Matopos e.V. - Steine aus Simbabwe

 

Skulpturen-Ausstellung afrikanischer Künstler im Kommunikationszentrum der Kreissparkasse Steinfurt vom 02. bis 23. September 2007

 

Seite  1  2  3  4  5  6  7  8  9  10

 

 

Das Material, das die meisten Bildhauer in Simbabwe für ihre Arbeiten nutzen, ist der Serpentin. Es gibt diesen Stein in den unterschiedlichsten Farbnuancen, von schwarz über braun bis zu grau und grün. Besonders der schwarze Serpentin ist hart. Eine Unterart, der noch härtere „Springstone", wird vor allem von erfahrenen Künstlern verarbeitet. Sie lieben diesen Stein zum einen, weil er ihren Werken Dauer verleiht, zum anderen weil sie sich dadurch von den Souvenir-Produzenten absetzen können, die lieber mit weicheren Steinen arbeiten.


Auf die Auswahl ihrer Steine legen die Bildhauer größten Wert. Viele bevorzugen ganz bestimmte Steinbrüche und verbringen etliche Stunden vor Ort bei der Vorauswahl geeigneter Felsblöcke. Bei aller Unterschiedlichkeit der Künstler und der Verschiedenheit ihrer Stile und Anschauungen, eines ist ihnen gemeinsam: der geradezu ehrfürchtige Respekt vor dem noch unbehauenen Stein.

 

Keiner der renommierten Künstler sieht in einem Felsblock lediglich das Material, durch das er seine eigenen Ideen verwirklicht. Und keiner geht mit einem vorgefertigten Plan ans Werk, den es dann nur noch technisch umzusetzen gilt. Die Arbeit mit dem Stein ist vielmehr ein permanenter Dialog. Es ist der Stein, der als erster zu dem Bildhauer „sprechen" muss. Die Vorstellung, dass die Skulptur bereits in dem unbehauenen Block angelegt ist und es die Aufgabe des Künstlers ist, diese Skulptur zu erspüren und dann mit seinen Mitteln aus dem Stein zu befreien, diese Vorstellung ist fast allen simbabwischen Künstlern von Rang gemein.


Viele Künstler fühlen sich nur dann beruhigt, wenn sie viele Steine ansammeln. Monate und sogar Jahre können vergehen, bevor ein besonderer Stein gebraucht wird, denn er muss zuerst in der Intuition des Künstlers verarbeitet werden. Erst wenn ein Dialog zwischen Stein und Künstler besteht, wird der Stein behauen.
 

Serpentin


Man findet ihn häufig in Simbabwe. Viele Künstler haben eine Vorliebe

für den harten, schweren Serpentin, der aus dem Norden Simbabwes stammt. Dieser Stein ist eingehüllt in die äußere „Decke" aus rötlich-

braun oxidiertem Gestein. Andere grüne, rote, violette, orange, braune und graue Serpentin-Arten werden ebenfalls in Simbabwe gefunden, besonders im Osten des Landes.
 

Springstone


Der härteste, reine schwarze Serpentin, der fast immer als Zweitfarbe Braun aufweist. Seine Oberfläche ist oft oxidiert und rostfarben. Dieser Stein wird in Tengenenge und anderen Orten entlang der „Großen Randschwelle" gefunden und ist bei den meisten arrivierten Künstlern

sehr beliebt. Man sagt, daß John Takawira dem Stein diesen Namen gegeben hat, weil er so hart ist, dass der Meißel bei jedem Hammerschlag zurückspringt.

 

Opalit


Ein schöner leuchtend hell- bis mittelgrüner Serpentin, der erst vor wenigen Jahren erstmals bei Chiweshe gefunden wurde. Dieser Stein

ist fein strukturiert mit fast durchscheinender Oberfläche, manchmal

mit roten, orangen und blauen Punkten oder Flecken, daher sein Name. Wegen seiner Festigkeit und Färbung ist er sehr beliebt. Der „Chiweshe Stone" ist eine dunkelgrüne Variante.
 

Lepidolith


Der Lepidolith (sein Name bedeutet Schuppenstein) ist ein relativ weiches Mineral (Härte 2,5 bis 3) von violetter, hellroter, grauer, grünlicher, gelber oder weißer Farbe. Der Lithionglimmer ist von durchscheinender bis durchsichtiger Transparenz und wird in Namibia und Simbabwe abgebaut.
 

Farnstein


Ein helloranger Serpentin mit klaren Abdrücken von versteinertem Farn. Dieser Stein ist sehr selten

Verdit


Ein seltener Halbedelstein von außerordentlicher Schönheit, der nur an zwei Fundorten in der ganzen Welt vorhanden ist. Der grünlich schimmernde Verdit in Simbabwe ist wegen seiner Härte (Härtegrad bis 9) und der schönen Farbvarianten von besonders hoher Qualität. Dieser Stein kommt auch als Rubinverdit vor, der wegen seines Anteils an Korund rötliche Farbschattierungen zeigt.
 

Goldener Verdit


Eine Variante des Verdits, dem der Chrom-Anteil fehlt. Das Ergebnis

ist ein tief goldbrauner Stein, meistens weicher als der grüne oder der Rubin-Verdit und sehr selten zu finden.
 

„Leopard Rock"


Seinen Namen hat er von seinem gelblich-schwarz gepunkteten Muster. Dieser Stein kommt bei Nyanga in den Bergen im Osten des Landes vor.

