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Die Kommende, Komthurei oder das Hospitalhaus des Johanniter- oder Malteser–Ordens liegt an der Aa südlich vom Schloss und von der Vorstadt oder dem Friedhof, dicht an der großen Ev. Kirche. Sie ist die älteste Gründung des Johanniterordens in Westfalen. Dieser Ritterorden war 1154 während der Kreuzzüge entstanden und hatte im Heiligen Land die Aufgabe übernommen, gegen die Heiden zu kämpfen, die Pilgerwege zu schützen und Kranke zu pflegen.
Die Johanniter-Niederlassung in Steinfurt ist wahrscheinlich im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts von dem Edlen Rudolf von Steinfurt und seinem Bruder, dem münsterischen Dompropst Bernhard begründet worden.
1222 wird zuerst urkundlich ein magister domus hospitalis S. Johannis in Stenvorde erwähnt. 1242 bestätigte der Edle Ludolf von Steinfurt die Schenkungen seines Vaters an die Kommende und 1244 gestattete er, dass sein Ministerial Hermann von der Aa sein Lehen, den Aahof, auf dem die jetzige Kommende steht, an die Johanniter verkaufte. Also muss der Orden ursprünglich einen andern Sitz in der Nähe des Schlosses gehabt haben.
Im Jahre 1270 schenkten die Brüder Ludolf, Baldewin und Otto von Steinfurt das Patronatrecht über die Pfarrkirche zu Steinfurt an die Johanniter, die 1278 auch das Patronatrecht über die Kirche zu Laer von dem Edlen Bernhard von Ahaus erwarben und 1388 das Patronat über die Kleine Kirche in Steinfurt von den Edlen von Steinfurt geschenkt erhielten.
Alle diese
Kirchen hatte der Orden mit geeigneten Geistlichen zu versorgen.
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Die Einkünfte und Güter des Ordenshauses zu Steinfurt vermehrten sich durch Schenkungen und Ankäufe rasch und ansehnlich, wie ein um 1300 abgefasstes Verzeichnis derselben beweist.
Nach einem Protokoll von 1545 bestand der Konvent der Kommende außer einem Kommendator, Kommendeur oder Komthur aus 16 Personen, nämlich sechs weltlichen Ritterbrüdern, dem Prior oder Kirchherrn zu Steinfurt, sieben anderen Priestern, einem Diakon und einem Subdiakon. Die 16 Konventualen wählten den Komthur, der dann von dem in Heitersheim bei Freiburg im Breisgau residierenden Deutschmeister bestätigt und von den Edlen, später Grafen von Steinfurt in den Besitz der Kommende eingeführt wurde. Gewöhnlich war der Komthur von Steinfurt zugleich Balier (baiulivus) von Westfalen, d. h. Oberhaupt sämtlicher westfälischer Ordensniederlassungen.
In Münster bestand schon um 1300 eine Filiale der Steinfurter Kommende auf einem 1282 dem Edlen Baldewin von Steinfurt abgekauften Grundstück.
Das älteste Gebäude auf der Kommende ist das Steinhaus oder die Steinkammer des Komthurs neben der Kapelle. Dann folgen das 1606 erbaute Torhaus und das um 1670 angelegte Komthureihaus. Die Kapelle wurde 1687 vollendet und das sogen. Neue Gebäude, jetzt Wohnung des Kammerrats Lietsch, 1721—22 neu gebaut.
Früher führte ein
bedeckter Gang aus der Kommende zum Südportal der großen Kirche; die
Johanniter benutzten ihn, um zu ihren Sitzen auf dem Chor der Kirche zu
gelangen.
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Infolge der Einführung der Reformation in Steinfurt entstanden Zerwürfnisse zwischen dem Grafen, der Stadt und dem Kirchspiel einerseits und der Kommende anderseits. Die letztere blieb bei der alten Lehre und wollte die Kirche, die Pfarrgüter und die Kirchenkleinodien für sich behalten.
Am 25. Januar 1564 entriss Graf Arnold III. den Johannitern die Grosse Kirche, führte darin den lutherischen Gottesdienst ein und nahm das Patronatrecht wieder an sich. Wegen der Kirchengüter und Kirchenkleinodien kam es bei dem Reichskammergerichte zu einem Prozesse, der endlich 1603 zugunsten des Grafen, der Stadt und des Kirchspiels entschieden wurde.
Der Balier Heinrich von Hövel trat später selbst zum Protestantismus über, verheiratete sich und blieb trotzdem im Besitz der Kommende, bis er vom Orden abgesetzt wurde und sein vom Deutschmeister ernannter Nachfolger Alexander von Galen sich 1584 während Hövels Abwesenheit der Kommende durch Überfall bemächtigte.
Aber auch
Galen bekannte sich 1592 vor seinem Tode offen zur evangelischen Lehre.
