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»Feldlaum und Consorten« |
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Borghorster Heimatgeschichte aus den Jahren 1778 bis 1820
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Eine wahre Begebenheit aus den Wirren der napoleonischen Vor- und Nachkriegsjahre in Borghorst. Zu dieser Zeit erlebten die Menschen in ganz Europa, so auch die Bevölkerung in Borghorst die französische Besatzungszeit mit ihren Repressalien als auch Hungersnöte in der Bevölkerung, die nach der Völkerschlacht bei Leipzig vom 19. Oktober 1813 ganz plötzlich in Borghorst über Nacht am 6. November 1813 endete. Vikar Wildt berichtet in seiner Chronik darüber, dass im Oktober des gleichen Jahres die Kosaken in Münster gewesen wären. Sicherlich für die Franzosen ein Grund Borghorst eiligst zu verlassen. Vieles gäbe es aus dieser Zeit sicherlich noch zu berichten. Doch möchte ich im weiteren Verlauf an dieser Stelle gerne etwas über die Nachkriegsjahre mit all seinen Begleiterscheinungen und vom Leben der Menschen im Dörfchen Borghorst berichten. Berichten insbesondere aber über das Leben und Treiben des Räuberhauptmann Feldlaum und seine Bande. Die Regierung in Münster sparte nicht an Vorwürfen gegen den Amtmann und späteren »Kreiscommisarius« Coermann, der wiederum den als auch den Bürgermeister Lanvers ins Schwitzen brachte. Und so die Geschichte dieser Räuberbande.
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»Feldlaum und Consorten«
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Um die Gestalt dieses Räuberhauptmanns, der am Ende des 18. Jahrhundert
in der Ostendorfer Mark das Licht der Welt erblickte, ranken sich viele
geheimnisvolle und auch oft schaurige Geschichten. |
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Das Elternhaus und die Eltern des Jan Theodor Feldlaum
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Stundenweit
reichten einst Moor und Heide, unterbrochen von oft unzugänglichen
Sümpfen und Tümpel, die hier und dort von markanten »Bülten«, den Bergen
unserer Heimat durchsetzt waren. Am Rande eines solchen Moores, so die
Ostendorfer Mark, lag abseits und einsam am Postdamm eine alte
strohbedeckte Heideschänke. An seiner rechten Seite war ein Garten
angelegt und zwischen Haus und Garten, am unbefestigten Wegrand, stand
ein riesiger Kastanienbaum dessen Zweige wie beschützend über das alte
Haus ragten. Diese Hofstätte, die scheinbar total heruntergekommen war,
übernahm um 1764 der 22-jährige und spätere Vater unseres
Räuberhauptmann, Joan Berndt Feld-Lohman(n).
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Doch zu Beginn meiner Geschichte möchte ich zunächst auf häufige Namensänderungen, die oft aus einer sprachlich bedingten und danach niedergeschriebenen Namensnennung damaliger Behörden reguliert, zu sprechen kommen.
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Doch kehren wir nach diesem Seitenblick in alte Archivunterlagen und sonstigen Niederschriften, die über diese und jene Dinge berichten, zurück zum Markenkötter Feldlaum am Postdamm. Jan Berndt Feld-Loman betrieb dort am heutigen Postweg eine Schild- oder auch Schankwirtschaft. So wie berichtet wird soll er ein recht streitsüchtiger Zeitgenosse gewesen sein. Nach der geschlossenen Ehe mit Maria Anna Leifeld, stellte sich bald der erwünschte Nachwuchs ein.
