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Elektrofischen - Technik und Anwendung
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Die Ausübung des Elektrofischens ist in der Bundesrepublik Deutschland durch Fischereigesetze, Ausführungsbestimmungen und Verordnungen der jeweiligen Bundesländer geregelt. Die Arbeit mit dem Elektrofischgerät darf ausschließlich von ausgebildeten und geprüften Fachleuten und nur mit Genehmigung der zuständigen Fischereibehörde durchgeführt werden. Außerdem ist hierfür ein TÜV-geprüftes Spezialgerät vorgeschrieben. Elektrofischen gilt als sanfteste Art des Fischfangs und ist in der Fischerei eine unentbehrliche Methode zur Bestandsregulierung, Bestandserhebung, Bestandsbergung, Beweissicherung, Analyse von Fischartenvorkommen, zu Forschungszwecken oder für Laichfischfänge geworden. Es darf aber keinesfalls angewendet werden, um den Fischen im Sinne des eigentlichen Angelns (oder Fischens) nachzustellen. Während man früher die zu untersuchenden Gewässer mit
der Hand oder von Booten aus mit Netzen abgefischt hat, ersetzt das
Elektrofischen nun diese arbeitsaufwendige Registrierung der Fischarten
und hat es stark vereinfach. In kleinen Bächen ist das Elektrofischen
vom Uferrand aus oder durch Einstieg in das Wasser (mit entsprechender
Schutzkleidung!!!) möglich, in größeren Gewässern geschieht dies vom
Boot aus. Wie das funktioniert und welche Vorteile dieses Verfahren für
die Fische hat, werden wir im folgenden Bericht noch genauer erläutern. |
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Am 12. Mai 2006 wurde im Bereich der Fischaufstiegsanlage an der
Schlossmühle in Burgsteinfurt von dem Gewässerbiologen Christian Edler
und seinem Team, unterstützt von Mitgliedern des ASV Burgsteinfurt, ein
Elektrofischen durchgeführt, um weitere gesicherte Erkenntnisse über den
Fisch-Besatz der Steinfurter Aa zu erhalten. In diesem Zusammenhang
sollten auch alle Becken der Aufstiegsanlage überprüft werden. |
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Wie funktioniert das Elektrofischen? Beschreiben wir das mal anhand des Gerätes, das in Burgsteinfurt zum Einsatz kam. Natürlich gibt es verschiedene Elektrofischgeräte, aber die Funktionsweise ist bei allen Geräten gleich, die Bauweise kann allerdings unterschiedlich sein. Beim Elektrofischen schwimmt die Kathode (Minuspol), bestehend aus einem geflochtenen Metallband, im Wasser. Die Anode (Pluspol) wird am Kescher des Elektrofischers angebracht. Der Betrieb erfolgt normalerweise mit Gleichstrom (in der Regel max. 600V). Wird der Kescher ins Wasser eingetaucht, betätigt der Fischer eine Taste an der Kescherstange und schaltet damit den Stromkreis ein. Ein Loslassen der Taste unterbricht sofort wieder den Stromfluss. Ist der Generator vom Fischer getrennt (z.B. an Land), muss eine zusätzliche Person diese Sicherheitstaste (Totmann-Schaltung) bedienen. Ohnehin sind für die Elektrofischerei mehrere Arbeitskräfte nötig, wird aber noch im Bericht weiter unten erklärt.
Der elektrische Strom fließt bekanntlich vom Plus- zum Minuspol. Das
bedeutet, dass sich am Minuspol ein Elektronenüberschuss bildet, während
am Pluspol ein Elektronenmangel herrscht. Fische sind sehr
stromempfindlich, spüren den Elektronenüberschuss und schwimmen
oder fliehen (besonders, wenn sie schon Bekanntschaft mit fließendem Strom
gemacht haben)
daher automatisch in Richtung Kescher (Elektronenmangel). Durch den
Stromfluss werden sie leicht betäubt und können nun mit dem Kescher ganz
einfach eingefangen werden. Dieser Ablauf wird sehr schnell durchgeführt,
der Stromfluss sofort wieder abgeschaltet, so dass bei den Fischen
keinerlei Schäden entstehen. Die Betäubungszeit der Fische ist relativ
kurz. In unserem Fall wurde ja lediglich eine Fischartbestimmung und
Vermessung durchgeführt. Jeder einzelne Fisch wurde nach der wenige
Sekunden dauernden Prozedur sofort wieder in die Freiheit entlassen und
schwamm - wenn auch manchmal etwas aufgeregt - in seinem Element, als wenn gar nichts gewesen wäre. In
Burgsteinfurt wurde übrigens mit einer Spannung von 300 Volt gearbeitet. |
Bild 1 - Unser Elektrofischer in voller Ausrüstung, hier noch an Land:
1 = Generator; 2 = Batteriekasten; 3 = Kabel zur Kathode (Minuspol); 4 =
Kabel zur Anode (Pluspol) am Kescher; 5 = Kescher; 6 = Gummiwathose; 7 =
Knieschutz (erforderlich für den Einstig in die Becken der Fischtreppe; 8
= Polarisationsbrille (reduziert die Reflexion auf der Wasseroberfläche =
besserer Durchblick); nicht mit im Bild: die unbedingt
erforderlichen Gummihandschuhe. |
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Bild 2 - Letzte Instruktionen zur Dokumentation, und dann geht es los.
