|
BURGSTEINFURT Fischerei-Biologe Christian Edler hätte sein
empfindliches Messgerät eigentlich zu Hause lassen können. „Super, klappt ja prima" hätte der weißschuppige Koi-Karpfen in der Aa wahrscheinlich gesagt. Aber eben stumm wie ein Fisch hatte sich das auffällige, von Unbekannten ausgesetzte Tier (wir berichteten), kurz nach der Flutung der beiden Fischtreppen „auf die Socken" gemacht und sich an den verdutzten Bauarbeitern vorbei durch die vielen Kammern der Aufsteigehilfe bis zum obersten Becken geschlängelt. Dort drehte er „auf dem Absatz" wieder um und schwamm zurück in den unteren Teil der Aa. Hätte ein Angler das erzählt, er wäre für sein Latein belächelt worden. Als diese Nachricht gestern Morgen die
große Fachleute-Runde erreichte, die sich zur biologischen Baustellenab- |
nahme
eingefunden hatten, brach regelrecht ein kleiner Begeisterungssturm los.
Erleichterung
„Jetzt soll noch mal einer sagen, unsere Fischtreppen wären sinnlos", freute sich
Vinzenz Tewes von der unteren Wasserbehörde des Kreises. Und wie zur Bestätigung wurde eine Stunde später ein stattlicher Barsch von aufmerksamen Bürgern auf seinem Weg
von unten nach oben gesichtet. Vertreter der Kreisverwaltung, des staatlichen Umweltamtes, der Stadt, des planenden
Ingenieur-büros der ausführenden Baufirma Arning und des ASV Burgsteinfurt hatten sich am Morgen an der Niedermühle
eingefunden,
um die Funktionstüchtigkeit der Fisch-treppen unter die Lupe zu nehmen. |
Messungen
Die führte der beauftragte Fischerei-Biologe in Form eines Messstabes in die
Zwischenräume der dicken Feldbrocken. „1,2 Meter pro Sekunde sind das Maximum, stärker darf die Strömung an keiner Stelle sein. Sonst kommen die Fische nicht hoch." Jede einzelne Zwischenkammer wurde auf diese Weise durchgemessen. Abweichungen vom Idealwert werden durch zusätzliche Steine reguliert. „Bei den Durchlässen ist die Strömung direkt am Boden immer geringer als an der Oberfläche." Josef Hassemer, Gewässerwart und
Fischereiaufseher des ASV, geriet gleich ins Schwärmen angesichts der optimalen
Bedingungen für die wander-lustigen Wasserbewohner. Aber dann legte sich seine Stirn doch noch einmal in Falten.
|
„Ich habe mir den Mund fusselig geredet. Die Bürger wollten Toiletten für die Schulen oder Entlastung für die Stadtkasse. Wir haben hier nur eine europaweite Vorgabe aus Brüssel mit
zweckgebundenen Geldern umgesetzt. Hätten wir uns geweigert, die
Fischtreppen zu bauen, wären saftige Strafgelder der EU fällig geworden." In vier Wochen sollen die Fischtreppen auf Burgsteinfurter Gebiet dann offiziell eingeweiht werden. Bis dahin sind die Sicherungsgeländer montiert, die Straßen und Brücken wieder passierbar und - die Fische haben schon manchen Kilometer mehr auf dem Tacho.
Bericht: Günther
Hilgemann, erschienen in der MZ am 29.10.2005 |