Kirchstraße 14 - Bürgerhaus von 1465 - Ein Haus und seine Zukunft

 

Sanierungsvorhaben des Fördervereins 2007-2010 - Eine Ansprache von Dr. Ralf Klötzer

 

Was ihr ererbt von euren Eltern
erwerbt es, um es zu besitzen!

 

Es lebt schon über 500 Jahre: 542 Jahre, wie sich aus dem festgestellten Baujahr 1465 ergibt.

 

Viele weitere Jahrhunderte wünscht ihm der Förderverein Haus Kirchstraße 14 (1465) Steinfurt e. V. - „Haus Hohne“, benannt nach der Familie, die hier seit 150 Jahren bis vor kurzem wohnte, wird in den kommenden drei Jahren saniert, um dann der Öffentlichkeit als Haus der Kultur, Bildung und Stadtgeschichte zur Verfügung zu stehen.

 

Leichthin sagen manche: Weg damit! (Und wirklich: die Genehmigung zum Abriss ist erteilt.) Aber das Haus genießt Denkmalschutz, der gilt, solange es steht.

 

So sahen einige Mutige die Möglichkeit, für den Erhalt zu sorgen, denn für die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden lassen sich Zuschüsse sammeln - und Spenden, die den Spenderinnen und Spendern Steuervorteile bringen.

 

Im Februar 2007 wurde der Förderverein gegründet, er hat inzwischen 20 Mitglieder, bald sollen es 200 sein. Werden Sie Mitglied! Spenden Sie!
 

Dieser Wunsch hat starke Fundamente. Der Förderverein hat bereits begonnen, die Sanierung zu planen und vorzubereiten.

 

Jetziger Eigentümer (November 2007) ist Willi Arning, der jedoch anbietet und wünscht, das bebaute Grundstück Kirchstraße 14 einer Stiftung zu übertragen.

 

Die „Stiftung für Steinfurt“ befindet sich gegenwärtig in Vorbereitung und soll in wenigen Wochen gegründet werden. Das bebaute Grundstück soll dann auf Dauer im Eigentum der Stiftung bleiben, Sanierung und späterer Betrieb der Gebäude (Vorderhaus und Hinterhaus) werden weiterhin beim Förderverein liegen.
 

Das Haus

 

In Westfalen gibt es viele Fachwerkhäuser, doch die meisten sind höchstens 300 oder 400 Jahre alt. Das hohe Alter von Haus Kirchstraße 14 - über 500 Jahre - ist der Hauptgrund, es retten zu wollen.

 

Als es entstand, war Martin Luther noch nicht geboren, war Burgsteinfurt noch katholisch, war Kolumbus noch nicht nach Westen aufgebrochen, um Indien zu suchen und Amerika zu finden.
 

Mittelalterlich - vor 1500 - ist in Burgsteinfurt das Weinhaus (Stadtbücherei), es war ein gräfliches, herrschaftliches Haus und insofern von ganz anderem Charakter als das Bürgerhaus Kirchstraße 14.

 

Das Alte Rathaus in Burgsteinfurt, von 1561, ist ungefähr 100 Jahre jünger als Haus Kirchstraße 14.
 

Von außen sieht man dem Haus das Alter nicht an. Erst eine eingehende Untersuchung vor zwei Jahren ergab das jetzt bekannte Baujahr 1465. Aus der Bauzeit blieb die Dachkonstruktion vollständig erhalten: mit allen Balken und allen Sparren. Erdgeschoss und Giebel wurden im Laufe der Zeit erneuert. Nur in der Südwand befinden sich noch einzelne Ständer der Ursprungszeit.
 

Unser jetziges Wissen über das hohe Alter des Hauses verdanken wir den Hausforschern der LWL-Denkmalpflege für Westfalen. Dr. Fred Kaspar, Gründungsmitglied des Fördervereins, und Peter Barthold, haben im Winter 2005/06 das Haus untersucht. Die Datierung durch die dendrochronologische Methode, die die Jahresringe der Bauhölzer zugrunde legt, ergab das Baujahr 1465. Die Abfolge der Jahresringe - breite Ringe für feuchte Jahre, schmale Ringe für trockene Jahre - lässt es zu, das Fälljahr zu bestimmen. Das Holz wurde im Winter gefällt und im folgenden Frühjahr verbaut, solange es von Hand bearbeitbar war.
 

Betrachtet man die Lage von Haus Kirchstraße 14, so lassen sich mit dem Wissen des Baujahrs wertvolle Einsichten in die Stadtentwicklung von Burgsteinfurt gewinnen. Das bis heute erhalten gebliebene Haus dürfte das erste Haus an dieser Stelle gewesen sein. Die beiden Hauptgebäude zwischen Kirchstraße (die zur Großen Kirche führt) und Flintenstraße sind Hewenshof und Kleine Kirche - diese war dort entstanden, wo sich zuvor der Wulfshof befunden hatte.
 

