Fachwerkhofanlage Pöpping

 

Wo Geschichte lebendig wird - ein Beitrag von Franz Greiwe

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Der Weg zur "Fachwerkhofanlage Pöpping" führt von der Dorfmitte Elte über die Schulte-Elte-Straße. Eine andere Zuwegung gibt es nicht. Wer allerdings die herrlichen alten Gemäuer nur von weitem betrachten will, kann auch dem schmalen Wanderweg "Nonnenpädken" am Mühlenbach entlang folgen. Er führt an der Hofanlage vorbei und berührt in der Südwestecke den Flachsteich. Besuchen kann man das Fachwerkensemble über den Hauptweg zum Tor.

 

Das älteste Bauwerk

 

Gleich der erste Blick und Eindruck überzeugen: Der Besucher betritt kein Museum mit einer Ansammlung toter Gebäude und alter Gegenstände, son­dern einen lebendigen Wohnplatz. Hier lebt die Familie Pöpping, werkt und arbeitet sie, hier hält sie ihr Vieh, hier empfängt sie ihre Gäste und lädt Besucher zum Schauen und Mitmachen ein.

Das wird gleich am ersten Haus, dem Schafstall und zugleich ältesten Gebäude der gesamten Hofanlage, spürbar. Der Stall liegt am Hofeingang. Das hatte früher seinen guten Sinn, denn die Tiere verschmutzten sonst all zu leicht nach langem Stallaufenthalt mit Mistresten an den Beinen den Hofraum. Darum war es wichtig, sie gleich auf die Weide führen zu können.

Das Gebäude ist an seinem ursprünglichen Standort in der Bauernschaft Bernte bei Leschede gegen Ende des 17. Jahrhunderts errichtet worden. Das Fachwerk ist mit alten Feldbrandsteinen ausgemauert, die beidseitig weit überkragenden Giebel sind mit Pappelholz verbrettert. Zwei große Tore sorgten einst dafür, dass die Schafherde des Bauern schnell Zutritt zum Stall fand. Heute stehen hier die beiden prächtigen pechschwarzen Friesenpferde, die ihr Domizil gern mit einer kleinen Ziege teilen.

 

Bild 1 -

Bild 2 - Das Backhaus

Gleich daneben erhebt sich das Backhaus, das aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt. Heinz Pöpping fand es auf einem Bauernhof nahe Fürstenau. Der an der Nordgiebelseite angestellte Anbau nimmt heute zwei Backöfen auf. Der barocke Südgiebel kragt zweimal über. Die mächtigen Balken im Innern trugen einstmals auch größere Getreidemengen, die daran erinnern, dass das Gebäude auch als Speicher diente. Da beim Backvorgang der Innenraum immer gut beheizt war, stand hier in früheren Zeiten eine Werkbank, an der die Hofbesitzer im Winter, wenn draußen in der kalten Jahreszeit auf dem Feld und Acker nicht gearbeitet wurde, kleine Reparaturarbeiten für allerlei Gerät und Wagen ausführten. Auch jetzt steht hier wieder eine solche Werkbank.

 

Bild 3 - Das Backhaus - Innenansicht

Bild 4 - Die Durchfahrscheune

Die Durchfahrtscheune wirkt wie ein Torhaus und Eingang zur eigentlichen Hofmitte. Erste Hälfte des 18. Jahrhundert, so datiert der Fachmann das Alter der Fachwerkscheune, die einmal in Rothenberge bei Wettringen stand. Die Pappelverbretterung der beiden Giebel kragt deutlich über. Die Mauerfelder sind in Ziegelbauweise ausgefacht. Bemerkenswert ist die Inneneinrichtung: Hier war in alten Zeiten eine kleine Kistenmacherei, eine Art Schreiner- und Zimmerwerkstatt, untergebracht. Daneben lag der Kutschenunterstellplatz.

