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Das Steinfurter Bagno - ein Projekt im
Lichte der Aufklärung
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Vortrag von Rainer Wiese am 21.
Oktober 2010 anlässlich der Ausstellung zum 225.
Stiftungs-Jahrestag der Freimaurerloge „Ludwig zum
Flammenen Stern“
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Sehr geehrte Damen
und Herren,
meinen Vortrag halte ich anlässlich der Ausstellung zum 225.
Stiftungs-Jahrestag der Freimaurerloge „Ludwig zum Flammenen
Stern“, welche Sie sicherlich im Foyér bereits in Augenschein
genommen haben. - Die Loge wurde am 22. November 1785 von
mindestens 7 Meistermaurern gegründet wie es die alten Bräuche
bis heute vorschreiben. Eine Einzelperson kann keine Loge
gründen, auch wenn immer wieder betont wird, daß die Gründung
auf den im Dienste des Grafen Paul Ernst von Bentheim Steinfurt
stehenden Hofcavalier und Premier-Leutnant August Siegfried von
Goué zurückgeht. Gué scharte nur eine ganze Anzahl von
Burgsteinfurter Bürgern und Hofbedienstete um sich, um die
Freimaurerloge zu gründen.
Die Brüder wählten ihn dann zu ihrem ersten Meister vom Stuhl.
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– Für diejenigen, welchen noch nicht ganz klar ist was
Freimaurerei ist, zunächst eine kleine zusammenfassende
Beschreibung. –
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Die Freimaurerei wie
sie heute besteht, begann mit der Gründung der ersten Großloge
in London am Johanisfest 1717 als sich 4 Londoner Logen im
Gasthaus „zur Gans und zum Bratrost“ trafen und beschlossen,
sich im neuen Logenhaus „Königswappen“ zu St. Pauls-Cathredal
regelmäßig zu versammeln.
Das hört sich ganz nach einer Vereinsversammlung an wie sie auch
bis heute noch üblich sind. – Und so ist es: Freimaurerlogen
sind Vereine in der Tradition der mittelalterlichen
Bauhandwerker-Gilden und natürlich viel älteren Ursprungs. In
den Handwerksbruderschaften des späten Mittelalters und der
Renaissance finden sich erste historische Bezüge zur
Freimaurerei und deren Brauchtum. Bereits im Jahre 926 wurden
die Zünfte der Bauhandwerker in England von König Athelstan
zusammengerufen und gründeten eine Art Großloge dem der Bruder
des Königs vorstand. Die Löhne wurden noch vom Bauauftragsgeber
bestimmt. Unter der Regierung und Protektion König Jakobs V.
(1513-1542) verbanden sich schottische Steinmetzbruderschaften
mit italienischen Korporationen welche ihren Ursprung in den
Römischen Kollegien hatten. In den Zünften bildeten sich
ausgesprochen exclusive Zirkel. Sie regelten die Organisation
des Handwerks, seine Gerichtsbarkeit, die Verhaltensethik und
die Bauvorschriften welche sie in Versformen festlegten und
weitergaben. Im England des 14. und 15. Jahrhunderts befreiten
sie sich vom Lohndiktat der Obrigkeit und waren sodann freie
Maurer, - die „Freemasons“ welche von Baustelle zu Baustelle
reisen konnten ohne ihren Herren um Erlaubnis bitten zu müssen.
Die „Lodges“ welchen sie zugehörten waren Handwerkskammer,
Krankenkasse, Berufsgenossenschaft und Rentenanstalt
gleichzeitig, um es mit heutigen Begriffen zu umschreiben. Die
heutige gängige Meinung ist die, dass die Freimaurerei aus
mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften entstand und ein Kind
der Aufklärung sei. Eindeutig beeinflusste aber die Freimaurerei
die Werte der Aufklärung und des Humanismus und nicht umgekehrt,
da die für diese Zeit bedeutsamen Persönlichkeiten auch
gleichzeitig Freimaurer waren. Die Freimaurerei war wiederum aus
uralten Mysterienbünden entstanden und hat
gnostisch-kabbalistische Wurzeln welche bis weit vor den
Pyramidenbau verfolgt werden können.
Ihren berufsständischen Zweck hatten die Zunftlogen der
Werkmaurer aber bereits lange vor 1717 verloren, da die großen
Bautätigkeiten im England des 18. Jahrhunderts nach dem großen
Brand von London stark nachließen und sich unter dem Schutz der
Geheimhaltung in den Logen Männer aus Adel und Intelligenz
zusammenfanden um an einem anderen Bauprojekt zu arbeiten: Es
war rein geistiger und ideeller Natur.
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Unter dem Eindruck
der schlimmen Religionskriege, der Trennung Londons von der
römischen Kirche und mit der Errichtung der englischen
Staatskirche und unter dem Eindruck der vielen Toten des
30jährigen und anderer Kriege in Europa, schwor man sich
gegenseitig alles zu tun, damit solches sich nicht wiederholen
sollte.
