Öffentliches Neujahrskuchenbacken

 

Eine ganz besondere Veranstaltung

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In den meisten Fällen findet das traditionelle Neujahrskuchenbacken wohl in geschlossener Gesellschaft statt: im Kreis der Familie, in Nachbarschaften, im Freundeskreis oder in Vereinigungen wie Schützenverein, Heimatverein usw. Mit ein bisschen Glück sieht man diese althergebrachte Tradition aber mittlerweile auch schon mal in der Öffentlichkeit auf Märkten und Stadtfesten, um die uralte Technik des "Piepkuchenbackens" nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Und es ist hier tatsächlich ein zaghafter Aufwärtstrend zu beobachten, zumindest in Steinfurt. Besuchen Sie einfach mal unseren Erntedank- und/oder Nikolausmarkt. Hier können Sie das Neujahrskuchenbacken "live" erleben und sogar die heiß begehrten, duftenden, knackigen und frischgebackenen Spezialitäten probieren.

 

Wir haben aber noch eine weitere hochinteressante Veranstaltung dieser Art für Sie ausfindig gemacht, die Sie unbedingt mal besuchen sollten. Denn hier können Sie nicht nur die leckeren Neujahrskuchen probieren, sondern Sie erfahren auch alles aus 1. Hand über die Historie, den Techniken und was man sonst noch wissen sollte über das Neujahrskuchenbacken. Diese umfassende Einweisung wird angereichert mit besonderen Programmpunkten wie z.B. plattdeutschen Vorträgen und natürlich ordentlich was vor der Gabel und im Glas.

Wann und wo das Event stattfindet?

 

Alljährlich am 1. Sonntag nach Neujahr in der Tenne des Haupthauses der Fachwerkhofanlage Pöpping in Elte bei Rheine.

Diese sehr beliebte Veranstaltung findet einen enormen Anklang weit über die Grenzen des Münsterlandes hinaus und wer gerne mit dabei sein möchte, sollte sich wirklich rechtzeitig um eine Reservierung bemühen, denn der zur Verfügung stehende Platz ist begrenzt und in der Regel sehr schnell ausverkauft.

 

Wir waren am 07. Januar 2007 für Sie vor Ort und möchten Ihnen nun in einem kleinen Überblick vermitteln, was wir da so erlebt haben.

 

Bild 1 - So fing das alles an.

Während der Krippenausstellung im Dezember 2006 fanden wir diese Ankündigung und da das Neujahrskuchenbacken ohnehin eins unserer großen Themen werden sollte, griffen wir natürlich sofort zu.

Bild 2 - Für diesen Tag ein begehrter Artikel, da Mangelware.

Trotzdem, abkupfern lohnt nicht, da diese Eintrittskarte nur gültig ist in Verbindung mit dem entsprechenden Eintrag im Kassenbuch.

Bild 3 - Die Tenne war bis zum letzten Platz ausgebucht.

Die Gäste kamen teilweise von weit her, und zur Einstimmung

auf das, was da kommen soll, wurden schon mal leckere "Piepkoken" gereicht

Bild 4 - Chefin und Chef des Hauses bei den letzten Vorbereitungen zum Backen. Die Glut in der Feuerstelle ist optimal, es kann also losgehen.

Bild 5 - Hier eine kleine Kollektion der Backeisen, deren

Besonderheiten und Verwendungszweck übrigens ganz ausführlich

vom Gastgeber Heinz Pöpping während der Veranstaltung erläutert wurden. Gebacken wurde allerdings nicht mit allen.

Auch hier waren - wie bereits anderweitig ausführlich beschrieben - nur

2 Eisen im Einsatz.

Bild 6 - Heinz Pöpping eröffnet die Veranstaltung

und begrüßt seine Gäste.

 

Bevor Heinz Pöpping zum praktischen Teil überging, erklärte er dem gespannt lauschendem Publikum alles Wissenswerte über das traditionelle Neujahrskuchenbacken, beginnend mit der Entwicklung dieser Backtechnik, Anwendung in der Vergangenheit und Gegenwart, verschiedene Rezepte, Beschaffenheit, Typ, Motive und Verwendungszweck der jeweiligen Backeisen, von den umfangreichen Backvorbereitungen und wann und warum dieses traditionelle Backen durchgeführt wurde. Das alles brachte er in seiner sehr humorvollen Art und Weise den Gästen näher. Er beantwortete natürlich auch deren Fragen und ließ durch seine Worte, aber auch durch die liebevoll hergerichtete Tenne mit all seinen historischen und gebrauchsfähigen Gerätschaften die "gute alte Zeit" in dieser Veranstaltung anschaulich wieder aufleben. Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass er auch den Zweck und den Gebrauch dieser Gerätschaften genau so ausführlich vorstellte.