Bild 5 - Die Durchfahrscheune - Frontseite

Bild 6 - Wohnhaus mit Bauerngarten

Im Zentrum das Wohnhaus

 

Der Weg des Besuchers führt von der Zufahrt vorbei an Schafstall und Backhaus durch die Durchfahrtscheune in das Zentrum der Gehöftanlage, auf das Haupthaus zu. Ein schmales Pädken, mit Feldbrandsteinen belegt, weist auf die seitlichen Haustüren. Von hier an der Traufenseite erkennt man sofort den Gebäudetyp; ein großes Doppelheuerhaus, dessen Gebäudehälften spiegelgleich konstruiert sind. Früher wohnten hier zwei Familien, wie aus der Funktionsskizze (s. Bild 5) zu ersehen ist.

 

In der rechten Haushälfte hat sich nun die Familie Pöpping wohnlich eingerichtet. Die große Tennentür ("Niendüör") im westlichen Giebel wurde als Fenster ausgebildet, damit viel Licht in den Wohnraum einfallen kann. Vielen Besuchern fällt meist nur auf besonderem Hinweis ein bauliches Detail in der Tennentür auf: In der Mitte steht noch der "Dussel", der originale Mittelpfosten, der als Anschlag für die beiden Türhälften diente. Dieser "Dussel" - Ein Dussel, wer dagegen fuhr oder lief und sich den Kopf stieß! - fehlt heute fast in allen vergleichbaren Fachwerkhäusern.

 

Bild 7 - Grundriss des Doppelheuerhauses

 

Durch die doppelflügelige Tür betrat man einstmals die Tenne mit den beidseitigen Ställen für Rinder und Kühe. Der Blick fiel auf die offene Feuerstelle mit dem weit in die hohe Halle ragenden Rauchfang. Mensch und Vieh lebten in einem Raum (vergl. Funktionsskizze), der auch heute noch mit großen Sandsteinplatten belegt ist. Arbeitsraum für die Hausfrau und Essecke schlossen sich an den Stallungen an. Hinter dem Kamin lag ein größeres Kammerfach, unterteilt als Schlafraum für die ganze Familie. Die linke Haushälfte besitzt die gleiche Einteilung. Allerdings ist der Deelenraum, ebenfalls mit Herdfeuer und mächtigem Bösen ausgestattet, als Ausstellungshalle, Klönraum, Veranstaltungssaal und Zimmer für Kurse und Unterricht gedacht.

 

Bild 8 - Türbalken Westtor

Erwähnenswert sind noch die Inschriften an beiden Tennentüren. Über der westlichen sind die Namen der Erbauer und des Zimmermannes verzeichnet. Im Türbalken der östlichen Niendüör steht zu lesen: "Herr, lass Deine Augen über dies Haus Tag und Nacht".

Bild 9 - Türbalken Osttor

 

Das Zweiständerhaus wurde 1810 in der Nähe von Fürstenau gebaut. Einige Ständer, die die Konstruktion tragen, sind aus gabelwüchsigen Eichen gesägt, so dass der Zimmermann auf Kopfbänder verzichten konnte. Das Fachwerk ist in Ziegelbauweise ausgeführt. Die breiten Giebel, ebenfalls in Fachwerk, kragen zweimal über. Die schmalen Türen ("Goarndüör) an der gegenüberliegenden Traufenseite führen direkt in den Bauerngarten an der südlichen Hausseite. Jede Heuerfamilie besaß ihren Gartenteil.

Bild 10 - Die Fachwerkkonstruktion des Doppelheuerhauses

 

Bild 11 - Die Remise

Die übrigen Gebäude

 

Bei einem weiteren Haus ist Durchfahren zwar möglich, jedoch nicht mehr erwünscht: Die beiden Öffnungen der Doppelwagenremise, die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt, dienten früher zum Unterstellen der Ackerwagen. Der feine Fachwerkbau, dessen Giebel nur in den Spitzen verbrettert und sonst ausgefacht sind, besitzt in der östlichen Hälfte eine Zimmerkammer ("Timmerkammer"). Wo einstmals schöne Truhen und Hochzeitskisten entstanden, hat Heinz Pöpping seine Holzschuhmacherei eingerichtet. Hierzu kann er eine mit allen Originalwerkzeugen ausgestattete Handwerkszeugausrüstung einschließlich der Kopier- und Löffelbohrmaschine aufbieten. Betrachtenswert ist an der Remise, die aus Fürstenau kam, der zweimal überkragende östliche Fachwerkgiebel mit feinen Verzierungen.

