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Bild 1 - Kirchstraße 14 - Stand 12.08.2006 |
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Flurstücksangaben
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Bild 2 |
| Kirchstraße 14 Die auf der ganzen Breite überbaute und nur mäßig tiefe Hausstätte mit einer Grundfläche von etwa 25,5 x 9 m wird rückwärtig vom Kirchplatz begrenzt. Durch die erhaltene Bausubstanz bestand diese Siedlungsstruktur zumindest seit etwa 1465. Hinter dem Haupthaus entstand 1717 entlang der nördlichen Grenze ein schmaler, bis zum Kirchplatz reichender Speicherbau, der sich an das Hinterhaus der benachbarten Hausstätte Kirchstraße 12 anschloss. Dieses ist seit dem 19. Jahrhundert zugehörig8. Zur Klärung der Entwicklungsgeschichte der Bebauung wurden am 4.1.2006 durch das WAfD dendrochronologische Datierungen vorgenommen (Auswertung durch H. Tisje/Neu-Isenburg). Danach ist das Vorderhaus um 1465 errichtet und 1682 umgebaut worden. Das Hinterhaus entstand 17179. ------------------------------------------------- 8
Die Entwicklungsgeschichte der Bebauung auf der Hausstätte ist bei Eiynck
1991, S. 187 kurz skizziert, wurde allerdings nicht zutreffend
charakterisiert: Das Vorderhaus ist im Gegensatz zu seiner Einschätzung im
Kern vom hohen Alter und das von ihm zu früh datierte Hinterhaus in seiner
gesamten Substanz erhalten.
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| Vorderhaus (um 1465 d)
Der Kernbau ist ein giebelständiges Fachwerkdielenhaus von 9 Gebinden
Länge, wobei die Gefache eine Breite von etwa 1,8 m und die Ständer von
etwa 0,25 m aufweisen. Die Dachbalken sind aufgelegt und alle im
Querverband durch Kopfbänder gesichert. Die erhaltene linke Traufwand ist
zweifach verriegelt (einfach vernagelt), wobei jeder zweite Über dem Hausgerüst erhebt sich ein steiles Sparrendach, das im ersten Verband mit nur einer einfach vernagelten Kehlbalkenlage ausgesteift war. Die Sparren waren zunächst in die Balkenköpfe des Hausgerüstes eingezapft. Die Sparrengebinde sind von hinten nach vorne mit Strichen (im Unterschied zu römischen Zahlen auch über IIII nur mit Strichen) gezählt. Besonders der weite Sparrenabstand von etwa 1,8 m spricht dafür, dass das Haus wohl zunächst noch eine Weichdeckung aufwies. |
![]() Bild 3 |
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![]() Bild 4 |
Die Innere Gliederung des Hauses ist in den grundsätzlichen Strukturen durch Baubefunde noch nachweisbar: danach handelt es sich offensichtlich um ein Längsdielenhaus mit etwa 4 m lichter Höhe: entlang der rechten Traufwand bestand zumindest in den vorderen fünf Gefachen ein schmales Seitenschiff von etwa 1,75 m lichter Breite. Es kann auf Grund der Breite wohl als Stallseitenschiff interpretiert werden und dürfte ein Zwischengeschoss aufgewiesen haben. Die Längswand gehört zum Kerngerüst, wobei die Ständer durch das Rahm mit einem Hirnzapfen in die Balken gezapft waren und zur Hausmitte mit den Deckenbalken durch Kopfbänder gesichert waren. Ob dahinter in den wohl rückwärtigen drei Fachen schon bauzeitlich eine Längswand zwischen einer rechtsseitigen Upkammer und einem breiteren linksseitigen Küchenbereich bestanden hat oder diese Struktur erst bei einem Umbau entstanden ist, konnte nicht belegt werden. Im 7. Gefach der linken Traufwand besteht ein massiv von Bruchstein aufgemauerter und etwa 0,25 m aus der Flucht vortretender Kaminblick (von wann ????) mit etwa 2 x 1,05 m Grundfläche, ein weiterer Hinweis, im hinteren Bereich des Hauses auf der linken Seite die Küche zu suchen. Ob das Haus im vorderen linken Bereich eine von der Diele abgetrennte Stube aufgewiesen hat, ist bislang unklar, aber anzunehmen. Dann würde das Haus bauzeitlich etwa mittig in der Giebelfront wohl einen Torbogen besessen haben. Ein genageltes Zopfenloch deutet darauf hin, dass möglicherweise eine Querwand unbekannter Funktion unter dem vierten Balken von vorne bestand.
