»Feldlaum und Consorten«
 

Borghorster Heimatgeschichte aus den Jahren 1778 bis 1820

 

Eine wahre Begebenheit aus den Wirren der napoleonischen Vor- und Nachkriegsjahre in Borghorst. Zu dieser Zeit erlebten die Menschen in ganz Europa, so auch die Bevölkerung in Borghorst die französische Besatzungszeit mit ihren Repressalien als auch Hungersnöte in der Bevölkerung, die nach der Völkerschlacht bei Leipzig vom 19. Oktober 1813 ganz plötzlich in Borghorst über Nacht am 6. November 1813 endete. Vikar Wildt berichtet in seiner Chronik darüber, dass im Oktober des gleichen Jahres die Kosaken in Münster gewesen wären. Sicherlich für die Franzosen ein Grund Borghorst eiligst zu verlassen. Vieles gäbe es aus dieser Zeit sicherlich noch zu berichten. Doch möchte ich im weiteren Verlauf an dieser Stelle gerne etwas über die Nachkriegsjahre mit all seinen Begleiterscheinungen und vom Leben der Menschen im Dörfchen Borghorst berichten. Berichten insbesondere aber über das Leben und Treiben des Räuberhauptmann Feldlaum und seine Bande. Die Regierung in Münster sparte nicht an Vorwürfen gegen den Amtmann und späteren »Kreiscommisarius« Coermann, der wiederum den als auch den Bürgermeister Lanvers ins Schwitzen brachte. Und so die Geschichte dieser Räuberbande.


Er und die genannte Räuberbande trieben zu dieser Zeit ihr Unwesen bis weit über die Grenzen von Borghorst hinaus. Eine wahre Geschichte also, die wie ich mich und auch viele Borghorster sich heute noch erinnern können, uns an den langen Winterabenden von unseren Großmüttern erzählt wurde. Das Treiben dieser Räuberbande war so schaurig, so dass beim Erzählen uns Kindern immer wieder die Haare zu Berge stiegen.


Es handelt sich bei diesen Bericht um nachträgliche Recherchen über die Untaten, die diese Räuberbande anstellte. Weil sie mir aus Gründen verschiedenartiger Berichte und, wie schon gesagt, Erzählungen recht unglaubwürdig erschienen, überprüfte ich alle bekannte Unterlagen im Stadt-, Staats- und Kirchenarchiv. Viele neue Erkenntnisse taten sich um den Räuberhauptmann Feldlaum und seine Räuberbande auf, so dass ich danach die Spreu vom Weizen trennen konnte. Alle Daten fügte ich danach gewissenhaft in eine lebendige und erzählende Form zusammen, um den sonst trockenen Stoff lesbar zu machen. Weil die Akte dieser Räuberbande im Stadtarchiv mit dem Aktenzeichen »Feldlaum und Consorten«.versehen ist, gab ich diesen heimatgeschichtlichen Bericht ebenfalls den Namen des Aktenzeichens.
 

»Feldlaum und Consorten«

 

Um die Gestalt dieses Räuberhauptmanns, der am Ende des 18. Jahrhundert in der Ostendorfer Mark das Licht der Welt erblickte, ranken sich viele geheimnisvolle und auch oft schaurige Geschichten.
Seine Welt war schon als heranwachsender junger Mann die Heide und die versponnenen Wege durch das, zu seiner Zeit noch gefährliche und schaurige Moor, das sich vor seiner Haustür bis hin nach Wettringen, Neuenkirchen und Emsdetten erstreckte.
Keiner mag die kaum sichtbaren, versteckten Pfade unserer Heimat durch Moor, Heide, Wald und Feld besser gekannt haben als dieser westfälische »Robin Hood«, der später gejagte und große Unbekannte Räuberhauptmann Feldlaum' und seine Consorten, so wie ihn auch sein Zeitgenosse, der »Kreisobercommissär Bernhard Coermann« zu nennen pflegte. Beginnen möchte ich mit dem Elternhaus unseres Räuberhauptmanns, das scheinbar ein Kotten des Hofes Laumann in Ostendorf gewesen sein könnte.
Bei Streitigkeiten zwischen den Dörflern oder auch Wortleuten zu Borghorst wurde diese Hausstätte im Jahre 1609 zum ersten Mal genannt. Die Hausstätte wurde als wüst bezeichnet und die umwallten Äcker im Borghorster Felde waren von Borghorster Eingesessenen demoliert worden
 

Das Elternhaus und die Eltern des Jan Theodor Feldlaum

 

Stundenweit reichten einst Moor und Heide, unterbrochen von oft unzugänglichen Sümpfen und Tümpel, die hier und dort von markanten »Bülten«, den Bergen unserer Heimat durchsetzt waren. Am Rande eines solchen Moores, so die Ostendorfer Mark, lag abseits und einsam am Postdamm eine alte strohbedeckte Heideschänke. An seiner rechten Seite war ein Garten angelegt und zwischen Haus und Garten, am unbefestigten Wegrand, stand ein riesiger Kastanienbaum dessen Zweige wie beschützend über das alte Haus ragten. Diese Hofstätte, die scheinbar total heruntergekommen war, übernahm um 1764 der 22-jährige und spätere Vater unseres Räuberhauptmann, Joan Berndt Feld-Lohman(n).
Wie schon gesagt, gehörte diese Hofstätte wahrscheinlich zum Anwesen seines Bruders Henricus Melchior Lohman. Doch der alte Markenkotten war total verfallen und konnte erst nach seiner Instandsetzung um 1769 bezogen worden sein.
Quellen: Weining u. Dr. Flör

 

Doch zu Beginn meiner Geschichte möchte ich zunächst auf häufige Namensänderungen, die oft aus einer sprachlich bedingten und danach niedergeschriebenen Namensnennung damaliger Behörden reguliert, zu sprechen kommen.


