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Kindheitserinnerungen und Jugenderlebnisse aus der Nachkriegszeit bis zum Wohlstand in Burgsteinfurt.
Nach Aufzeichnungen von Gerd Hüsing verfasst und herausgegeben von Rainer Schepper
Diese Serie von insgesamt 22 Kapiteln erschien in "Westfälische Nachrichten / Steinfurter Kreisblatt" je ein Mal wöchentlich in der Zeit vom 08.05.1997 bis 02.10.1997
An dieser Stelle möchten wir ganz besonders darauf hinweisen, dass die veröffentlichte Serie keinerlei Bilder enthielt. Da wir den sehr umfangreichen Text mit einigen zeitgenössischen Bildern auflockern wollten, haben Hans-Bernd und Ingrid König ihre privaten Familienalben geöffnet und uns ein paar Bilder davon zur Verfügung gestellt. Diese Fotos stehen in keinerlei Beziehung zu dem Text, zeigen aber authentisch das Leben der damaligen Zeit!
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Kapitel 1 - "Ein liebenswerter Chaot"
Es war der 16. Oktober 1996. Die Trauerhalle auf dem evangelischen Friedhof war bis auf den letzten Platz gefüllt. Vorn stand ein mit leuchtenden Sonnenblumen geschmückter Sarg, den Lieblingsblumen des Verstorbenen, der an diesem Tage zur letzten Ruhe geleitet wurde. Pastor Knorrek zeichnete den Lebensweg und Charakterbild des Verstorbenen treffend nach. Das Schlüsselwort dieser Ansprache blieb allen Trauergästen deutlich im Gedächtnis: ein liebenswerter Chaot.
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Kapitel 2 -
Eine komplette Familie
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Bild 1 |
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Mein Vater war damals im Krieg und stand als Soldat in Holland. Meine Geburtsstadt Burgsteinfurt, heute Steinfurt genannt, liegt im nordwestlichen Münsterland zwischen den Städten Münster und Enschede (Niederlande). Mein Elternhaus lag am Rande des Stadtbezirks, und ein kleines Stückchen weiter stadtauswärts beginnen die Bauerschaften. Die Leerer Straße war damals umbenannt worden in Schlageter-Straße in Erinnerung an Albert Leo Schlageter, der 1923 während der Ruhrbesetzung Anschläge auf Verkehrsverbindungen der französischen Besatzungstruppen geführt hatte und deswegen durch ein französisches Kriegsgericht zum Tode verurteilt und am 26. Mai 1923 auf der Golzheimer Heide bei Düsseldorf standrechtlich erschossen wurde. Seit Kriegsende heißt die Straße, in der mein Elternhaus stand, wieder Leerer Straße.
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Bild 3 - das erste Fahrrad |
Bild 4 - früh übt sich ... |
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Kurz nach Ausgang des Krieges, der am 8. Mai 1945 mit dem Waffenstillstand endete, kam mein Vater nach Hause zurück. Meine Schwester hatte ihn zuerst erspäht, als er mit anderen Soldaten auf einem Lastwagen gebracht wurde. Sie war mit mehreren Mitschülerinnen auf einem großen Kartoffelfeld in der Bauerschaft Hollich zum Kartoffelkäfersuchen eingesetzt. Kartoffelkäfer mussten übrigens noch bis einige Zeit nach dem Kriege gesucht werden, weil ihre Larven die Pflanzen anfraßen, und dafür setzte man aus jeder Schule ganze Schulklassen ein. Die Kinder hielten in der Hand ein verschraubbares Glas, in dem die Tiere gesammelt wurden. Anschließend wurden die Käfer mit Petroleum vernichtet.
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Kapitel 3 - 600 Jahre Stadtrechte
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Kapitel 4 - Zeit der
Währungsreform
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Kapitel 5 - Die
Grundschulzeit I-Männchen ist dumm!" Wir schämten uns gewaltig, wenn wir diese Spottverse zu hören bekamen, aber als wir dann ins zweite Schuljahr aufgerückt waren, riefen wir selber ganz stolz die gleichen Verse den „Neuen" zu.
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Bild 6 - die Hausschlachtung |
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Kapitel 6 - Schlachten war Männersache
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Während das Schlachten (mit Ausnahme des „Blutrührens") und Zerschneiden früher durchweg Männersache war, fiel das Wursten in den Arbeitsbereich der Frauen. Beim Schlachtfest durfte selbstverständlich der Schnaps nicht vergessen werden. Ein Prost auf die Mettwürste mit einem münsterländischen Körnchen. Während des Zerschneidens standen wir alle um den Tisch herum, sahen zu oder halfen auch dabei. Plötzlich sagte der Hausschlachter „piep - piep - peip" und schnitt einen kleinen Muskel heraus, warf ihn mir zu und nannte ihn „das Mäuschen". Das Stückchen hatte tatsächlich die Form einer Maus. Es wurde dann ganz allein für mich gebraten.
