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Der Denkmalpflege-Werkhof in Steinfurt ist ganz eng mit der denkmalgeschützten Hollicher Mühle verknüpft. Während der Restaurationsarbeiten an der etwa 200 Jahre alten Windmühle stellte man immer wieder fest, dass die zur Zeit der Ersterrichtung üblichen Handwerkstechniken in Vergessenheit geraten waren. Passende Baustoffe wie handgeformte Ziegel oder altes Eichenholz ließen sich nur schwer beschaffen oder mussten neu hergestellt werden. Diese Fähigkeiten allerdings musste man sich nun erst mal wieder aneignen! Außerdem wurden als denkmalpflegerische Auflage bei der Wiederherstellung der Mühle alle Einrichtungen entfernt, die seit ihrer Ersterrichtung nachträglich eingebaut und damit jünger als 200 Jahre waren. Möglicherweise wurden aber gerade diese für die Instandsetzung eines anderen Technischen Denkmals dringend gesucht, es gab jedoch keine Kontaktmöglichkeiten zu solchen potentiellen Interessenten. All diese Probleme waren den Handwerkern natürlich aus eigener Praxis bestens bekannt. Viel zu oft mussten sie alte Fachwerkhäuser abbrechen und die Baumaterialien mangels eines geeigneten Zwischenlagerplatzes auf der Deponie entsorgen. Manchmal benötigten sie dann wenig später die erst vor kurzem beseitigten Balken, Fenster, Türen, Ziegel, Dachpfannen, Sandsteine, Fliesen oder Beschläge, aber die standen eben nicht mehr zur Verfügung.
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So gewann man während der Baumaßnahmen an der Hollicher Mühle langsam aber sicher die Erkenntnis, dass eine Sammel- und Verteilungsstelle für wiederverwendbare historische Baumaterialien, Maschinen und Gerätschaften eine wünschenswerte und sinnvolle Einrichtung wäre. Natürlich kostet so eine Einrichtung Geld, und davon stand wie immer nicht genug zur Verfügung. Also machte man sich auf die Suche nach weiteren Verbündeten und rannte dabei eigentlich überall offene Türen ein. Das zuständige Bauministerium des Landes als oberste Denkmalbehörde und das Westfälische Amt für Denkmalpflege begrüßten die Überlegungen ebenso wie die Kreishandwerkerschaft, die Fachhochschule Münster, die Technischen Berufsschulen, die Städte und Gemeinden und die Heimatvereine. Aus diesem Interessentenkreis gründeten 18 Personen am 05. Juni 1989 einen Trägerverein unter Vorsitz des Oberkreisdirektors Dr. Heinrich Hoffschulte, der sich schon bei der Hollicher Mühle besonders engagiert hatte. Nun musste man eventuellen Förderern noch einen geeigneten Ort für die Einrichtung anbieten und machte sich auf die Suche. Dabei stieß man auf das Gehöft Hollich Nr. 145 von Arnold Overesch, der sich auch eine nicht landwirtschaftliche Nutzung des Hofes vorstellen konnte, nachdem seine Kinder in anderen Berufen tätig waren. Nun brachte der neugegründete Trägerverein seine Ideen und die in Hollich gebotenen praktischen Möglichkeiten in einem ordnungsgemäßen Antrag an die Nordrhein-Westfalen-Stiftung zu Papier, um eine Förderung des Projekts Denkmalpflege-Werkhof in Verbindung mit der Hollicher Mühle zu erreichen: (der folgende Text wurde original übernommen aus „Eine westfälische Mühlen- und Bauerschaftsgeschichte“ von Dr. Rolf Hennings) |
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"Eine funktionale und räumliche Verbindung des geplanten Denkmalpflege-Bauhofes mit der Hollicher Windmühle bietet sich geradezu an. Wie kein anderes Bauwerk fasst eine Windmühle die wesentlichen Denkmalpflege-Handwerke (Zimmerer, Schreiner und Maurer) zusammen. Die an dieser Mühle wiederentdeckten alten Handwerkstechniken dürfen nicht erneut verloren gehen, sondern müssen weitergegeben werden. Ferner ist es sinnvoll, die Mühle selbst als spezielles Demonstrationsobjekt für die allgemeine Denkmalstechnologie einzubeziehen. Aus diesem Grund ist das Projekt Hollicher Mühle zur überregionalen Aus- und Weiterbildung von Schreinern, Zimmerleuten, Mühlenbauern und Mühlenbetreibern ein wesentlicher Bestandteil des Grundkonzeptes für den Denkmalpflege-Bauhof." Nach Beschlussfassung im Stiftungsrat ging im Januar 1990 in Steinfurt die Zusage ein, dass die Errichtung eines Denkmalpflege-Werkhofes unter Einbeziehung der Hollicher Mühle mit der beträchtlichen Summe von 1,72 Millionen DM gefördert wird. Nun nahm das Projekt konkrete Formen an. Im Sommer 1990 einigte man sich mit Arnold Overesch und konnte das Gehöft samt Gebäuden und rund 1,7 ha Grundstück erwerben.