Die Handwerkergilden waren früh römisch-katholisch orientiert,
wobei die Straßburger Steinmetzordnung von 1563, verfasst nach
der Reformation, im religiösen Bereich alles vorher spezifisch
katholische fortließ und damit den beiden Konfessionen
Gleichberechtigung zuerkannte. Natürlich wollte man es sich bei
evtl. Bauaufträgen mit niemandem verderben, wodurch diese
Entscheidung verständlicherweise auch zweckorientiert getroffen
wurde.
Solche Zufälle und Absonderlichkeiten bestimmen aber immer
wieder den Lauf der Geschichte. In gewissem Grade wurde damit
die Forderung der Aufklärungsbewegung vorweg genommen, wonach
jedem Bürger sein persönliches Glaubensbekenntnis frei von
Dogmen zuerkannt werden sollte. Dieses Religionsverständnis ist
von der frühen spekulativen Freimaurerei übernommen worden. In
der Formulierung der „Alten Pflichten“, welche der
Freimaurerbruder und presbytarianische Geistliche James Anderson
für die Großloge vefaßte heißt es dazu:
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In den Logen möge
„brüderliche Freundschaft herrschen“ und … (es folgt der
Originaltext aus den Alten Pflichten.) … und

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Das ist bis heute Sinn und Zweck, gleichzeitig aber auch
ständiges Ziel und Bemühung jeden Einzelnen in der Freimaurerei;
denn wir wissen, dass wir Menschen sind und nicht alle immer
miteinander auskommen können. Keiner ist ohne Fehl und Tadel.
Freimaurerei ist eine selbstgestellte Aufgabe für jeden neuen
Tag, die man mit Mühe auf sich nimmt. Wir nennen das „die Arbeit
am rauhen Stein“.
Diese Arbeit erfordert von uns ein Ziel, eine bessere Welt ,
oder auch eine Utopie auf die wir zielgerichtet hinarbeiten. Es
ist dieses der vor Begeisterung „flammende Stern“ der uns als
Orientierungs- und Leitstern dient. Die Brüder der neuen Loge
„Ludwig zum Flammenden Stern“ hatten 1785 eine solche neue Idee
und sie widmeten ihren Logennamen daher ihrem Dienstherrn und
Souverän der mit ihnen diese Begeisterung teilte und selbst
unterstützte. Graf Ludwig war selber Protektor der Loge. Heute
würde man das wohl Schirmherrschaft nennen.
Was waren das für Ideen und in welchem geistigen Umfeld konnten
sie sich entwickeln?
Vergegenwärtigen wir uns daher einmal die Zeit und Ereignisse um
1765 welche als der Beginn der Planungs- und Bautätigkeiten für
den Burgsteinfurter Bagno gilt.
Damals litt Deutschland noch immer unter den Folgen und
Nachwirkungen des 30-jährigen Krieges. Der Westfälische Friede
war erst 1648 geschlossen worden und der Siebenjährige Krieg
(1763) lag gerade 2 Jahre zurück. Immer wieder hatten
durchziehende Truppen und schwadronierende Banden Burgsteinfurt
arg zugesetzt und man war mit dem Wiederaufbau beschäftigt es
gab rege Bautätigkeiten und die Stadt war eine selbstbewusste
protestantische unabhängige Stadt. Gelegentlich gab es deswegen
allerdings Querelen mit dem Bischof in Münster. Der
französisch-stämmige Amerikaner Jaques Barzún meinte damals
allerdings zum Gesamtzustande Deutschlands: Zitat: “Die Deutschen
seien ein Volk ohne Land, … langweilige, geduldige, wehrlose
Arbeitssklaven, die Köpfe voller abstruser Träume und düsterer
Philosophien und ihre Kunst, ihre Sprache und Sitten waren
rückständig und grob.“ Zitat Ende
Zur gleichen Zeit befand sich Europa immer noch in der Zeit
eines geistigen Umbruchs. In Frankreich bezeichnete man diese
Zeit als das „Siécle des lumiérs“. Die Epoche der Erleuchtung
und des Lichts. Diese Bewegung räumte der Vernunft die Priorität
vor der Tradition und der äußeren Autorität ein. Man
beschäftigte sich vorurteilslos mit den Naturwissenschaften und
im Bereich des Rechtes wurde die Gleichheit betont.
Es ging bei der Idee der Aufklärung und der Menschenrechte nicht
- wie im Christentum und den anderen antiken Religionen - um
Barmherzigkeit, sondern um etwas viel wichtigeres, nämlich
darum, die Menschen von der Barmherzigkeit der anderen durch
eine Ethik der Freiheit und Gleichheit unabhängig zu machen.
Die Aufklärung orientierte sich an den naturwissenschaftlichen
Bemühungen jener Epoche, der Physik und Astronomie Galilei´s
(1564-1642) und Newton´s (1642-1727). Forscher wie Descartes
(1596-1650), Locke (1632-1704), Leibniz (1646-1716), später
Berkley (1685-1735) und Hume (1711-1776) wurden zu Wegbereitern
eines neuen aufgeklärten Geistes einer wissenschaftlichen
Vernunft. So hatte sich der Mensch im Zuge der Aufklärung
mühselig vom Objekt der Natur zum selbstbestimmten Subjekt
hochgearbeitet.
