Historische Gebäude in Steinfurt
- Burgsteinfurt -

 



Die Hohe Schule

 

Die Hohe Schule, das Gymnasium Illustre Arnoldinum, war eine Stiftung des Grafen Arnold der die von ihm 1588 zu Schüttorf in der Grafschaft Bentheim gegründete Lateinschule von sieben Klassen wegen des niederländisch-spanischen Krieges 1591 nach Steinfurt verlegte und zur Heranbildung von Geistlichen, Juristen, Medizinern und Beamten für seine Grafschaften Bentheim, Tecklenburg und Steinfurt dieser Schola classica, die man heute als Gymnasium bezeichnen würde, eine Schola publica, auch Academia oder Universitas litteraria Steinfurtensis genannt, mit vier Fakultäten, einem akademischen Senate und eigener Gerichtsbarkeit hinzufügte.

 

An der ersteren Anstalt lehrten sechs Präzeptoren, an der letzteren fünf Professoren. Nur das Recht der Doktorpromotion fehlte dem Arnoldinum, an dem manche hervorragende Gelehrte wie der Theologe Konrad Vorstius und mehrere Juristen aus der Familie Pagenstecher gewirkt haben.

 


Die Hohe Schule vom Südwesten aus gesehen

 

Das anspruchsvolle Bauwerk wurde 1591-1593 errichtet, um die erste Universität im westfälischen Raum aufzunehmen. Sie war der Stolz ihres Gründers, des Grafen Arnold und die Stütze des reformierten Bekenntnisses im nordwestdeutschen Raum. Als solche erlangte sie zeitweilig beachtlichen wissenschaftlichen Ruhm.

 

Nach seinem Tode (1606) blieb die Schule gemeinsames Besitztum der von seinen Söhnen gestifteten drei Linien des Hauses Bentheim, nämlich der Grafen von Bentheim, von Tecklenburg und von Steinfurt, unter denen jährlich das Rektorat wechselte.


Die Rückseite (zum Lesegarten hin)

 

Seinem hohen geistigen und religiösen Anspruch gemäß gibt sich das Gebäude nach außen betont repräsentativ. Das Treppenhaus in der Mitte der Straßenfront wird von einem achteckigen Turm mit welscher Haube bekrönt. Der zweite, mächtigere Turm an der Südwestecke trägt eine ähnliche Haube. Ein schmiedeeisernes Gitter umgibt eine Plattform, von der aus man astronomische und geometrische Untersuchungen anstellen konnte. (Ein berühmter Lehrer war der Geograph Dr. J. Gigas.) Beide Türme werden von großen, reich geschmückten Wetterfahnen aus Schmiedeeisen bekrönt, die noch aus der Erbauungszeit stammen. 




Die beiden weithin sichtbaren Türme


Das Besondere an der Straßenfront sind die großen, dreiteiligen Steinkreuzfenster und das prächtige Turmportal. (Das größere Seitenportal ist erst ein Werk des vorigen Jahrhunderts.) Für diese Arbeiten verpflichtete man Steinmetzen und Bildhauer aus Münster, und zwar für die Steinhauerarbeiten Meister Heinrich Münsterweg und für die plastische Gestaltung Bernd Katman.



Die Straßenfront

Das Innere umfasste zahlreiche Zweckräume wie Hörsäle, Bibliothek, Archiv, Senats- (d. h. Lehrer-)zimmer, Druckerei und Apotheke mit naturwissenschaftlicher Schausammlung. Natürlich war auch ein Karzer zur Verbüßung von Schulstrafen vorhanden.


 

Nach kurzer Blüte ging die Anstalt infolge des dreissigjährigen Krieges, der münsterischen Okkupation, der Wirren im Hause Bentheim und anderer ungünstiger Umstände immer mehr zurück und erlosch endlich unter der Fremdherrschaft. Das Schulgebäude wurde 1811 von dem französischen Tribunal für seine Gerichtssitzungen in Beschlag genommen, worauf ein gründlicher Umbau nach Plänen von August Reinking aus Rheine erfolgte.


Infolge eines am 6. Januar 1850 zwischen der preussischen Staatsregierung und den fürstlichen Häusern Bentheim-Steinfurt und Bentheim-Tecklenburg-Rheda abgeschlossenen Staatsvertrages wurde das Arnoldinum als Gymnasium am 4. April 1853 wiedereröffnet. Da das frühere Schulgebäude wegen seiner Baufälligkeit nicht benutzt werden konnte, so wurde 1859 ein neues Gymnasialgebäude aufgeführt und 1860 bezogen. Das anfangs mit dem Gymnasium verbundene Realgymnasium ist 1894 wieder eingegangen.

 

 

Seit 1869 wurde das Gebäude von der preussischen Justizverwaltung für die Zwecke des Kreisgerichts, jetzt Amtsgerichts benutzt und 1893 angekauft. 1945 wurde das Gebäude bombardiert. Während beim Wiederaufbau auch noch der letzte alte Bestand im Inneren beseitigt werden musste, stellte man das Äußere sorgfältig in den ursprünglichen Formen wieder her.

 


Die Hohe Schule nach 1945 *)

 

Beschreibungen zitiert aus: 

- Burgsteinfurt - Ein Führer durch seine Geschichte und Umgebung, von Dr. Karl Döhmann. Herausgegeben vom eigenen Verlag des Verkehrsvereins 1903

- Unterwegs im Kreis Steinfurt, herausgegeben vom Kreis Steinfurt 1980, Gesamtherstellung: Druckhaus Cramer, Greven

 

Bearbeitung: Willi Tebben, 

Fotos: *) Bild wurde aus dem Heft "Glanz, Untergang und Wiederaufbau der Hohen Schule - Auszug aus einem Vortrag vom Stadtarchivar Fritz Hilgemann" entnommen, herausgegeben als Sonderdruck aus "Stemmerter Blätter der Vereinigung ehemaliger Arnoldiner" von Fr. Winter.

alle weiteren Fotos: Willi Tebben

 

wird fortgesetzt!

 

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