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Bevor wir uns den folgenden Bildern zuwenden, gehen wir zunächst einmal auf die Geschichte der Seilherstellung ein.
Das Seil ist seit eh und je eins der wichtigsten technischen Hilfsmittel der Menschheit und bereits seit mindestens 3300 Jahren bekannt, wie bei Ausgrabungen in Ägypten und auf Wandbildern in Pyramiden nachgewiesen wurde.
Es gibt in der Seilherstellung zwei Berufsbezeichnungen: Der Seiler und der Reeper. Während der Seiler überwiegend dünnes Seilwerk für die Landwirtschaft und für den täglichen Gebrauch wie Wäscheleinen, Bindfäden und kürzere Seile herstellt, fertigt der Reeper (Reepschläger) schweres Seilwerk für die Schifffahrt her. Da diese Seile notwendigerweise eine sehr große Länge haben müssen, benötigt der Reeper sehr viel Platz und im Reepschlägergewerbe nennt man diesen Arbeitsbereich Reeperbahn. Nanu, werden Sie jetzt denken, da gibt es doch diese weltbekannte Amüsiermeile gleichen Namens in einer großen deutschen Hafenstadt? Da liegen Sie genau richtig, nur hat man sich um 1800 weniger amüsiert und dafür mehr Tauwerk hergestellt. Man hat später lediglich den Namen für diese bekannte Prachtallee übernommen. Wenn Sie weiter oben der Begriff "Schläger" ein wenig stört: Die Seilherstellung nennt man in Fachkreisen auch "Seilschlagen" oder analog für die Reeper "Reepschlagen", hat also eigentlich gar nichts mit der Schlägerei im herkömmlichen Sinn zu tun, die man leider immer noch dann anzettelt, wenn die vernünftigen Argumente ausgehen.
Wie ist nun der Aufbau eines solchen Seils? Zunächst werden Fasern, in der Regel aus Hanf da besonders hochwertig (aber eigentlich ist jedes faserige Material geeignet), zu Garn (Fäden) gesponnen. Mehrere Fäden werden dann zu Kardeelen geschlagen (gedreht, verdrillt), in der Regel rechts herum, weil die Fäden ebenfalls meistens rechts herum gesponnen sind. Andernfalls würde sich das Garn ja wieder aufdrehen. Für die Seilherstellung werden 3 bis 4 Kardeelen benötigt und die werden, wie Sie weiter unten sehen können, in einem Arbeitsgang hergestellt. Im zweiten Arbeitsgang werden diese zu einem Seil geschlagen, d.h. durch Linksdrehung der Kardeelen erreicht man ein schönes gleichmäßiges Tauwerk. Natürlich könnte jetzt die Frage aufkommen: "Warum so ein Riesenaufwand? Das hätte man doch einfach so verdrillen können!" Hätte man nicht! Wenn man nur ein paar Fäden zusammenzwirbelt, entsteht so viel Drall, dass sich das Seil von selber zusammendreht und Schlaufen (Kinken) bildet. Fazit: Um ein Seil herzustellen wird nicht das Seil in sich verdreht, sondern die einzelnen Kardeelen. Erst dadurch erhält das Seil eine wesentlich größere Gleichmäßigkeit, Widerstandsfähigkeit der Oberfläche und eine stärkere Reißfestigkeit. Außerdem dreht sich ein geschlagenes Seil nicht mehr so schnell von selbst auf wie z.B. ein gesponnenes Tauwerk.
Und um auf unseren Bericht zurück zu kommen: was wäre eigentlich, wenn man das Seilwerk nicht erfunden hätte? Was wäre dann z.B. das Seilspringen ohne Seil?
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Bild 54 - Links im Bild das Seilgeschirr mit 4 drehbaren Haken zur Aufnahme der Kardeelen. Auf der gegenüber liegenden Seite der Bahn befindet sich der bewegliche Schlitten mit nur einem Haken (s. Bild 57) |
Bild 55 - Was nun kommt, ist eigentlich sehr einfach und technisch genial gelöst. Begeisterte jugendliche Zuschauer demonstrieren im Folgenden die weiteren Abläufe. Zunächst geht es ja darum, die gespannten Fäden zu Kardeelen zu schlagen. |
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Bild 56 - Das Alter des Seilgeschirrs: uralt, irgendwann von Achtzehhundertmittwoch. Hier ein Blick auf den Antrieb, der alle 4 Haken gleichzeitig rechtsrum dreht. Hängt natürlich von der Drehrichtung der Platte ab! |
Bild 57 - Der Seiler sorgt mit dieser Vorrichtung dafür, dass sich die 4 Kardeele nicht miteinander verdrillen können. Das kommt erst später, aber in der anderen Drehrichtung! Jetzt wird so lange gedreht, ... |
Bild 58 - bis die Festigkeit der Kardeele zur Zufriedenheit des Seilers ausfällt. Am Stand des beweglichen Schlittens kann man nun erkennen, dass die Kardeelen doch schon etwas kürzer geworden sind. |
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Bild 59 - Nun ist ein Ortswechsel erforderlich! Die Kurbel am beweglichen Schlitten wird besetzt, das Holzkreuz wird bis zum Ende der Kardeelen geschoben und durch die Kurbeldrehungen (rechtsrum in Blickrichtung) |
Bild 60 - verdrillen sich die Kardeelen nun links herum. Mit gleichmäßiger Geschwindigkeit wird das Holzkreuz nach links bewegt und Sie können hier bereits wunderbar erkennen, wie sich das Seil entwickelt. |
Bild 61 - immer schön gleichmäßig! |
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Bild 62 - Fast geschafft |
Bild 63 - So, Schluss mit Kurbeln, das Ende ist erreicht. Der Rest der Kardeelen wird später für die Schlaufen benötigt. |
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Bild 64 - Da das Seil durch die abstehenden Fasern ... |
Bild 65 - noch ziemlich rau ist, wird alles, was vorsteht, ... |
Bild 66 - einfach abgeflämmt. Nun sieht das Seil schon wie ein richtiges Seil aus. |
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Bild 67 - Jetzt fehlen nur noch die Schlaufen für die Hände. |
... und weiter geht's auf der Seite 6. |
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Text: Willi Tebben Fotos: Willi Tebben |