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Kinder dieses Ehepaares waren: |
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Als zweites Kind der Eheleute Lohman - Leifeld folgte Maria Gertrudis , die in erster Ehe mit dem Schankwirt am Sandruper Baum, Henrich Anton Brüning verheiratet war und am 6. November 1773 das Licht der Welt erblickt. Mit 19 Jahren, noch recht jung, heiratet sie am 10. Juli 1792 in Borghorst. Trauzeugen waren der spätere Räuberhauptmann Theodor Feldlaum', und Anton Buschkamp, ein Vorfahre von mir. Doch ihr Ehemann müsste um 1798 gestorben sein, denn am 23. April 1799 heiratet sie in zweiter Ehe Herman Anton Lohman. Wegen der Blutsverwandtschaft dritten Grades erfolgt Ehedispens. Die Eheschließung findet in der Pfarrei Liebfrauen Überwasserkirche in Münster statt. Aus dieser Ehe gehen neun Kinder hervor. Bei der Anmeldung eines Kindes im Jahr 1811 wird er als Schankwirt am Sandruper Baum, eine Bauerschaft, die zwischen Münster und Greven liegt, genannt. Bei den späteren Verhandlung mit der Dorfgemeinde Borghorst wird diese Familie, bzgl. Unterbringung der Kinder des Räuberhauptmanns, in einem Schreiben nochmals erwähnt. |
| Das dritte Kind der Eheleute Lohman - Leifeld war Maria Christina Gertrudis, die am 9. Juli 1776 in der alten Stiftskirche getauft wird. Sie soll, so berichtet der Schankwirt Herman(n) Anton Lohman, zeitlebens krank gewesen sein und blieb unverheiratet. Während der Zeit des Räuberlebens ihres Bruders Jan Theodor, verließ sie Borghorst und zog zu ihrer Schwester nach Münster. Über ihr Leben in Sandrup berichtet im Jahre 1820, nach dem Tod ihres Bruders, ihr Schwager Anton Lohman dem damaligen Bürgermeister Lanvers »im Originaltext wiedergegeben« folgendes. ". ich habe mit meiner Frau neun Kinder im Leben und die kränkliche Schwester meiner Frau mit Namen Christina zu ernähren. Aus der großen Verantwortung meiner Familie gegenüber ist es mir nicht möglich, ein Kind das unterm Herzen einer Räuberfrau geboren ist zu ernähr(e)n und einer gutsittlichen Erziehung zu gewährleisten. Außerdem füge ich diesem Schreiben eine Rechnung über Arztkosten, die ich für meine kränkliche Schwägerin geleistet habe, bei. |
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Als letztes und viertes Kind der Eheleute Lohman - Leifeld erblickte am 8. Juni 1778 Johan(n) Theodorus Herman(n)us, der spätere Räuberhauptmann, das Licht der Welt. Seine Taufpaten waren Johan(n) Herman(n) Lauman(n) und Anna Maria Schulze Marquarding, der er während seines Räuberlebens ein ganzes Schwein stahl und über die zugefrorene Gräfte seiner Arbeitgeberin in Sicherheit brachte. |
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Die Jugendzeit des Jan Theodor Feldlaum
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Wie oft mag er als Knabe,
weitab vom Dorf, unter dem großen Kastanienbaum, der am Hause seiner
Eltern stand, gelegen haben. Konnte er so während der Sommertage dem
Gezwitscher der Vögel lauschen oder einer vorbeifahrenden Postkutsche
nachschauen, wenn sie über den unbefestigten Weg des Postdammes am alten
strohbedeckten Haus der Schankwirtschaft vorbei fuhr. Mit elf Jahren,
wenn auch nicht unmittelbar, erlebte er die blutige französische
Revolution. Es dürfte ihm sicherlich nicht entgangen sein, dass aufgrund
dieser Revolution in Borghorst bis 1801 immer noch 23 französische
Priester und Laien bei Bürgern und Bauern untergebracht waren.
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Die Franzosenzeit des Jan Theodor Feldlaum
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Als im Februar des Jahres 1801 die vereinigten Mächte den Krieg gegen Napoleon verloren hatten, kam es zur Säkularisation aller kirchlichen Güter. Die schriftliche Aufforderung an das Damenstift zu Borghorst, die stiftischen Güter an das rheingräfliche Haus Salm Horstmar abzutreten, erfolgte am 25. Februar 1802.
