Mühlen in Steinfurt


Die Hollicher Windmühle

Ein markantes Merkmal der Windmühle und auch einer der wichtigsten Bauteile ist das weithin sichtbare Flügelkreuz. Ein Flügel besteht aus dem Bruststück (mit dem der Flügel an der Achse angebracht ist), und der Flügelrute, die man in das schmalere Vorheck und das breitere Achterheck unterteilt. Bei schwachem Wind werden Windbretter ins Vorheck eingesetzt, um die Angriffsfläche für den Wind zu vergrößern. Das Achterheck, bestehend aus einer Lärchenholz-Lattenkonstruktion, kann aus dem gleichen Grund mit Segeltuch bespannt werden, bei stärkerem Wind das Ganze natürlich umgekehrt.

 

Die Besegelung wird von der Galerie aus bedient. Die Flügel sind in sich gekrümmt, um eine möglichst hohe Arbeitsleistung zu erzielen. Die schräg angeordnete Flügelwelle ist wie das Flügelkreuz leicht nach hinten geneigt. Dadurch berühren die Flügel auf keinen Fall den unteren Bereich des konisch zulaufenden Mühlenturms.

 

Das Flügelkreuz ohne Besegelung

  Der untere Flügel ohne Besegelung

Zum Abbremsen ist das Kammrad von einer Backenbremse aus Pappelholz umgeben. Mit einem starken Tau, der von dem aus dem hinteren Teil der Kappe herausragenden Bremsbalken herabhängt, kann die Bremse von der Galerie aus gelöst oder festgesetzt werden.

 

Diese Bremse wirkt allerdings nur in Drehrichtung der Flügel (von hinten aus gesehen im Uhrzeigersinn!).

 

Wenn das Flügelkreuz von hinten Wind bekommt, z.B. bei stark veränderlichen Windrichtungen, versagt die Bremse und die nachfolgende Technik der Windmühle wird beschädigt.

 

Daher ist eine ständige Kontrolle erforderlich. Zur zusätzlichen Sicherheit ist in der Hollicher Mühle eine Rücklaufsperre eingebaut. 


Bei Arbeitsende der Mühle werden auch die Läufersteine der Mahlwerke auf die Bodensteine abgesenkt, was eine zusätzliche Bremswirkung zur Folge hat.

 

Der Bremsbalken ist der schräg nach rechts oben herausragende Balken

Die Rücklaufsperre

Gegenüber vom Flügelkreuz befindet sich der Steert am hinteren Teil der Kappe. Das ist ein langer, senkrecht hängender Balken, der mit mehreren Verstrebungen an der Kappe befestigt ist. Das untere Ende reicht bis auf die Galerie und dient dazu, mit Hilfe einer Winde die Flügel genau in den Wind zu drehen und zu halten. 


Die Kappe der Mühle liegt drehbar auf dem Achtkant des Mühlenturms und ist auf einer Rollenbahn gelagert. Die Rollenbahn besteht aus einer Eisenschiene, die auf einer starken Eichenlage montiert ist, und eine an der Kappe befestigen Eisenrollenkonstruktion. Das entspricht zwar nicht dem Stand der Mühle um 1800, diese Technik kannte man zu dem Zeitpunkt noch gar nicht. Sie ist im Münsterland erstmalig um 1860 nachweisbar.

 

Dennoch entschied man sich nach langen Beratungen für dieses gusseiserne Rollwerk, wie es zur Zeit der Stilllegung der Mühle vorhanden war. Die Kappe wird durch ihr enormes Eigengewicht von insgesamt 23 t in der Position gehalten.


Die Kappe

Der Steert

Die Galerie (Teilansicht)

Vielleicht noch ein Wort zur Aufzugsvorrichtung für die Getreidesäcke. Das ist in der Hollicher Mühle ganz einfach gelöst:

 

Ein an der Königswelle befestigter tellerartiger Ring dreht sich immer mit. Oberhalb davon befindet sich ein senkrecht stehendes Rad, das vom Müller durch ein Zugseil auf den Teller abgesenkt werden kann. Dadurch wird die waagerechte Achse zur Seilwinde. Am anderen Ende der Welle ist eine weitere Rolle befestigt. Über diese Rolle läuft ein dickes Seil bis hinunter zur Durchfahrt. 

Antrieb Sackaufzug

 

 

Über dieses Seil kann bei Windstille der Sackaufzug auch von Hand betrieben werden:


es wird dabei immer ein Sack Korn vom Wagen in der Durchfahrt an dem einen Ende und gleichzeitig am anderen Ende des Seils ein Sack Mehl zum Wagen in der Durchfahrt transportiert. Durch dieses Gleichgewicht ist es praktisch ohne körperliche Anstrengung für den Müller möglich, den Doppelzentner-Sack zu bewegen.

Demonstration des Sackaufzugs bei Windstille

Hier geht's weiter zur Windmühlen-Technik

Text: Willi Tebben (nach Informationen der ehrenamtlichen Windmüller der Hollicher Mühle)

Alle Fotos: Willi Tebben


Literatur: 

"Eine westfälische Mühlen- und Bauerschaftsgeschichte" von Dr. Rolf Hennings, Herausgeber: Förderkreis Hollicher Mühle e.V. im Selbstverlag, Steinfurt 1997

"Hollicher Mühle - Technisches Denkmal im Kreis Steinfurt"; herausgegeben vom Oberkreisdirektor des Kreises Steinfurt im März 1989


 

wird fortgesetzt

 

Home

Impressum