Wie zu dieser Zeit allgemein üblich bekamen die in einer Gemarkung liegenden Flurstücke statt Nummern, so wie diese von den heutigen Katasterämter geführt werden, einen auf die Verwendung des Grundstückes hinweisenden Namen. Und so benannte man zum Beispiel einige in der Borghorster Gemarkung liegende Grundstücke Oßkamp, Perdekamp, Laukamp usw. In unserem Fall wurde das in der Bewirtschaftung liegende Grundstück des Kötters und Schankwirtes Lohman Feldgrund genannt. Weil so wie auch heute, es nicht nur einen Namensträger mit den Namen Lohman gab, wurde diesem Kötter der Name Feld-Lohman beigefügt. Auch findet in der Amtssprache der damaligen Behörden das Wort »vulgo« immer wieder seine Verwendung. Das Wort vulgo aus dem Lateinischen besagt eben auch, nach Mundart des Volkes benannt. Und so entstand der Name Feld-Loman aus dem am Feldgrund gelegenen Grundstück. Das Ostendorfer Feld weist auch heute noch auf diese Namensgebung hin.


Grundherr dieses Kotten (heute Gaststätte Stegemann) war bis 1803 das abteiliche Damenstift zu Borghorst. Nach sächsischem Recht war er somit Eigenhöriger der Abtei. Die Lehnsherrin und Äbtissin der Abtei Borchorst war nach diesem Recht auch gehalten, Leben und Gesundheit für ihre Eigenhörigen einzusetzen. Der Eigenhörige dagegen stand in der Pflicht, Spanndienste, den vorgeschriebenen Lehnzins und blutigen Zehnten (Schlachtvieh) zu entrichten. Es bestand bei den Eigenhörigen auch die Möglichkeit die Freiheit zu erkaufen, oder, wie es hier und dort einmal vorkam, aus Dankbarkeit aus der Eigenhörigkeit entlassen zu werden. Als Eigenhörig galt auch der, wer seinem Grundherren mit ausdrücklicher und stillschweigender Ergebenheit als freie Person, dreißig Jahre die Pflicht eines »Eigenhörigen« ohne Widerspruch erfüllte. Im gesamten Süddeutschen Raum gab es nur die Leibeigenschaft, wobei die Betroffenen keinerlei Rechte besaßen.
 

Doch kehren wir nach diesem Seitenblick in alte Archivunterlagen und sonstigen Niederschriften, die über diese und jene Dinge berichten, zurück zum Markenkötter Feldlaum am Postdamm. Jan Berndt Feld-Loman betrieb dort am heutigen Postweg eine Schild- oder auch Schankwirtschaft. So wie berichtet wird soll er ein recht streitsüchtiger Zeitgenosse gewesen sein. Nach der geschlossenen Ehe mit Maria Anna Leifeld, stellte sich bald der erwünschte Nachwuchs ein.

 

Kinder dieses Ehepaares waren:
Maria Anna, die mit dem Bäcker Leopold Engelberts verheiratet war und am 6. April 1771 das Licht der Welt erblickt. Ihr Mann starb schon recht früh und die Ehe blieb auch ohne Kinder. Nach dem Tod ihres Bruders im Jahr 1820, der im Volksmund bekannte Räuberhauptmann Feldlaum', übernimmt sie die Pflege seines dreijährigen Kindes Bernard Anton. Die Mutter des Kindes und Frau des Räuberhauptmanns, Catharina Wiggers aus Neuenkirchen, die wegen Mittäterschaft in das Zuchthaus nach Münster eingeliefert wird, wurde vom Landgericht Münster aufgefordert, dieses Kind als Säugling bis zum dritten Lebensjahr mit in die Haftanstalt zu nehmen. Bis zur Haftentlassung der Mutter, die im Jahr 1823 erfolgte, pflegte die o.g. Schwester Feldlaums das Kind Bernard Anton gegen Bezahlung aus der Gemeindekasse für Kost und Bekleidung. Sie erreichte das damals hohe Alter von 80 Jahren und überlebte ihren Mann um einundvierzig Jahre.
 