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Bild 3 - Zunächst wird im Unterlauf der Aa gefischt ... Hier sieht man deutlich in der rechten Bildseite das Kathodenkabel, der Kescher (Anode) befindet sich im Vordergrund. Da Wasser den Strom leitet, bildet sich in dem Zwischenraum und näheren Umfeld ein geschlossener Stromkreis.
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![]() Bild 4 - ... allerdings war die Ausbeute in diesem Bereich zu diesem Zeitpunkt nur gering. |
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Bild 5 - ich krieg Dich!
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Bild 6 - "Kaulbarsch, 10 cm Länge" - und wieder ab ins feuchte Element. Aber so, dass er nicht gleich wieder im Kescher landet!
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Bild 7 - Nach dem Unterlauf wird nun jedes einzelne Becken der Fischaufstiegsanlage überprüft. Hier der Eingangsbereich zum Schlitzpass. Die Hand im Vordergrund signalisiert: Da schwimmt einer!
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Bild 8 - Warten, bis der Fang dokumentiert ist. Hier noch mal ein Blick auf die Technik.
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Bild 9 - Wie bereits zuvor erwähnt: zum Elektrofischen sind weitere Mitarbeiter erforderlich. Die 3 Personen neben dem Fischer sichern Ein- und Ausgänge mit weiteren Keschern, um zu gewährleisten, dass wirklich alle in diesem Becken befindliche Fische erfasst werden.
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Bild 10 - Und so wird Becken für Becken abgearbeitet (Hier z.B. das Umlenkbecken im Schlitzpass). |
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Bild 11 - Eine weitere Person ist für die Dokumentation erforderlich.
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Bild 12 - Hier entkommt keiner!
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Bild 13 - Die ganze Aktion wird natürlich hochinteressiert von oben verfolgt
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Bild 14 - Manchmal landete auch ein größerer Fang im Kescher wie hier eine Regenbogenforelle.
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![]() Bild 15 - Aber auch wenn das Wasser bereits im Mund zusammenläuft - hier gilt ebenfalls: vermessen, und wieder zurück in die Freiheit!
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Fazit dieser beschriebenen Aktion: Es war eine
hochinteressante Demonstration, wie man einen Bereich, wo ein Arbeiten mit
Netzen überhaupt nicht möglich ist, dennoch mit relativ einfachen Mitteln
zu Forschungszwecken überprüfen kann. Natürlich kennt jeder die schädliche
Wirkung des elektrischen Stromes auf alle Lebewesen im Wasser, aber hier
wird mit so geringen Stromstärken gearbeitet, dass eine Gefährdung bei
richtiger Handhabung ausgeschlossen ist. Auch wenn die Fische leicht
betäubt werden, sie werden durch dies Verfahren sehr schonend behandelt,
da sie keinerlei Schädigungen (z.B. Verletzungen der Schleimhäute mit
Abnetzen, panische Flucht usw.) erleiden. Wir haben mit eigenen Augen
gesehen, dass ausnahmslos alle gefangenen Fische anschließend wie zuvor
weiter schwammen, nicht kieloben und schon gar nicht bewegungslos an der
Wasseroberfläche.
Eine weitere Erkenntnis dieser Aktion: wir müssen unsere Liste der in der Steinfurter Aa nachgewiesenen Fische erheblich erweitern, denn es kamen eine Menge weiterer Fischarten hinzu. Diese Artenvielfalt erfreut uns natürlich besonders und zeigt ganz anschaulich, dass sich unsere Umwelt langsam von den überwiegend durch Menschen verursachten Schäden erholt. Das ist doch schon mal was, oder?!
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Fischen kann tödlich sein! Daher möchten wir an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen: Ein unsachgemäßes Hantieren mit Strom im Wasser ist lebensgefährlich und hat schon viele Todesopfer gefordert. Es gibt leider immer noch "Spezialisten", die glauben, mit angeschlossenen Stromkabeln kann man Fische im weiten Umkreis betäuben, um sie dann ganz einfach von der Wasseroberfläche abzuschöpfen. Die Fische überleben es in der Regel nicht, die Fischer oft aber auch nicht. Warum also auf eine derart unsportliche und tödliche Weise? Und wer es überlebt und erwischt wird: Diese Art des Fischens wird vom Gesetzgeber hart bestraft. Außerdem - wie sagt doch der Volksmund: "Kleine Sünden bestraft der
liebe Gott sofort!" Und da liegt viel Wahrheit drin. |
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| Text: Willi Tebben |
| alle Fotos: Willi Tebben |