die Bezahlung des Sanitätspersonals, der Krankenschwestern und der DRK Schwesternhelferinnen war dagegen Sache der allgemeinen Lazarettverwaltung.

Bild 4 - - Zur Vergangenheit Burgsteinfurts gehört auch das: In den Jahren 

des Zweiten Weltkriegs war Stemmert eine Lazarettstadt. Dazu wurden 

verschiedene Gebäude der Stadt, wie hier das Martin-Luther-Haus, beschlagnahmt und als Teillazarette genutzt.

 

Als Unterkunft für die DRK Schwesternhelferinnen und die Arbeitsmaiden, die nicht in Burgsteinfurt oder in einem der Teillazarette wohnten, wurden die Villa Rolinck an der Bahnhofstraße und später das Haus der Gesellschaft Verein beschlagnahmt.


Es war nicht immer leicht die für das Lazarett erforderliche Verpflegung und Bekleidung von der Heeresstandortverwaltung Rheine nach Burgsteinfurt zu schaffen, da die Fahrzeuge trotz der Kennzeichnung durch ein großes Rotes Kreuz von Tieffliegern beschossen wurden. Passiert ist allerdings nichts Ernsthaftes!

Des weiteren waren der Lazarettverwaltung auch die Heereszahnstation (zuerst in der Praxis des Dr. med. dent. vor dem Esche, später bei Dr. Richter und zum Schluss im Damenstift), ein Truppenkrankenrevier (im Maria Hilf Krankenhaus Stadtlohn), eine Unterkunft für Sanitätsschüler (zunächst in der Graf Arnold Schule, später in dem Haus des Anstreichermeisters Memmler, An der Hohen Schule 7) und ein Wehrmachtsübernachtungsheim (Wirtschaft Gerwin) zugeordnet.

 

Da die Lazarettapotheke für eine durchschnittliche Belegung von 1000-1500 Betten Medikamente, Verbandsstoffe, ärztliche Geräte usw. vorhalten musste, hatte sie einen großen Raumbedarf. Den fand sie endlich in der Wirtschaft „Am Wassertor“. Erster Leiter war Stabsapotheker Georg Wasser, der dann durch den Burgsteinfurter Paul Rose abgelöst wurde.


Es war immer ein besonderes Ereignis, wenn ein Lazarettzug am Burgsteinfurter Bahnhof eintraf.

 

Bild 5 - Ankunft eines Lazarettzuges in Burgsteinfurt

Bild 6 -  Abtransport der Verwundeten

Da dem Lazarett nur ein holzgasbetriebener LKW zur Verfügung stand (ein Kutschwagen von Haus Loreto und ein PKW für den Chefarzt kamen für den Transport der Verwundeten nicht in Frage) blieb es den Ideen des zuständigen Fahrbereitschaftsleiters überlassen, für weitere Transportmöglichkeiten zu sorgen.

 

Irgendwie wurde es immer wieder geschafft, wenn es auch ein bunt gemischter Fahrzeugpark war, der natürlich militärischen Vorschriften nicht entsprechen konnte.

 

Geholfen haben dabei die Männer der technischen Nothilfe und die weiblichen Angehörigen der DRK unter der Leiterin Frau Böhmke, die gemeinsam mit der Sanitätsstaffel das Aus- und Einladen der Verwundeten und auch noch das Entlausen in der städtischen Badeanstalt bewältigten.

 

Wenn von den Alliierten das Zeichen des Roten Kreuzes auch meistens beachtet wurde, so wurde doch einmal beim Beladen eines Lazarettzuges der Bahnhof mit einem Bombenteppich belegt. Dabei war der Zug aufs höchste gefährdet, denn nur knapp neben dem Zug gingen zwei Bomben hoch. Obwohl sämtliche Scheiben des Zuges zerstört waren, ist den schon eingeladenen Verwundeten glücklicherweise nichts passiert. Es war der Tag, an dem das Haus Kolthoff an der Bahnhofstraße einen Volltreffer erhielt und dabei vier Personen umkamen.

 

Fortsetzung auf Seite 2

 

 

Seite  1  2 

 


Text: Gottfried Bercks

Text: Willi Tebben

Fotos: alle Repros Hermann-Josef Pape

Presseberichte:

Bild 1: Artikel in der Sonderveröffentlichung Nr 226 der Münsterschen Zeitung vom 28. September 2006

Bild 4: erschienen in der Münsterschen Zeitung am 27.09.2006; Text gekürzt!


 

Home     Impressum     Statistik