Bild 12 - Die Remise aus einer anderen Perspektive

Bild 13 - Die Schirmscheune

Die Remise öffnet den Blick auf den großen Hof, der nach Westen durch die große Schirmscheune begrenzt wird. Weit schiebt sie ihr schützendes Dach vor. Leicht konnte der Bauer hier Erntewagen und anderes vor Regen und Witterungsunbilden sicher unterstellen. Ein Drittel der dreifeldrigen Fachwerkscheune mit pappelverbretterten Giebel, die aus Albersloh kam, füllt eine weitere "Timmerkammer" aus. Wie damals der Vorbesitzer, so führt hier der Hofherr noch heute wichtige Reparaturarbeiten an Wagen und Gerät aus. Darum stehen dort Werkbank, einfache Maschinen und entsprechende Werkzeuge. Dazu zählt auch eine knapp 100 Jahre alte Feldesse (Feldschmiede) mit Amboss und Schraubstock. Das alles reicht aus, um an Ort und Stelle einfache Schmiedearbeiten auszuführen und die Pferde zu beschlagen.

Bild 14 - Blick in die Schirmscheune

Bild 15 - Das ehemalige Backhaus und heutige Werkstatt

Ein Bauwerk besonderer Art ist am südlichen Hofrand das Werkstattgebäude. In dem ehemaligen Backhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts hat Heinz Pöpping seine Schnitzerei eingerichtet. Es weist eine in der Mitte geteilte Haustür ("Klöndüör") auf, wie man sie früher überall fand und deren obere Hälfte allein geöffnet werden kann. Heute kann der Besucher an schönen Tagen schon von draußen den Hausherrn beim Schnitzen über die Schulter sehen und miterleben, wie unter seinen geschickten Händen Figuren, Statuen, Wege- und Hofkreuze, Krippen und viele andere künstlerische Arbeiten entstehen. Oder aber er restauriert gerade liebevoll und mit großer Sachkenntnis alte Möbel und Gebrauchsgegenstände.

 


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Text: Franz Greiwe

Fotos: Willi Tebben (Bilder 1, 3, 4, 5, 8, 9, 12 - 15); N. Ahmann (Bilder 2, 11); K. Vahlensiek (Bild 6 ); Heinz Pöpping (Bilder 7, 10)

 

Dieser Bericht inklusive Bilder 2, 6, 7, 10 und 11 wurde mit freundlicher Genehmigung des Autors und Chefredakteurs Franz Greiwe aus der Heimat-Zeitschrift "Rheine - gestern, heute, morgen" - Heft 1/92 - 29. Ausgabe entnommen.

 

Die Zeitschriftenreihe für den Raum Rheine mit dem Titel "Rheine - gestern, heute, morgen" erscheint regelmäßig und ist im Abonnement und als Einzelexemplar im Stadtarchiv Rheine erhältlich. Diese Buchreihe wurde bereits als Bestes Heimatbuch prämiert und bietet dem Leser eine Fülle von hochinteressanten und einmaligen Geschichten und Beschreibungen aus dem Bereich Rheine, von namhaften und regionalen Autoren und Zeitzeugen geschrieben. Wenn Sie sich für diese Region interessieren, empfehlen wir Ihnen, sich unbedingt diese Buchreihe mit der einzigartigen und lückenlosen Darstellung dieser Stadt und Umgebung mal anzusehen. - Anm. d. Red. Stenvorde.de

 



 

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