Das Kornschreiberhaus - Bütkamp 14
(früher Hausnummer 20)

 


 

Wohnhaus (Anfang 17. Jh.) im Historischen Stadtkern v. Burgsteinfurt, schmales, zweistöckiges Fachwerkhaus mit spitzem Giebel

 

Wichtiger Hinweis: Das Haus Bütkamp 14 befindet sich im Privatbesitz und ist außerhalb des Denkmaltages nicht zugänglich!

 


Bild 1 - Stand 2006

Das Kornschreiber-Haus Bütkamp 14 ist ein schmalbrüstiges, zweistöckiges Fachwerkhaus mit spitzem hohen Giebel, das alle anderen Gebäude drum herum überragt, die entweder ein- oder anderthalbstöckig sind. Im Gegensatz etwa zum gegenüberliegenden Ackerbürgerhaus, das niedrig und breit ist und die notwendige große Dielentür in der Mitte hatte, weist dieses Haus mit seiner schmalen Haustür und den Stubenfenstern daneben sich gleich als reines Wohnhaus aus.

 

Ein Ackerbürgerhaus hätte auf diesem schmalen Grundstück allerdings auch gar keinen Platz gehabt.


Es stammt aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts und dürfte so eines der frühesten zweistöckigen Bürgerhäuser in Fachwerkbauweise in Steinfurt gewesen sein. Auffällig sind das jeweils vorkragende Ober- und Dachgeschoss. Diese Bauweise hatte für die Hausbewohner zwei erhebliche Vorteile.

 

Mit den "overgetimmerten" Obergeschossen vergrößerte man auf kleiner Grundfläche den Wohnraum und erreichte nebenbei noch eine besondere Stabilisierung der Fachwerkkonstruktion: Da das Gewicht der Obergeschosse auf den überkragenden Balken ruhte, der Druck auf die Enden besonders groß war, hingen die Fußböden in den oberen Stockwerken nicht so leicht durch.

 

Die Knaggen, die diese Vorkragungen abstützten, waren - wenn man es sich leisten konnte - natürlich schön geschnitzt, bei diesem Beispiel am Obergeschoss reicher, am Dachgeschoss einfacher.

 

Dank der Initiative und Sorgfalt des heutigen Besitzers konnte das Gebäude in seiner Eigenart wiederhergestellt werden. Eine Tafel neben der Tür weist auf die Reihe der ehemaligen Besitzer und Bewohner des Hauses hin.

Das Haus befindet sich im Privatbesitz und - da es ständig bewohnt ist - außerhalb des Denkmaltags nicht zugänglich
 

Bild 2 - Eine Aufnahme aus dem Jahr 2001

Das Kornschreiber-Haus ist mit seinem vorspringenden Obergeschoss der letzte Vertreter einer früher hier sehr verbreiteten und bei dem mittleren Beamten- und Bürgerstande beliebten Bauart.

Bild 3 - Das Kornschreiberhaus im

frühen 20. Jahrhundert, hier noch

mit verputzter Front


 

Aus diesem Hause ging eine jährliche Abgabe von 1 Pfund Wachs und zwei Hühnern an das gräfliche bzw. fürstliche Rentamt, und diese Last ist erst am 24. Dezember 1901 infolge Ablösung im Grundbuch gelöscht worden.

 

Die bis 1532 zurückreichenden, aber leider unvollständigen Wachs- und Hühnerlisten im Fürstlichen Archiv ermöglichen es, mit Zuhilfenahme von Urkunden die früheren Besitzer der leistungspflichtigen Häuser großenteils mit voller Sicherheit festzustellen.

 

Danach besaß dieses Haus in den Jahren 1532-1578 Gert Gosener, 1587 Henrich Junge, bis ungefähr 1617 der Freigraf Heinrich von Melschede und 1617- 1658 der gräfliche Kornschreiber Michael Oeglein.

 

Da der letztgenannte selbst und dann noch eine Zeit lang seine Familie das Haus über 80 Jahre lang besessen hat, so ist es begreiflich, dass der Name "Kornschreibershaus" dem Hause bis heute angehaftet hat. Ein Kornschreiber war wohl der gräfliche Beamte, der die dem Landesherrn zustehenden Naturalabgaben zu überwachen und einzufordern hatte.

 

Michael Oeglein war, wie sich schon aus seinem Namen ergibt, ein nach Steinfurt verschlagener Schwabe. Seine Frau war Gesa Palthe, eine Schwester der mit Gerhard Huberts verheirateten Magdalena Palthe. Sie starb am 09. Dezember 1661, und da ihre einzige Tochter Maria schon 1655 aus dem Leben geschieden war, so fiel das Haus an ihre bis gegen 1673 noch lebenden Geschwister, nämlich Anna Palthe, die Witwe des Professors der Medizin an der Steinfurter Hohen Schule Dr. med. Johann Westerberg, der wie Johannes Huberts 1636 als Flüchtling in Oldenzaal starb, und an Dr. Arnold Palthe, Tecklenburgischen und später Oranischen Rat in der Grafschaft Lingen.