Der Spätaufklärer Emanuel Kant bezeichnet diese Epoche als den
„Ausgang des Menschen aus einer selbstverschuldeten
Unmündigkeit“ und postulierte in seiner Schrift über die
menschliche Vernunft seinen berühmten Imperativ: „Handle nur
nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst,
dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Auch in Burgsteinfurt widmete man sich wissenschaftlichen
Themen. Man vermittelte in der „Hohen Schule“ neben Theologie
auch klassische Bildung und auf ihrem Turm und der Plattform des
Schlosses beobachte man den Gang der Gestirne unter
wissenschaftlichen Aspekten. In Burgsteinfurt herrschte der
Calvinismus vor und der grenzte sich einerseits scharf vom
Luthertum ab und stand andererseits in Konfrontation zur
jesuitischen Theologie der Gegenreformation. Graf Arnold IV.
musste sein Territorium gegen die Vereinnahmung durch die
katholischen Hochstifte und Fürstbistümer Münster und Osnabrück
absichern um die Durchsetzung des reformierten Bekenntnisses
calvinistischer Prägung zu sichern. Es war eine hochbrisante
Zeit. Eröffnete aber auch neue Wege des Denkens und der Politik.
1769 erfindet James Watt die Dampfmaschine und in Paris ließen
am 4. Juni 1783 die Gebrüder Jacques und Joseph Montgolfier auf
dem Marktplatz des kleinen Städtchens Annonay im Süden
Frankreichs ein Gebilde aus Papier und Stoff zwischen zwei hohen
Holzmasten aufbauen und man erlebte um 12 Uhr Mittags den
Aufstieg des ersten Heißluftballons.
Nicht einmal 4 Jahre
später, am 3. April 1785 schritt ein Diener des gräflichen Hofes
mit feierlicher Mine auf eine mit Masken und Symbolen bemalte
etwa 7 Meter hohe Ballonhülle aus Papier zu und entzündete das
unter der Konstruktion auf einem Drahtgestell befestigte
Holzfeuer. Ein Professor der Hohen Schule erläuterte den in
Scharen herbeigeeilten Zuschauern die wissenschaftliche
Erkenntnis, daß heiße Luft leichter sei als kalte und sich in
wenigen Augenblicken der Ballon durch den Druck der kälteren
Luft von unten in die Lüfte erheben werde wie eine Luftblase in
einem Aquarium.
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Das geschah dann auch unter den erstaunten Rufen
der Zuschauer. –
Der Ballon entschwand den Blicken der Burgsteinfurtern und
entschwebte in Richtung Münster Die Konstruktion kühlte ab und
setzte zur Landung an. In Altenberge kam plötzlich ein
schwarz-qualmendes Monster angeflogen.
Da kann man gut verstehen, dass der Pfarrer mit Weihwasser auf
dem Acker stand und ausrief: „De Flinten drut, de Flinten drut.
De Dübel kümp, de Dübel kümp.“ Und was kurz zuvor noch als ein
Licht der Aufklärung aufgestiegen war, wurde hier wieder mit dem
finstersten Aberglauben des Mittelaters empfangen.
Betrachtet man den Prozess der Aufklärung in seinem weiteren
Verlauf, so muss man feststellen, daß er keineswegs nur von
bürgerlichen Kräften getragen wurde. Von einer homogenen
bürgerlichen Gesellschaft konnte man ohnehin nicht sprechen,
eher von einer Vielzahl individueller Interessen.
Das änderte sich erst in England mit der Schaffung des
Unterhauses Mitte des 17. Jahrhunderts. In Frankreich mit der
Schaffung der Nationalversammlung 1789. Und in Deutschland wurde
der feudale Ständestaat erst nach der Revolution 1848 langsam
abgeschafft. Die gebildeten Schichten waren nach wie vor auf das
Wohlwollen ihres Souveräns angewiesen. Die Hoffnungen auf
staatliche und gesellschaftliche Reformen waren nur zu
verwirklichen, durch eine Einbindung von Grafen und Fürsten und
deren Beamte in den Fortschrittsprozess der aufklärerischen
Ideen. |
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Durch
das Verbot des Jesuitenordens (1773) durch Papst Ganganelli, dem
Papst Clemens dem 14. schuf sich der absulutistische, aber auch
aufklärerische Staat jedoch ein Widerstandspotential, das durch
die gesellschaftliche Zurückdrängung des niederen Adels und der
ständischen Vertretungskörperschaften vermehrt wurde. Im sonst
kirchenkritischen Pfaffenspiegel heißt es: „Clemens XIV. war
unter 200 Päpsten der beste. (...) Von seiner päpstlichen Gewalt
machte er, wo er konnte, den wohltätigsten Gebrauch, und seine
Menschenfreundlichkeit und Mildtätigkeit waren unbegrenzt.“
Währen seines Pontifikats wurde die irrige Annahme zurück
genommen, die „Juden seien Schuld am Tod unseres Herrn Jesus
Christus.“ Auf diesem Hintergrund fanden die freimaurerischen
Ideale fruchtbaren Boden und eine Reihe von Bewunderer auch im
Deutschen Adel.
