Die Antwort des Schützenvereins Leer-Ostendorf auf Formel 1

 

3. Bobbycar-Rennen an Jannings Quelle

 

Es war einmal eine schattige Quelle in herrlich gelegener Landschaft am Fuße des Schöppinger Bergs, wo der müde Wanderer seine brennenden Füße in das kühlende Quellwasser und der Radwanderer unter schattigen Bäumen picknicken konnte. Nur am 1. Mai war das nicht immer ganz so einfach, denn da gab es welche unter den Jugendlichen und den jungen Erwachsenen, die zu diesem Ort pilgerten und sich dem hemmungslosen Trunk hingaben. Koma-Saufen war an diesem Tag angesagt, schlucken bis der Notarzt kommt, natürlich mit der unbedingt dazugehörigen Randale.

 

Eines Tages wurde es den Nachbarn und dem Schützenverein Leer-Ostendorf zu bunt und man beschloss, hier an Jannings Quelle am 1. Mai eine Open-Air-Veranstaltung in Eigenregie durchzuführen, um die Chaoten auf diese Weise von dem Ort fernzuhalten. Das war die Geburtsstunde des Bobbycar-Rennens. Heute fühlen sich Familien mit Kindern wieder wohl an der Quelle, und auch die Polizei brauchte seitdem, wie zu hören war, nicht mehr einzugreifen. 

 

An diesem 1. Mai 2006 gingen 40 Fahrerinnen und Fahrer an den Start. Am Samstag zuvor hatten sie bereits ein freies Training absolviert und sich mit den Gegebenheiten der ca. 930 Meter langen Strecke vertraut gemacht. Gefahren wurde auf Bobbycars.

 

Falls jemand nicht wissen sollte was das für Fahrzeuge sind: das sind kleine Rutschautos für Kinder. Diese wurden für das Rennen natürlich ein wenig getunt - jedes Team hat da seine ganz spezielle Vorstellungen, das Letzte aus der Technik herauszuholen - allerdings war die Vorgabe einzuhalten, dass kein Fahrzeug mehr als 40 kg wiegen durfte. Bild Nr. 12 zeigt ein paar dieser Renner.

 

Die Teams kamen aus Leer, Horstmar, Metelen und Schöppingen. Neben den erfahrenen Piloten der vergangenen Jahre kämpften auch neue Fahrer um den Sieg, die ältesten aktiven Rennteilnehmer waren übrigens über 40 Jahre alt. Die Rennställe hatten hier aber im Gegensatz zum Formel 1-Zirkus so phantasievolle Namen wie Tunnelblick, Ritzenflitzer, Töffels, Muppets, Nats hats, Jägermeister oder Engelbert Rangers. Außerdem gingen u.a. die Teams Zöllig und Perick an den Start.

 

Während der Mittagspause wurde ein Kinderrennen durchgeführt. Hier konnten die Kleinen mit ihren eigenen und originellen Fahrzeugen teilnehmen, allerdings starteten sie aus Sicherheitsgründen auf halber Höhe. Natürlich erhielt jedes teilnehmende Kind einen Preis. 

 

Die Zuschauer konnten entlang der gesamten und mit Leitplanken gesicherten Strecke das spannende Rennen verfolgen. Es war sogar eigens in der Zielkurve eine Tribüne aufgebaut. Die Strecke war außerdem von einer Menge Streckenposten gesichert, die alle in direkter Funkverbindung mit dem Orga-Team standen, auch die Feuerwehr war mit von der Partie. 

 

Bild 1 - Während die Autofahrer einen etwas weiteren Fußweg
vom Parkplatz bis zu Jannings Quelle zurücklegen mussten,
konnten die Radfahrer ihre Räder auf eigens eingerichtete
Parkplätze in der Nähe der Quelle abstellen.
 

Bild 2 - Für das leibliche Wohl war auf jeden Fall und
ausreichend gesorgt.
 

Bild 3 - Das Organisationsteam des Schützenvereins Leer-Ostendorf hatte sich am Ziel positioniert und voll den Überblick über das gesamte Geschehen.

 

Bild 4 - Eine kurze Abstimmung des Fahrerlagers ...

Pünktlich um 11 Uhr eröffnete der Bürgermeister Robert Wenking mit seinem Startschuss das Rennen. Rund 2000 Zuschauer drängten sich entlang der Strecke, an der Startrampe, an der Tribüne und am Ziel, um ihre Fahrerinnen und Fahrer anzufeuern.

 

Die Ansage der Kommentatoren war perfekt. Man wurde über alles in einer launigen und lockeren Art genauestens informiert. Es blieb keine Frage offen. Jedes Mal, wenn die Piloten das Ziel erreichten, wurde der Originalsound hochgezüchteter Rennmotoren über die Lautsprecheranlage übertragen. Das war Formel 1-Feeling pur, die Stimmung unter den Anwesenden war hervorragend und schlug sich nieder in spontanen LaOla-Wellen.

 

Der Vereinsvorsitzende des Schützenvereins, Dieter Stehr, sorgte mit mehr als 60 Vereinsmitgliedern für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Sie waren zuständig für den Streckendienst, die Zeitmessung und Auswertung, sorgten als Stopper dafür, dass kein Pilot am Ende des Rennlaufs über die Piste hinausschoss, lieferten die Infos und versorgten die Gäste vorbildlich mit Speisen und Getränken.

 

Norbert Denkler hatte einen Shuttle-Service für den Transport der Piloten und Fahrzeuge zur Startrampe auf den Schöppinger Berg eingerichtet, während die Busfirma Schwartenbeck für den kostenlosen Transport der Besucher zur Startrampe und zurück sorgte.