Bild 121 - "The Herdboy"

von Chemedu Jemali

Chitungwiza / Simbabwe

Springstone / 2002

 

Bild 122 - "Magician"

von Chituwa Jemali

Harare / Simbabwe

Lepidolith / 2003

 

Bild 123 - "Brothers"

von Chemedu Jemali

Chitungwiza / Simbabwe

Springstone / 2006

Bild 124 - "Reluctant Girl"

von Chituwa Jemali

Harare / Simbabwe

Lepidolith / 2003

Bild 125 - "Dancer"

von Marvel Dirau

Chitungwiza / Simbabwe

Serpentin / 2005

 

Bild 126 - "Fortune Teller"

von Salim Jemali

Chitungwiza / Simbabwe

Springstone / 2006

Bild 127 - "Beloved Son"

von Stanley Jimu

Chitungwiza / Simbabwe

Opal / 2005

Bild 128 - "Lonelyness"

von Shaibu Kanyemba

Chitungwiza / Simbabwe

Springstone / 2006

 

Bild 129 - "Florist"

von Factor Ziira

Harare / Simbabwe

Springstone / 2003

 

Zu guter Letzt möchte ich aber auch eine sehr bemerkenswerte Bildhauerin vorstellen. Sowohl ihr Lebenslauf als auch ihre Skulptur haben mich mächtig beeindruckt, und so ist der Abschluss unseres Berichts dieser Künstlerin gewidmet.

 

Bild 130 - Letwin Mugavazi

Letwin Mugavazi,

geb. am 16. Oktober 1972, entstammt einer berühmten Künstler-Familie. Sie ist eine der wenigen simbabwischen Bildhauerinnen, die im mittleren Alter sind und sich in der von Männern dominierten Steinbildhauer-Welt in Simbabwe nicht nur durchsetzen, sondern auch einen internationalen Namen erarbeiten konnten.

 

Ihre künstlerische Karriere begann durch ihre Tätigkeit als Verwalterin der Familien-Galerie Mugavazi in Guruve Dort kam sie tagtäglich mit den Steinen, den Künstlern und den fertigen Skulpturen in Berührung. So blieb es nicht aus. dass sie eines Tages selbst Hammer und Meißel in die Hände nahm und ihre ersten Versuche startete.

 

Als sie ihr kreatives Talent entdeckte, begann sie mit der Bildhauerei. Ihre Lehrer waren Oben Nyamupapira, den sie später heiratete, und Francis Mugavazi, der viele Künstler in Guruve die Bildhauerei lehrte, darunter auch den verstorbenen großartigen Brighton Sango. Sie lehrten sie die Grundtechniken und halfen ihr, ihren ganz persönlichen Stil herauszubilden.


Die Mugavazi-Familie besitzt mehrere Steinbrüche bei Guruve und Mvurwi. Insbesondere ist unter den Bildhauern in Simbabwe die Qualität des Springstone aus ihren Steinbrüchen bekannt. Ein Stein, der sehr hart und schwierig in der Bearbeitung ist und mit dem die Künstlerin die Grundtechniken für die Bildhauerei erlernte.


Der gewohnte Umgang mit diesem Stein spiegelt sich auch in ihren Skulpturen wider. Mit geschulten Augen und einem untrügerischen Gefühl wählt sie persönlich jeden einzelnen Rohstein für ihre Arbeit aus. Sie lässt sich bei der Umsetzung ihrer Ideen von der vorgegebenen Struktur und Größe eines Steins leiten. Die meisten ihrer Arbeiten sind mehr gegenständlich und befassen sich mit dem Status und der gesellschaftlichen Rolle der Frauen in Simbabwe Afrikanische Traditionen und Mythen bezieht sie mit ein.


Letwin Mugavazi hat in den letzten zehn Jahren an zahlreichen Workshops und Ausstellungen mit Richard Mteki und Paul Gwichiri teilgenommen. Arbeiten von ihr sind auch im Chapungu Sculpture Garden in Harare zu sehen.

Im Ausland sind Skulpturen in Deutschland, in den Niederlanden und in den USA ausgestellt. In den Jahren 2003 und 2004 hatte die Künstlerin je vier Einzelausstellungen in Norddeutschland; in NRW und Niedersachsen. Außerdem erhielt sie je einen Preis in der Ausstellung "Women's Exhibition" der African Millennium Foundation im Januar 2004 in Harare und in der Ausstellung „Exhibition of Artist" der AGIO in Juni 2004.

 

Bild 131 - "Posing Lady"

Bild 132 - "Posing Lady"

von Letwin Mugavazi

Chitungwiza / Simbabwe

Springstone / 2004

Bild 133 - "Posing Lady"

Bild 134 - "Posing Lady"

Bild 135 - "Posing Lady"

Bild 136 - "Posing Lady"

Bild 137 - "Posing Lady"

Das eine oder andere Bild wird zwangsläufig noch folgen, wenn ich entweder noch welche nachgeliefert bekomme oder beim Abbau der Ausstellung noch einige fotografieren kann, die ich bisher wegen ungünstiger Lichtverhältnisse nicht auf die Speicherkarte bannen konnte.

Bis es aber so weit ist, ist für uns dieser Bericht erst mal zu

Ende

 

Seite  1  2  3  4  5  6  7  8  9  10

 


Text: Matopos e.V. - Manfred Vallbracht

Text: Willi Tebben

Fotos: Willi Tebben (Bild 121 - 129, 131 - 137); Matopos e.V. (Bild 130)


 

Home     Impressum     Statistik