Burgsteinfurt hatte ein solches Glück. Der Graf Carl Paul Ernst
von Bentheim-Steinfurt war, wie Dr. A. Benkert in seiner Schrift
v. 1913 erwähnt
“...ein in Sprachen, Literatur, Naturwissenschaften und Musik
vielseitig gebildeter Herr, der an dem Umgang mit geistreichen
Männern stets besonderes Wohlgefallen fand...“
Der Graf
stand mit einem Bein noch in der Vergangenheit, begeisterte sich
jedoch auch für die neuen Ideale und Wissenschaften, was sich in
günstiger Weise mit seiner Vorliebe für die Gartenkunst- und
Gestaltung verband. Zugleich lag ihm besonders das
„Wohlergehen seiner Untertanen am Herzen“ und wurde daher
entsprechend von der Bevölkerung geachtet.
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Der Graf wurde am 30.
August 1729 in Burgsteinfurt geboren, als Sohn des regierenden
Grafen Friedrich und seiner Gemahlin Franziska Charlotte, einer
Gräfin zur Lippe. Er genoss unter der vormundschaftlichen
Regierung seines Oheims eine ausgezeichnete Erziehung. In
Begleitung seines Hofmeisters Johann Christoph Buch unternahm er
längere Reisen zur Vervollkommnung seiner französischen
Sprachkenntnisse und trat 1750 die Regierungsgeschäfte mit
kaiserlicher Genehmigung an.
Während des 7-jährigen Krieges lebte Graf Karl in Paris wo er
mit der Freimaurerei Bekanntschaft machte. Er traf Voltaire und
war sein eifrigster Verehrer. Während dieser Zeit hielt sich
auch Benjamin Franklin in Paris auf, der von 1779-1782
Stuhlmeister der Freimaurerloge Neuf Sœurs. war. Außerdem machte
unser Graf in dieser Zeit Bekanntschaft mit vielen anderen
geistreichen Männern z.B. Diderot und d'Alembert und bildete
sich in Musik, Sprachen, Literatur und Naturwissenschaften.
„Auf seinen Reisen sammelte der Graf unermüdlich wertvolle
Bücher, Inkunabeln*), Handschriften, Musikalien, Bilder, Münzen,
Mineralien und allerlei Raritäten aus dem Tier- und
Pflanzenreiche für sein geliebtes Kunsthaus oder Museum“ wie
Döhman in seinen Schriften 1907 beschrieb.
Auf diesem Wege gelangte auch der Stoßzahn eines Narwales in
seinen Besitz, wie er heute noch im Heimatmuseum zu besichtigen
ist. Die gräfliche Raritätensammlung darf man aber durchaus
schon als eine frühe wissenschaftlich Sammlung bezeichnen.
Neben astronomischen Instrumenten und allerlei Reiseandenken des
Grafen soll sich dort auch eine ägyptische Mumie befunden haben.
Man sieht, mit dieser Sammlung und den Attraktionen im Bagno
sollte der Bevölkerung nahe gebracht werden, daß es noch mehr
auf der Welt gab als Küche, Kirche und Kühe.
*)
Inkunabeln oder Wiegendrucke sind Drucke, die in der Zeit
zwischen der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg
um 1450 und dem 31.12.1500 fertig gestellt worden sind, also
Drucke aus der "Wiegenzeit" des Buchdrucks. Sie zeichnen sich
dadurch aus, dass sie noch sehr stark am graphischen Vorbild der
Handschrift orientiert sind.
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Anfang des 17. Jahrhunderts existierte nur ein relativ kleiner
sog. "gräflicher Lustgarten" (Barockgarten) in der Nähe des
Schlosses. Das ca. 600 ha große Waldgebiet Sundern (mit "Buchen
und Eichen"), das spätere "Bagno" war noch fast unberührt und
wies nur wenige Wege auf.
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In einer Verfügung
vom 19.09.1765 ernannte der Graf den Kanzleirat Funck und den
Kammerrat Schulz zu seinen Kommissaren die er zusammen mit dem
von ihm ernannten Baudirektor Jost van Loen mit der Erstellung
eines Sommersitzes im Sundern beauftragte. Nach drei Jahren
gründlicher Planung wurde als erstes das Corps de Logis
errichtet welches nach dem Vorbild von Schloss Clemenswerth
entstehen sollte. Die dortige Anlage war 8-strahlig mit
entsprechenden Pavillons die die Machtbereiche des Kurfürsten
Clemens August von Köln repräsentieren sollten.
Die Aussenbesitzungen
des Grafen Carls waren 4 - Batenburg, Ravenshorst, Alpen und
Hawickerwert, entsprechend den vier Pavillons, die Jost van Loen
bauen sollte.
Das Jahr 1765 muss als das Jahr des planerischen Baubeginns im
Bagno angesehen werden. Ab 1770 bemerkt man eine rege
Bautätigkeit. Nach 2 Jahren Bauzeit übergibt der Graf die
Geschäfte an seinen Sohn Ludwig und starb am 30. Juni 1780.
