Öffentliches Neujahrskuchenbacken

Eine ganz besondere Veranstaltung

 

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Nachdem wir uns nun alle ausgiebig gestärkt hatten, legte Heinz Pöpping wieder los und erzählte vom harten Landleben in vergangenen Zeiten, den Traditionen, von seinen eigenen Erlebnissen gestern und heute, was von vielen der Anwesenden in ähnlicher Form bestätigt wurde. Er berichtete aber auch von den historischen Gebäuden der Hofanlage, seinen weiteren Plänen, wahren Begebenheiten und Anekdoten. Dass es dabei immer was zum Schmunzeln gab, gehörte mit dazu. So berichtete er beispielsweise von der Leidenschaft seiner Pferde für Schwarzbrotkrusten. Originaltext: "Und wenn sie mitkriegen, dass ich Schwarzbrot in der Tasche habe, dann möchten die am Liebsten auf den Arm, ehrlich!"

 

Bild 17 - ... dann möchten die am Liebsten auf den Arm!

Bild 18 - Nicht dass Sie jetzt auf falsche Gedanken kommen und glauben, unser Gastgeber müsste seine Neujahrskuchen verteidigen oder so!

Wenn Sie das Foto genauer betrachten, können Sie vielleicht die Vorrichtung am Messer erkennen, die er mit der linken Hand festhält. Hier erklärt Heinz Pöpping gerade, wie man früher die großen Brotlaibe vor der Brust geschnitten hat. Damit die Überlebenschance dabei verbessert wurde, hat man dieses Gerät erfunden. Der Bügel (in der linken Hand) wurde beim Rechtshänder auf den rechten Arm geschoben, und wenn er jetzt mit dem Messer im Brotleib auf sich zu schnitt, dann blockierte diese Vorrichtung ab einem bestimmten Schnittwinkel den Arm und verhinderte somit, dass man sich beim Brotschneiden den Brustkorb verletzte. Nun musste beim Weiterschneiden eben das Brot gedreht werden. Was es nicht alles so gibt!?

 

Bild 19 - In der Tenne von Pöppings gab es natürlich auch noch andere Waffeleisen zu sehen, hier z.B. ein modernes Backeisen für die alten Kohle-Kochherde

Bild 20 - Diese Vorrichtung gab dem einen oder anderen jedoch leichte Rätsel auf. Die Erklärung dieses "Dummpotts" (oder auch Füerpott) lesen Sie bitte rechts.

Der Dummpott

In früheren Zeiten, als es noch keine Heizung und keinen elektrischen Strom gab und auch die Streichhölzer noch nicht erfunden waren, durften die damaligen Zeitgenossen auf gar keinen Fall das Feuer im trauten Heim ausgehen lassen. Denn wie wollte man dann kochen oder sich wärmen? Und wie sollte man es überhaupt wieder in Gang kriegen? Nun war der Mensch schon immer erfinderisch und so erfand er eben den "Dummpott" für die Dussel, die nicht auf ihr Feuer aufpassen konnten. War nun das Unglaubliche passiert, musste man sich eben von seinem Nachbarn etwas Glut "ausleihen", auch wenn er vielleicht etwas weiter entfernt wohnte. Und da man die heiße Glut bekanntlich nicht in der hohlen Hand tragen kann, wurde dafür dieser eiserne Behälter verwendet. Eisengefäße waren zu der Zeit aber fast unerschwinglich teuer, und so existierte in der Regel im Dorf nur ein Gefäß dieser Art. Derjenige, der sein Feuer auf diese Weise neu entfachen musste, bewahrte den "Feuertopf" nun so lange auf, bis der nächste in diese missliche Lage kam. (Und das war vielleicht gar nicht so selten.) Ist ja klar, dass der Verwalter des Dummpotts auch den Spott der anderen zu ertragen hatte.

Aber es gab auch einen, wenn auch ganz kleinen Vorteil für ihn, nämlich in der Zeit des Neujahrskuchenbackens. Mit Hilfe dieses Potts konnten nämlich auch Kinder mit ihren wesentlich kleineren Backeisen Piepkuchen backen. Für sie wurde es am Herdfeuer zu heiß, weil sie mit den kurzen Griffen zu nah ans Feuer mussten. Mit dem Dummpott ging das aber und da waren die "Kurzen" natürlich besonders stolz.

 

Bild 21 - Mit dem elektrisch betriebenen Waffeleisen rechts lassen sich auch ohne Kamin oder offenes Herdfeuer hervorragende Neujahrskuchen backen, und durch die verbesserte Fertigungstechnik gelingen die damit perfekt. Aber auch dieses Gerät gehört bereits zum "alten Eisen" und ist längst von neuerer Technik abgelöst.

 

Bild 22 - Und hier zum Abschluss noch ein Blick auf die Ausbeute nach Abzug der probierten und käuflich erworbenen Piepkuchen, ohne die man sich nicht von der Fachwerkhofanlage Pöpping trennen mochte.

Die geflochtene Wanne rechts war und ist typisch für die Neujahrskuchenbäckerei, soweit man sie heute überhaupt noch bekommen kann. Hier sind die dünnen Kuchen optimal aufgehoben zum Auskühlen, bis sie dann später in geeignete Behälter zum Lagern untergebracht werden. Außerdem ist sie groß genug, die aus den Backeisen herausfliegenden Piepkuchen aufzufangen. Man kann damit nämlich schlecht zielen.

 

Den Abschluss des Abends gestaltete dann wieder Frau Baranowski mit ihren humorvollen, aber teilweise auch besinnlichen plattdeutschen Beiträgen. Ihr Repertoire war riesig, aber trotzdem hatte sie immer noch einen auf Lager. Dennoch ließ man sie nicht ohne eine letzte Zugabe gehen. Man äußerte lautstark den Wunsch, sie möchte doch bitte noch "Das Rillenglas" bringen. Sichtlich gerne kam sie dieser Forderung nach und berichtete den sich vor Lachen kugelnden Anwesenden von dem Stress einer Hausfrau, ein Rillen-Einmachglas mit Bohnen zu öffnen, von dem der Gummiring kaputt gegangen war. Die Geschichte hier aufzuschreiben macht wenig Sinn. Erstens könnten nicht alle den plattdeutschen Dialekt lesen, zweitens gehört die Mimik der Vortragenden dazu und drittens kann nur Ottilie Baranowski diese Geschichte erzählen. (Kleiner Tipp von mir: Achten Sie mal drauf, wo sie im Münsterland gerade auftritt, und dann nichts wie hin! - Anm. d. Autors)

 

Ich hoffe, dass ich wenigstens ein paar von den vielen Eindrücken hier aufschreiben konnte, die ich an diesem Sonntag, den 07. Januar 2007 bei der Veranstaltung gewonnen habe. Denn da war noch viel mehr! Aber mein Gedächtnis ist nicht mehr das Beste. Und so ist dieser Bericht eben auch noch nicht zu Ende. Ich gehe nächstes Jahr nämlich wieder hin. Und dann schreibe ich hier weiter. Aber vielleicht treffen wir uns ja auch da. Ich bin der, der überall mit dem Fotoapparat rumwuselt.

 

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Text: Willi Tebben

Fotos: Willi Tebben



 

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