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Im Dezember 2000 haben sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Union auf die endgültige Fassung der Wasserrahmenrichtlinie verständigt. Mit dieser Richtlinie wird das bisher sehr unterschiedliche und zum Teil widersprüchliche europäische Recht des Gewässerschutzes auf eine einheitliche Grundlage gestellt mit dem Ziel, bis zum Jahr 2015 alle Gewässer und das Grundwasser in Europa in einen guten Zustand zu überführen. Dies bezieht sich u.a. auch auf die gewässerstrukturellen Merkmale. Dazu gehört insbesondere die Wiederherstellung der Gewässerdurchgängigkeit für Fische und andere aquatische Lebewesen. Daher gewinnen Fischaufstiegsanlagen zunehmend an Bedeutung und erhalten somit eine Schlüsselstellung bei der ökologischen Verbesserung der Gewässer. In der Bestandsaufnahme zur Wasserrahmenrichtlinie ist die Steinfurter Aa bei der Gewässerstruktur in großen Teilbereichen in die Strukturgüteklasse 6 (von 7 Klassen) eingeordnet, was einer sehr stark veränderten Struktur entspricht. Der Kreis Steinfurt hat daher zur Verbesserung der Gewässerstruktur in 2003 die Planung für die Fischaufstiegsanlagen an der Steinfurter Aa in Auftrag gegeben. |
| Seit Mai 2005 (Baubeginn) wird über die beiden Baustellen an der Nieder- und Schlossmühle in Burgsteinfurt lebhaft diskutiert. Sind die Fischaufstiegsanlagen wirklich gigantische Geldvernichtungsanlagen, wie viele Mitbürger meinen? Oder rechtfertigen ökologische Aspekte den Bau der Fischtreppen, da der Mensch wie üblich ohne Rücksicht auf die Natur in natürliche Abläufe eingegriffen und damit anderen Lebewesen den Lebensraum genommen hat? Gegner und Befürworter werden auch weiterhin ihre Begründungen liefern. Wahrscheinlich wird sich das Ganze nie auf einen Nenner bringen lassen. Allerdings überlassen wir die teilweise sehr heftigen Diskussionen denen, die mehr davon verstehen oder es zumindest glauben.
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Schon von weitem grüßen die Baustellenschilder |
| Was uns von der Stenvorder Redaktion eigentlich viel mehr interessiert, sind die folgenden Fragen: - warum überhaupt eine Fischaufstiegsanlage? - wie funktioniert so eine Fischtreppe? - welche Technik steckt dahinter? - wie überredet man die Fische, den Aufstieg zu nutzen? - welchen weiteren Nutzen haben die Fischtreppen für uns? Wir haben uns also mal schlau gemacht bei dem Umweltamt (Wasserbehörde) im Kreis Steinfurt, haben Bücher und Unterlagen gewälzt, vielen Leuten viele Fragen gestellt und möchten an dieser Stelle die zusammengetragenen Infos mal vorstellen.
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| Fischwanderung |
| Zu den elementaren Grundbedürfnissen von Fischen zählt das Wanderverhalten. Sehr viele Fischarten begeben sich zum Laichen in die Bach- oder Flussoberläufe, also Richtung Quelle. Die bekanntesten Beispiele sind wohl der Lachs und der Stör, die vom Meer aus zu ihren Laichgewässern oft mehrere 1.000 km zurücklegen. Andere Arten wählen den umgekehrten Weg. Außerdem führen auch die anderen einheimischen Fischarten sowie im Wasser lebende wirbellose Organismen Ortswechsel innerhalb der Fließgewässer durch. Wehre, Sohlenabstürze und verrohrte Wegunterführungen bilden dabei unüberwindbare Hindernisse für die Fische und anderen Organismen in den Fliessgewässern. Werden an diesen Stellen keine Umgehungsmöglichkeiten geschaffen, kann folglich keine Fischwanderung stattfinden. Das wiederum hat beträchtliche negative Auswirkungen auf den ökologischen Kreislauf der Natur insgesamt, denn dies führt zusammen mit weiteren Faktoren wie der Wasserverschmutzung zum Rückgang der Fischpopulation bis hin zum Aussterben der heimischen Fischarten. Daher gewinnen Fischaufstiegsanlagen zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Fließgewässern auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung .