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Kapitel 7 - Söppken zum
Frühstück
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Das Mittagessen bestand damals überwiegend aus frischen Gemüsen, die wir aus dem eigenen Garten holten. Dazu gab es fast immer vom selbst eingemachten Apfelkompott. Am Montag wurden meist die Reste vom Sonntag auf den Tisch gestellt, aber sonst war das Mittagessen abwechslungsreich. Aus dem Garten kamen die Wurzeln (Möhren), die Bohnen, der Wirsing, Große Bohnen, Kohlrabi, Rötkohl, Erbsen, aber immer als Eintopf, also mit Kartoffeln vermengt gekocht.
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Kapitel 8 - Straff
geordneter Tagesablauf
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Im übrigen ging es bei uns streng zu. Wenn ich mal beim Essen sagte: „Das mag ich nicht", dann bekam ich als Antwort zu hören: „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt." Abends gab es bei uns Blut- oder Leberwurst, Mehlpfannkuchen, und im Winter bis zum Frühjahr jeden Abend Leberbrot und Wurstebrot, dazu schwarzen Tee oder Pfefferminztee, manchmal auch „Muckefuck" (Lindes oder Kathreiner-Kaffee). Zuvor kam meist eine Milchsuppe auf den Tisch, zur Abwechslung gab's auch mal Haferflocken, Papp mit Schwattbraut oder Sago. Ich habe oft, wenn es keiner bemerkte, die Milchsuppe in den Schweinetopf geschüttet.
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Kapitel 9 - Landwirtschaft
für Eigenbedarf
Nach der Tagesarbeit wurde das Vieh gefüttert. So kam es vor, dass wir manchmal nach arbeitsreichen Tagen erst zwischen 21 und 22 Uhr am Abendbrottisch saßen.
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Ende Juli wurde der Roggen von meinem Vater mit der Sense geschnitten. Meine Mutter band ihn in Garben und stellte ihn zu Stiegen auf. Einige Tage später wurde wieder unsere Kuh Alma vor den Wagen gespannt, und sie zog ihn aufs Feld, wo es mit den Garben beladen wurde. Von dort aus ging es zur Dreschmaschine.
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Kapitel 10 - Sauerkraut
bis zum Frühjahr
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Kapitel 11 - Streng
getrennte Konfession
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Kapitel 12 -
Radio-Hörspiele am Kohleherdfeuer
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Kapitel 13 -
Spannung bis zur Bescherung
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Am 24. Januar durfte ich einige Schulkinder zu meinem Geburtstag einladen. Ich wurde zwar wie ein Bauernkind erzogen, ging aber zur Stadtschule, während die Bauernkinder jeweils in ihrer Bauerschaft ihre eigene wenig gegliederte (einklassige oder zweiklassige) Schule hatten. Diese sogenannten Zwergschulen sind später alle aufgelöst worden.
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Kapitel 14 -
Reformationsfest und Karneval
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Kapitel 15 -
Feiern zwischen Säen und Mähen
Übrigens hatte mir meine Schwester am Tag vor ihrer Verlobung die Haare mit Buttermilch gewaschen; denn auf dem Kopf hatte ich einen wilden Wirbel, den sie glätten wollte und die Haare hingen mit immer ins Gesicht hinein. Sie wollte unbedingt, dass ich auf ihrer Verlobung manierlich aussah. Die Buttermilch sollte die Haare festigen und darin hatte sie nicht unrecht, denn Haarfestiger gab es damals noch nicht. Nun waren aber meine Haare steif wie ein Brett geworden, sie sahen aus wie angefroren und hinterher fiel die Buttermilch, die sich als Schuppen auf dem Kopf festgesetzt hatte, auch in vielen, vielen Schuppen nach und nach herunter.