Als zweites Kind der Eheleute Lohman - Leifeld folgte
Maria Gertrudis , die in erster Ehe mit dem Schankwirt am Sandruper Baum, Henrich Anton Brüning verheiratet war und am 6. November 1773 das Licht der Welt erblickt. Mit 19 Jahren, noch recht jung, heiratet sie am 10. Juli 1792 in Borghorst. Trauzeugen waren der spätere Räuberhauptmann Theodor Feldlaum', und Anton Buschkamp, ein Vorfahre von mir. Doch ihr Ehemann müsste um 1798 gestorben sein, denn am 23. April 1799 heiratet sie in zweiter Ehe Herman Anton Lohman. Wegen der Blutsverwandtschaft dritten Grades erfolgt Ehedispens. Die Eheschließung findet in der Pfarrei Liebfrauen Überwasserkirche in Münster statt. Aus dieser Ehe gehen neun Kinder hervor. Bei der Anmeldung eines Kindes im Jahr 1811 wird er als Schankwirt am Sandruper Baum, eine Bauerschaft, die zwischen Münster und Greven liegt, genannt. Bei den späteren Verhandlung mit der Dorfgemeinde Borghorst wird diese Familie, bzgl. Unterbringung der Kinder des Räuberhauptmanns, in einem Schreiben nochmals erwähnt.
 
Das dritte Kind der Eheleute Lohman - Leifeld war
Maria Christina Gertrudis, die am 9. Juli 1776 in der alten Stiftskirche getauft wird. Sie soll, so berichtet der Schankwirt Herman(n) Anton Lohman, zeitlebens krank gewesen sein und blieb unverheiratet. Während der Zeit des Räuberlebens ihres Bruders Jan Theodor, verließ sie Borghorst und zog zu ihrer Schwester nach Münster. Über ihr Leben in Sandrup berichtet im Jahre 1820, nach dem Tod ihres Bruders, ihr Schwager Anton Lohman dem damaligen Bürgermeister Lanvers »im Originaltext wiedergegeben« folgendes.
". ich habe mit meiner Frau neun Kinder im Leben und die kränkliche Schwester meiner Frau mit Namen Christina zu ernähren. Aus der großen Verantwortung meiner Familie gegenüber ist es mir nicht möglich, ein Kind das unterm Herzen einer Räuberfrau geboren ist zu ernähr(e)n und einer gutsittlichen Erziehung zu gewährleisten. Außerdem füge ich diesem Schreiben eine Rechnung über Arztkosten, die ich für meine kränkliche Schwägerin geleistet habe, bei.
 
Als letztes und viertes Kind der Eheleute Lohman - Leifeld
erblickte am 8. Juni 1778 Johan(n) Theodorus Herman(n)us, der spätere Räuberhauptmann, das Licht der Welt. Seine Taufpaten waren Johan(n) Herman(n) Lauman(n) und Anna Maria Schulze Marquarding, der er während seines Räuberlebens ein ganzes Schwein stahl und über die zugefrorene Gräfte seiner Arbeitgeberin in Sicherheit brachte.
 

Die Jugendzeit des Jan Theodor Feldlaum

 

Wie oft mag er als Knabe, weitab vom Dorf, unter dem großen Kastanienbaum, der am Hause seiner Eltern stand, gelegen haben. Konnte er so während der Sommertage dem Gezwitscher der Vögel lauschen oder einer vorbeifahrenden Postkutsche nachschauen, wenn sie über den unbefestigten Weg des Postdammes am alten strohbedeckten Haus der Schankwirtschaft vorbei fuhr. Mit elf Jahren, wenn auch nicht unmittelbar, erlebte er die blutige französische Revolution. Es dürfte ihm sicherlich nicht entgangen sein, dass aufgrund dieser Revolution in Borghorst bis 1801 immer noch 23 französische Priester und Laien bei Bürgern und Bauern untergebracht waren.
Quellen: Dr. Flor, Ostendorfer Mark u. Kirchenbuch 5, Chronik Wildt


Die Heimatgeschichte weiß auch zu berichten, dass zu dieser Zeit allerlei lichtscheues Gesindel Land auf, Land ab ihr Unwesen trieb. Und so dürften diese Negativerlebnisse, die er sicherlich auch täglich in der alten Heideschänke seines Vaters erleben konnte, zu seinem späteren Verhängnis geführt haben.


Doch zunächst sollte er am 29. April des Jahres 1800 die aus Burgsteinfurt stammende Anna Maria Wöstman heiraten. Sicherlich hatte er zu dieser Zeit, auf Verlangen seines nicht gerade redlich denkenden Vaters schon einige Strauchdiebe, um diese dem Zugriff der Militärpatrouillen zu entziehen, durch das einsame und unwegsame Moor geführt. Kein Verfolger hätte es ohne Führung eines Eingesessenen je gewagt, die verschlungenen Pfade des Tiefmoores in der Ostendorfer Mark zu betreten. Doch unter dem guten Einfluss der Mutter und seiner Frau galt er zu dieser Zeit noch als unbescholten.
 

Die Franzosenzeit des Jan Theodor Feldlaum

 

Als im Februar des Jahres 1801 die vereinigten Mächte den Krieg gegen Napoleon verloren hatten, kam es zur Säkularisation aller kirchlichen Güter. Die schriftliche Aufforderung an das Damenstift zu Borghorst, die stiftischen Güter an das rheingräfliche Haus Salm Horstmar abzutreten, erfolgte am 25. Februar 1802.