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Die Preußenzeit des Jan Theodor Feldlaum
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In der Chronik des Vikars Wildt, über »unbedeutende Nachrichten aus der Vorzeit und zum Vergnügen der Nachwelt« schreibt dieser in Borghorst tätige Vikar folgendes: „ ....Auf Lichtmeßtag im Jahre 1814 kamen die ersten Landwehrmänner hier in Quartier. Sie wuchsen allmählich zu zwei Compagnien an, welche ungefähr 400 Mann stark waren. Sie blieben hier theils im Dorfe, theils in den Bauerschaften und mußten täglich exerzieren. Am 15. März des gleichen Jahres brachen sie nach Burgsteinfurt auf, um sich mit den dort liegenden Compagnien zu vereinigen. Am 16. März marschierte das ganze Landwehrbataillon über Münster nach Frankfurt.“
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| Doch wie mag es wohl zu dieser Zeit am Postdamm in der alten
Heideschänke ausgesehen haben? |
| Vier Jahre zuvor hatte man den alten Schankwirt und Vater des
späteren Räuberhauptmanns, Jan Berndt Theodor, auf den gerade neu
eingeweihten Friedhof an der jetzigen Rubenstraße zur letzten Ruhe
getragen. Doch nun war Sommer geworden und wie immer nach kriegerischen
Zeiten so war auch in der alten Heideschänke, wie überall im Lande,
lichtscheues Gesindel anzutreffen. Das preußische Amtsblatt berichtet
aus dieser Zeit von Überfällen und allerlei Schandtaten. Und so zogen,
um die Bevölkerung vor diesem Gesindel zu schützen, bei Einbruch der
Dunkelheit »Patrouillen« auf, wird weiter berichtet. Doch trotz all
dieser Vorkommnisse herrschte in der abgelegenen Heideschänke, wie schon
berichtet, große Freude über die Geburt des ersten Sohnes. Jan Theodor
Feldlaum' konnte jedoch noch nicht ahnen, dass dieses Kind mit seiner
Frau Anna Elisabeth das Letzte sein sollte. |
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Das Jahr 1815 brach mit
schlechten Vorboten an. Ging noch am 11. Januar über Borghorst ein
schweres Gewitter hernieder, so verließ 25. Januar nach kurzer Krankheit
seine Mutter für immer die von Krieg und Hunger gekennzeichnete Welt, um
in eine Bessere überzuwechseln. Doch nicht genug der Trauer, lag doch
zur gleichen Zeit neben dem Sterbezimmer der Mutter seine an einer
Lungenentzündung schwer erkrankte Frau danieder. Liebevoll und mit
großer Hingabe mag wohl die zu dieser Zeit noch zu Hause weilende
unverheiratete Schwester des Jan Theodor, Christina, die Beiden gepflegt
haben. Doch alle Mühe und Fürsorge sollten vergebens sein, denn nach
gerade sieben Tagen des Ablebens seiner Mutter, schloss auch sie am 1.
Februar des gleichen Jahres für immer die Augen. Für fünf unversorgte
Kinder, eine unverheiratete Schwester und nicht zuletzt einen von seiner
Umwelt negativ geformten Mann hinterließ sie eine unausfüllbare Lücke.
Furchtbar, so wusste der Volksmund zu berichten, muss er nach dem Tod
seiner Frau in der alten Heideschänke gehaust haben. Mit Unmengen von
Alkohol soll er versucht haben, seinen Schmerz zu ertränken. Doch schon
bald danach muss er mit fragwürdigen Geschäften in einem zwielichtigen
Umfeld tätig geworden sein. Aus vorliegenden Kriminalakten des
Stadtarchivs Steinfurt kann gedeutet werden, dass ab dieser Zeit der
gesellschaftliche Abstieg des Jan Theodor Feldlaum' beginnt.
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Viereinhalb Monate waren vergangen als er in zweiter Ehe, am 18. Juli 1815, die dreizehn Jahre jüngere Gertrud Maria Katharina Wiggers aus Neuenkirchen zur Frau nahm. Die Vermutung liegt nahe, dass Feldlaum', bei seinen dunklen Geschäften in Borghorst, Emsdetten, Neuenkirchen und Wettringen, hier seine zweite und recht junge Frau kennen lernte.
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Vom Zeitgeist eines zu Ende gegangenen Krieges geprägt und die nachfolgende straffe preußische Gesetzesordnung, die auch im Dörfchen Borghorst mit der Neuordnung der Kreise am 10. August des Jahres 1816 begann, könnte für die einfache Bevölkerung oft Auslöser falsch verstandener Rechte gewesen sein. Und so passierten nach dieser Zeit in und um Borghorst oft merkwürdige Dinge. Stand doch bei einem nicht wenig erstaunten armen Kötter, dem gerade eine Kuh verendet war, am anderen Morgen eine gesunde Kuh im Stall. Auch diese Art von Rechtsempfinden spricht eben für eine falsch verstandene Rechtsauffassung der Bevölkerung, wie es auch immer wieder nach Kriegen zu beobachten ist. Doch verlassen wir zunächst diese von mir angestellten Überlegungen und werfen wieder einmal einen Blick in die alte Heideschänke.
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Es war gerade Frühlingsanfang gewesen als am 22. März des Jahres 1816 dem noch nicht sehr lange verheirateten Ehepaar ein weiterer Stammhalter beschert wurde. Der Knabe erhielt den Namen Bern(h)ard Theodor wie sein Taufpate und Großvater, der Kötter Wiggers aus Neuenkirchen. Die zweite Taufpatin war die Schwiegermutter aus 1. Ehe, Anna Elisabeth Wöstmann geb. Berghaus, die vom heutigen Hof Wenderdel kam.
