Sophia Altklug

oder
 

Die Spieldose - Wenn die Clownin Trauer trägt

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Einmal mehr rückte unser Kino in Steinfurt als Veranstaltungsort in dem Mittelpunkt des Geschehens. Ein erneuter Höhepunkt in der bewegten Geschichte unseres Filmtheaters hatte bereits im Vorfeld durch die zahlreichen Veröffentlichungen in der Tagespresse von sich reden gemacht, und nun war es endlich so weit - eine Premiere für Steinfurt und unser Lichtspielhaus: Das Ein-Personen-Stück "Die Spieldose - Wenn die Clownin Trauer trägt", Hauptdarstellerin Sophia Altklug (dargestellt von Dr. Kristin Kunze). Initiatorin dieser Vorstellung war die Hospiz Initiative Steinfurt e.V. in Zusammenarbeit mit dem Kino in Steinfurt

Als ich das erste Mal von diesem Programm hörte, war natürlich mein Interesse sofort geweckt. Ich informierte mich umgehend im Internet über das "Clowneske Theater für Erwachsene" mit Sophia Altklug, und was ich da so fand, steigerte bei mir das Gefühl: "Da musst du unbedingt hin!"

Dennoch, als ich mich am 17. April 2007 auf den Weg ins Kino machte, beschäftigten mich durchaus gemischte Gefühle. Mit der Trauerbewältigung an sich hatte ich von je her so meine Probleme, um nicht zu sagen, es tendierte fast zum Tabu-Thema. Ist nicht richtig, ich weiß es, aber wer kann denn schon aus seiner Haut? Und dann gehe ich zu einer Vorstellung, wo eine Clownin sich mit diesem Thema auseinandersetzt! Clowns verband ich bisher mit Spaß und Lebensfreude, und Trauer ist etwas sehr Trauriges und meistens auch Endgültiges. Wie passt das zusammen? Wie stellt man so was dar? Also für die Hauptdarstellerin mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen!

Ich glaube, ähnliche Gedanken bewegten eine ganze Reihe der vielen Zuschauer, die an diesem Abend ins Lichtspieltheater kamen, zumindest kam das bei den Diskussionen vor dem Beginn der Veranstaltung deutlich zum Ausdruck. - Anm. d. Autors

Nehmen wir es an dieser Stelle schon mal vorweg: es sollte für alle eine Riesenüberraschung werden.

 

Bild 1 -

Dort, wo sonst während der Filmvorführungen die bewegten Bilder von der Leinwand flimmern, blieb an diesem Abend der Vorhang geschlossen. Das Kino-Team hatte eine kleine Bühne im vorderen Bereich des großen Filmsaals aufgebaut. Bunte Vorhänge, ein Stuhl, etliche Utensilien, ein Bild und eine Blume am Vorhang vervollständigten das Bühnenbild und schafften eine Dachbodenatmosphäre.

Die auf dem Foto sichtbaren ersten zwei nicht besetzten Sitzreihen kennzeichnen jedoch nicht ein mangelndes Interesse der Besucher, sondern bei Theaterstücken versucht man diese beiden Reihen erst als letztes zu besetzen. Der Abstand zur Bühne ist sonst relativ gering und ein Opernglas braucht man hier auch in der letzten Reihe nicht!

Bild 2 - Josefa Sibler, die Vorsitzende der Hospiz Initiative Steinfurt e.V. begrüßte die sehr zahlreich erschienenen und hochinteressierten Besucher und berichtete über die Hintergründe zu dieser Veranstaltung.

Bild 3 - Die Licht- und Tontechnikerin stellte nach ihrer Begrüßungsrede den Ablauf und die Technik des Ein-Personen-Stückes vor.

Dann wurde es stockdunkel im Saal, eine leise Musik ertönte - "Niemals geht man so ganz ..." - und man hörte ein leises Geräusch von der Bühne.

"Wo ist denn eigentlich noch der Lichtschalter?" Sophia Altklug war wohl schon sehr lange nicht mehr hier gewesen und hatte nun erst mal Mühe, sich zu orientieren.

Als das Licht anging, stand die Clownin allein auf dem Dachboden. Man konnte deutlich ihre Wiedersehensfreude an all den Dingen erkennen, die hier schon seit Ewigkeiten herumlagen und bei ihr doch so viele Erinnerungen an längst vergangene Zeiten weckten. Eigentlich suchte sie doch ihre Spieldose.

Beim Durchsuchen des Dachbodens durchlebt sie ihre eigene Vergangenheit - die Kindheit, Erinnerungen an ihre längst verstorbene Mutter. Sie trifft Märchenfiguren, die als Sinnbilder verschiedene Stationen ihres Lebens beschreiben wie z.B. Dornröschen (eine dichte Dornenhecke verhindert, dass jemand an sie herankommt), Schneewittchen (eiskalt, beinahe schon selbst tot) und Aschenputtel (die Tag und Nacht arbeitet und dadurch verhindert, dass sie zum Nachdenken kommt und somit einfach keine Gefühle zulässt).

 

Bild 4 - Erinnerungen kommen hoch

Bild 5 - Aschenputtel - kaum sinkt sie erschöpft auf ihren Stuhl nieder, springt sie schon wieder auf und geht an ihre Arbeit

Bild 6 - Auch die "Prinzessin auf der Erbse" ist präsent.

Sehr feinfühlig - die Erbse fand sich später unter dem Stuhl.

Bild 7 - Angst vorm "bösen Wolf", der alles verschlingt.

Bild 8 - "Zorro" war auch da.

Bild 9 - Der "Wackel-Dackel" - der ewige Ja-Sager und ...

Bild 10 - ... mit allen Einverstandene. Wenn dieser Typ früher mehr

in den Hintergrund getreten wäre, wer weiß, vielleicht wäre das

Leben anders verlaufen. Jetzt und hier konnte er sich aber mal

was anhören, was ihm damals wohl nicht sonderlich gefallen hätte.

Bild 11 - Auf diesem "Schifferklavier" hat die Mutter früher immer

so wunderschön gespielt. Wie hat sie das nur hinbekommen? ...

Bild 12 - ... Da sind doch so viele Tasten kaputt!

Bei ihr hat man das aber nie bemerkt!

Bild 13 - Kindheitserinnerungen wurden wach - der "Struwwelpeter" ...

Bild 14 - und der Daumenlutscher. Ermahnungen, Vorhaltungen,

alles längst Vergangenheit

Bild 15 - Die Bekleidung wurde von der Mutter aus alten Stücken

genäht. Hier eine Demonstration dieser Arbeit mit der

obligatorischen Zigarette im Mundwinkel

Bild 16 - Und da ist sie endlich - die Spieldose!

 

Es geht noch weiter! Bitte klicken Sie hier - zur Seite 2 unseres Berichts.

 

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Text: Willi Tebben

Fotos: Willi Tebben


 

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