Hewens- und Wulfshof waren Burgmannshöfe des 13. Jahrhunderts, hier angelegt, um die Stadtverteidigung zu organisieren. Erst im 15. Jahrhundert und nach Erbauung der Kleinen Kirche wurden an der Westseite der Kirchstraße Baugrundstücke abgeteilt. Haus Kirchstraße 14 ist ein Zeuge dieser Phase der mittelalterlichen Stadtentwicklung von Burgsteinfurt.
 

Wie Vergleiche nahelegen, dürfte das Haus ursprünglich ein großes Tennentor an der Straße gehabt haben. Im Innenraum gab es anfangs keine Raumgliederung. Menschen und Vieh lebten und atmeten unter einem Dach.

Der Förderverein will aber nicht einen möglichen Urzustand wieder herstellen, denn Denkmalschutz bedeutet, ein Denkmal so zu erhalten, wie der Lauf der Geschichte es geformt hat.
 

Aus allen Zeiten haben bauliche Veränderungen ihre sichtbaren Spuren an Haus Kirchstraße 14 hinterlassen. Etwa 100 Jahre nach seiner Entstehung rückte die Feuerstelle des Hauses, die sich im hinteren Teil befand, an die südliche Traufenwand, wo der Kamin in Resten erhalten ist. Gegenüber, an der nördlichen Traufenwand, entstanden ein Halbkeller und eine Upkammer.
 

Die weiteren Innenwände sowie die Innentreppe dokumentieren die baulichen Veränderungen im 19. Jahrhundert, als die Familie Hohne, die das Haus über mehrere Generationen bewohnte, zu bescheidenem Wohlstand gelangt war. Und im Zweiten Weltkrieg entstand, mit Zugang vom Halbkeller, hinter dem Haus ein Luftschutzkeller.

 

Das Haus Hohne ist ein Zeuge der westfälischen und deutschen Geschichte des 15. bis 21. Jahrhunderts und soll auch in Zukunft diese Geschichte bezeugen.
 

Das Hinterhaus, „die Schmiede“, denn Hohnes waren Kupferschmiede, später Installateure, steht ebenfalls unter Denkmalschutz und wird in die Sanierung einbezogen. Ursprünglich hatten Kirchstraße 12 und Kirchstraße 14 jeweils ein eigenes Hinterhaus, die jedoch zusammengewachsen sind. Der Teil hinter Kirchstraße 14 wurde nach der Datierung der Bauhölzer 1717 errichtet. Der Teil hinter Kirchstraße 12 hat eine merklich ältere Fachwerk-Ostwand, entstanden vielleicht im 16. Jahrhundert, hier fehlt noch die genaue Datierung. Das Mauerwerk ist jünger.
 

Die Ziele

 

In wenigen Jahren wird, so die Vorstellungen des Fördervereins und die Planungen der Architektin, des Vorstandsmitglieds Ellen Borowiak, Haus Kirchstraße 14 den Menschen der Stadt sowie den Besucherinnen und Besuchern Steinfurts offen stehen als ein Haus der Begegnung.
 

Im Erdgeschoss werden zwei mittelgroße Veranstaltungsräume vorhanden sein, auch Küche, Garderobe, Toiletten. Die Upkammer wird für Gesprächs-runden und Kaffeetafeln gebraucht werden können. Im Obergeschoss wird ein großer Saal entstehen, ein Viertel davon ist mit Glaswänden als Empore abgeteilt, um dort ohne Wärmedämmung des Daches die Dachkonstruktion mit ihren Hölzern des 15. Jahrhunderts zeigen zu können.
 

Die Glaswände der Empore können im Sommerhalbjahr geöffnet werden, um den Veranstaltungsraum zu vergrößern. Eine Fluchttreppe wird am hinteren Giebel angebaut. Im Haus werden Kultur- und Bildungsveranstaltungen sowie Dauer- und Wechselausstellungen Platz finden. Interessierte Gruppen und Vereine werden die Räume für ihre Zwecke mieten können.
 

Das Hinterhaus wird eine Wohnung sein. Es hat zwei Wohngeschosse und ein ausgebautes Dachgeschoss. Die Stiftung als Eigentümerin wird als Vermieterin des Hinterhauses auftreten. Die Mieter werden gegen Mietnachlass Aufgaben der Hausverwaltung für das Vorderhaus mit übernehmen (Schlüssel).
 

Der Weg

Ein erster Schritt war die Gründung des Fördervereins am 23. Februar 2007. Am folgenden Tag wurde das Haus Kirchstraße 14 mit Unterstützung des Baubetriebsamtes der Stadt Steinfurt durch Vereinsmitglieder von dem Unrat gereinigt, den die illegale Bewohnung vieler Monate verursacht hatte.
 

