Fachwerkhofanlage Pöpping

 

Ausstellung "Sprüche & mehr" - Sprüche, die zum Schmunzeln und Widerspruch reizen

 

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Elte - „Im trauten Heim wird schön gedeckt, damit dem Gatten gut es schmeckt!“ Dieser fein gestickte Spruch, dekorativ über einem großen Tisch unter der Decke und damit unübersehbar im historischen Speicher auf Pöppings Fachwerkhofanlage aufgehängt, reizt die meisten aus der Besucherschar zur Ausstellung „Sprüche & mehr“ fast automatisch zu Widerspruch. Mal heftig, mal belustigt. Vor allem die jüngeren Besucherinnen reagieren vehement mit lautem Protest oder Lachen, konnte Heinz Pöpping feststellen: „Männer stimmen dem meist verschmitzt zu!“ Was sicher auch keinen überrascht ...

 

 

Oft aber reizen dieser und andere Sprüche in der Ausstellung auch zum Schmunzeln und Erinnern. Wie bei der kleinen Besuchergruppe aus Neuenkirchen. Vier Damen „im vorgerückten Alter zwischen 75 und 85 Jahre“, wie sie gern zugeben. „Nein, solcherlei Sprüche sind uns nicht fremd“, erzählen sie gern. Denn in ihrer Schul- und Jugendzeit mussten sie als junge Mädchen selbst noch ähnliche Arbeiten im Handarbeitsunterricht anfertigen. Streng sei ihre Lehrerin damals gewesen, wenn es darum ging, die so nützlichen Grundfertigkeiten im Stricken, Häkeln, Nähen, Säumen, vor allem aber auch im Stopfen und Flicken an die Mädchen weiterzugeben.

 

Bild 2 - Viel Spaß an der Ausstellung hatten die vier Besucherinnen aus Neuenkirchen

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Die Ausstellung, die Amalia Pöpping aus ihrem umfangreichen Fundus aus 30-jähriger Sammelzeit zusammenstellte, ist aber mehr als nur nette Unterhaltung, sondern zugleich eine aufschlussreiche kulturgeschichtliche Dokumentation, wie es in bäuerlichen und kleinbürgerlichen Haushalten in der Zeit vor 100 Jahren aussah. Die fein gearbeiteten und liebevoll gestalteten Wandschoner, Überhandtücher, Zierbänder für Eckbretter, Bosen und Schränke waren oft der einzige Schmuck in den eher ärmlich eingerichteten Wohnungen vor und nach der Wende zum 20. Jahrhundert. Sie waren waschbare, erneuerbare „Wandbilder“ von praktischem Nutzen und ästhetischen wert.


Damit dienten sie als schöne Dekoration und Gestaltungselemente für Haus und Heim, sind für uns heute zudem ein Spiegel des Zeitgeschmacks und Volkskunst. Inhalte und Formen geben die Wertvorstellungen und Ideale ihrer Herstellungszeit wider, sind aber zugleich Ausdruck sozialer Realität und Illusionen. Die Frau ist fast ausschließlich Hausfrau, im Mittelpunkt stehen für sie Heim (auch im Sinne von Heimat), Küche, Haushalt und Familie einschließlich der Erziehung ihrer Kinder.

 

Die Frau von damals kommt in der Ausstellung gleich zweifach vor: Zum einen als Produzentin all der feinen textilen, duftig und zart erstellten Handarbeiten, zum anderen aber auch als Adressatin der vielfach ermahnenden und erbauenden Inhalte. „Reinlichkeit ist des Hauses Zier“, „Koche mit Liebe“, „Kochen und Braten soll gut geraten“, „Froh erfülle deine Pflicht“, „Kehr sauber aus, halt rein dein Haus“ oder „Vergiss nicht am Morgen die Lampen zu besorgen“ galten auch ihr in ihrem Schaffen in Küche und Haus. Da war es sicherlich wohltuend, einiges nicht ganz so ernst formuliert zu lesen: „Fünf sind geladen, zehn sind gekommen. Gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen“.

 

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Die meisten Texte sind in der Befehlsform verfasst und lassen in ihrer Eindeutigkeit und Klarheit als praktische Anweisungen und unmissverständliche Lebensweisheiten keine Fehlinterpretationen zu: „Rühr munter deine Hände“, „Pünktlichkeit bannt Sorg und Streit“, „In allem treu und wahr, daran halt immerdar“, „Ohne Fleiß kein Preis“ oder „Im Glück nicht jubeln, im Leid nicht klagen, das Unvermeidliche mit Würde tragen“. Wohl in keinem Haus durfte ein frommer Sinnspruch fehlen, geprägt von tiefer Gottesfurcht und Religiösität: „Gott segne mein Heim, Gott segne mein Haus, viel Glück zieh hinein und keines heraus“, „An Gottes Segen ist alles gelegen“ oder „Alle lieben Engelein sollen deine Hüter sein“.

 

Die Sprüche zeugen kaum von sprachschöpferischer Fantasie, sondern waren zumeist von vorformulierten Textvorlagen oder aus diversen Spruchsammlungen entnommen und wohl wenig Eigenschöpfungen. Das gilt auch für einige dekorative Gestaltungselemente, die sich ähnlich wiederholen: Blumen, Ranken, Linien, Sticharten, Bildteile. Da kursierten früher überall gleiche Vorlagen und Muster.

 

Viele Texte sind heute vielleicht in ihren Wertvorstellungen und ihrem massiven Aufforderungscharakter nur noch schwer vermittelbar. Sie werden verstehbar, wenn man sich in die Entstehungszeit und Entwicklungsgeschichte zurückversetzet. Dazu leistet die Ausstellung gute Dienste. Zeigt sie doch auch, wie die feinen Handarbeiten technisch gefertigt wurden. Für die kunstvollen Monogramme gab es dünne kupferne Schablonen. Mit einem Pinsel wurden mit blauer, auswaschbarer Farbe die Buchstaben aufgetragen und dann nachgestickt.

 

Bild 7 - Blick auf die dünnen kupfernen Schriftschablonen für die Monogramme

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Die Besucher kamen bisher aus dem gesamten Münsterland und dem benachbarten Niedersachsen in die Ausstellung, die noch bis zum 18. März täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist. Darunter waren vielfach Fachleute aus Museen und Sammler. Aber auch Frauen, die der Familie Pöpping einige Spruchtücher aus ihrem Fundus schenkten, um so sicher zu gehen, dass diese schönen Familien- und Erbstücke auch künftig der Nachwelt erhalten bleiben und bei gelegentlichen Ausstellungen gezeigt werden.

 

   

Text: Franz Greiwe

alle Fotos: Franz Greiwe


 

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