Fischaufstiegsanlage Schlossmühle in Burgsteinfurt

 

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Oberhalb des Wehres am Schloss kommt wie an der Niedermühle ein Umgehungsgerinne mit einer Länge von 18 m zum Einsatz. Auf der anderen Seite der Burgstrasse auf Höhe der Schlossmühle lässt sich diese Variante aus Platzgründen aber nicht realisieren. Der große Höhenunterschied und die steile Ufer-Böschung verhindern die Umsetzung des Umgehungsgerinnes in einem sinnvollen Preis-Leistungsverhältnis, so dass man entschied, hier eine technische Fischaufstiegsanlage – den Schlitzpass – einzusetzen.

 

Das Umgehungsgerinne auf der Schlossseite vor dem Fluten. Hier sieht man noch deutlich die durch Störsteine erzeugten Becken und die Unterquerung der Burgstraße. Auf der anderen Seite geht es dann mit dem Schlitzpass weiter.

 

Der Schlitzpass ist eine in Nordamerika entwickelte Bauweise, die dort seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts vielfach angewandt wird. Seit einigen Jahren wird diese Bauart auch in der Bundesrepublik verstärkt eingesetzt.
Die Anlage lässt sich auf relativ engem Raum erstellen und überbrückt bei geringerem Platzbedarf auch größere Höhenunterschiede als das Umgehungsgerinne. Auch der Schlitzpass ist für die gesamte Gewässerfauna passierbar.

 

Das Eingangsbauwerk (noch abgesperrt)

 

Aufbau des Schlitzpasses

Der Schlitzpass im Original vor dem Fluten

Der Schlitzpass besteht in dieser Anlage aus einem insgesamt 60 m langem Betongerinne mit in U-Profil-Stahlrahmen befestigten Zwischenwänden aus Holz und einer senkrechten Schlitzöffnung, die über die gesamte Höhe geführt und jeweils seitlich angeordnet sind. Die Schlitze liegen durchgehend auf einer Seite. Diese Form der Einbauten muss gewährleisten, dass sich in den Becken keine von Schlitz zu Schlitz gradlinige Strömung bildet, sondern eine geschwungene Hauptströmung, die das Beckenvolumen weitgehend ausnutzt. Um das einzustellen, sind die Zwischenwände in der Mitte prinzipiell mit einem hakenförmigen Vorsatz versehen, der eine Strömungsumlenkung im Bereich vor der Schlitzöffnung bewirkt. Auf der gegenüber liegenden Wand befindet sich ein versetzt angeordneter Umlenkblock. Richtig eingestellt ergibt das eine in Beckenmitte verlaufende Hauptströmung. Die Oberkante der Zwischenwände wird so konzipiert, dass sie normalerweise nicht überströmt wird.
Die Sohle des Schlitzpasses wird durchgehend mit Grobkies bedeckt, wobei durch einzelne größere Steine (Störsteine) auch die Fließgeschwindigkeit in Sohlennähe reguliert werden kann. Dadurch entstehen Ruhezonen, mit deren Hilfe es auch leistungsschwächeren Arten und Kleinfischen gelingt, aufzuwandern.

Hier kann man gut erkennen, wie beim Schlitzpass auf engstem Raum (platzsparend!) der Höhenunterschied überwunden wird. Das Wasser strömt von rechts oben, wird durch das Umlenkbecken im Vordergrund um 180 Grad gedreht und fließt weiter in Richtung Auslaufbauwerk (im Bild rechts oben). 

Prinzip des Schlitzpasses

So sieht der Schlitzpass an der Schlossmühle aus, allerdings ist die Wand auf der rechten Seite der Übersicht wegen weggelassen worden.

Die Staubohlen werden beidseitig in U-Profilen gehalten, wobei das Stahlprofil in der Mitte gleichzeitig die Hakenvorsatzfunktion aus Bild 1 für die Strömungsumlenkung übernimmt. Das Profil muss deshalb entsprechend breit gewählt werden. Das aufgeschweißte Dreieck auf der Vorderseite dient der Strömungslenkung.

Staubohlen mit Befestigung und Strömungsumlenkung im Original. Deutlich ist auch das Sohlensubstrat zu erkennen.

 

 

Der Auslauf des Schlitzpasses wird ebenfalls mit möglichst steilem Gefälle ausgeführt um einen stärkeren Leitstrom zu erzeugen. Außerdem wird der Auslauf schräg in das Unterwasser eingeleitet, damit das vom Wehr her fließende Wasser nicht den Lockstrom beeinflusst. Zusätzlich hält noch ein Leitdamm die Strömung des Wehrs vom Leitstrom fern.

Das Auslaufbauwerk. 

 

 

Hier geht es weiter zum Thema "Wem nützen die Fischaufstiegsanlagen?"

Bericht: Einsetzen der Fischreusen

Text, alle Bilder und Grafiken: Willi Tebben

Literatur: DVWK - Merkblätter zur Wasserwirtschaft 232/1996 - Fischaufstiegsanlagen 

 

Unser besonderer Dank geht an den Kreis Steinfurt - Umweltamt, Untere Wasserbehörde. Hier wurden wir mit wertvollen Tipps versorgt, bekamen die Antworten auf unsere viele Fragen sowie die rechtlichen Hintergründe für den Bau der Fischaufstiegsanlagen. Durch diese Unterstützung wurde der Bericht in der vorliegenden Form erst möglich.

 

 

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