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Zu Anfang fanden die Einbrüche des Jan Theodor und seine Bande weit verstreut um Borghorst statt. Doch immer dreister werden seine Überfälle und Diebstähle. Und so scheute er sich auch nicht, wie schon berichtet und aus den Kriminalakten weiter hervor geht, bei seiner Patentante und Arbeitgeberin Anna Maria Schulze Marquarding, über die zugefrorene Gräfte dieses Schulzen zu gehen, um dort zur Nachtzeit und unbemerkt das geschlachtete Schwein von der Leiter zu holen. Über weitere Überfälle berichtet auch das Borghorster Heimatbuch aus dem Jahr 1980. Und somit möchte ich meine Recherchen hauptsächlich auf polizeiliche Personenbeschreibungen beschränken. Beschränken schon deshalb, um an dieser Stelle die Fahndungsschwierigkeiten der damaligen Feldgendarmerie einmal deutlich zu machen. Eine Photographie gab es zu dieser Zeit noch nicht. Sie wurde erst neunzehn Jahre später erfunden. Und so versuchten die Rechtshüter, über Protokolle und Steckbriefe, der Banditen und Strauchdiebe habhaft zu werden.
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Folgende Angaben zum Überfall
wurden vom Bauern Theodor Herm'(ann) Menning wie folgt beschrieben: „Gegen 9 Uhr abends hereingetretenen vier Kerls, haben die Insassen gebunden, dessen Aussehen nachfolgend beschrieben wird.“
Alter der Räuber angegeben und geschätzt auf 30 - 35 Jahre
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| Dazu die Bekleidung |
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| Tatzeit: 27. Dezember 1819
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| So endet der Polizeibericht aus der Akte über das Ergreifen der
Räuberbande. Quellen sind die Stadt Steinfurt, sowie Kirchenbücher, Chronik Kr. Steinfurt u. das Staatsarchiv Münster. |
| Als Abnehmer und Hehler gestohlener Sachen, wie kupferne Pfannen,
Leinen, Silberknöpfe, Spangen, Halsketten usw., wird in einem
Polizeibericht der aus Heybusch stammende Heimann Bär genannt der sich
im Dörfchen Borghorst niedergelassen hatte. Doch seine Tätigkeit in
dieser Branche sollte ihm im Jahre 1819 eine halbjährliche
Zuchthausstrafe einbringen. Weiter berichtet, über diesen fliegenden
Händler, der Polizeibericht folgendes:".... Unter dem Druck der Polizei
hat er den Namen eines Diebes aus Bevergern preisgegeben, wofür er bei
einem gelegentlichen Besuch dort eine schwere Tracht Prügel bezog. An
dieser Stelle sollte noch hinzugefügt werden, dass er es über die ganzen
Jahre nicht gewagt hat, Feldlaum und seine Bande zu verraten. Wie viele
Mitglieder dieser Räuberbande angehörten, geht aus der Polizeiakte nicht
hervor. Doch ein Sprüchlein und Wahlspruch dieser Räuberbande, so der
Volksmund, war: |
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"Im ganzen sind wir dreißig |
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Einem Bericht des Landrätlichen Commisär, dem 1. Landrat des Kreises Steinfurt »Bernard Coerman« zufolge heißt es nach der Festnahme der Räuberbande in einem seiner vielen Anschreiben an die Regierung in Münster:"Mit der Festnahme der Bande am 25. Januar des Jahres 1820 ist wohl der Kopf der Bande gefasst." Und so kam es auch in den darauf folgenden Jahren noch immer wieder zu Diebstählen. Doch gewaltsame Überfälle werden danach nicht mehr genannt.