Doch lenken wir unseren Blick nun zurück auf die alte Heideschänke, zurück auf das junge und sicherlich glückliche Ehepaar Johan Theodor Feldlaum' mit seiner Anna Elisabeth. Diese Ehe soll, so wird berichtet, recht glücklich gewesen sein. Mit seiner Frau Elisabeth hatte er die Töchter Gertrud, Franziska., Elisabeth und Sophia. Doch wurde dem darüber sicherlich glücklichen Ehepaar als fünftes Kind, am 21. Juli 1814, noch ein Knabe mit Namen Hermann Anton, geschenkt. Seine Taufpaten waren der Schankwirt Hermann Anton Lohmann aus Sandrup bei Münster und Anna Maria Hampsen geborene Heuping. Wie schon gesagt geht mit dem 6. November 1813 die Franzosenzeit im Dörfchen Borghorst zu Ende. Gesucht von umherschweifenden Kosaken, wie überall im Münsterland, verließen die Franzosen für immer fluchtartig Borghorst. Danach führen geforderte Repressalien von Freund und Feind zu einer immer größer werdenden Hungersnot unter der Bevölkerung. Kurze Zeit danach steht das ganze Münsterland wieder unter preußischer Herrschaft. Doch sollten damit die Kriegzeiten noch nicht beendet sein. Erst am 31. März des darauf folgenden Jahres kündeten im Dörfchen Borghorst, wie auch überall im Land, hoch vom Turm der alten Stiftskirche St. Nikomedes die Glocken den Frieden an.
 

Die Preußenzeit des Jan Theodor Feldlaum

 

In der Chronik des Vikars Wildt, über »unbedeutende Nachrichten aus der Vorzeit und zum Vergnügen der Nachwelt« schreibt dieser in Borghorst tätige Vikar folgendes: „ ....Auf Lichtmeßtag im Jahre 1814 kamen die ersten Landwehrmänner hier in Quartier. Sie wuchsen allmählich zu zwei Compagnien an, welche ungefähr 400 Mann stark waren. Sie blieben hier theils im Dorfe, theils in den Bauerschaften und mußten täglich exerzieren. Am 15. März des gleichen Jahres brachen sie nach Burgsteinfurt auf, um sich mit den dort liegenden Compagnien zu vereinigen. Am 16. März marschierte das ganze Landwehrbataillon über Münster nach Frankfurt.“


Am 31. März des gleichen Jahres ziehen die Verbündeten als Sieger in Paris ein, und zwingen am 6. April Napoleon I. zur Abdankung. Dieser verlässt mit einer Ehrengarde von 800 Mann daraufhin Frankreich. Er, so weiß die Geschichte weiter zu berichten, erhielt die Insel Elba als Fürstentum. Im Mai des gleichen Jahres wird der 1. Friede in Paris geschlossen.

 

Doch wie mag es wohl zu dieser Zeit am Postdamm in der alten Heideschänke ausgesehen haben?
 
 Vier Jahre zuvor hatte man den alten Schankwirt und Vater des späteren Räuberhauptmanns, Jan Berndt Theodor, auf den gerade neu eingeweihten Friedhof an der jetzigen Rubenstraße zur letzten Ruhe getragen. Doch nun war Sommer geworden und wie immer nach kriegerischen Zeiten so war auch in der alten Heideschänke, wie überall im Lande, lichtscheues Gesindel anzutreffen. Das preußische Amtsblatt berichtet aus dieser Zeit von Überfällen und allerlei Schandtaten. Und so zogen, um die Bevölkerung vor diesem Gesindel zu schützen, bei Einbruch der Dunkelheit »Patrouillen« auf, wird weiter berichtet. Doch trotz all dieser Vorkommnisse herrschte in der abgelegenen Heideschänke, wie schon berichtet, große Freude über die Geburt des ersten Sohnes. Jan Theodor Feldlaum' konnte jedoch noch nicht ahnen, dass dieses Kind mit seiner Frau Anna Elisabeth das Letzte sein sollte.
 

Das Jahr 1815 brach mit schlechten Vorboten an. Ging noch am 11. Januar über Borghorst ein schweres Gewitter hernieder, so verließ 25. Januar nach kurzer Krankheit seine Mutter für immer die von Krieg und Hunger gekennzeichnete Welt, um in eine Bessere überzuwechseln. Doch nicht genug der Trauer, lag doch zur gleichen Zeit neben dem Sterbezimmer der Mutter seine an einer Lungenentzündung schwer erkrankte Frau danieder. Liebevoll und mit großer Hingabe mag wohl die zu dieser Zeit noch zu Hause weilende unverheiratete Schwester des Jan Theodor, Christina, die Beiden gepflegt haben. Doch alle Mühe und Fürsorge sollten vergebens sein, denn nach gerade sieben Tagen des Ablebens seiner Mutter, schloss auch sie am 1. Februar des gleichen Jahres für immer die Augen. Für fünf unversorgte Kinder, eine unverheiratete Schwester und nicht zuletzt einen von seiner Umwelt negativ geformten Mann hinterließ sie eine unausfüllbare Lücke. Furchtbar, so wusste der Volksmund zu berichten, muss er nach dem Tod seiner Frau in der alten Heideschänke gehaust haben. Mit Unmengen von Alkohol soll er versucht haben, seinen Schmerz zu ertränken. Doch schon bald danach muss er mit fragwürdigen Geschäften in einem zwielichtigen Umfeld tätig geworden sein. Aus vorliegenden Kriminalakten des Stadtarchivs Steinfurt kann gedeutet werden, dass ab dieser Zeit der gesellschaftliche Abstieg des Jan Theodor Feldlaum' beginnt.
Chronik Wildt, Stadtarchiv, Kaplan Osterholt, Kirchenbuch u. Weining

