Gedanken zur Wahl

 

 

Gerade habe ich meine Wahlbenachrichtigungskarte im Briefkasten gefunden. Noch nie ist mir die Entscheidung für das richtige Kreuz so schwer gefallen. In solchen Fällen helfen dem politisch Interessierten Gespräche mit Freunden und Bekannten bei einem guten Glas Bier in der Stammkneipe. Vor zweihundert Jahren war das noch ziemlich risikoreich wenn man sich einfach mal so über Politik aufregen wollte.

 

Im März 1806 erging nämlich in Burgsteinfurt folgende Bekanntmachung:

 

Nahmens und von wegen Unsers Erlauchten Landesherrn, des regierenden Herrn Reichsgrafen der beyden Grafschaften Bentheim und Steinfurt, wird hierdurch bekannt gemacht.

 

Nachdem die beschwerende Anzeige geschehen ist, daß man in hiesigen Wirtshäusern öffentlich in ungebührlichen und nachtheiligen Ausdrücken über Fürsten und andere hohe Mächte gesprochen habe, so wird ein jeder ernstlich und bei Vermeidung einer Strafe von 50 Goldgulden gewarnt, sich in Wirthshäusern und an öffentlichen Orten alles Räsonnirens über hohe Mächte und die von denselben für gut befundenen Länder-Vertauschungen und andere Maßregeln gänzlich zu enthalten. Es wird sich also ein jeder hiernach schuldigst achten, und durch Unterlassung alles so ungebührlichen und unschicklichen Politisirens um so sicherer für Schaden zu hüten wissen.

 

Burgsteinfurt den 20sten März 1806.

Gräflich Bentheimische Regierung

v.Bohn v.Reinhard Funk.

 

 

Warum erlässt unsere Landesregierung nicht eine ähnliche Verordnung? Dann hätten wir die nächste Zeit keine Aufregung im Fernsehen und könnten die schöne Frühlingssonne ohne Sorgen bei Probst, bei Gino oder Achmed genießen.

(Ersatzweise … entspannt im Biergarten genießen. …)


Mit freundlichen Grüßen

F. Rainer Wiese

 

 


Text übermittelt von Rainer Wiese, Steinfurt


 

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