 

Bild 4 - Jedes Detail, ...

Im Jahre 1675 werden die Erben Dr. Westenberg und Dr. Arnold Palthe in der Wachs- und Hühnerliste unter den Zahlungspflichtigen aufgeführt, was insofern ungenau war, als Arnold kinderlos gestorben und von Dr. Johann Ortwin Westenberg, Professor an der Universität Harderwyk in Gelderland beerbt worden war.

 

Zu der Erbschaft gehörte auch das Haus des 1626 verstorbenen Rentmeisters Johannes Palthe auf der Schulstraße bei der Hohen Schule oder dem derzeitigen Amtsgericht. Soviel bisher ermittelt werden konnte, ist es das Schroersche Haus Schulstraße 21 gewesen.

 

Westenberg versuchte natürlich beide Häuser zu verkaufen, aber die Stadt belegte den Kaufschilling mit Arrest wegen des von ihr beanspruchten Abzugsgeldes im Betrage von mindestens 10 % des ins Ausland gehenden Vermögenswertes.

 

Es kam deshalb 1699 - 1701 zu einem Prozess, der damit endete, dass die Stadt ihren Anspruch an das Haus auf der Schulstraße fallen ließ und sich mit einer Kaution und der Verschreibung des Kornschreiberhauses begnügte.

 

Bild 5 - ... jedes Einrichtungsstück,

Bild 6 - ... Dinge aus der "Guten alten" Zeit,

Auch in späteren Jahren war das Haus meist im Besitz von gräflichen Beamten oder an solche vermietet.

 

So wohnte hier um 1675 der gräfliche Jägermeister Wippermann und 1704 der Sekretär Schlüter.

 

1737 - 62 war der gräfliche Sekretär und Gerichtsschreiber Wilhelm Theodor Wineke Inhaber des Hauses.

 

Es ging dann an das Geistliche Rentamt über, welches es am 01. November 1786 an den gräflichen Hausvogt und Fiskal, später Regierungs-Sekretär Johann Georg Adolf Reinhardt und seine Frau Elisabeth Becker für 300 Rt. verkaufte.

 

Die Witwe Reinhardt erhielt dagegen bei dem Verkauf des Hauses und Nebenhauses an den Schlosser Conrad Heinrich Meyer laut Kaufbrief vom 15. April 1817 660 Rt.

 

Das Nebenhaus wurde am 03. Januar 1833 für 300 Taler an den Zimmermann Wilhelm Friemann verkauft, das Wohnhaus ist zu diesem Zeitpunkt aber noch im Besitz von Meyer.

Bild 7 - ... alles liebevoll zusammengestellt,

Bild 8 - ... aber dennoch: dies ist kein Museum, sondern ein Wohnhaus!

Leider fehlen uns bisher genauere Informationen über die nachfolgenden Besitzer des Kornschreiberhauses Bütkamp 14. Wir werden aber versuchen, diese Lücken noch zu füllen.

 

Der Hinweis-Tafel vor dem Haus können wir entnehmen, dass einer der nachfolgenden Besitzer Fr.-W. Regelmeyer war.

 

Seit 1968 ist es das Eigentum von L. und A. Weil und wurde von den heutigen Besitzern liebevoll und mit sehr viel Freude und großem Aufwand zu einem wahren Schmuckstück der Altstadt Burgsteinfurts restauriert.

 

Bild 9 - Wie oft hat diese Treppe den Bewohnern des Hauses

wohl schon ermöglicht, ...

 

Bild 10 - das müde Haupt in diese weichen Kissen in der

urgemütlichen Schlafstube zu betten?

Aber nicht nur die Wohnung ist äußerst sehenswert, auch im hinter dem Haus gelegenen Garten sollte man sich mal in aller Ruhe umsehen und ein wenig verweilen. Es ist wunderschön hier!

Bild 11 - Trotz des äußerst schmalem Grundstücks eine Idylle ...

Bild 12 - ... und eine Wohlfühl-Insel in unserer hektischen Welt

Bild 13 - Die Rückseite des Hauses vom Garten aus gesehen

 

Textbearbeitung: Willi Tebben

Literatur: "Aus der Geschichte einiger alter Häuser in Burgsteinfurt" - Eine Festgabe für den Heimatbund zum 13. März 1927 von dem Stadtarchivar Professor Dr. Karl Döhmann – Buchdruckerei Winter - Burgsteinfurt;

Hausbeschreibung 11 zum Denkmaltag - Kornschreiberhaus - Steinfurt

 

Fotos:Willi Tebben (Bilder 1, 2, 4 - 13); Bild 3: Festschrift "Aus der Geschichte einiger alter Häuser in Burgsteinfurt" von dem Stadtarchivar Professor Dr. Karl Döhmann

 

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Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Familie Weil für:

- die liebevolle Aufnahme,

- die hochinteressante Führung durch das Haus,

- die vielen persönlichen Informationen,

- die Erlaubnis, Innen- und Gartenaufnahmen machen zu dürfen

während des Denkmaltages 2006



wird fortgesetzt


 

 

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