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I. Nichts
Am Anfang war hier nichts!
Das stimmt nicht so ganz, es gab schon etwas. Am
Auffälligsten war eine Erhöhung, einer von mehreren „Hügeln“
im heutigen Stadtgebiet von Burgsteinfurt, der
Flögemanns-Esch. Er fällt heute kaum noch als Hügel auf
aufgrund der dichten Bebauung. Aber wenn man am Anfang der
heutigen Straße „Flögemanns-Esch“, etwa in Höhe des
Lebensmittelgeschäftes Demtschück über die
„Graf-Ludwig-Strasse“ in Richtung Innenstadt schaut, merkt
man plötzlich, wie hoch man oberhalb der Stadt steht.
In und außerhalb der Stadt gibt es weitere, bekannte und
unbekanntere Eschs:
Seller-Esch, Windmühlen-Esch, Hollicher-Esch,
Laugemanns-Esch, Adelings-Esch, Wesselings-Esch (in Veltrup).
(Siehe auch
Karte von Burgsteinfurt aus dem Jahre 1828)
Esch ist das älteste Wort zur Bezeichnung eines offenen
Saatfeldes, also eines Acker. Der Esch gehörte niemals einem
Besitzer allein, während der Gegensatz zum Esch, der Kamp,
stets eingefriedigtes Sondereigentum bezeichnet. Der höher
über seine, in alten Zeiten, von Wald und Sumpf geprägte
Landschaft, gelegene Esch wurde von unseren Vorfahren zuerst
besiedelt. Hier auf dem trockenen Boden war zuerst Ackerbau
möglich.
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Das gesamte Gebiet wurde in alter Zeit Rotttor-Feldmark
genannt.
Eine Mark ist, im ursprünglichen Sinn, ein Teil des Landes
einer Bauerschaft, das allen gehört. Alle freien Bauern
waren mit einem bestimmten Anteil daran berechtigt, sie
bildeten die Markgenossenschaft. Für jeden Markgenossen war
genau festgelegt, wie viel Pferde, Rinder und Schafe er in
der Mark weiden durfte, wie viel Schweine er zur Eichelmast
treiben, wie viel Holz er hauen und wie viel Plaggen und
Streu er mähen durfte.
Eine Feldmark ist also ein offenes, unbebautes, zum Teil
landwirtschaftlich genutztes Gebiet.
In späteren Jahren hatten Ackerbürger der Stadt hier ihre
Äcker und Wiesen, ansonsten war hier freie Natur. Und da man
in dieses Gebiet hineinkam, indem man die Stadt durch das
Rotttor verließ, wurde es halt Rotttor-Feldmark genannt. |
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Bild 1 -
(Quelle: Burgsteinfurt Eine Reise durch die Geschichte S.67) |
Darüber hinaus gab es einen Fußweg, der die Stadt mit dem
Haggarten und den hier lebenden Bauern verband, ungefähr in
Höhe der heutigen „Eichendorff-Straße“.
Und es gab drei befahrbare Wege, die es auch heute noch
gibt:
1. Die Schlietenstiege. Die Bedeutung des Namens oder eine
Besonderheit ist mir nicht bekannt. Selbst Rudolf Rübel kann
in seiner Schrift „Die Burgsteinfurter Straßennamen“ nur
berichten, dass der Name schon 1550 urkundlich erwähnt
wurde. Er vermutet, dass darin ein Name steckt, wenn sich
auch keiner nachweisen lässt. Aber es gibt die (verhochdeutschten)
Namen Schleithoff und Schleitkamp.
2. Die Kreuzstiege, deren heutiger Verlauf nicht unbedingt
mit dem in der Zeichnung übereinstimmt. Sie erinnert daran,
dass Burgsteinfurt bis zur Reformation ein berühmter
Wallfahrtsort war. Die Große Kirche in Burgsteinfurt war als
Wallfahrtskirche des heiligen Willibrords berühmt.
Alljährlich am 7. November strömten die Gläubigen aus dem
gesamten Münsterland zur „Mutterkirche des heiligen
Willibrord“, um an der feierlichen Willibrordprozession
teilzunehmen. Ebenso berühmt und verehrt war der
Maragaretenaltar in der Burgkapelle. Der berühmte
Kartäusermönch Werner Rolevinck aus Laer berichtete darüber.
Es gibt Berichte im Fürstlichen Archiv, nach denen der
Andrang so groß war, dass die Brücke der Burg zusammenbrach.