 

Bild 7 - Ottilie Baranowski

Bevor Heinz Pöpping sich nun endgültig dem Neujahrskuchenbacken zuwendete, stellte er noch Ottilie Baranowski vor, die für einen weiteren Höhepunkt dieser Veranstaltung sorgte. Während der Chef des Hauses vor dem wärmenden Kamin mit den Backeisen hantierte, unterhielt die im weiten Umfeld wohlbekannte Gastrednerin und Autorin unzähliger Geschichten die Anwesenden mit ihren herrlichen Erinnerungen, Anekdoten und Lebensweisheiten in plattdeutscher Sprache. Alle amüsierten sich köstlich, und auch diejenigen, die nicht gerade in dieser mundartlichen Sprache zu Hause waren, konnten ihr dennoch sehr gut folgen, so dass alle auf ihre Kosten kamen.

 

Bild 8 - Die Teigkugeln sahen hier etwas anders auch als wir es

in den Steinfurter Bauerschaften kennen gelernt hatten: Die "Rullen" waren hier abgeflacht und auch geschmeidiger. Dadurch verteilt

sich der Teig ohne größeren Druck gut zwischen den Platten und

die Neujahrskuchen werden auch etwas dünner.

Bild 9 - Der Raum füllte sich mit dem köstlichen Duft der

Piepkuchen (war hier auch sehr deutlich zu hören!), ...

Bild 10 - und Frau Baranowski sorgte mit ihren köstlichen

Geschichten für die richtige Stimmung in dieser äußerst

gelungenen Veranstaltung.

Bild 11 - Gebannt und mit höchster Aufmerksamkeit hingen

die Gäste an ihren Lippen, um ja keine treffliche Pointe ihrer

Erzählungen zu verpassen.

 

Bild 12 - Wer sie bisher noch nicht kennen gelernt hat,

hat echt was verpasst!

 

Bild 13 - Wie schon gesagt: er hatte mit Abstand den heißesten Platz. Das wohltemperierte Getränk sei ihm von Herzen gegönnt.

Bild 14 - na denn Prost!

 

Natürlich wurden wir an den Tischen auch hervorragend versorgt, uns mangelte an nichts.

 

Es stand uns aber noch etwa zur Halbzeit ein weiterer Höhepunkt bevor. In dieser Hofanlage befindet sich auch ein Backhaus, das regelmäßig und zu besonderen Veranstaltungen in Betrieb genommen wird. Hier werden die leckersten Brote, insbesondere Schwarzbrot und Bauernbrote nach alten Rezepten und nur mit besten Zutaten hergestellt, und vor allem ohne Konservierungsstoffe. Wer mal die Gelegenheit hat, die zu probieren, sollte unbedingt zugreifen! Der Wunsch, etwas davon mit nach Hause zu nehmen, wird garantiert unwiderstehlich.

 

Und genau diese Gelegenheit wurde uns nun hier geboten. Aber nicht nur zum Probieren, sondern bis zum Abwinken satt: Frischgebackenes Brot, Butter, Käse, Gurken und - plattenweise - den herrlichsten luftgetrockneten Schinken.

 

Es gibt keinen Ort auf dieser Welt, an dem ich an diesen Nachmittag lieber gewesen wäre als hier in der Tenne in der Fachwerkhofanlage Pöpping. Davon zehre ich noch Jahre, garantiert! - Anm. d. Autors

Bild 15 - Ich mache Ihnen jetzt einfach mal den Mund wässrig

Bild 16 - einfach köstlich - und es gab auch noch jede

Menge Nachschlag!


Soweit zur 1. Halbzeit! Aber damit war der Abend noch nicht zu Ende. Weiter geht es auf der nächsten Seite.
 

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Text: Willi Tebben

Fotos: Willi Tebben



 

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