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Friedenau - Die Entwicklung des Burgsteinfurter Stadtteils
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Teil 2: Nachkriegs-Bebauung
von Hans-Jürgen Bartholomaei |
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IV. Nachkriegs-Bebauung |
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Nach dem Krieg war die Wohnungssituation in
Burgsteinfurt katastrophal.
Im Juli 1945 waren von 1600 Gebäuden in der Stadt
168 total, 156 schwer und 310 mittelschwer, insgesamt 634
Häuser, beschädigt. Das hieß, ca 40 Prozent des vorhandenen
Wohnraums war nicht mehr vorhanden. Material für Reparaturen gab
es nicht.
Auch die Friedenau wurde vom
Krieg nicht verschont. Bomben beschädigten Eigenheime, die noch
kurz vom dem Krieg entstanden waren. So wurden z.B. auf der
Elsa-Brändström-Strasse das Haus von Fieges voll und das Haus
von Bartholomaeis seitlich getroffen. Direkt neben unserem Haus
(Junker) explodierte eine Bombe, ließ die Außenwände reißen und
drückte eine Hausecke ca. 10 cm nach oben.
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Bild 1: Das Foto zeigt das beschädigte Haus von Willi
Bartholomaei nach dem Fliegerangriff am 7.10.1944. Gegenüber ist
mein Elternhaus zu erkennen. (Foto: Stadtarchiv/Schwarthoff)
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Verstärkt wurde die Wohnraumknappheit durch den
nicht abreißenden Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen.
Sammelunterkünfte wurden eingerichtet. Familien mussten
Einquartierungen hinnehmen.
Es kam zu skurrilen Besonderheiten: so konnte
sich ein Hausbesitzer von der Verpflichtung freikaufen,
Vertriebene in sein Haus aufzunehmen, indem er einen Betrag von
1000 DM für die Förderung des Wohnungsbaus an die Stadt zahlte.
Das ungewöhnliche Geschäft wurde durch einen rechtskräftigen
Vertrag besiegelt.
Aufgrund der angespannten Wohnraumsituation hatte
die Stadt bereits kurz nach dem Krieg einen weiteren
Geländestreifen zwischen der Siedlung und der Stadt vom Fürsten
zu Bentheim und Steinfurt gekauft.
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Am 7. Juli 1948 wurden die Weichen für den Beginn
der Nachkriegsbebauung in der Friedenau gestellt. In der
Ratssitzung hielt Stadtdirektor Naber einen Grundsatzvortrag
über die Siedlungspolitik der Nachkriegszeit. Es müsse neuer
Raum durch intensive Bautätigkeit geschaffen werden. In den
Vordergrund müsse die Arbeitersiedlung gestellt werden (den
Namen Friedenau hat sie erst später erhalten, per Ratsbeschluss
am 29.6.1960).
Jeder Arbeiter, aber auch jeder Ostvertriebene
müsse sein Eigenheim mit Garten erhalten. Dadurch würden die
Menschen wieder zufrieden gestellt und der Ostvertriebene, der
an die Rückführung wohl kaum denken könne, wieder sesshaft
werden. Wenn auch noch nicht sofort gebaut werden könne, so
müssten doch die Vorbereitungen getroffen werden. Dies könne
nicht der Einzelne, sondern nur eine Gemeinschaft. Erwünscht sei
die Gründung eines besonderen Siedlervereins. „Hauptaufgabe des
Vereins müsse sein, das Siedlungsgelände zu beschaffen, die
Auswahl und Ansetzung der Siedler vorzunehmen, die
Plangestaltung und die Bauleitung zu übernehmen, sich maßgebend
an der Beschaffung der Baustoffe zu beteiligen und die
Finanzierung vorzunehmen…. Vom Siedler müsse gefordert werden,
dass er entweder das Grundstück habe oder über Barmittel verfüge
oder gewillt sei, weitgehend Selbsthilfe zu leisten. .. Wer
keine Selbsthilfe leiste, sei nicht siedlungsfähig.“
(aus: Stadt Burgsteinfurt 1945-1956, Ernst-Werner
Wortmann)
Am 24.September 1948 fand bereits die
Gründungsversammlung des neuen Siedlervereins statt.
Vorsitzender wurde der Fabrikant Dr. Werner Tenrich,
Geschäftsführer Diplom-Ingenieur Werner Sallandt.
Nach einem Jahr bestand der Verein aus 120
aktiven und 40 passiven Mitgliedern.
