95 Jahre Kino in Steinfurt - Die Jubiläumsfeier
 

Zwischen Jazz, Erotik und Verruchtheit

„As Time goes by": Hinreißende Künstler bescheren ihrem Publikum einen unvergesslichen Abend

 

Bild 1 - Paul Hille, Murielle Stadelmann und Jorge Parra

bereiteten dem Publikum im Kino mit künstlerischen Leistungen

auf Weltniveau einen sehr unterhaltsamen Abend.

 

Burgsteinfurt - Ellen Borowiak hatte nicht zu viel versprochen. Eher tief gestapelt. Immerhin betreibt sie in Burgsteinfurt Deutschlands ältestes Kino.

 

Zu ihrem 95-jährigen Jubiläum hat sie Weltstadt-Künstler eingeladen.
Wer Murielle Stadelmann kennen lernen will, muss sie singen hören. Ihre Stimme besitzt eine erotische Samtheit, einen strahlenden Klang und unendliche Tiefe. Paul Hille, der Ex-Borghorster, mit Ellen Borowiak seit der Schulzeit am Gymnasium Borghorst befreundet, bearbeitete das Keyboard, bis sogar sein Sitz zu quietschen anfängt. Er tritt als der ideale Begleiter auf, ruhig, super-professionell und humorvoll. Allerdings hat Hille zwei Seiten. Er kommt und arbeitet ursprünglich in und mit der klassischen Musik.

Längst auch in Amerika. Hille, der Musik-Professor aus Wien, definiert seine Version von Musik. Er behauptet, dass nicht zwischen dem Wert in der Unterhaltungsmusik und der so genannten „Ernsten Musik" unterschieden würde. Hauptsache, die Musik sei perfekt.

 

Was das heißt, kann nun jeder erfahren. Die Jazz-Rhythmen, federleicht intoniert, verraten dann doch den manischen Perfektionismus bei diesem Musiker. Jeder spürte im mittlerweile heißen Kino, die beiden sind aufeinander eingestimmt, die musikalische Ebene stimmt ebenso wie die emotionale.

 

Der Abend gehört dem Jazz, dem Chanson und dem lateinamerikanischem Lied. Zelebriert wird er mit Songs wie „Summertime" „Speak low" und dem aus dem Französischen ins Wienerische übersetzten „Bin Snob/J'suis Snob". Melancholische wie humorvolle Facetten in den Songs legt die Mezzo-Sopranistin Stadelmann schonungslos offen. Nicht ohne beim Publikum eine Gänsehaut zu hinterlassen.

 

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Warum sie in ein Mikrophon singt, ist schleierhaft, mit ihrer Stimmvolumen bekommt auch die letzte Reihe einen Hör-Flash. Ihre temperamentvolle Ausstrahlung ist beeindruckend; das Publikum liegt ihr zu Füßen.

 

Der Besitzer der Kino-Immobilie, Heinz Palstring, holt ihr mitten in der Aufführung ein Glas Wasser. Zum Dank singt sie hinreißend und mit Augenaufschlag: „It's so nice to have a man around the house."

 

Um solche Weltklasse spüren zu lassen, benötigten sie keine großspurige Publicity. Ellen Borowiak dankte ihnen in ihrer freudigen Ankündigung für ihr Engagement. Die Leistung für das Publikum war einfach fantastisch.

 

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Den Hauch Verruchtheit, mit dem Travestie-Kunst immer noch in Verbindung gebracht wird, brachte der Auftritt von Violeta Parra. Das galt dem glamourvollen Outfit, der Kopie eines Abendkleides von Marlene Dietrichs letztem Auftritt.

 

Der chilenische Künstler Jorge präsentierte sich als Diva.

 

Seine Songs wie „Se dice de mi" und „Sabes cuando" brachten lateinamerikanisches Flair in den Kinosaal. Das Duett mit Stadelmann „Que reste-t-il" begeisterte das Publikum.

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Als Zugabe gaben die in Wien lebenden Künstler eine Kostprobe aus ihrer Weihnachts-CD, die Mitte November erscheint. Ein Text darin stammt von dem Münsteraner Toni Gehling, der eine Notiz aus den Westfälischen Nachrichten aufgegriffen hatte: Ein kleiner Junge wollte nachts allein die Sterne besuchen. Daraus entstand ein wunderschönes Lied, von Paul Hille komponiert und Murielle Stadelmann stimmungsvoll interpretiert.

 

Auf der nächsten Seite zeigen wir Ihnen noch ein paar Eindrücke von dem unvergesslichen Abend. Wenn Sie gucken wollen, klicken Sie bitte hier.


Text: Annegret Rose (Dieser Artikel erschien am 30.Oktober 2006 im Steinfurter Kreisblatt)

Bilder: Annegret Rose (Bild 1); Verena Waltermann (Bilder 2, 3, 5 - 7); Willi Tebben (Bild 4)


 

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