3. Der Kohlstrunk, den es heute auch noch gibt.
Und ein Haus gab es hier, eine Burg sogar, die Kulenburg.
Sie war eine von drei außerhalb der Stadt liegenden Güter
oder Lehen von Burgmännern, wie man bei Professor Döhmann
lesen kann: „Außerdem befinden sich noch Spuren einiger
ehemaliger Güter oder Lehen, nämlich in dem Gehölze links an
der Poststrasse nach Münster in Hollich, die Reste der
Ascheburg, ..., in der Bauerschaft Sellen rechts am Wege
nach Bentheim, die Wolfsburg und am sogenannten Kohlstrunk
oder Ludwigsdorf soll die Kulenburg gelegen haben“. (aus
„Geschichte der Stadt und der Grafschaft Steinfurt II, S.96)
Die Burg hat ihren Namen von dem Burgmannengeschlecht Kule.
Die Kulen stammen aus der Gegend von Lüdinghausen.
Seit 1385 war Herman Culen belehnt mit dem „Coelstrunk
gelegen buten der Rottporten“ also außerhalb des Rotttores
gelegen. Hier ist der Ursprung des Namens Kohlstrunk zu
finden. |
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Hermann Kule war ein Burgmann des Burgsteinfurter Grafen. Er
wird in den Geschichtsbüchern mehrfach erwähnt: Als im Jahre
1427 Graf Eberwien I. mit dem Herzog Arnold von Geldern in
Streit geriet, sandten auch Steinfurter Burgmannen, u.a.
Herman Kule, ihre Fehdebrief an den Herzog. Und als 1432
Ludgardis, die Tochter Eberwiens I. mit ihrem Gemahl auf die
Herrschaft Steinfurt feierlich Verzicht leistete, geschah
dies in Burgsteinfurt vor dem Amtmann und Richter Jakob von
Godelinchem und seinen Beisitzern Gerd von Scheven und
Hermann Kule.
Heute gibt es eine Strasse „Kulenburg“, die an dieses
Anwesen und an den Namen des alten Burgmannes Kule erinnert
und der Nachwelt erhält. Vielleicht hat die Kulenburg sogar
dort, an der heutigen „Kulenburg“, gelegen.
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Bild 2 - Ausschnitt einer Karte von Burgsteinfurt aus dem
Jahre 1828.
Gut sind die Esche, Kohlstrunk, Meteler Stiege, Haggarten,
etc zu erkennen.
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II. Anfänge
1791/1792
Graf Ludwig zu Bentheim und Steinfurt ließ 1791/1792 die
ersten acht Häuser auf dem „Kohlstrunk“ errichten für acht
Familien aus Lienen. Die waren in Bremen von einem
Ausreiseagenten übers Ohr gehauen worden, konnten ihre
Ausreise nach Amerika nicht antreten und waren völlig
verarmt ins Tecklenburger Land zurückgekehrt. Alle Häuser
dieser planmäßig angelegten Siedlung sind im gleichen
Baustil mit Krüppelwalmdach und kleinem angebauten Stall für
Viehhaltung errichtet worden. Zwischen je zwei Häusern war
ein Brunnen errichtet für die Wasserversorgung, wovon heute
noch einer zu erkennen ist zwischen den Häusern 20 und 22.
(nach W.Alff „Kolonie Ludwigsdorf“) |
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Bild 3 - Das
Foto von ca. 1900 zeigt noch den baulichen Urzustand des
Hauses
Kohlstrunk 22.
(Foto: Burgsteinfurt Eine Reise durch die Geschichte S.472) |
Die Wohnkolonie mit den Familien Demter, Vogelpohl,
Buddemeier, Paul, Lammers, Voß, Ebbing und Hilge erhielt vom
Grafen Ludwig den Namen „Kolonie Ludwigsdorf, nach seinem
eigenen Namen.
Eine solche Namensgebung war zu der Zeit üblich.
Vielleicht wollte Graf Ludwig damit den alten Namen dieses
Geländes verdrängen. Der alte Name aber ist bis heute
geblieben, nämlich Kohlstrunk.
Der Bau der Häuser an diesem Ort war eine Sensation,
waren es doch die ersten Wohnhäuser außerhalb der Stadt. |
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Bild 4 - Das Foto mit den Häusern Lammers, Kneuper und
Rotmann aus dem Jahre 1929 zeigt die Gartenseite
und man erkennt die angebauten Ställe. |
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