Die Hochzeiten wurden meist im Sommer in der Zeit zwischen Säen und
Mähen gefeiert. Wenn in der Nachbarschaft Hochzeit gehalten wurde,
holten wir einige Tage vorher vom Müllplatz alte Scherben und allerlei
weggeworfene Sachen, zum Beispiel Porzellan, Dosen, Behälter, schadhafte
Töpfe und dergleichen Kram. Am Abend vor der Hochzeit, dem Polterabend,
warfen wir das alles beim Brautpaar vor die Tür und das waren manchmal
hochbeladene Wagen voll. Wir trommelten und polterten so lange, bis das
Brautpaar herauskam und uns Bonbons, Kuchen und dazu Saft oder Brause
spendierte. Der Bräutigam musste allen Unrat wieder wegfegen und
gründlich aufräumen. Auch die Tradition des Polterabends gibt es bei uns
schon lange nicht mehr. Zwar wird er immer noch gefeiert, aber auf eine
ganz andere Art und Weise. |
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Kapitel 16 -
Warten, bis der Kuckuck ruft
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Kapitel 17 - Die Zeit der
Spätheimkehrer Münster ist vor allem als die Stadt der Wiedertäufer und des Westfälischen Friedens in die Geschichte eingegangen. Die Wiedertäufer, eine reformatorische Gruppe, die die Erwachsenentaufe proklamierten, waren 1534 in Münster an die Macht gekommen und wollten von dort aus das „Neue Jerusalem" errichten. Nach 16monatiger Belagerung der Stadt durch den Bischof von Münster wurden sie, durch einen Verrat veranlasst, überwunden. Ihre Hauptanführer ließ der Bischof in eigens dafür gefertigte Käfige sperren, führte sie damit im Landes herum und ließ sie darin schließlich mit glühenden Zangen zu Tode martern.
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Kapitel 18 -
Von Klassenfahrten und Wertmarken
So vergingen denn die Tage, die Monate und Jahre immer im gleichen Ablauf der Geschehnisse. Zwölf Jahre alt war ich inzwischen geworden und in die Oberklasse gekommen.
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Bild 18 - Klassenfahrt |
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Weil unsere Lehrerin nicht wollte, dass unsere Eltern die Kosten für die Klassenfahrten allein trugen, forderte sie uns auf, selbst dazu beizutragen, indem wir etwa im Herbst bei den großen Bauern bei der Kartoffelernte halfen. Die Kartoffeln wurden mit dem Roder ausgemacht, und wir sammelten sie in Körbe ein. Ab 11 Uhr gab es dafür schulfrei, und für einen Nachmittag Arbeit erhielten wir vom Bauern drei Mark. Im Sommer suchten wir auf den Getreidefeldern Ähren nach, und der Müller zahlte uns pro Pfund fünf Pfennige. Auch dabei kamen an einem Nachmittag etwa drei Mark zusammen. Im Herbst suchten wir in den Wäldern Bucheckern, die wir beim Förster für ebenfalls etwa drei Mark ablieferten. Alles Geld, was auf diese Weise zusammenkam, mussten wir für unsere Klassenfahrten aufsparen.
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Kapitel 19 -
Von Konfession und Trauer
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Kapitel 20 -
Lehrjahre sind keine Herrenjahre
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Kapitel 21 -
Ende der Schülerzeit
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Kapitel 22 -
„Man sollte niemals nie sagen“
Einmal im Winter bestelle ich mir eine Portion davon oder hole es sogar vom Metzger, um es zu Hause zuzubereiten. So esse ich es jetzt wieder gelegentlich und bin dadurch zu der Ansicht gekommen: Man sollte niemals „nie" sagen.
ENDE
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(Diese WN-Serie wurde 1997 ohne Bilder veröffentlicht. Um die alten Zeiten jedoch auch bildlich noch einmal ein wenig aufleben zu lassen, haben wir diesen Kindheitserinnerungen einige Fotos hinzugefügt. Zur Zeit werden alte Familienalben durchforstet, um passendes Bildmaterial zu finden. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, uns ebenfalls Bilder aus dieser Zeit zur Verfügung stellen können, würden wir uns sehr freuen. Allerdings benötigen wir zur Veröffentlichung dann aber auch die entsprechenden Genehmigungen. - Anm. d. Red.)
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Text: Rainer Schepper, nach Aufzeichnungen von Gerd Hüsing; © Rainer Schepper alle Fotos: aus dem Privatbesitz von Ingrid und Hans-Bernd König Diese Serie von insgesamt 22 Kapiteln erschien von Mai bis Oktober 1997 im "Westfälische Nachrichten / Steinfurter Kreisblatt" Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Rainer Schepper für die Genehmigung, diese Erinnerungen und Erlebnisberichte hier veröffentlichen zu dürfen sowie bei der Familie Ingrid und Hans-Bernd König für die zur Verfügung gestellten Fotos! |
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