 

Viereinhalb Monate waren vergangen als er in zweiter Ehe, am 18. Juli 1815, die dreizehn Jahre jüngere Gertrud Maria Katharina Wiggers aus Neuenkirchen zur Frau nahm. Die Vermutung liegt nahe, dass Feldlaum', bei seinen dunklen Geschäften in Borghorst, Emsdetten, Neuenkirchen und Wettringen, hier seine zweite und recht junge Frau kennen lernte.


Angewidert von den Vorgängen im Elternhaus mag die ledige Schwester Christine sich entschlossen haben das Elternhaus zu verlassen, um danach bei ihrer Schwester in Sandrup bei Münster freundliche Aufnahme zu finden. Nach Angabe ihres Schwagers, der über die unglückliche zweite Ehe seines Schwagers Feldlaum berichtet, wechselt sie 1816 zu ihrer Schwester nach Sandrup über. Nach Fortgang seiner Schwester dürfte die alte Heideschänke wohl zur Begegnungsstätte manch zwielichtiger Banditen geworden sein.

 

Vom Zeitgeist eines zu Ende gegangenen Krieges geprägt und die nachfolgende straffe preußische Gesetzesordnung, die auch im Dörfchen Borghorst mit der Neuordnung der Kreise am 10. August des Jahres 1816 begann, könnte für die einfache Bevölkerung oft Auslöser falsch verstandener Rechte gewesen sein. Und so passierten nach dieser Zeit in und um Borghorst oft merkwürdige Dinge. Stand doch bei einem nicht wenig erstaunten armen Kötter, dem gerade eine Kuh verendet war, am anderen Morgen eine gesunde Kuh im Stall. Auch diese Art von Rechtsempfinden spricht eben für eine falsch verstandene Rechtsauffassung der Bevölkerung, wie es auch immer wieder nach Kriegen zu beobachten ist. Doch verlassen wir zunächst diese von mir angestellten Überlegungen und werfen wieder einmal einen Blick in die alte Heideschänke.

 

Es war gerade Frühlingsanfang gewesen als am 22. März des Jahres 1816 dem noch nicht sehr lange verheirateten Ehepaar ein weiterer Stammhalter beschert wurde. Der Knabe erhielt den Namen Bern(h)ard Theodor wie sein Taufpate und Großvater, der Kötter Wiggers aus Neuenkirchen. Die zweite Taufpatin war die Schwiegermutter aus 1. Ehe, Anna Elisabeth Wöstmann geb. Berghaus, die vom heutigen Hof Wenderdel kam.


Doch vom freudigen Ereignis unbeeindruckt geht für Jan Theodor, neben seiner täglichen Nebenbeschäftigung beim Schulzen Marquarding, unerkannt sein Räuberleben weiter. Seine Frau, die als Wirtin verständlicher Weise über vielerlei Informationen verfügte, besorgte neben dieser Tätigkeit als Hehlerin den Verkauf des Diebesgutes. Und so wurde sie auch dafür, mit ihrer Komplizin Schmitz aus Emsdetten, nach Festnahme der Räuberbande zu einer zweijährigen Zuchthausstrafe in der Strafanstalt Münster verurteilt.
 

Zu Anfang fanden die Einbrüche des Jan Theodor und seine Bande weit verstreut um Borghorst statt. Doch immer dreister werden seine Überfälle und Diebstähle. Und so scheute er sich auch nicht, wie schon berichtet und aus den Kriminalakten weiter hervor geht, bei seiner Patentante und Arbeitgeberin Anna Maria Schulze Marquarding, über die zugefrorene Gräfte dieses Schulzen zu gehen, um dort zur Nachtzeit und unbemerkt das geschlachtete Schwein von der Leiter zu holen. Über weitere Überfälle berichtet auch das Borghorster Heimatbuch aus dem Jahr 1980. Und somit möchte ich meine Recherchen hauptsächlich auf polizeiliche Personenbeschreibungen beschränken. Beschränken schon deshalb, um an dieser Stelle die Fahndungsschwierigkeiten der damaligen Feldgendarmerie einmal deutlich zu machen. Eine Photographie gab es zu dieser Zeit noch nicht. Sie wurde erst neunzehn Jahre später erfunden. Und so versuchten die Rechtshüter, über Protokolle und Steckbriefe, der Banditen und Strauchdiebe habhaft zu werden.


Folgen wir nun einem Bericht der Polizei aus der Zeit unseres Räuberhauptmanns, die in einem Protokoll über einen Überfall auf einem Bauernhof in Altenberge berichtet. So geschehen am 27. Dezember 1818 auf dem Hof des Bauern Hermann Menning in der Bauernschaft Entrup bei Altenberge.
 

