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Bild 1 - Aus diesem Buch zitieren wir den nebenstehenden
Auszug.
Wir
bedanken uns ganz herzlich beim Leiter des Emslandmuseums
in
Lingen, Herrn Dr. Andreas Eyinck, für die Übermittlung dieser
Beschreibung.
Wir haben den Text zwar wegen der besseren Lesbarkeit in
eine
moderne Schriftart übertragen, dabei aber den um 1803
gebräuchlichen Schreibstil beibehalten. Also bitte nicht gleich
alle vermeintlichen Schreibfehler auf Ihrem Monitor rot
markieren, damals schrieb man wirklich so! - Anm. d.
Red. |
Der
Houtsche Garten
Wer- einen redenden Beleg sehen will, was ächtes Kunstgefühl und
Ideenreichthum vermag, um einen auch noch so beschränkten und
von der Natur gänzlich verlassenen Flek zu einem kleinen
Paradiese umzuschaffen - der erwerbe sich in Steinfurt den
Anblik des Houtschen Gartens. Ein seltenes Meisterwerk des
Geschmaks und Gefühls! Ein kleines Elisium in einem Bezirk von
höchstens einigen hundert Schritten, den der Schöpfer desselben
auf eine seltene glükliche Weise zu benuzzen gewußt hat!
Der Garten ist von drei Seiten mit Mauern eingeschlossen, die
aber, möglichst verstekt sind; nur von der vierten grenzt er an
eine Wiese, die ein Bach durchschneidet, und an einen Theil des
Bango stößt. Diese Nachbarschaft ist es, welche dem Garten sein
eigentliches besseres Daseyn verschafft hat, und auf
tausendfache Weise angenehm genuzt ist. Ein kleiner Bach, von
dorther abgeleitet, durchfließt in unendlichen Krümmungen den
kleinen Garten, und gewahrt eine Menge überraschender
Wasserparthieen , bis er in einem mit Goldfischen besezten
Seebassin sich füllt. Das Bosket, zu dem der Garten eingerichtet
ist, beut auf wenige Schritte stets Abwechselungen, die durch
ihre Ueberraschung und Neuheit äusserst anziehend sind; es gibt
keinen Punkt, der nicht irgend eine besondere Schönheit
aufzeigte.
Da das Terrain so eingeschlossen war, hat der Besizzer die
einzige Aussicht nach der Wiese auf eine kaum begreifliche Art
zu vervielfachen und in verschiedenen Nüancen anzubringen gewußt.
Wo die Krümmungen des Boskets keine Ansichten erlaubten, da sind
diese durch Ausbauen der Bäume hervorgebracht, welche in der
That eine ganz ausserordentliche Wirkung thun, und Prospekte in
eine unendlich scheinende Ferne eröffnen. Diese
Mannichfaltigkeiten, und das künstliche Verschlingen der Gänge,
bringen in dem Gemüthe des Sehenden eine so täuschende Wirkung
hervor, daß man sich in dem größten englischen Garten zu
befinden glaubt, und auch wirklich einen Weg mehrere Male
passiren kann, ohne es zu bemerken, weil er so viele
verschiedene Ansichten und interessante Punkte enthält, die man
erst allmählig entdekt, - Dabei findet durchaus keine
Ueberladung Statt. Ueberall herrscht rein nachgebildete Natur,
die höchste Einfachheit des Geschmaks.
In dem Ganzen webt der Geist eines sehr zarten richtigen
Gefühls. Von zwei an verschiedenen Seiten gelegenen
Gartenzimmern beut das Eine eine artige Sammlung von Naturalien
jeder Art, einigen Kupferstichen, Gemälden, u. s. f., das Andere
aber einen sehr geschmakvollen Sommeraufenthalt dar , der schon
durch seine innere Einrichtung, noch mehr aber durch seine
Ansicht des Aeussern gefällt. Die Aussicht aus dem Fenster
desselben ist für mich der anziehendste Theil dieses
interessanten Gartens gewesen.
Ueber die mittleren reizenden Parthieen desselben blikt man
zwischen den gelichteten Bäumen hindurch über die Wiese hinaus
in den Wald des Bango, und, wie durch einen optischen Betrug, in
eine unendliche Ferne hinein. Die Ueberraschung ist
unbeschreiblich. Ich glaubte in die unermeßliche Ewigkeit zu
schauen. Ahndungs- und Sehnsuchtsvolle Gefühle ergriffen mich.
O, in diesem Zimmer, an diesem Fenster müßte der Gedanke an das
Jenseits zum geselligen Vertrauten, zum erhebenden Gefährten
werden. Hier muß man ein guter Mensch seyn.
Von dem Schöpfer dieser Anlage, dem Doctor Medicinae Houth,
einem etwa fünfunddreißigjährigen Manne, bedarf ich diese
Versicherung wohl nicht zu geben. Er wohnt in Steinfurt, wo er Eigenthümer einer Apotheke, und in seiner Praxis als ein eben so
menschenfreundlicher wie geschikter Arzt bekannt ist. Die
Einrichtung seiner Wohnung zeugt von demselben gebildeten
Geschmak, der in seinem Garten herrscht. Das Studium der schönen
Künste ist seine Lieblingsbeschäftigung, und er hat es in den
Kenntnissen desselben durch öftere Reisen, Beobachtungen,
Studiren und Sammeln sehr weit gebracht. -
Auch in seinem Hause besizt er einige schöne Gemälde und eine
artige Kupferstichsammlung. Das Innere desselben verbindet mit
holländischer Reinlichkeit und Eleganz deutsche Auswahl. Bei dem
Allen besizt der Schöpfer dieser vielen seltenen Anlagen eine
eben so seltene Bescheidenheit; Lobsprüche können ihn ernstlich
beleidigen. - Die Zartheit des Gefühls, welche seine Schöpfung
verräth, bewahren alle seine Worte und Handlungen.
Mit ihm, und dem für Kunst gleich enthusiastischen Hoffmann,
verlebte ich einen schönen unterrichtsvollen Abend. - Durch die
Freundschaft dieser beiden geist- und herzvollen Männer - durch
die Bekanntschaft der verehrungs- und liebenswürdigen Gräfin
Henriette und ihrer gütigen Aeltern - durch die Reize Steinfurts
für Natur- und Kunstgefühl, wurden mir die hier verlebten Tage
die schönsten meiner Reise.
Und darf ich, nach alle den Vorzügen dieses kleinen Ortes, die
ich hier treu und wahr geschildert habe, nicht sagen: daß er
unter den westphälischen Städten, in der Krone geselliger
Freuden, der Königs - Diamant sey?
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