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| Ludwig Reinhard | mit Unterschrift |
| Er war Kreiskopist und Anführer der Bürgerwehr. Seine Frau Elisabeth
geb. Lankhorst erwartete zu dieser Zeit ein Kind. Weitere Teilnehmer dieser nicht unblutigen Festnahme waren: |
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| Wie schon gesagt,
verlief die Festnahme dieser Räuberbande nicht unblutig. In Borghorst
wurden die Räuber Schmitz und Völker festgenommen. Letzterer ergab sich
freiwillig. Zwei der Räuber mit Namen Wemhoff und Niemann, entkamen in
die nahen Büsche und verschwanden in der Dunkelheit. Am 13. Februar des
gleichen Jahres kam aus Bentheim die Nachricht von der Festnahme dieser
beiden Haupträuber. Welche Strafe die aufgegriffenen Räuber erhielten
ist mir nicht bekannt. |
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Feldlaum starb an den Folgen der schweren Schussverletzung am 5. Februar 1820 im Krankenhaus Burgsteinfurt. Der dort praktizierende Arzt Dr. Henrich to Gempt nahm im Auftrage des Amtsgerichts Steinfurt noch im Haus des Feldlaum' eine Obduktion vor. In seinem Schreiben an das Stadt- und Landgericht schreibt er:“....dem hiesigen Stadt und Landgericht, von welchem Steinhorst (Landgerichtscopist) und ich requiriert wurden, haben an der Leiche des Verstorbenen Jan Theodor Feldlaum' eine Obduktion vorgenommen.
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| Wie schon berichtet wurden die Mittäterinnen der Räuberbande, die
Witwe Feldlaum' und die Frau des Räubers Schmidt aus Emsdetten, von dem
Königlich Preußischen Stadt- und Landgericht in Burgsteinfurt zu je zwei
Jahren Zuchthaus ohne Bewährung verurteilt. Für den Transport der
Verurteilten zum Zuchthaus nach Münster, stellte die Gemeinde Pferd und
Leiterwagen zur Verfügung. Alle anstehenden Kosten wurden mit dem
Verkauf der Heideschänke am Postdamm bezahlt. |
| Zum größten Problem für die Gemeinde wurde die zeitweilige Auflösung
der Familie Feldlaum'. So auch die Unterbringung der Kinder und die
damit verbundenen Kosten für die Gemeinde. Die fünf Kinder aus erster
Ehe wurden ohne Widerspruch sofort vom Zeller Wöstmann aus Burgsteinfurt
übernommen. Viel schwieriger jedoch stellte sich die Unterbringung der
beiden Kinder aus zweiter Ehe dar. Wie schon berichtet, nimmt die zu
Zuchthausstrafe verurteilte Witwe auf Anordnung des Stadt- und
Landgerichts Steinfurt, das eineinhalbjährige Kind mit in die
Haftanstalt. Am 1. Oktober des Jahres 1821 wird dieses Kind von der
Schwester Feldlaums, der Witwe Engelbert Leopolds gegen eine
Unterstützung durch die Dorfgemeinde, in Pflege genommen.
Auch der oben genannte Pfarrer Reckfort wird vom Bürgermeister
gebeten, seine Ansicht über die Unterbringung des ältesten Kindes aus
zweiter Ehe darzulegen. Er schreibt dazu:“...da der Vater der Witwe
Feldlaum, der Kötter Johann Herm' Wiggers Kirchspiels Rheine nicht mehr
im Leben ist, so erscheint deren Bruder, Johann Wiggers, Kötter zu
Neuenkirchen oder die Schwester Anna Catharina, Ehefrau Roling zur
Verpflegung und Erziehung des Kindes zunächst verpflichtet zu sein." |
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Einen Monat nach dem Ableben
des Jan Theodor erscheinen die Verwandten im Pfarrhaus und erklären,
dass sie wegen großer Armut das ältere Kind ihrer Schwester nicht
aufnehmen können. Und so übernimmt der Schulze Marquarding bis zur
Entlassung der Mutter aus dem Zuchthaus Münster das Kind Bernard Theodor
Feldlaum'.