Folgende Angaben zum Überfall wurden vom Bauern Theodor Herm'(ann) Menning wie folgt beschrieben:
 

„Gegen 9 Uhr abends hereingetretenen vier Kerls, haben die Insassen gebunden, dessen Aussehen nachfolgend beschrieben wird.“


Protokoll

 

Alter der Räuber angegeben und geschätzt auf 30 - 35 Jahre

 

Die Größe der Räuber wird mit fünf Fuß und acht Zoll angegeben
Die Gesichtsfarbe sey gesund gewesen
Die Haare braun
Die Nase lang
Von Statur schlank
Mundart sie sprachen in plattdeutscher Mundart
 

Dazu die Bekleidung

Jacken Azurblau
Hosen blau
Schuhe mit Riemen
Kopfbedeckung schwarzer-runder Hut
 

Tatzeit: 27. Dezember 1819

 

So endet der Polizeibericht aus der Akte über das Ergreifen der Räuberbande.
Quellen sind die Stadt Steinfurt, sowie Kirchenbücher, Chronik Kr. Steinfurt u. das Staatsarchiv Münster.
 
Als Abnehmer und Hehler gestohlener Sachen, wie kupferne Pfannen, Leinen, Silberknöpfe, Spangen, Halsketten usw., wird in einem Polizeibericht der aus Heybusch stammende Heimann Bär genannt der sich im Dörfchen Borghorst niedergelassen hatte. Doch seine Tätigkeit in dieser Branche sollte ihm im Jahre 1819 eine halbjährliche Zuchthausstrafe einbringen. Weiter berichtet, über diesen fliegenden Händler, der Polizeibericht folgendes:".... Unter dem Druck der Polizei hat er den Namen eines Diebes aus Bevergern preisgegeben, wofür er bei einem gelegentlichen Besuch dort eine schwere Tracht Prügel bezog. An dieser Stelle sollte noch hinzugefügt werden, dass er es über die ganzen Jahre nicht gewagt hat, Feldlaum und seine Bande zu verraten. Wie viele Mitglieder dieser Räuberbande angehörten, geht aus der Polizeiakte nicht hervor. Doch ein Sprüchlein und Wahlspruch dieser Räuberbande, so der Volksmund, war:
 

"Im ganzen sind wir dreißig
des Nachts gewaltig fleißig.
Des Tags schau'n wir zum Fenster hinaus,
und lachen Gendarm und Polizisten aus."
 

Einem Bericht des Landrätlichen Commisär, dem 1. Landrat des Kreises Steinfurt »Bernard Coerman« zufolge heißt es nach der Festnahme der Räuberbande in einem seiner vielen Anschreiben an die Regierung in Münster:"Mit der Festnahme der Bande am 25. Januar des Jahres 1820 ist wohl der Kopf der Bande gefasst." Und so kam es auch in den darauf folgenden Jahren noch immer wieder zu Diebstählen. Doch gewaltsame Überfälle werden danach nicht mehr genannt.


Unerkannt konnte die Räuberbande fast fünf Jahre ihr Unwesen im Münsterland treiben. Nur durch den Verrat eines Mitgliedes dieser Räuberbande, des im Protokoll aufgeführten »Angebers Völker« aus Neuenkirchen, konnten die Mitglieder dieser Bande in der Nacht vom 25. zum 26 Januar 1820, nach einem versuchten Raub auf die Vorratskammer des Schulzen Nünning gefaßt werden. Und so herrschte nach der Festnahme dieser Räuberbande überall im Münsterland, und nach den vielen Abmahnungen beim Kreis Steinfurt und der Dorfgemeinde Borghorst, durch die preußische Landesregierung, große Freude. Sie forderte deshalb den Kreiscomisär Coermann auf, die "bey der Ergreifung der Räuberbande Beteyligten Personen, zu belobigen." Diese Aufforderung wurde im festlichen Rahmen somit gern vom Landrat persönlich befolgt und an folgenden Teilnehmern der Bürgerwehr ausgesprochen:
 

Ludwig Reinhard mit Unterschrift
Er war Kreiskopist und Anführer der Bürgerwehr. Seine Frau Elisabeth geb. Lankhorst erwartete zu dieser Zeit ein Kind.
Weitere Teilnehmer dieser nicht unblutigen Festnahme waren:
 
Alexander van den Hof mit Unterschrift
Wilhelm van den Hof mit Unterschrift
Alexander van den Hof jun. mit Unterschrift
Joseph Vorspoel mit Unterschrift
Alfons Hilmers mit Unterschrift
Joseph Heckmann mit Unterschrift
Melchior Brink mit Unterschrift
Melchior Hageböck mit Unterschrift
J. Franz Terlau mit Unterschrift
Bernard Frieling mit Unterschrift
Ferdinand Eick mit Unterschrift
Schulze Nünning mit Unterschrift
Melchior Vissing mit Unterschrift
und dessen Knecht, Bernard Heinrich Merker mit Unterschrift
Melchior Leusing mit Unterschrift
und dessen Knecht (ohne Unterschrift) sowie
Hermann Nünning mit Unterschrift
 

Wie schon gesagt, verlief die Festnahme dieser Räuberbande nicht unblutig. In Borghorst wurden die Räuber Schmitz und Völker festgenommen. Letzterer ergab sich freiwillig. Zwei der Räuber mit Namen Wemhoff und Niemann, entkamen in die nahen Büsche und verschwanden in der Dunkelheit. Am 13. Februar des gleichen Jahres kam aus Bentheim die Nachricht von der Festnahme dieser beiden Haupträuber. Welche Strafe die aufgegriffenen Räuber erhielten ist mir nicht bekannt.
 

