Die Geschichte der Stadt Borghorst

 

Der Ursprung Borghorsts geht, wie der Name bereits andeutet, auf eine Burg zurück. Wann genau diese Burg entstanden ist, kann leider nicht mehr nachgewiesen werden. Baumsärge, die auf dem alten Stiftsgelände um 1880 ausgegraben wurden, lassen sich zwar in das 9. Jahrhundert zurückdatieren. Aber erst mit der Nachricht vom Tode des Grafen Bernhard von Borghorst im Jahr 935 wird erstmalig eine Jahreszahl genannt. Die Burg Borghorst wird 968 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. In diesem Jahr wandelt die Witwe des Grafen Bernhard, Bertha zusammen mit der Tochter Hedwig die Burg in ein adeliges Damenstift um. 

Bild 1 - Borghorster Baumsarg

 

Bild 2 - Blick auf Borghorst um 1800

Borghorst entwickelte sich jedoch erst im Laufe des 13. Jahrhunderts zu einem Dorf, als aus den hofnahen Flächen des zur Abtei gehörenden Vehoffs (Viehhofs) , heute Schulze Raestrup, Hausstätten ausgegliedert wurden. Diese wurden gegen ein sogenanntes Wortgeld als erblicher Lehensbesitz an Bauwillige abgegeben. Doch siedelten sich im Südwesten der ovalen Burganlage längs des windungsreichen Fahrwegs nach Münster zunächst nur wenige Bauern, Handwerker, Kaufleute und Gastwirte an. So waren 1459 lediglich 19 Wortstätten im Pachtbuch der Abtei aufgeführt. Erst gegen Ende des 30jährigen Krieges stieg der Bevölkerungszuwachs von 30 Familien im Jahr 1645 auf 114 Familien (1650). 


Die beiden alten Kernteile der Siedlung sind auch heute noch gut zu erkennen: Die Burg nahm ziemlich genau den heutigen Kirchplatz ein, der sich deutlich erhöht von seiner Umgebung abhebt. Er war von nicht mehr vorhandenen Wällen und einem breiten Graben umgeben. Auch die Häuser rings um die Kirche lassen noch deutlich die Anlage des Stifts erkennen. Sie stehen an der gleichen Stelle, an der früher die Stiftsdamen ihre Wohnungen hatten. Es waren vor allem Einzelhäuser, die man „Kurien“ nannte. Von diesen ist nur noch das Haus Kirchplatz Nr. 5 erhalten.

 

Bild 3 - Borghorst um 1810 (nach einer Lithographie von F. Esselbrügge)

 

Der kleine Ort Borghorst, über den die Grafen von Steinfurt seit 1271 bzw. 1297 die Vogtei ausübten, gelangte nach dem Vertrag von 1716 zwischen den Steinfurter Grafen und dem Fürstbischof von Münster unter die münsterische Landesherrschaft. 1806 fiel er an das Großherzogtum Berg und 1811 sogar an das Kaiserreich Frankreich. 1811 wurde auch das Stift durch Napoleon aufgehoben und fast alles abgebrochen, so dass man sich heute nur noch ein grobes Bild von der Gesamtanlage machen kann. Bereits 1813 richteten sich die Preußen in Westfalen ein und gründeten 1816 den Kreis Steinfurt, zu dem auch Borghorst gehörte. Der erste Landrat des Kreises war übrigens der frühere Rentmeister des Stiftes, Coermann.

Das Dorf, das außerhalb des Stiftsbereichs lag, bestand fast nur aus zwei langgestreckten Zeilen von Giebelhäusern rechts und links der Emsdettener Straße und der Münsterstraße. Sie reichten vom Kirchplatz bis zum 500 m südlich gelegenen „Katharinenplatz“. Noch heute bilden sie die Hauptachse des Ortes.