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„Wenn
auch einzelne dieser Siedlungswilligen schon ganz beträchtliche
Mengen an Baumaterialien erarbeitet hatten, so war doch vor der
Währungsreform keine Möglichkeit gegeben, die Bauwünsche zu
realisieren. Als sich aber im Frühjahr 1948 die Währungsreform
abzeichnete, wurden schon die vorbereitenden Gespräche zur
Gründung einer Siedlergemeinschaft geführt, was vor allem auf
Anregung des Oberkreisdirektors Dr. Strunden und mit erheblicher
Initiative des Stadtdirektors Naber geschah. Schon in der Woche
nach der Verkündung der Währungsreform wurden die definitiven
Vorbereitungen eingeleitet, so dass .. die Siedlergemeinschaft
der Stadt Burgsteinfurt e.V. gegründet werden konnte. Ihr
Vorstand setzt sich paritätisch aus allen Kreisen der
Bevölkerung zusammen und Arbeitgeber und Gewerkschaften zogen
bei dieser so wichtigen sozialen Aufgabe an einem Strang.
Da im Herbst 1948 auf allen
Seiten wohl viel guter Wille, aber kein Bargeld vorhanden war,
musste zunächst, so bitter es war, der Weg der Sammlung
beschritten werden. Infolge der damals noch vorherrschenden
Begeisterung für die Linderung der Wohnungsnot gelang es dem
Vorstand, aus den Kreisen des Handwerks und der Bürgerschaft
sowie auch der Bauerschaft erhebliche Spenden zusammen zu
bekommen. Dazu verpflichteten sich die meisten Burgsteinfurter
Betriebe, monatlich eine Überstunde zugunsten des
Siedlungswerkes zu leisten. Die Betriebe gaben daraufhin die
durch diese Mehrarbeit zustande gekommene Summe auch von sich
aus für das Siedlungswerk. Im Ganzen kam durch diese Aktion bis
zum Frühjahr 1949 rd. 14.000 DM zusammen, zwar nicht viel, aber
doch ein Anfang.“
(aus: „Zwischen Nordbahn und Ludwigsdorf“ von
Hermann Kaul in: Stemmerter Blätter 1953)
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Die Planung der Siedlung und die technische
Betreuung wurde Regierungsbaumeister a. D. Höpfner übertragen.
Der Bebauungsplan sah folgendermaßen aus:
Geplant wurden 2 Typen von Häusern, ein
Einfamilienhaus und ein Doppelhaus, jeweils mit einer
Einliegerwohnung. Der Kostenaufwand solle bei 16.000 DM, die
monatliche Belastung bei 27 bis 30 DM liegen.
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Bild 2:
Übersichtsplan Friedenau
(ein Mausklick auf das Bild zeigt eine
vergrößerte Ansicht in einem neuen Fenster)
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1.
Bauabschnitt ab Januar 1949
„Nachdem
aus den 200 Siedlungsbewerbern (!) nach bestem Wissen und
Gewissen von einer Kommission die 16 herausgesucht worden waren,
die am meisten Eigenleistung in Aussicht stellen konnten, wurde
schon Ende Januar 1949 mit den praktischen Bauarbeiten begonnen.
Die erste Gruppe von 16 Siedlern, gemischt aus Einheimischen und
Ostvertriebenen, brachte viel Begeisterung und zähe Ausdauer
mit. Alles war damals noch recht primitiv, da die in Aussicht
gestellten staatlichen Darlehen und Zuschüsse nur tropfenweise
flossen und auch die Sparkasse erst im Laufe des Jahres mit
größeren Hypothekenbeträgen einspringen konnte. Trotzdem gelang
es der allgemeinen Begeisterung, bis zum Herbst 16 schmucke
Siedlungshäuser, die im einzelnen nach den Plänen des
Regierungsbaumeisters a. D. Hans Höpfner, früher Hirschberg
(Schlesien) errichtet wurden, unter Dach und Fach zu bringen.“
(aus: „Zwischen Nordbahn und Ludwigsdorf“ von
Hermann Kaul in: Stemmerter Blätter 1953)
Diese 16 Häuser sind an der Eichendorfstrasse
gebaut worden, in dem Abschnitt zwischen Sachsenweg und
Böcklerstraße.
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Bild 3: (Foto: Stadtarchiv Steinfurt)
Die Eichendorffstrasse erhielt ihren heutigen
Namen erst am 11.Januar 1951 per Ratsbeschluss, ursprünglich
hieß sie Kohlstrunk. Der heutige Kohlstrunk war bis dahin ein
Teil der Hachstiege. Sinn und Zweck der Umbenennung ist mir
nicht bekannt.
Auf diesem Foto aus dem Jahre 1957 ist vorne die
ehemalige Gaststätte „Friedenau“ zu erkennen.
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Text: Hans-Jürgen
Bartholomaei
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