Feldlaum starb an den Folgen der schweren Schussverletzung am 5. Februar 1820 im Krankenhaus Burgsteinfurt. Der dort praktizierende Arzt Dr. Henrich to Gempt nahm im Auftrage des Amtsgerichts Steinfurt noch im Haus des Feldlaum' eine Obduktion vor. In seinem Schreiben an das Stadt- und Landgericht schreibt er:“....dem hiesigen Stadt und Landgericht, von welchem Steinhorst (Landgerichtscopist) und ich requiriert wurden, haben an der Leiche des Verstorbenen Jan Theodor Feldlaum' eine Obduktion vorgenommen.


Dieses Schreiben gibt jedoch keine Auskunft über die Todesursache des Verstorbenen wieder. Und so trägt der Pfarrer Reckfort, der es ja wissen musste, als Sterbeursache in das Sterbebuch ein:"....Johann Theodor Laumann vulgo Feldlaumann in Ostendorf, alt 43 Jahre, nach einer Verwundung gestorben, an auslaufender Galle."
 

Wie schon berichtet wurden die Mittäterinnen der Räuberbande, die Witwe Feldlaum' und die Frau des Räubers Schmidt aus Emsdetten, von dem Königlich Preußischen Stadt- und Landgericht in Burgsteinfurt zu je zwei Jahren Zuchthaus ohne Bewährung verurteilt. Für den Transport der Verurteilten zum Zuchthaus nach Münster, stellte die Gemeinde Pferd und Leiterwagen zur Verfügung. Alle anstehenden Kosten wurden mit dem Verkauf der Heideschänke am Postdamm bezahlt.
 
Zum größten Problem für die Gemeinde wurde die zeitweilige Auflösung der Familie Feldlaum'. So auch die Unterbringung der Kinder und die damit verbundenen Kosten für die Gemeinde. Die fünf Kinder aus erster Ehe wurden ohne Widerspruch sofort vom Zeller Wöstmann aus Burgsteinfurt übernommen. Viel schwieriger jedoch stellte sich die Unterbringung der beiden Kinder aus zweiter Ehe dar. Wie schon berichtet, nimmt die zu Zuchthausstrafe verurteilte Witwe auf Anordnung des Stadt- und Landgerichts Steinfurt, das eineinhalbjährige Kind mit in die Haftanstalt. Am 1. Oktober des Jahres 1821 wird dieses Kind von der Schwester Feldlaums, der Witwe Engelbert Leopolds gegen eine Unterstützung durch die Dorfgemeinde, in Pflege genommen.

Auch der oben genannte Pfarrer Reckfort wird vom Bürgermeister gebeten, seine Ansicht über die Unterbringung des ältesten Kindes aus zweiter Ehe darzulegen. Er schreibt dazu:“...da der Vater der Witwe Feldlaum, der Kötter Johann Herm' Wiggers Kirchspiels Rheine nicht mehr im Leben ist, so erscheint deren Bruder, Johann Wiggers, Kötter zu Neuenkirchen oder die Schwester Anna Catharina, Ehefrau Roling zur Verpflegung und Erziehung des Kindes zunächst verpflichtet zu sein."
 

Einen Monat nach dem Ableben des Jan Theodor erscheinen die Verwandten im Pfarrhaus und erklären, dass sie wegen großer Armut das ältere Kind ihrer Schwester nicht aufnehmen können. Und so übernimmt der Schulze Marquarding bis zur Entlassung der Mutter aus dem Zuchthaus Münster das Kind Bernard Theodor Feldlaum'.
Quellen: Stadtarchiv Steinflirt, Staatsarchiv Münster und Kirchenbuch

 

Noch kurz vor ihrer Entlassung, die am 19. Juli 1822 aus dem Zuchthaus Münster erfolgte, bittet die Witwe Feldlaum die Gemeinde Borghorst in einem Schreiben über die Zuchthausverwaltung um Saatgut für ihre Äcker in der Ostendorfer Mark. Doch wie schon gesagt war mittlerweile das alte Gasthaus in der Heide abgebrochen, die Felder neu verpachtet oder verkauft und mit dem Erlös alle entstandenen Kosten beglichen worden. Nach ihrer Entlassung zog sie daraufhin zunächst mit ihren Kindern nach Neuenkirchen. Auch die Mitinhaftierte Catharina Elisabeth Schmits aus Emsdetten verließ am gleichen Tag das Zuchthaus zu Münster.
 
Doch mit dem Tod des Räuberhauptmann Feldlaum' und der Festnahme seiner Mitkomplizen war, wie schon vom Landrat Coermann richtig vermutet und die Polizeiberichte weiter aussagen, nur der Kopf der Bande dingfest gemacht worden. Noch am 8. Oktober des Jahres 1822, fast zwei Jahre nach dem Überfall auf Nünningsmühle, wird dem Schulzen Pröbsting in Wilmsberg auf der Weide eine " fette Kuh " abgeschlachtet.
 