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| Wehre in der Steinfurter Aa |
| Als im 12. Jahrhundert die Burg in einer flachen Niederung der Aa angelegt wurde, wusste man schon von der Möglichkeit, dass Wasser sich als zusätzlicher Schutz des Adelssitzes leicht aufstauen lässt. Hier diente das Wehr also der Sicherheit, aber auch zur Regulierung des Wasserspiegels. Das aufgestaute Wasser dient aber noch einem anderen Zweck: Das angrenzende Schloss ist auf Holzpfählen gebaut. Heute weiß man, dass ein Absenken des Wasserspiegels durch z.B. Abbau des Wehrs unwiderrufliche Schäden an den unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden zur Folge hat. Werden die Pfähle nicht mehr mit Wasser umspült bzw. getränkt, zersetzen sie sich infolge von Sauerstoffzufuhr. Die Folge wäre: kein Schloss mehr! Das würde nicht nur dem Fürstenhaus Bentheim-Steinfurt, sondern auch uns weh tun.
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Luftaufnahme vom Schloss. (Foto: Verkehrsverein Steinfurt) |
| Ein weiteres Wehr in der Aa wurde etwa im 13. Jahrhundert wegen der in Burgnähe entstehenden Stadt in Höhe der heutigen Niedermühle errichtet. Auch hier musste das Wasser aus Sicherheitsgründen zum passiven militärischen Schutz gestaut werden, wurde dann aber wie schon beim Schloss ebenfalls für den Betrieb einer Wassermühle verwendet.
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| Durch beide Wehre wurde der Wanderweg der einheimischen Fischarten unterbrochen. In den folgenden ca. 850 Jahren kamen und gingen zahllose Generationen von Fischen, die zwar wohl den Weg suchten Richtung Quelle der Aa, aber letztendlich an den Wehren scheiterten.
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Die neueste Technik der Fischtreppe? Ganz so einfach ist das für Fische leider nicht!
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| Im Jahre 2003 beabsichtigte der Kreis Steinfurt im
Rahmen der ökologischen Verbesserung der Fließgewässer die Durchlässigkeit
der Steinfurter Aa an der Schloss- und Niedermühle wieder
herzustellen. Er beauftragte ein Ingenieurbüro mit einer
Machbarkeitsstudie zur Errichtung von Fischaufstiegsanlagen an
diesen beiden Wehren. |
| Im Bundesgebiet sind mittlerweile viele Fischaufstiegsanlagen in Betrieb. Sie werden grundsätzlich unterschieden in „Naturnahe Fischaufstiegsanlagen“ und „Technische Fischaufstiegsanlagen“, werden aber in verschiedensten Bauweisen ausgeführt. Auf eine Aufzählung möchten wir wegen der Vielzahl verzichten.
In Burgsteinfurt wurde angestrebt, die Fischtreppen möglichst naturnah zu gestalten. Das gelang größtenteils auch. Aber durch die örtlichen Gegebenheiten wurde man am Schloss aus Kosten- und Platzgründen gezwungen, auch eine technische Variante einzusetzen. Wir erläutern das im Einzelnen bei der Beschreibung der beiden Fischtreppen. |
| Hier geht es weiter zur
Fischtreppe
an der Niedermühle Bericht: Einsetzen der Fischreusen |
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Text: Willi Tebben Fotos: Verkehrsverein Steinfurt (1), Willi Tebben (3) Literatur: DVWK-Merkblätter zur Wasserwirtschaft 232/1996 - Fischaufstiegsanlagen Unser besonderer Dank geht an den Kreis Steinfurt - Umweltamt, Untere Wasserbehörde. Hier wurden wir mit wertvollen Tipps versorgt, bekamen die Antworten auf unsere viele Fragen sowie die rechtlichen Hintergründe für den Bau der Fischaufstiegsanlagen. Durch diese Unterstützung wurde der Bericht in der vorliegenden Form erst möglich. |