Die Windmühle in Hollich

 

 

 

 

 

 

An der Straße Burgsteinfurt—Emsdetten findet man eine voll funktionsfähige denkmalgeschützte Windmühle. Sie steht frei auf einer der höchsten Erhebungen oberhalb von Burgsteinfurt und ist von der Straße aus gut sichtbar. Von der Mühle aus, die am Abhang des Altenberger Rückens steht, öffnet sich dem Besucher bei guter Sicht ein weites Blickfeld nach Norden.


Im Nordwesten erhebt sich der bewaldete Rothenberg bei Wettringen. Östlich davon schließen sich die Gemeinden Wettringen und Neuenkirchen an. In nördlicher Richtung sind die Rheiner Höhen (Waldhügel) gut sichtbar. Rheine ist durch den hochaufragenden Turm der St.-Antonius-Basilika erkennbar. Im Nordosten liegen Mesum und Emsdetten. Im Hintergrund erstreckt sich der Teutoburger Wald mit seinen Sandsteinbrüchen bei Riesenbeck, die sich als hellbraune Flächen deutlich vom bewaldeten Höhenrücken abheben.

So präsentiert sich die Mühle im Oktober 2005

 

Bei der Mühle handelt es sich um einen Achteck-Galerieholländer mit Durchfahrt auf massiv errichtetem Sockelgeschoss, die etwa um 1800 in der Gegend von Osnabrück erbaut wurde. Leider konnte dessen genaue Lage bis heute nicht ermittelt werden.

 

Wie kommt nun diese Mühle in die Bauernschaft Hollich bei Burgsteinfurt?

 

"Wir schreiben das Jahr 1858. Der Fürst von Bentheim und Steinfurt betreibt zu dieser Zeit in Burgsteinfurt drei Wassermühlen sowie eine Windmühle. Am 05. Januar 1858 schlagen helle Flammen aus der fürstlichen Wind- und Rossmühle, die auf dem Esch nahe der Wettringer Straße errichtet ist und bei Windstille auch mit Pferden betrieben werden kann. Das Bauwerk brennt bis auf die Grundmauern nieder."

 

Die fürstliche Verwaltung verhandelte mit der Feuerversicherung, machte aber keine Anstalten, die Mühle wieder aufzubauen. 


Bedingt durch jahreszeitlichen Wassermangel konnten die Wassermühlen nicht regelmäßig betrieben werden, so dass die Bürger teilweise bis Borghorst, Rheine oder Schöppingen fahren mussten, um ihr Getreide mahlen zu lassen. Da zu damaliger Zeit als Transportmittel nur Pferd und Wagen zur Verfügung standen, war das natürlich sehr kostspielig und langwierig.

 

Mit der Einführung des Code Napoleon am 01.01.1810 war zwar der bis zu diesem Zeitpunkt festgeschriebene Mahlzwang und das Bannrecht für die Errichtung und den Betrieb von Mühlenanlagen aufgehoben und somit die Gewerbefreiheit eingeführt worden.

 

Es sollte jedoch noch bis zum Jahre 1859 dauern, bis in Burgsteinfurt diese Art des Gewerbes durch kapitalkräftige Bürger übernommen wurde.

 

Als erster bemühte sich der Kaufmann E. Prümers Ende 1858 um eine Konzession zur Errichtung einer Windmühle mit 4 Mahlgängen und einem Graupengang. Nach kurzfristig erteilter Baugenehmigung vom 09.12.1858 verzögerte sich die Fertigstellung allerdings bis 1860. 

 

Schneller waren der Müllermeister H. Elshorst aus Ahaus und der Landwirt  J. Börger aus Weseke. Sie erwarben kurzentschlossen auf dem östlich von Burgsteinfurt gelegenen Hollicher Esch ein Grundstück und beantragten am 30. März 1859, dort eine Windmühle errichten zu dürfen. Drei Monate später erteilte die königlich-preußische Regierung zu Münster die Genehmigung. Die beiden Mühlengründer kauften die Holzholländerwindmühle aus dem Osnabrücker Land, die sofort nach Hollich umgesetzt und in nur einem halben Jahr Bauzeit dort wieder aufgebaut wurde. Die Zeit drängte, denn die Konkurrenz schlief auch damals nicht (s.o.). Bereits am 16. November 1859 wurde der Windmühle die ordnungsgemäße Betriebsbereitschaft bescheinigt und im Dezember 1859 in Betrieb genommen.