Sein Verwandter und Nachfolger Eberhard von Galen zum Ermelinghof dagegen
war und blieb eifrig der alten Lehre zugetan und stand daher mit den
Grafen beständig auf Kriegsfuss. Die späteren Steinfurter Komthure
wohnten wegen der Kriegsunruhen gewöhnlich in Münster auf ihrer
Filialkommende und überliessen die Kommende ihrem Rentmeister als
Wohnsitz.
Um 1650 bestand auf der Kommende nur eine Hauskapelle des Komthurs. Die Errichtung eines eigenen Gebäudes für die Kapelle wurde erst 1687 ausgeführt. Die Kapelle erhielt Pfarrrechte über die Bewohner der Kommende.
Durch einen Ministerialbeschluss der Großherzoglich bergischen Regierung vom 21.März 1810 wurde die Kommendepfarre aufgehoben, und durch Verfügungen des bischöflichen Generalvikariats erfolgte dann die Einstellung des Gottesdienstes und die Einverleibung der Kommendepfarre in die katholische Pfarrei Burgsteinfurt. Das Gebäude diente, als 1816 die Kommende dem Grafen von Bentheim-Steinfurt zugefallen war, lange als Gewächshaus.
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In der französischen Zeit war die Kommende der Sitz des Unterpräfekten des Arrondissements Steinfurt. Durch Dekret des Kaisers Napoleon wurde 1811 zugleich mit den andern geistlichen Korporationen im Lippe-Departement auch die Kommende aufgehoben; ihre Güter wurden zu den kaiserlichen Domänen geschlagen und grossenteils zu Spottpreisen verschleudert.
Der von dem Johanniterorden
angesichts des ihm drohenden Unterganges seit 1801 absichtlich mit
Schulden überladene Rest kam nach der Vertreibung der Franzosen auf Grund
eines Vertrages mit Preussen 1816 an das Haus Bentheim-Steinfurt. Seitdem
diente die Kommende als Dienstwohnung für fürstliche Beamte. |
Das Torhaus |
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Die Kommende ist von einer nur teilweise alten Mauer umgeben. Zur Großen Kirche hin führte ein heute zugemauertes Portal des 15. Jahrhunderts. Man betritt das Gelände durch das Torhaus von 1606 an der Friedhofstraße. Das zweistöckige Gebäude trägt zur Hofseite hin einen Schweifwerkgiebel, wie er schon von den Häusern Wasserstraße 12 und Markt 18 bekannt ist.
Gleich links liegt die Kapelle , die von 1670-87 erbaut wurde. Heute ist sie ein Wohnhaus. Deswegen hat man die schönen Rundbogenfenster durchteilt und tiefer heruntergezogen. An der Westseite sind noch 3 Rundfenster sichtbar. Der Schmuck beschränkt sich auf die beiden Portale.
Das Südtor mit Ranken, Engelputten und einem Wappen v. Korff ist reicher verziert als die Westtür von 1687. Dafür besitzt diese zwei sehr schöne ionische Kapitelle. Über beiden Portalen sind intakte Sonnenuhren angebracht.
Nördlich an die Kirche angebaut ist die „Steinkammer des Komturs", die Wohnung des Leiters der Kommende. In dem heute stark veränderten Gebäude stecken noch die Reste des Hauses von 1428.
Ebenfalls von 1428 ist das kleine, 2stöckige Haus an der Friedhofsmauer. Es ist das „Steinhaus des Capellans". Auffallend ist die bescheidene Größe dieser beiden Wohnungen der höchsten Ordensmitglieder.
In der Nordostecke zum Friedhof hin liegt die mächtige „Komturei". Sie ist ein 2stöckiges Fachwerk haus von 1670, das 1721 gründlich verändert wurde. Ihr Äußeres wird durch das mächtige Giebeldach geprägt. An der Südseite springt es auf Knaggen zweifach vor. Über dem niedrigen Steinkeller der Nordseite sitzt der übliche Upkammerteil.
Schlichte Wirtschaftsgebäude verbinden
die Komturei mit dem „Neuen Gebäude". Das langgestreckte, 2stöckige
Fachwerkhaus von 1721 beherbergt zahlreiche Wohnungen. Architektonisch ist
es wenig interessant. – Überhaupt liegt der Reiz der Kommende nicht so
sehr in der Qualität ihrer Gebäude als vielmehr im stillen
Zusammenwirken der Einzelteile zu einem altertümlichen Ganzen.
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Kommende mit Mauer, von Süden gesehen
Gesamtübersicht, aus südlicher Richtung
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Beschreibungen zitiert aus: - Burgsteinfurt - Ein Führer durch seine Geschichte und Umgebung, von Dr. Karl Döhmann. Herausgegeben vom eigenen Verlag des Verkehrsvereins 1903 - Unterwegs im Kreis Steinfurt, herausgegeben vom Kreis Steinfurt 1980, Gesamtherstellung: Druckhaus Cramer, Greven |
| Text-Bearbeitung und alle Fotos: Willi Tebben |
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wird fortgesetzt!
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