Ihm folgte sein geistvoller Sohn Gelderikus Wilhelmus Ludowikus
Ernestus. Er war hochgebildet, ... beseelt von den
vielseitigsten geistigen Interessen ... und zugleich ... ein
peinlich genauer, ordnungsliebender Haushalter. |
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An diesem Punkt tritt unser Logeninitiator Siegfried August von
Gué auf den Plan. Denn gegen Mitte Mai 1780 trat er seine Stelle
beim damals regierenden Grafen Carl Paul Ernst in Burgsteinfurt
an.
Daher ein kurzer Exkurs:
August Siegfried von Goué wurde am 2.August 1742 in geboren.
Als Kandidat der Jurisprudenz wurde er 1764 in Braunschweigische
Dienste übernommen, von 1765-1767 in Wolfenbüttel als
Hofgerichtsassessor beschäftigt und dann bis Juli 1772 dem
Gesandten Johann Jacob von Höfler als Legationssekretär bei der
Kammergerichts - Visitation in Wetzlar beigeordnet. Persönliche
Differenzen beendeten diese Tätigkeit.
Goué war nach den Worten (Br.) Goethes “eine derbe, breite,
hannöverische Figur. Seine nachlässige Haltung war die Folge
eines im Duell erhaltenen Stiches in die Seite. Er hatte
wohlgebildete Züge, und man traute ihm große Gutmütigkeit zu.“
Goethe hat Goué im 12. Buch von Dichtung und Wahrheit
charakterisiert.
1771 ging Goué mit einer 6 Jahre älteren Dame, Sophie Elisabeth
Deneken, eine Verstandesehe ein, da sie mit ihrem bedeutenden
Vermögen in der Lage war, ihn und den hochbetagten Vater in
Braunschweig mit 5000 Talern Brautschatz sorgenfrei zu
unterhalten. Die Ehe wurde geschieden und Goué, machte als
Anwalt geschäftliche Reisen über Cassel, Frankfurt, Straßburg,
Rastatt, Basel, Regensburg, Wien bis nach Preßburg und
Kopenhagen und verlegte seinen Wohnsitz nach Salzgitter, in die
Nähe seines zahlungsfähigsten Klienten Fritsch, der mit dem
herzoglich braunschweigischen Gesamthause einen langwierigen
Prozess führte, bei dem der (Br.) von Bostell als Anwalt tätig
war.
In dieser Zeit widmete er sich der Schriftstellerei und Dichtung
und war für verschiedene Blätter journalistisch tätig. In
Wetzlar gab er eine eigene Freimaurerzeitung heraus. Die
damalige Zeit hatte etwas dekadentes. Die Macht der Grafen und
Fürsten bestand zwar noch, genoss aber nicht mehr ihre
Absolutheit und den Respekt. Dadurch war es ein Spaß, sich
selber Titel und Ehrenbezeichnungen einzuverleiben und damit zu
kokettieren.
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Nachdem Goué seinen Dienst verloren hatte und unter dem
Eindrucke des von ihm gegründeten „Orden des Übergangs“ habe er
„in einem Hildesheimischen Dorfe, wo er sonst Nichts zu thun
gefunden, allen Bauern Tittuln gegeben, den einen zum
Consistorial-Rath, den andern zum Finanz-Minister oder zum
Oberküchenmeister gemacht und den Postmeister zum Ritter
geschlagen.“
In Wetzlar darselbst wurde er schon 1768 in der Loge JOSEPH ZU
DEN DREI HELMEN zum Freimaurer aufgenommen. Wir kennen aus dem
Jahre 1769 eine Wetzlarer Logenrede, welche dem Br. Goué
zugeschrieben wird. Seine Rede war so gut ausgefallen, dass sie
an alle befreundeten Logen im Reiche verschickt und auch dem
Heermeister Br. von Hund zugestellt wurde. Dieser schlug ihn
1770 zur Aufnahme in das Kapitel des Templerordens vor.
Er hieß seitdem Eques a cochlea argentea, d.h. der Ritter von
der silbernen Schnecke. Diesen Ordensnamen ersann sich Goué
selbst nach einem in seinem Besitz befindlichen Trinkgefäß aus
dem Gehäuse eines urzeitlichen Nautilus, welche man (heute
jedoch ohne Standfuß) im Heimatmuseum in Burgsteinfurt
betrachten kann. Aus dem Perlmutt der Gehäuse wurden in Wetzlar
(und auch in Burgsteinfurt) Knöpfe angefertigt. Seine besonderen
Reime nannte er Knopfmachergedichte. Knopfmachen war die Kunst
„Verbindungen zu knüpfen zu Damen der Gesellschaft“, kurz und
gut um sie zu erobern. Seine Freunde bekannten sich mitsamt alle
zur Knopfmacherzunft.
Goué war nach seinen ausführlichen Reisen völlig mittellos.