 

Schnell wurde die weithin sichtbare Mühle zum Wahrzeichen der Bauerschaft Hollich und auch unentbehrlich für die weitere Verarbeitung des dort geernteten Korns zu Mehl für die Haushalte und zu Schrot für das Vieh.

Die Müllerfamilie hauste anfangs in der zugigen und feuchten Mühle. 1868 wurde ein Müllerhaus angebaut, um diesen Zustand zu beenden.
Die zwar kostengünstige, aber unzuverlässige Windkraft wurde ab 1893 durch eine Dampfmaschine unterstützt. Später übernahmen Diesel- und Elektromotoren den Antrieb. Um 1920 wurden die Windflügel ganz entbehrlich und daher abgenommen. Im Jahre 1930 kaufte der Müllermeister Wilhelm Runte die Mühle und betrieb sie noch über dreißig Jahre. Dann wurde sie endgültig unrentabel und konnte der wirtschaftlichen Konkurrenz der Großmühlen nicht mehr standhalten. 

Die Windmühle verfiel zusehends. Die Burgsteinfurter Heimatfreunde sowie die Hollicher Landwirte hatten schon seit längerem ein Interesse an der Restaurierung der Mühle. Es gelang, den damaligen Oberkreisdirektor Dr. Heinrich Hoffschulte für die Wiederherstellung der Mühle einschließlich der historischen Mechanik zu gewinnen.

 

So entstand 1985 unter seiner Führung der "Förderkreis Hollicher Mühle". Das Mühlengebäude musste von Grund auf überholt werden. Alle fehlenden Teile wie auch die Windflügel wurden in mühsamer und schwieriger Handarbeit rekonstruiert und die Mühle etwa in dem Zustand um 1800 wieder hergestellt. Am 24. September 1988, nach etwa dreijähriger Bauzeit, konnte der Förderkreis im Rahmen einer Einweihungsfeier der Öffentlichkeit die restaurierte Mühle übergeben. Ein Stück Bau- und Technikgeschichte ist aus der Vergangenheit geholt und der Gegenwart zugänglich gemacht worden.

 

(Wir werden in Kürze diesem Kapitel einen Bericht über die Renovierungsarbeiten an der Hollicher Mühle hinzufügen. Nur noch ein wenig Geduld, wir arbeiten bereits dran - d. Redaktion!)

Blick auf Kappe und oberer Teil des Steerts. Deutlich zu erkennen ist der Drehkranz unterhalb der Kappe

 

Die Mühle steht von Mitte April bis Mitte Oktober an jedem Samstag von 14 Uhr bis 17 Uhr allen Besuchern offen. Während dieser Zeit kann man sich die voll funktionsfähige Technik von erfahrenen ehrenamtlichen Windmüllern erklären lassen und wie vor 200 Jahren in einer Kappenwindmühle Korn gemahlen wurde. Die Führung geht bis in den obersten Teil der Mühlenkappe und lässt auch die Technik außen nicht aus. Weitere Besichtigungstermine und Gruppenführungen sind nach besonderer Vereinbarung möglich.

 

Die Koordination übernimmt Johann Nefigmann. Sie erreichen Ihn telefonisch unter 0160 4715659 oder per Mail an info (at) hollicher-muehle.de

 

Bitte beachten Sie auch die offizielle Seite unter hollicher-muehle.de

 

Text und alle Fotos: Willi Tebben

Literatur: 

"Faltblatt Denkmal im Kreis Steinfurt - Hollicher Mühle". Herausgeber: Kreis Steinfurt, Der Landrat. 03/2004

"Eine westfälische Mühlen- und Bauerschaftsgeschichte" von Dr. Rolf Hennings. Herausgeber: Förderkreis Hollicher Mühle e.V. im Selbstverlag 

"Hollicher Mühle - Technisches Denkmal im Kreis Steinfurt"; herausgegeben vom Oberkreisdirektor des Kreises Steinfurt im März 1989

"Technische Denkmäler im Kreis Steinfurt - Zeugen der Technikgeschichte"; herausgegeben vom Oberkreisdirektor des Kreises Steinfurt im November 1987

 

Besonders bedanken möchte ich mich bei Herrn Dr. Rolf Hennings sowie dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe - Westfälisches Amt für Denkmalspflege. Sie versorgten mich mit wertvollen Tipps und Hinweisen sowie weiterem Informationsmaterial, das nach und nach in die hier veröffentlichten Kapitel über die Hollicher Mühle eingearbeitet wird.

 

Hier geht's weiter zu den Technischen Daten der Hollicher Mühle

wird fortgesetzt

 

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