Um die Weiterentwicklung der vielen Diebstähle dieser sicherlich damals größten Räuberbande des Münsterlandes zu überwachen, schließt die Polizeiakte A - 161 und A - 162 der damaligen Dorfgemeinde Borghorst »über die Ergreifung der Räuberbande« erst mit dem Jahr 1830. Doch kehren wir nach all diesen Beschreibungen noch einmal zurück in die alte Heideschänke am Postdamm, und zurück in die Ostendorfer Mark.
 
Kurz nach dem Überfall hatte der Königliche Gendarmunteroffizier Sprengel, der ebenfalls mit dem Fall befasst war, dem Bürgermeister berichtet:" ... dass es nach Auskunft des festgenommenen Räubers Wemhof eine Höhle im Garten des Laumannschen Grundstückes geben solle. Daraufhin kommt es am 28. Februar 1820 zu einer weiteren Ortsbesichtigung, die vom Bürgermeister Lanvers und dem Königlichen Gendarmunteroffizier Sprengel angeführt wird.
 

Das daraufhin aufgestellte Protokoll lautet: " Vor dem Laumannschem Hause und zwar, wenn man ins Haus reingehen will, zur rechten Hand im Garten eine Höhle sich befindet, worin wohl sechs Personen sitzen können." Auch die Witwe Feldlaum' berichtet bei ihrer Vernehmung, dass ihr Ehemann in der Nähe seines Hauses ein Rind erschossen und nach seinem Hause gebracht habe.

Quellen: Stadtarchiv Steinfurt Staatsarchiv Münster
 

Abschließen möchte ich diese Geschichte mit einer Rechnung aus jenen Tagen, die über die Nebenkosten der Festnahme berichtet und der Dorfgemeinde Borghorst und seinem Bürgermeister vorgelegt wurde. Die Rechnung lautet wie folgt:
 

Rechnung

Auslagen zur Ergreifung der Räuberbande und deren Bewachung, so auch die Bewachung des Hauses Feldlaum' und seine Frau


Rechnung für Auslagen

 

Rtlr

Berl. Curant
1. Wirth Melchior Heuping hier bei der Gelegenheit Verhörung des Räubers Schmits und des mit aufgegriffenen Angeber (Verräter) Anton Völker, laut Anlage 2 18
2. Der Wirth Theodor Weßels des gleichen, laut Anlage 1 3
3. Schulze Marquarding in Ostendorf, für Alimentation des Königlichen Gendarm-Unteroffizier Sprengel 5 16
4. Dem Zeller Flüggemann, für die Verzehrung des Feldhüters Oelmann, laut Anlage 6  
5. Dem Kötter Uhlenbrock, für ein Fuder Klüen, laut Anlage 1 12
6. Dem Schankwirte Anton Hampsen, für zwey' Maß Branntwein, laut Anlage 1 5
7. Dem Kaufmann Anton Melchior Lanver, für Lustmaterialien und Besorgung des Sarges, für den verblichenen Leichnam des Kötters Feldlaum', laut Anlage 5 19

Quelle: Stadtarchiv Steinfurt

 

Über den Verbleib der Witwe Feldlaum' kann noch berichtet werden, dass sie Neuenkirchen wieder verließ, um eine Stelle als Magd auf einem nicht bekannten Bauernhof in der Bauerschaft Haltern bei Leer anzutreten. Am 25. Januar des Jahres 1828 meldet sie dem Pfarrhaus Leer/ Horstmar die Geburt eines unehelichen Kindes mit dem Namen Catharina Elisabeth an. Patin war Maria Catharina Feldlaum' geb. Bröcker. Als Witwe starb die Ehefrau des Räuberhauptmann Johann Theodor Feldlaum, Maria Catharina Wigger, am 8. Juli 1855 bei einem ihrer beiden Söhne in Borghorst.
 
Auch die zweite Tochter des Jan Theodor Feldlaum', Maria Franziska aus erster Ehe, erscheint im Kirchenbuch von Leer. Sie meldet dem dortigen Pfarrhaus am 5. August des Jahres 1838 die Geburt eines unehelichen Kindes an, das dort die Nottaufe erhält. Es war ein Junge der jedoch starb. Als Wohnsitz gibt die 33jährige Frau das Dörfchen Leer an.
 
Die Ruhestätte des Jan Theodor Feldlaum ist nicht bekannt. Und so wollen wir ihn, den in der Verborgenheit ruhenden Jan Theodor Feldlaum' in seinem unbekannten Grab still zurücklassen. Zurücklassen die von Geheimnissen umwobenen Gestalten des Räuberhauptmann »Feldlaum und Consorten«, als auch die Menschen jener Tage.
 

Quellen: Stadtarchiv Steinfurt u. Kirchenbuch Leer

 

Aufgestellt nach Berichten aus den angegebenen Quellen von Franz Buskamp
 

Text: Franz Buskamp

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Buskamp für die Genehmigung, diese ungekürzte und historisch belegte wahre Lebensgeschichte des Räuberhauptmanns Feldlaum an dieser Stelle zu veröffentlichen!


 

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