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Bild 1 - Denkmalpflege-Werkhof, Blick vom Parkplatz
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Bild 2 - Rückansicht des Denkmalpflege-Werkhofes
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Die Verantwortlichen heute im Denkmalpflege-Werkhof versuchen, die Jahrhunderte alte Geschichte dieses Gehöfts, das bereits 1355 in einem Vertag zwischen dem Edelherren Ludolf zu Steinfurt mit seinem Sohn Baldewyn erstmals urkundlich erwähnt wird, und seiner Bewohner in Ehren zu halten.
Sie werden dabei tatkräftig unterstützt von den Hollicher Bauern, vor allem von den Windmüllern, die sich mit diesem Projekt ebenso identifizieren wie mit der Mühle. Sie legten 1994 unentgeltlich in der Borghorster Bauerschaft Wilmsberg ein altes Back- und Brauhaus nieder und transportierten es zum Werkhof, wo es wieder aufgebaut wurde.
Ein ähnliches Haus hat im 19. Jahrhundert auf dem Hof Overesch gestanden. Heute backen die Hollicher hier gelegentlich nach alter Art Brot, übrigens sehr lecker! Sie können das auch genießen, z.B. auf dem Erntedankmarkt in Burgsteinfurt, aber auch bei anderen Anlässen, wo die Hollicher mit ihrem Stand vertreten sind. |
Bild 3 - Das Back- und Brauhaus aus Wilmsberg |
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Etwa an der gleichen Stelle, wo sich ursprünglich der alte Fachwerkhof befand, wurde ein fast baugleiches Gebäude wieder errichtet, das ursprünglich in der Bauerschaft Sellen stand. Es handelt sich dabei um einen Dreiständerbau mit typischem Knaggengiebel, wahrscheinlich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Im Innern zeigt das Gebäude die Grundrissaufteilung eines klassischen Fleetdeelenhauses mit Kammerfach. |
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Bild 4 - das alte Fachwerkhaus des Hofes Overesch kurz vor seinem Abbruch (1924) |
Bild 5 - an fast der gleichen Stelle wieder aufgebaut: der baugleiche Fachwerkhof aus Sellen
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Neben der NRW-Stiftung beteiligten sich aber noch weitere Ämter an der Finanzierung des Denkmalpflege-Werkhofs sowie bei der Wiedererrichtung des Backhauses und der Umsetzung des historischen Fachwerkbauernhauses von Sellen nach Hollich.
Das Amt für Agrarordnung in Münster half über die ärgsten Finanzprobleme hinweg.
Mit mehrjährigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und einem Gemeinschaftsprogramm ‚Arbeit statt Sozialhilfe’ mit anderen Stellen unterstützte die Arbeitsverwaltung (Bundesanstalt für Arbeit) ganz wesentlich die Sanierung des ehemaligen Bauerngehöfts und dessen Herrichtung zu einem gemeinnützigen Betrieb der Denkmalpflege.
Nach der Wende und der Aufbauhilfe für die neuen Bundesländer wurde es jedoch auch in NRW knapp in den kommunalen Kassen, so dass für die weitere Finanzierung des Werkhofes ein neuer Weg gesucht werden musste.
Die guten partnerschaftlichen Verbindungen der Steinfurter konnten genutzt werden, um einen Denkmalpflegehof in der Wasserburg Liepen anzusiedeln, die schon vor der Wende als innerdeutsche Begegnungsstätte ins Auge gefasst wurde.
Als weiterer Kooperationspartner kam noch der thüringische Denkmalhof Gernewitz hinzu. Diese drei Einrichtungen werden künftig sicher gemeinsam von sich reden machen! |
Bild 6 - Die Förderer
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Die offizielle Internetseite des Werkhofs finden Sie unter www.denkmalpflege-werkhof-steinfurt.de
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Text: Willi Tebben |
| Literatur: - Die NRW-Stiftung – Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege; Magazin 1/2003 - „Eine westfälische Mühlen- und Bauerschaftsgeschichte“ von Dr. Rolf Hennings, Herausgeber: Förderkreis Hollicher Mühle e.V. im Selbstverlag, Steinfurt 1997 |