Bruder Friedrich von Bostell schrieb ihm 1778 ein
Empfehlungsschreiben an den Grafen von Bentheim Steinfurt und
empfahl Goué als "Genie" für eine Arbeit am Hofe des Grafen Carl
Paul Ernst.
Zitat: ... Er (Goué) versteht und
spricht die französische Sprache sehr gut, und spielt auch schön
auf dem Clavier. Zitat Ende
Die zusagende Antwort des Grafen traf im November 1778 ein. Goué
schrieb aus Salzgitter am 12. Dezember an den Grafen in
französisch, wie auch der Graf den Schriftverkehr in französich
führte. Am 28.Dezember 1778 setzte der Graf in seinem
Antwortschreiben die Bedingungen für die Anstellung fest. So
hatte nun Goué einen Unterschlupf am "brillanten Hofe" zu
Steinfurt gefunden.
Es dauerte allerdings fast 2 Jahre bis Goué die Stelle am Hofe
antreten konnte, da er laut v. Bostell einen wichtigen Prozeß
noch führen mußte und immer wieder Gründe für seinen verzögerten
Dienstantritt erfand. Die wahren Gründe waren allerdings
ständige Geldnot ob seines opulenten Lebenswandels. Einmal
entschuldigte er sich damit, daß ihn ein Hühnerauge plagte.
(Mit ärztlichem Attest von Dr. Johann Christoph Sommer, Hofrath
und Prof. der Wundarzneykunst bezeugt.) In diese Zeit fiel
auch Goué’s Aktivität in der sog. Aachener Freimaurerverfolgung.
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Goué siedelte dann
Mitte Mai 1780 nach Burgsteinfurt über. Er trat seine Stelle als
"Cavalier et Premier Lieutnant am Hofe des Grafen von
Bentheim-Steinfurt an.
Bei allen
Festlichkeiten und Veranstaltungen hatte der "Hofkavalier" zu
repräsentieren und spielte eine Hauptrolle. Nach dieser Seite
hin hatte Goué in Wetzlar eine gute Schule durchgemacht.
Er, der ja auch
"schön auf dem Clavier spielte", war in der
Gelegenheitsdichtung wohlbewandert und trat auch als Mitspieler
im Liebhabertheater auf.
Als Premier Lieutenant unterstand ihm die 50 Mann starke
Grenadierswache "große, stattliche Leute in rother Montur mit
gewaltigen Bären-Hauben auf die gravitätisch getragenen Häupte,
in weißen Beinkleidern, mit schwarzen Gamaschen bis übers Knie".
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Diese Garde hatte auch außer für die Ordnung bei den
Bagno-Festlichkeiten, auch die Ordnung und Führung im Parke zu
besorgen, oder sie hatte einen gräflichen Leichenkondukt zur
Großen Kirche zu geleiten, die halbe Kompanie mit geschultertem
Gewehr voraus, die andere der Staats-Kutsche folgend. Ebenfalls
in seiner militärischen Eigenschaft sehen wir dann Goué des
öfteren hervortreten bei Taufen als "Gevatter" und Trauungen.
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Um die Mitte des 18. Jahrhunderts haben drei große
Freimaurerverfolgungen nicht bloß die Loge in Burgsteinfurt,
sondern auch die übrige Welt in Aufregung versetzt. Es waren
1763 die Vorgänge in Danzig, 1775 bis 1778 in Neapel und 1779
bis 1780 in Aachen. Es waren die großen Auseinandersetzungen vor
Allem mit dem katholischen Klerus, - ein notwendiges Ringen um
Geistes- und Religionsfreiheit.
Friedrich der Große war als Freimaurer der große Förderer und
unter seiner Protektion kamen die Ideale von Glaubensfreiheit,
Toleranz und Brüderlichkeit zu großer Verbreitung.
Er soll an den Aachener Magistrat ein längeres Schreiben
erlassen haben, in dem er die Einstellung aller Feindseligkeiten
gegen die Logenbrüder forderte. Der geistige Urheber dieses
Briefes ist allerdings kein ein anderer als Br. v. Goué gewesen
welcher ihn mit Hilfe von Br. Franz Dietrich von Ditfurth, Br.
Friedrich Jacob Dietrich von Bostell und Br. Johann Christian
Joseph de Waldenfels verfasst hatte.
In Lüttich hat Goué’s Offener Brief seine gute Wirkung getan.
Der Bischof verbot, bestärkt durch die Beschwerdeschriften des
Herzogs Karl von Meiningen und des Erbprinzen Ludwig von
Hessen-Darmstadt und anderer Fürsten, dem Klerus in Aachen alle
die Freimaurer diskriminierenden Predigten. Das Ziel war bereits
am 20.Mai 1780 erreicht, als der Magistrat dem Herzog Adolph
Friedrich dem IV. von Mecklenburg-Strehlitz, dem Fürsten Karl
Wilhelm zu Nassau-Usingen und anderen Reichsfürsten brieflich
das Versprechen gab:
"Freimaurer nicht nur allein zu dulden, sondern auch gegen
alle ungerechte Gewalt und Verfolgung obrigkeitlich und nach
Kräften zu schützen."