 

So ganz nebenbei: auch der Eintritt für die gesamte Veranstaltung war frei. 

 

Bild 5 - ... und auf geht's. Transport der Bobbycars, Fahrer

und Zuschauer zur Startrampe auf dem Schöppinger Berg.

(Übrigens, wir hatten ausgezeichnete Fernsicht, einer glaubte

sogar die Zugspitze und den Watzmann in den Alpen zu erkennen!)

Bild 6 - Atemlose Spannung am Ziel. Das gerade über die Piste

jagende Fahrerduo wird angesagt.

Bild 7 - Da kommt auch schon der erste mit deutlichem

Vorsprung in der Zielgeraden angerast. Der 2. fährt gerade

in die letzte Kurve vorm Ziel ein

Bild 8 - Und dann ging es Schlag auf Schlag

Bild 9 - Leider sieht man auf dem Standbild natürlich nicht die

rasante Geschwindigkeit. Die lässt sich nur anhand der hinter

den Bobbycars hängenden Staubwolke erahnen.

Bild 10 - Die nächste Gruppe wird zum Start gebracht.

Bild 11 - Hinter dem Trecker der luxuriöse Mannschaftswagen,

für die Zuschauer hatte ein Busunternehmen extra einen Bus bereitgestellt. Natürlich waren alle Fahrten zum Nulltarif! 

Bild 12 - Geschickt gelöst, die Transporteinrichtung.

Für Technik-Freaks lässt sich dieses Bild durch Anklicken vergrößern!

Bild 13 - Gestartet wurde immer Paarweise. Die Nr. 14 startete hier außerhalb der Wertung. Testlauf?

Bild 14 - Das Besondere an diesem Rennen: die beiden Fahrer

starten immer in der Pole-Position. Die Fahrzeuge werden von den

gut zu erkennenden senkrechten und klappbaren Blechen gehalten.

Noch eine letzte Kontrolle des Equipments, und ...

 

Bild 15 - ... eins, zwei, drei, und LOS! Jetzt gibt es kein

Bremsen und kein Halten mehr.

Es war schon ein Erlebnis, die hochgetunten Bobbycars mit ihren Piloten die Strecke runterbrettern zu sehen.

 

So manchem Zuschauer stockte der Atem, wenn die Ideal-Linie nicht ganz so gelang oder wenn die Leitplanken bedrohlich zu nahe kamen. Es wurden mit den Mini-Rennflitzern immerhin Spitzengeschwindigkeiten bis zu 67 km/h gemessen.

 

Besonders wichtig war daher die persönliche Schutzausrüstung der Aktiven. Gestartet werden musste mit Schutzhelm, Protektoren und Sicherheitshandschuhen. Sehr beliebt waren auch Motorrad-Schutzanzüge.

 

Die schnellste Abfahrtzeit des Tages erreichte in den Zwischenläufen der von vornherein als Favourit gehandelte Dominik Meis mit 54:90 Sekunden. Beim entscheidenden Schlussrennen wurde er allerdings von Tim Viefhues (vom Leerer Team Tunnelblick) geschlagen, der eine Zeit von 55:50 Sekunden einfuhr und damit als Sieger aus dem diesjährigen Turnier hervorging. Dritter wurde Thomas Stetzker. Die Mannschaftswertung gewann das Team Perick vor den Teams Zöllig und Tunnelblick

 

Bild 16 - Ein hartes Kopf an Kopf-Rennen ...

Bild 17 - ausgefeilte Kurventechnik ... 

Bild 18 - hier werden durch ausgezeichnete Körperhaltung und Ideal-Linie die 100stel Sekunden für den persönlichen Streckenrekord wettgemacht.

Bild 19 - Streckenposten entlang der gesamten Strecke sorgten

für die Sicherheit (dieser Schnappschuss gelang während der Mittagspause. Aber auch da waren sie auf dem Posten!)

Bild 20 - Da die Bobbycars weder Bremsen noch einen Rettungsanker oder Bremsfallschirm mitführen, waren diese Strohballen in der Auslaufstrecke hinter dem Ziel unerlässlich. Hier kam noch mal so

richtig Bewegung ins Spiel ...

 

Bild 21 - ... und wem der Adrenalinspiegel nun so richtig

auf die Blase drückte: hier war die Lösung seiner Probleme. 

 

Mit wenig Worten: Die ganze Veranstaltung war hervorragend organisiert!!!

Für 2007, bitte beachten!
Download (PDF): Reglement zum 4. Bobby-Car-Rennen
 

Fazit: Dies war eine äußerst gelungene, spannende, kurzweilige und sehr originelle Veranstaltung, die den Aktiven und den Gästen sichtlich Spaß gemacht hat.

 

Dank der Umsicht der Organisatoren gab es zwar keine größeren Probleme, leider kam es aber dennoch zu einem folgenschweren Unfall. Ein Pilot verunglückte während des Rennens und wie sich später herausstellte, waren die Verletzungen doch schwerer als zunächst angenommen, so dass eine Fahrt zum Krankenhaus erforderlich wurde. Gott sei Dank verhinderte die Schutzkleidung noch Schlimmeres.

Das Wetter spielte ebenfalls mit, wenn sich auch der Himmel im Lauf des Nachmittags bezog. Als der erste Regen einsetzte, war man schon beim Rückblick auf ein wirklich erfolgreiches Event der Spitzenklasse.


Ein ganz herzliches Dankeschön geht an die Organisatoren und Mitwirkenden dieses Mega-Events. Und wir kommen wieder. Versprochen!

 


Text: Willi Tebben

alle Fotos: Willi Tebben


 

Home     Impressum     Statistik