„Pack die Badehose ein!“

 

Schon vor rund 80 Jahren bestand bei den Borghorstern der Wunsch, eine Badeanstalt zu besitzen. Diesem Wunsch und auch der Notwendigkeit verschloss sich die Behörde keineswegs; aber es war ein weiter und schwieriger Weg. Um das gefährliche „wilde Baden" in den Kolken der Aa zu unterbinden, pachtete die Gemeinde Borghorst am 22.5.1927 vom Bauern Austrup an den Ufern der Aa eine Wiese. Umkleideräume auf der Wiese, Baden in der Aa, das war die erste Borghorster Badeanstalt. Wegen der schlechten Wasserverhältnisse der Aa wurde der Vertrag mit dem Bauern Austrup schon nach einigen Jahren gekündigt, und die Badeanstalt wurde geschlossen.

Der Wunsch der Bevölkerung nach einer Badeanstalt verstummte aber nicht. 1934 kam man auf die Idee, das saubere Wasser des Leerbaches zum Baden zu nutzen. In der Nähe der Gastwirtschaft Nünningsmühle pachtete die Gemeinde Borghorst vom Bauern Schulze Nünning ein fünf Morgen großes Grundstück, um dort eine Badeanstalt mit allen notwendigen Nebenanlagen zu errichten. Da die Kosten für diese Anlage mit 23.000 Reichsmark errechnet wurden, was für die Gemeinde viel Geld war, schloss man mit den Firmen der Borghorster Textilindustrie einen Vertrag. Diese verpflichteten sich, der Gemeinde zum Aufbau der Badeanstalt ein Darlehen von 12.000 Reichsmark zu geben. Die Erd- und Plattierungsarbeiten wurden als Notstandsmaßnahme von einem Trupp des Reichsarbeitsdienstes durchgeführt.

Bild 1 - Freibad Nünningsmühle

 

Am 30. Juni 1935 wurde das „Freibad Nünningsmühle" feierlich seiner Bestimmung übergeben.

 

Im ersten Jahr wurden an 78 Badetagen 38.000 Besucher gezählt. Klassenweise ging es morgens von der Schule zum Freibad, denn jeder Schüler sollte schwimmen lernen. Bei gutem Wetter ging es im Laufschritt von der Overbergschule die drei Kilometer zur Badeanstalt.

 

In den ersten Jahren war ein Sprungturm mit Sprungbrettern von fünf, drei und einem Meter vorhanden, aber wegen der zu niedrigen Wassertiefe musste später das Fünf-Meter-Brett abgebaut werden. Auf der weiten Spielwiese war vor allem der Rundlauf begehrt, aber das Fußballspiel kam auch nicht zu kurz. 

 

Im Schwimmbecken vergnügte sich die Jugend mit Wasserball oder spielte auf dem „Kreuz", ein aus zwei dicken Bohlen bestehendes Schwimmgerät. Für die Kleinen gab es ein großes Planschbecken.

Eine lebende Institution war Bademeister Franz Busse, der immer ein wachsames Auge auf den Badebetrieb hatte. An heißen Tagen, wenn Badegäste von weit und fern zum Borghorster Bad kamen, war der Andrang so groß, dass Bernhard Hülsmann als zweiter Bademeister eingesetzt wurde. Für Sauberkeit und Ordnung in den Kabinen sorgte Frau Sonntag. 

 

Die Eintrittspreise: Kinder zahlten 10 Pfennig, auswärtige Kinder 15 Pfennig, Erwachsene das Doppelte. Oft mogelten sich Kinder an der Kasse vorbei, um das Eintrittsgeld dann am Kiosk von „Vatti" Brandt in Süßigkeiten, Lakritz, Pfefferminz oder Waffelbruch umzusetzen.
 

 

Bild 2 - Bademeister Franz Busse

Bild 3 - "Vatti" Brandt

Bild 4 - Bademeister Josef Ruhkemper

 

Auch nach dem Kriege hatte das Freibad Nünningsmühle Anziehungskraft, doch das jährliche Aa-Hochwasser trübte das Badevergnügen und spülte Dreck und Schlamm in die Becken. Die hygienische Wasserqualität ließ zu wünschen übrig. Das marode Bad musste 1962 geschlossen werden.

 

Wenn man heute zu den alten Wasserbecken kommen will, die üppig umwuchert sind, muss man suchen. In den trüben Fluten ziehen Karpfen, Barsche und Weißlinge ihre Bahnen; ein idealer Platz für Angler.

 

1961 beschloss der Borghorster Stadtrat, ein neues Freibad zu errichten. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, den der Architekt Erwin Stechemesser gewann. Im September 1963 wurde mit dem Bau begonnen.

 

Schon am 27 Juni 1964 konnte Bürgermeister Franz Jessing vom Architekten Stechemesser den mit Borghorster Farben blau und weiß geschmückten Schlüssel für das Bad entgegennehmen.

 

1966 wurde das Bad mit einer Wassererwärmungsanlage versehen, so dass man es heute zu den schönsten und modernsten Bädern im Münsterland zählen kann.

 

In den über 30 Jahren seines Bestehens packten viereinhalb Millionen Besucher ihre Badehose aus. Mit dem Neubau des Freibades war es nicht getan. Schon während der Eröffnungsfeier mahnte Bürgermeister Franz Jessing die Borghorster, dass für die kalte Jahreszeit auch ein Hallenbad vonnöten sei. 

 

Ein Förderverein für den Bau des Hallenbades wurde bald gegründet. Der Standort des Bades sollte im Sportzentrum sein, um es mit dem Freibad zu einer Einheit werden zu lassen. Nachdem die Finanzierung gesichert war, konnte im November 1974 mit dem Bau begonnen werden. 

 

Am 19. Dezember 1975 wurde das Hallenbad seiner Bestimmung übergeben. 

 

Seitdem heißt es nun im Sommer und im Winter: „Pack die Badehose ein!"

 

- Alex Wobbe


Bild 5 - Einweihung des neuen Freibades

Bild 6 - Das neue Freibad

 

Bild 7 - Blick ins Hallenbad

 

Heute ist das Hallen- und Freibad in Borghorst ein höchst attraktives, gut ausgestattes und sehr gut angenommenes Kombibad, das allerdings um sein Überleben kämpft.


Fortsetzung folgt

 


Dieser Text von Alex Wobbe wurde aus dem Buch "Borghorst - Ein Portrait in Berichten und Bildern"  übernommen mit freundlicher Genehmigung des Heimatvereins Borghorst. Das Buch wurde 2003 herausgegeben vom Heimatverein Borghorst, hergestellt vom Tecklenborg Verlag, Steinfurt.

Textbearbeitung: Willi Tebben

Fotos: alle Bilder Archiv Heimatverein Borghorst


 

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