Im Juni und Juli 1780 weilte König Gustav III. von Schweden als
Badegast in Aachen (*1746 +1792), der erste in der langen Kette
von Freimaurern unter den schwedischen Monarchen besuchte auch
Burgsteinfurt und in der in den 90er des endenden 18.
Jahrhunderts gegründeten ersten Zeitung von Burgsteinfurt, dem
„Unbefangenen“ erschien dazu ein ausgiebiger Bericht.
Der Besuch von Bernadotte, der damalige Befehlshaber der
französischen Okkupationsarmee in Hannover, hing mit der auf
Grund der Pariser Konvention vom 22. Mai 1804 erfolgten Übergabe
der bisher an Kurhannover verpfändet gewesenen Grafschaft
Bentheim an den Grafen Ludwig von Steinfurt zusammen. Der Graf
wollte von Bernadotte außer der schon erreichten Neutralität für
Bentheim die Befreiung seines Landes von Beiträgen zur
Verpflegung der französischen Truppen erlangen, durch ihn einen
Druck auf die der neuen Ordnung der Dinge widerstrebenden
bentheimschen Landstände ausüben und die Unterstützung seiner
Bemühungen zur Wiedergewinnung der 1803 durch den
Reichsdeputationshauptschluss an den Rheingrafen (Salm-Horstmar)
gefallenen Obergrafschaft erreichen.
Vom 29. September bis zum 1. Oktober 1804 blieb (Br.) Bernadotte
am gräflichen Hof und es wurden im Bagno Feste aus diesem Anlas
gegeben. Im Freimaurerlexikon von 1932 auf der Seite 167 wird
über Bernadotte berichtet:
Jean Baptiste Bernadotte, Fürst von Pontecorvo, *1763 +1844,
Marschall von Frankreich, zeichnete sich in den Feldzügen der
Revolution und des ersten Kaiserreiches aus. 1806 Sieger über
Blücher in der Schlacht bei Lübeck, wandte sich dann, vom König
von Schweden, Karl XIII, adoptiert, gegen Frankreich und bestieg
1818 als Karl XIV (Johann) den schwedischen Thron. Bernadotte
wurde in Frankreich in den Freimaurerbund aufgenommen und war
dann als Kronprinz schwedischer Landes-Großmeister bis zu seinem
Tode 1844.
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Goué starb am
26.Februar 1789 und wurde am 1. März beerdigt. Am 6. März fand
die Trauerfeier in der Burgsteinfurter Loge statt. Die Rede zur
Trauerfeier ist erhalten (nachfolgend Teil 4) und preist
umfassend im schwülstigem Nekrolog den Logengründer August
Siegfried von Goué.
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1780 war das Machtgebiet der Grafen von Bentheim-Steinfurt kein
sonderlich großes. Die reichsunmittelbare Herrschaft Steinfurt
umfasste 65 qkm mit noch einigem Einzelbesitz. Die Hofhaltung
war ganz auf französischem Fuße eingerichtet. Graf Ludwig fing
an, das Bagno aus einer französischen in eine englische
Gartenlandschaft umzugestalten, er opferte dafür bedeutende
Summen.
Der Fremdenzufluss war damals groß, bot doch das Bagno alles,
was die berühmtesten Gärten des In- und Auslandes an
bemerkenswerten Neuheiten aufzuweisen hatten, chinesische,
maurische, griechische Tempel, dazu Unterhaltungsspiele wie
russische Schaukel, Karussell, Schach mit riesigen Holzfiguren
usw.
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Den Höhepunkt der Festlichkeiten bildeten die Volksbelustigungen
mit Musik und Tanz, wenn im Glanze vieler hundert Lampen die
reichgeschmückten Prunkschiffe über den See dahinzogen und die
Wasserkünste spielten.
Berühmt auch waren die Bagno-Konzerte der 5O Mitglieder
zählenden Hofkapelle, wobei denn wohl auch Graf Ludwig, der die
Flöte virtuos blies, gelegentlich ein Solo vortrug, wie z.Zt. in
den Salons der Mme. Talleyrand zu Paris. Der Graf war vielseitig
gebildet.
Neben klassischen Studien beschäftigte er sich auch mit den
schönen Wissenschaften des In- und Auslandes. Dass der Graf
dabei das Wohl seiner Untertanen nicht vernachlässigte, dafür
ist ein Erlas aus dem Jahre 1790 bezeichnend, der von den
Kanzeln verkündet wurde. Die aus demselben sprechende
menschenfreundliche Gesinnung wird durch die Beschränktheit
seines Machtgebietes keineswegs beeinträchtigt.
“Alle Bedrängten sollen sich unmittelbar an ihn wenden,
prompteste und nachdrücklichste Hilfe wird ihm zugesichert. Die
Schmeichler aber, die durch boshafte und unbegründete Klagen
...den unschuldigen Neben - Menschen. und Mitbruder zu schädigen
suchen, treffen schwere Strafen.“
Geradezu revolutionär war die Tatsache, dass allem gemeinen Volk
das ordnungsgemäß gekleidet der Zutritt zum Bagno ermöglicht und
die Anwesenheit bei den Konzerten gestattet war.