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| Noch kurz vor ihrer Entlassung, die am 19. Juli 1822 aus dem
Zuchthaus Münster erfolgte, bittet die Witwe Feldlaum die Gemeinde
Borghorst in einem Schreiben über die Zuchthausverwaltung um Saatgut für
ihre Äcker in der Ostendorfer Mark. Doch wie schon gesagt war
mittlerweile das alte Gasthaus in der Heide abgebrochen, die Felder neu
verpachtet oder verkauft und mit dem Erlös alle entstandenen Kosten
beglichen worden. Nach ihrer Entlassung zog sie daraufhin zunächst mit
ihren Kindern nach Neuenkirchen. Auch die Mitinhaftierte Catharina
Elisabeth Schmits aus Emsdetten verließ am gleichen Tag das Zuchthaus zu
Münster. |
| Doch mit dem Tod des Räuberhauptmann Feldlaum' und der Festnahme
seiner Mitkomplizen war, wie schon vom Landrat Coermann richtig vermutet
und die Polizeiberichte weiter aussagen, nur der Kopf der Bande dingfest
gemacht worden. Noch am 8. Oktober des Jahres 1822, fast zwei Jahre nach
dem Überfall auf Nünningsmühle, wird dem Schulzen Pröbsting in Wilmsberg
auf der Weide eine " fette Kuh " abgeschlachtet. |
| Um die Weiterentwicklung der vielen Diebstähle dieser sicherlich
damals größten Räuberbande des Münsterlandes zu überwachen, schließt die
Polizeiakte A - 161 und A - 162 der damaligen Dorfgemeinde Borghorst
»über die Ergreifung der Räuberbande« erst mit dem Jahr 1830. Doch
kehren wir nach all diesen Beschreibungen noch einmal zurück in die alte
Heideschänke am Postdamm, und zurück in die Ostendorfer Mark. |
| Kurz nach dem Überfall hatte der Königliche Gendarmunteroffizier
Sprengel, der ebenfalls mit dem Fall befasst war, dem Bürgermeister
berichtet:" ... dass es nach Auskunft des festgenommenen Räubers Wemhof
eine Höhle im Garten des Laumannschen Grundstückes geben solle.
Daraufhin kommt es am 28. Februar 1820 zu einer weiteren
Ortsbesichtigung, die vom Bürgermeister Lanvers und dem Königlichen
Gendarmunteroffizier Sprengel angeführt wird. |
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Das daraufhin aufgestellte Protokoll lautet: " Vor dem Laumannschem Hause und zwar, wenn man ins Haus reingehen will, zur rechten Hand im Garten eine Höhle sich befindet, worin wohl sechs Personen sitzen können." Auch die Witwe Feldlaum' berichtet bei ihrer Vernehmung, dass ihr Ehemann in der Nähe seines Hauses ein Rind erschossen und nach seinem Hause gebracht habe. Quellen:
Stadtarchiv Steinfurt Staatsarchiv Münster |
| Abschließen möchte ich diese Geschichte mit einer Rechnung aus jenen
Tagen, die über die Nebenkosten der Festnahme berichtet und der
Dorfgemeinde Borghorst und seinem Bürgermeister vorgelegt wurde. Die
Rechnung lautet wie folgt: |
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Rechnung |
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Auslagen zur Ergreifung der Räuberbande und deren Bewachung, so auch die Bewachung des Hauses Feldlaum' und seine Frau
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Quelle: Stadtarchiv Steinfurt
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| Über den Verbleib der Witwe Feldlaum' kann noch berichtet werden,
dass sie Neuenkirchen wieder verließ, um eine Stelle als Magd auf einem
nicht bekannten Bauernhof in der Bauerschaft Haltern bei Leer
anzutreten. Am 25. Januar des Jahres 1828 meldet sie dem Pfarrhaus Leer/
Horstmar die Geburt eines unehelichen Kindes mit dem Namen Catharina
Elisabeth an. Patin war Maria Catharina Feldlaum' geb. Bröcker. Als
Witwe starb die Ehefrau des Räuberhauptmann Johann Theodor Feldlaum,
Maria Catharina Wigger, am 8. Juli 1855 bei einem ihrer beiden Söhne in
Borghorst. |
| Auch die zweite Tochter des Jan Theodor Feldlaum', Maria Franziska
aus erster Ehe, erscheint im Kirchenbuch von Leer. Sie meldet dem
dortigen Pfarrhaus am 5. August des Jahres 1838 die Geburt eines
unehelichen Kindes an, das dort die Nottaufe erhält. Es war ein Junge
der jedoch starb. Als Wohnsitz gibt die 33jährige Frau das Dörfchen Leer
an. |
| Die Ruhestätte des Jan Theodor Feldlaum ist nicht bekannt. Und so
wollen wir ihn, den in der Verborgenheit ruhenden Jan Theodor Feldlaum'
in seinem unbekannten Grab still zurücklassen. Zurücklassen die von
Geheimnissen umwobenen Gestalten des Räuberhauptmann »Feldlaum und
Consorten«, als auch die Menschen jener Tage. |
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Quellen: Stadtarchiv Steinfurt u. Kirchenbuch Leer
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| Aufgestellt nach Berichten aus den angegebenen Quellen von Franz Buskamp |
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Text: Franz Buskamp
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Buskamp für die Genehmigung, diese ungekürzte und historisch belegte wahre Lebensgeschichte des Räuberhauptmanns Feldlaum an dieser Stelle zu veröffentlichen! |