Im Juli 2007 kam Dr.-Ing. Silke Langenberg, Eidgenössisch-Technische Hochschule Zürich, die aus Steinfurt stammt, mit einer Gruppe Studierender der Fachhochschule Münster, Fachbereich Architektur, in das Haus. Ein millimetergenaues „Verformungsgerechtes Aufmaß“ wurde erstellt, das als Grundlage für die Sanierungsplanung dient. Das Hinterhaus wurde durch Mitglieder des Fördervereins unter Leitung von Architektin Ellen Borowiak im Oktober 2007 aufgemessen.
 

Im August und September 2007 stellte der Förderverein Zuschussanträge bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (beantragt wurden 250.000 Euro) sowie bei der Bezirksregierung Münster. Abstimmungen mit der Bezirksregierung führten zur Teilung der Sanierungsplanung in zwei Bauabschnitte. 2008 sollen das Hinterhaus und das Dach (Dachkonstruktion) des Vorderhauses saniert werden. Hierfür wurde mündlich ein Zuschuss von bis zu 30.000 Euro in Aussicht gestellt. Die Förderung des Zweiten Bauabschnitts 2009 (Vorderhaus Erdgeschoss) wurde mit ebenfalls bis zu 30.000 Euro in Aussicht gestellt.
 

Weitere Förderanträge (Nordrhein-Westfalen-Stiftung, Projektförderung „Initiative ergreifen“ des Landes Nordrhein-Westfalen) sind in Vorbereitung. Parallel sollen 2008 und 2009 Spenden jeder Größenordnung eingeworben werden.
 

In kleineren und größeren Aktionen und mit breiter Öffentlichkeitsarbeit wird der Förderverein auf das Vorhaben hinweisen, das mit finanzieller und tatkräftiger Hilfe der Menschen in Steinfurt bald gelingen wird. Denkmalschutz kann man selber machen, und alle, die investieren (Geld, Zeit, Ideen, Arbeitskraft) werden am Nutzen beteiligt sein. Sie werden das Haus als ihr Haus wahrnehmen, mit ihm leben und es als kostbares Erbe der nächsten Generation übergeben.
 

Dr. Ralf Klötzer
Vorsitzender des Fördervereins
Förderverein Haus Kirchstraße 14 (1465) Steinfurt e. V.
gegründet 2007

 


Sanierungsvorhaben Haus Kirchstraße 14 (Vorder- und Hinterhaus)

Kosten


Gesamtkosten: ca. 700.000 Euro (Vorder- und Hinterhaus)
Zuschussbedarf: ca. 500.000 Euro
Eigenanteil: ca. 200.000 Euro
Die Kosten verringern sich durch Arbeitsleistung des Fördervereins.

 

Vorderhaus


Erbaut 1465
Ältestes Bürgerhaus in Steinfurt
Geplante Nutzung:
Öffentliche Zugänglichkeit
Haus der Kultur, der Bildung und Geschichte
Haus der Generationen
Ausstellungen, Kultur-, Bildungs- und Vortragsveranstaltungen

 

Hinterhaus


Bestehend aus zwei Hinterhäusern, die zusammengewachsen sind
Erbaut 16. Jahrhundert und 1717.
Geplante Nutzung:
Wohnung
Mieterlös zur Unterhaltung des Gesamtobjekts

 

Unterstützer


Stadt Steinfurt
Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster
Bezirksregierung Münster
Eidgenössisch-Technische Hochschule Zürich

 

Vorstand Förderverein


Dr. Ralf Klötzer, Vorsitzender
Hermann Elfers, Stellvertretender Vorsitzender
Ellen Borowiak, Kassenführerin
Silvia Dertwinkel, Referentin für Information
Annegret Arning, weiteres Vorstandsmitglied

 

Weitere Links zum Thema:

 

Kirchstraße 14: Eine Hausbeschreibung
Kirchstraße 14, ein Bürgerhaus von 1465: Ein Haus und seine Zukunft

Eine kleine Chronik des Hauses Kirchstr. 14 im Spiegel der Presse

Kirchstraße 14: Die Pläne

Kirchstraße 14: eine 93-seitige Bestandsaufnahme und Dokumentation des denkmalgeschützten Gebäudes

Kirchstraße 14: eine 29-seitigiges Sanierungs- und Nutzungskonzept (Stand November 2009)


Text: Dr. Ralf Klötzer (aus seiner Ansprache anlässlich der Eröffnungsveranstaltung einer Ausstellung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit dem Titel "Seht, welch kostbares Erbe! - Bedrohte Baudenkmale in Deutschland" im Steinfurter Rathaus am 20. November 2007)

 

Die Ausstellung ist bis zum 04. Januar 2008 im Rathaus Steinfurt zu besichtigen: Mo - Do von 08.30 - 16 Uhr und Fr von 08.30 - 12.30 Uhr

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Dr. Klötzer für die Zustimmung, diese Ansprache hier zu veröffentlichen und werden nach Möglichkeit den Bericht auch mit entsprechenden Fotos versehen.

 

Schauen Sie einfach mal wieder rein, wir bleiben für Sie am Ball! - Anm. d. Red.

 


 

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