Die umfangreiche Grafschaft Bentheim, im Hannoverschen gelegen,
seit 1752 an England verpfändet, fiel 1803 als Erbe dem Grafen
Ludwig zu. Durch geschickt geführte persönliche Verhandlungen
mit Napoleon und großen Geldopfern gelangte er in den Besitz des
vom König von England widerrechtlich zurückgehaltenen Gebietes.
Eine Summe von 900 000 Franken und 100 000 Franken an Mme.
Talleyrand als Vermittlungsgebühr waren vergebens aufgewandt,
als 1806, am 1. August, Napoleons Schwager. Murat beide
Grafschaften besetzte. Erneute Verhandlungen blieben
ergebnislos. Einen Monat nach seiner Rückkehr aus Paris starb
Graf Ludwig am 20. August 1817.
Am 21. Januar desselben Jahres war ihm erst der Fürstentitel
verliehen worden.
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Wir finden zu seinen Reisen auch einen Hinweis auf (Br.)
Mozart. Auf einer Schallplattenhülle von Mozarts
Krönungskonzerten, gespielt vom Orchester der Philharmonischen
Gesellschaft Amsterdam, steht folgende Bemerkung:
... Am 15. Oktober des Jahres 1790 notierte der westfälische
Reichsgraf von Bentheim - Steinfurt, der anlässlich der
Kaiserkrönung Leopolds II. nach Frankfurt am Main gekommen war,
in sein Reisetagebuch:
“Am Morgen um 11 Uhr fand im Saale der COMEDIE NATIONALE ein
großes Konzert von Mozart statt. Man begann mit dieser schönen
Symphonie von Mozart, dann folgte eine Scene Italienne - ich weiß
nicht von wem - die von Madame Schick mit unendlich viel
Ausdruck gesungen wurde, und dann spielte Mozart ein selbst
komponiertes Konzert, das von einer außerordentlichen
Liebenswürdigkeit und Anmut war. Das Pianoforte von Stein in
Augsburg, ausgezeichnet in seiner Art, gehörte der Baronin von Frentz. Mozarts Spiel erinnert ein wenig. an dasjenige des
verstorbenen Klöffler (Johann Friedrich Klöffler war seit 1757
der Konzertmeister der Hofkapelle), doch ist es unendlich
vollkommener. Herr Mozart ist ein kleiner Mann, von angenehmen
Äußern, er trug ein schön besticktes braunes Satingewand, er ist
am kaiserlichen Hofe angestellt.“
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Ein
weiterer Auszug aus der Schrift (1913) von Dr. Benkert:
“...
ein ergötzliches Seitenstück zu Goué bildete
ein anderer Gast des Grafen, Generalfeldmarschall (Br.) von
Blücher, z. Zt. der ersten Koalition, 1795, vorübergehend zu
Besuch auch in der Loge Goués in Burgsteinfurt. - Gelegentlich
eines Cerclés beim 1. Konsul während seines Pariser
Aufenthaltes, wurde der Graf von dem preußischen Gesandten
Lucchessini gefragt, ob Blücher immer noch so viel trinke und
spiele, was er zu verneinen zu können glaubte ...“.
Von
Blücher war noch zu Lebzeiten des Grafen Ludwigs Meister vom
Stuhl der Loge ZU DEN DREY BALKEN in Münster. (s.
Bild mit Meisterwinkel, Hammer und Schurz).
“Und da man ihn in Münster nicht mochte“, steter Besucher der
Steinfurter Loge. 1795 schlug er hier für einige Wochen sein
Hauptquartier auf, als er die preußischen Truppen längs der
holländischen Grenze befehligte.
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Das Haus
Kirchstrasse 1 wird Blücherhaus genannt –-. Die Geschichte des
zweistöckigen Traufenhauses aus dem Ende des 18. Jahrhunderts
ist sehr wechselvoll.
Graf
Ludwig ließ das Haus im Jahr 1780/81 zu einem herrschaftlichen
Gasthof umbauen und nannte ihn „Elephanten-Gasthof“ oder „Auberge
zum Elephanten“ zur Erinnerung daran, dass er anlässlich seiner
Hochzeit mit der Prinzessin Juliane Wilhelmine zu
Holstein-Glücksburg vom König von Dänemark den berühmten
Elephantenorden erhalten hatte.
Dieser Gasthof sollte gehobenen Ansprüchen gerecht werden und
zeitweise auch vornehmen Gästen des Grafen als Herberge dienen.
Denn von nah und fern kamen Besucher angereist, um die
Attraktion des Münsterlandes, das Bagno, zu bewundern.
Man muss
sich vergegenwärtigen wie unbequem das Reisen damals war und wie
aufwendig sich ein Besuch im Bagno gestaltete. Viele hatten
Landwirtschaft und mussten für Ersatz während der Reise sorgen.
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Text: Rainer Wiese
Bilder: aus dem Archiv der
Steinfurter Freimaurerloge "Ludwig zum flammenden Stern" und Willi
Tebben
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