Erst mit der Industrialisierung ab etwa 1850 wuchs das Dorf weiter. Das besonders nach dem Bau der Eisenbahn Münster-Gronau-Enschede erfolgte Aufblühen der Textilindustrie führte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem weiteren rapiden Anstieg der Bevölkerungszahlen. 1861 hatte Borghorst lediglich 2063 Einwohner, 1879 waren es bereits 4100, das entspricht einer Steigerung von 100 % in 18 Jahren.


Textilfabriken, welche die alten Hauswebereien ersetzten, wurden an den Rand der damaligen Siedlung gebaut und liegen somit heute mitten in der Stadt. Noch weiter außen entstanden, nun meist an regelmäßigen Straßen, die Siedlungen der Arbeiter. Das Einfamilienhaus mit Garten bestimmt noch heute das Stadtbild. Städtisches und Ländliches greifen in der weitläufigen Siedlung fast nahtlos ineinander.

Bild 4 - Das Dorf Borghorst um 1840. Gemälde von Eduard Wiemann

Das Bild zeigt die Umgebung des ehemaligen Damenstiftes. Die alte Stiftskirche, die um 1885 abgerissen wurde, ragt hoch über die Häuser der adeligen Stiftsdamen hinaus. An der Postkutsche nimmt Hermann Brinkhaus von seiner Braut Johanna Ostermann aus Warendorf Abschied.

Bild 5 - Luftaufnahme der Nikomedeskirche  um 1930

Durch die wachsende Zahl der Gläubigen konnte auch die kleine Stiftskirche nicht mehr ausreichend Platz bieten. In den Jahren 1886-96 wurde daher an ihrer Stelle die wesentlich größere Nikomedes-Kirche im neugotischen Stil erbaut.

 

Die riesigen Ausmaße dieser Kirche sind nicht nur ein Hinweis auf die Seelenzahl der Gemeinde, sondern lassen auch deren hohe Finanzkraft auf Grund der rasanten Industrialisierung erkennen.

 

Dies wird auch deutlich an dem gleichzeitig durchgeführten Neubau des Rathauses, das 1888 bezogen wurde.

 

Die Aufgaben der Gemeindeverwaltung waren mit der Einwohnerzahl gestiegen und führten zu einem höheren Personalbedarf.

Doch auch auf das Ortsbild des Dorfes Borghorst hatte der wirtschaftliche Aufschwung große Auswirkungen. Entlang der Münsterstraße entstanden eine Reihe von repräsentativen Privat- und Geschäftshäusern.

Erst im Jahre 1950 erhielt die zu beachtlicher Größe angewachsene Gemeinde das Stadtrecht. Die Einwohnerzahl hatte sich durch die Ostvertriebenen auf insgesamt rund 17 000 gesteigert. Wie schon im 19. Jahrhundert durch die Zuwanderung der Textilarbeiter führte auch der Zustrom der Vertriebenen nach dem 2. Weltkrieg zu einem großen Wohnungsbedarf, der eine rege Bautätigkeit zur Folge hatte und zu einer raschen Ausbreitung von Baugebieten in die Bauerschaften hinein führten.

Im Zuge der Gebietsreform des Jahres 1975 wurde sie mit der Nachbarstadt Burgsteinfurt zur Stadt Steinfurt zusammengefasst, deren südlichen Ortsteil sie heute bildet.

Bild 6 - Der Ortseingang von Borghorst um 1930. Heute sind alle hier abgebildeten Häuser verändert


Textbearbeitung: Willi Tebben

Literatur: 

- Unterwegs im Kreis Steinfurt, herausgegeben vom Kreis Steinfurt 1980, Gesamtherstellung: Druckhaus Cramer, Greven

- Stadtführer Steinfurt; Redaktion Edith Kühn, Hans-Walter Pries; Verlag: Ibbenbürener Vereinsdruckerei GmbH, 1988

Fotos und Bilder: Borghorster Heimatverein (Bild 1, 2, 4); Fotohaus Kiepker-Balzer, Steinfurt (Bild 3); Stadtarchiv Steinfurt (Bild 5 - 6)

 

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