Das Dachwerk über dem Haus wurde offenbar 1682 umgebaut. Nach Abbau der
alten Sparren erhielt das Haus stark Sparrenschwellen, über denen an alter
Stelle die alten Sparrenpaare wieder aufgestellt worden sind, allerdings
ergänzt durch jeweils einen Zwischensparren. Diese Baumaßnahme dürfte
darauf zurückzuführen sein, dass mit dem Umbau eine Hartdeckung mit
Hohlpfannen eingeführt worden ist. Die heute noch vorhandene Lattung aus
Eiche (4x10 cm), die mit einem Abstand von etwa 0,31 - 0,34 cm auf die
Sparren genagelt ist, könnte ebenfalls noch dieser Bauzeit entstammen.
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1925 Umbau des Ladengeschäftes im rechten vorderen Teil des Hauses einschließlich Schaufenster. Hierbei Wiederaufbau einer Trennwand zwischen der rechten Stube und dem Flur. 1934 Entwässerung. 1936 Einbau eines Schaufensters auf der linken Seite der Vorderfront. Statt dessen werden rechts wieder zwei Fenster geschaffen. 1943 Bau eines Luftschutzkellers unter dem Hof des Hauses. Er bezieht einen „Kohlenraum" unter dem Hinterhaus mit ein und vertiefte diesen (möglicherweise ehemals ein Jauchekeller?). 1948 wird das rückwärtige, bislang mit Brettern verkleidete Giebeldreieck massiv erneuert und mit einer Ausgangstür zum Balkon über dem zugleich ausgeführten eingeschossigen rückwärtigen Anbau versehen. 1954 wird der rückwärtige Anbau durch ein weiteres Zimmer mit Flachdach aufgestockt. Zugleich wird die Wohnung im Dachgeschoss des Hauses ausgebaut und erhält zur besseren Belichtung einen Aufbau auf der rechten Traufseite. Verbunden gewesen damit dürfte auch die Neugestaltung der Etagentreppe gewesen sein.
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| Hinterhaus (von 1717 d)
Das Gebäude nahm in jeder Etage einen wohl ungeteilten Raum von etwa 24 qm Grundfläche auf. Die Räume erhielten jeweils eine lichte Höhe von etwa 2,5 m im Erd- und 2,2 m im Obergeschoss unter Balken und dürften daher zu Wohnzwecken vorgesehen gewesen sein. Ihre Erschließung scheint jeweils über eine Türöffnung in der östlichen Schmalseite erfolgt zu sein. Wie der Zugang zu der im Obergeschoss an der Nordecke erhaltenen Tür hergestellt wurde, ist bislang nicht bekannt. Möglicherweise trug der noch heute etwa 40 vor die Fassade tretende östliche Geschossbalken der Südfront eine Galerie10. Die südliche Längswand erhielt in jeder Etage zwei Fenstergruppen zur Belichtung (diese mit der Innenseite abgefasten Hölzern und einem feststehenden mittleren Teilungspfosten). 10 Ein vergleichbarer Befund an einem Hinterhaus von 1575 konnte in Rheine, Klosterstraße 2 erhoben werden. |
Bild 5 |
![]() Bild 6 |
Bild 7 |
![]() Bild 8 |
Nachträglich erhielt das Gebäude einen breiten gemauerten Kaminstapel. Hierbei wurde das anschließende Sparrenpaar abgebrochen und das Satteldach nun auf dieser Seite abgewalmt. Die hierbei aufgebrachte Dachlattung mit starken Eichenlatten erhalten und wohl schon für die bis heute erhaltene Eindeckung mit Pfannen auf Docken vorgesehen.1964 wird der kleine westliche Anbau zum „Wintergarten" umgestaltet und durch einen Vorbau erweitert (Plan: Architekt Karl Baumgart). |
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Würdigung
Um 1495 Bütkamp 18 Um 1500 Wasserstraße 19 (Kerngerüst) Um 1510 Am Neuen Wall Um 1513 Kirchstraße 19
Eine nur in Teilbereichen noch vorhandene Überlieferung ist bei Bauten
mit einem solch hohen Alter normal, dass diese nur dann „überleben"
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wird fortgesetzt
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Text: Stadtarchiv Steinfurt Fotos: Willi Tebben (Bild 1-8) |
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